Aufrufe
vor 1 Jahr

Berliner Zeitung 14.09.2018

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Freiheit
  • Stadt
  • Zeitung
  • September
  • Menschen
  • Welt
  • Geschichte
  • Pettersson
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Der Fall Maaßen: Ein Skandal für die Republik – Politik Seite 4und Leitartikel Seite 8 Heute mit „Made in Berlin“ Seite 6 11°/20° Viele Wolken Wetter Seite 28 Brand in Neukölln: Die Feuerwehr und die Gaffer Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Gropius-Bau: Bilder des NS-Kunsthändlers Gurlitt Feuilleton Seite 22 Freitag,14. September 2018 Nr.215 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Die große Karte zum Berlin-Marathon Berlin Seite 12 Berlin, Stadt der Freiheit Die Sonderausgabe der Berliner Zeitung: Heute präsentieren wir Ihnen eine Zeitreise durch die Hauptstadt. Wirmachenuns auf zu 15 besonderen Orten, die für Freiheit und Stadtgeschichte stehen. Eine Tour vom Brandenburger Torbis zum Tempelhofer Feld VonHolger Schmale Vier von fünf Berlinern verbinden ihre Stadt gedanklich mit Freiheit. Dasist ein stolzer Wert, den Meinungsforscher da herausgefunden haben. Nicht umsonst setzen der Senat und seine Tourismuswerber auch auf diesen Begriff, haben Berlin sogar zur „Hauptstadt der Freiheit“ erklärt. Doch wer sich mit der Freiheit und ihrer Geschichte in Berlin beschäftigt, erkennt schnell, wie widersprüchlich diese Geschichte ist, welche Siege, aber auch welche Niederlagen sie hier immer wieder erkämpft und erlitten hat. Wer in Berlin von Freiheit spricht, kann von Rosa Luxemburg nicht schweigen. In der Auseinandersetzung mit Lenins Demokratieverständnis prägte die Marxistin 1917 den Satz: „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.“ Die Kraft der Freiheit versiege, sobald sie zu einem Privileg werde. Im Januar 1919 wurde sie mit Karl Liebknecht von Soldaten des rechten, antidemokratischen Freikorps in Berlin ermordet. Aber sie ist nie vergessen worden. 1988 wurde der schleichende Zerfall der Autorität der SED erstmals öffentlich, als Oppositionelle versuchten, während der jährlichen Gedenkdemonstration für Liebknecht und Luxemburg Plakate mit dem Freiheits-Zitat zu zeigen. Die SED reagierte mit einer Verhaftungswelle, die zu Protesten in der ganzen DDR führte.Heute erinnern Gedenktafeln an vielen Stellen der Stadt an die Politikerin und ihr Wirken für Freiheit und eine sozialistische Demokratie. Das Ideal der Freiheit ist auch deshalb so mit Berlin verwoben, weil die Stadt während der Naziherrschaft von1933 bis 1945 die europäische Hauptstadt der Unfreiheit war, in der nur eine winzige Minderheit von Aufrechten Widerstand leistete. Und anschließend wurde dieses Ideal der Freiheit zu einem Kampfbegriff des Kalten Krieges zwischen Ost und West, der nirgends so präsent war wie hier, in der geteilten Stadt. Die berühmte Rede Ernst Reuters vor dem zerstörten Reichstagsgebäude,deren 70. Jahrestag gerade eine Woche zurückliegt, ist dafür ein frühes Beispiel. Jahrzehntelang erinnerte die Freiheitsglocke im Rathaus Schöneberg mit ihrem dunklen Schlagton an das Freiheitsversprechen des US-Präsidenten Abraham Lincoln. Die offiziell von US-Bürgern mit Spenden, tatsächlich aber erheblich vom Geheimdienst CIA finanzierte Glocke wurde in einem „Kreuzzug der Freiheit“ nach Berlin gebracht und war so trotz ihrer hehren Botschaft auch ein Mittel des Kalten Krieges. „Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden wichtiger sei als alles andere, dann lautet meine Antwortohne Wenn und Aber:Freiheit.“ Willy Brandt Einer, der von Berlin aus an dessen Überwindung gearbeitet hat, war Willy Brandt. Friede und Freiheit waren die Lebensthemen des Sozialdemokraten, Regierenden Bürgermeisters und Bundeskanzlers. Auf dem SPD-Parteitag von 1987 sprach er in seiner Abschiedsrede als Parteivorsitzender darüber:„Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden wichtiger sei als alles andere, dann lautet meine Antwort ohne Wenn und Aber: Freiheit. Die Freiheit für viele,nicht nur für die wenigen. Freiheit des Gewissens und der Meinung. Auch Freiheit vonNot und von Furcht.“ Brandt knüpfte so an die Gedanken von Rosa Luxemburg an und machte deutlich, dass es eben nicht nur Freiheit für, sondern auch Freiheit vonetwas gibt. Heute zeigt sich in Berlin, dass Freiheit nicht nur eine idealeVorstellung davon ist, dass jeder Mann und jede Frau in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft im Prinzip tun und lassen können, was sie wollen. Im Alltag zeigt sich schnell, wo die Grenzen verlaufen. Die Freiheit von Investoren, ihre Geschäfte mit den Häusern und Wohnungen dieser Stadt zu treiben, beschneidet zum Beispiel zunehmend die Freiheit der Bürger, zuentscheiden, wo und wie sie wohnen wollen. So erscheint Freiheit plötzlich als eine Variable vonmehr oder weniger Reichtum. Gerade für ehemalige Bürger der DDR war dies nach dem Mauerfall eine ebenso überraschende wie ernüchternde Erfahrung. Und sozeigt sich, dass Freiheit nicht nur Gegenstand intellektueller Debatten sein darf, so wichtig sie in einer Metropole der Kultur wie Berlin auch sind. Wieschnell die Metropole aber auch hier zur Provinz werden kann, hat die Auseinandersetzung um das Gedicht Eugen Gomringers an der Fassade der Alice Salomon Hochschule gezeigt, die mit dessen Löschung geendet ist. Nun geht es um das provokante „Dau“-Projekt in Mitte –ein hervorragender Ausdruck künstlerischer Freiheit oder ein elitäres Projekt, das die Bewegungsfreiheit normaler Bürger beeinträchtigt? So wogt sie hin und her, die Debatte. Und solange das so ist, hat die Freiheit in Berlin ein Zuhause.Endlich. Die Idee ist einfach: Werindieser Stadt lebt, wer sie besucht, wer sie entdeckt oder wiederentdeckt, der sollte die Stadt kennen. Oder kennenlernen. Der sollte ihre Geschichte kennen, ihre Plätze und Orte, die Geheimnisse und die besonderen Momente. Denn: Wer etwas weiß, sieht mehr. Und so ist es ein naheliegender Gedanke, den Berlinern und den Touristen eine App für das Handy anzubieten, mit der sie sich durch die Stadt und gleichzeitig durch die Geschichte der Stadt bewegen können. Denn es ist ja eine Sache, vor dem Brandenburger Torzustehen, eine noch bessere aber doch, gleich nachzulesen, was Ronald Reagan hier 1987 sagte,als er Gorbatschowaufforderte,die Mauer einzureißen. Und ist es nicht auch interessant zu erfahren, dass dieser Satz: „Mr. Gorbatschow, tear down this wall“ immer wieder aus dem Redemanuskript hinausgeworfen wurde,weil er dem US-Außenminis- Die neue App zur Stadtgeschichte Auf dem Wegzwischen Gegenwart und Zukunft VonJochen Arntz terium zu provokativ war –bis sich der Präsident schließlich durchsetzte? Das alles kann man in der neuen, kostenlosen App der Tourismus-Experten von visitBerlin sehen und lesen. „About Berlin“ heißt die App, sinngemäß: Alles über Berlin. ZumBeispiel kann man mit der App einem „Pfad der Freiheit“ folgen. Er führt einen nicht nur ans Brandenburger Tor, sondern an 14 weitere Orte, andenen sich die Geschichte der Stadt und das Ringen um die Freiheit manifestiert. Zum Beispiel auch in Clärchens Ballhaus. Warum das so ist, können Sieheute in dieser besonderen Ausgabe der Berliner Zeitung lesen. Wir stellen Ihnen die 15 besonderen Orte auf den folgenden Seiten vor. Und wir reden mit den Machern von „About Berlin“ über diesen besonderenStadtführer für Berliner und Touristen. Machen Sie sich mit uns auf den Weg. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de, Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51037 Die schönsten Stunden erleben Sie an einem Ort, an dem alles stimmt. Mit Formen, die einfach und klar sind. Ralph Bosshammer GmbH Karl-Marx-Allee 77 –79. 10243 Berlin. Tel. 030 42201520. www.dk-bulthaup.berlin

2019

2018