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Berliner Zeitung 14.10.2019

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Werliebt wen? Das Kanzlerkandidaten-Casting der CDU – Seite 3 Polen hat gewählt Seite 5 14°/20° Viel Sonnenschein Wetter Seite 2 Start-ups machen der Berliner TafelKonkurrenz Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de 3:0 in Estland: Erfolg für für die DFB-Auswahl Sport Seite 20 Montag,14. Oktober 2019 Nr.238 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Wahlsieg für konservative Regierungspartei in Polen Politik Seite 5 Marathon Auf Rekord programmiert VonMatti Lieske Manch ein Leichtathletikfreund hatte sich schon gefragt, wo eigentlich Eliud Kipchoge steckt. Beim schweißtreibenden Weltmeisterschafts-Marathon in Doha war der Kenianer nicht aufgetaucht, und er fehlte auch beim Berlin-Marathon, wo er eigentlich Stammgast ist. Dreimal hat er dort gewonnen, einmal wurde er Zweiter, das war 2013, zu Beginn seiner großen Karriere über diese Distanz, bis heute die einzige Niederlage. Warum Kipchoge seine alljährliche Rou- Eliud Kipchoge tine mit London lief den Marathon in im April, wo er unter zwei Stunden. viermal siegte, und Berlin im September unterbrach, war am Sonnabend in Wien zu besichtigen. Dort unterbot der 34-Jährige in einem eigens für ihn designten Rennen als erster Läufer die Zweistundenmarke.1:59:40 Stunden brauchte er für die 42,195 Kilometer,ineinem ersten Statement verglich er sich mit dem Briten Roger Bannister, der 1954 die Meile als Erster unter vier Minuten lief, kurze Zeit später musste schon die Mondlandung als Referenz herhalten. Eliud Kipchoge hat ein klassisches kenianisches Läuferleben hinter sich. Als Kind lief er jeden Tagdrei Kilometer zur Schule, 2003 in Paris rannte er mit 18 Jahren völlig überraschend zum Weltmeistertitel über 5000 Meter, gewann Bronze über diese Strecke bei Olympia 2004 in Athen und Silber 2008 in Peking. Als die Erfolge auf der Bahn ausblieben, wechselte er zum Marathon, wurde schier unschlagbar und vor allem sehr wohlhabend, auch weil er bis auf Olympiagold in Rio 2016 die lukrativen Stadtmarathons den Meisterschaften vorzog. In Kenia ist er ein Nationalheld, eine riesige Menschenmenge feierte seinen Coup von Wien in seiner Heimatstadt Eldoret auf den Straßen. Im Mai 2017 hatte Kipchoge die Zweistundenmarke schon einmal angegriffen, damals als Projekt seines Sponsors Nike. Auf der Formel- 1-Strecke in Monza war er mit einem Auto und 30 wechselnden Läufern als Tempomacher über die Bahn gestürmt. Nichts wurde dem Zufall überlassen, sodass die einzige Überraschung des Tages war, dass Kipchoge es nicht schaffte,26Sekunden lief er zu langsam. Diesmal, nicht mehr unter Nikes Ägide, sondern der des Chemiekonzerns Ineos, hat es im Wiener Prater geklappt, bei idealen Wetterbedingungen auf einem komplett ebenen, windgeschützten Rundkurs, abgeschirmt und angespornt von drei Dutzend Pacemakern. Als Weltrekord wird die Zeit nicht anerkannt, aber das störtKipchoge kaum. Diese Bestmarke hat er seit Berlin 2018 mit 2:01:39 Stunden sowieso. Demonstranten auf dem Bebelplatz in Berlin VonElmar Schütze Der antisemitische Anschlag von Halle und die offenbar wachsende Bedrohung von rechts hat am Wochenende Zehntausende Menschen in mehreren deutschen Städten zu Demonstrationen veranlasst. Es sind beeindruckende Bilder der Anteilnahme und Solidarität mit den jüdischen Gemeinden in Deutschland. Allein in Berlin gingen am Sonntag mehr als zehntausend Menschen zur Kundgebung der Initiative„Unteilbar“. In Halle versammelten sich erneut Hunderte Bürger, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu setzen. In Berlin forderte Lala Süsskind vomJüdischen Forumfür Demokratie und gegen Antisemitismus eine härtere Bestrafung Rechtsextremer. Eine „laxe Handhabung“ rechtsextremer Gefahren habe erst dazu geführt, dass Täter wie jener von Halle sich bestätigt fühlten. „Wir müssen Tacheles reden.Wirmüssen in dieser Demokratie nicht alles ertragen“, sagte die frühereVorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zum Auftakt der Demonstration am Bebelplatz. Anschließend zog die Menge durch die Innenstadt bis kurz vor die Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße. Als dort bei der Abschlusskundgebung der Konzertpianist Igor Levit voneinem Lastwagen herunter ein Stück aus den Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach spielte, war die Menge ganz still. Der parteilose Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand, betonte am Wochenende den Zusammenhalt in seiner Stadt. Verhältnisse wie 2018 in Chemnitz werdeesnicht Unter dem Davidstern Mehr als zehntausend Berliner gehen nach dem Anschlag von Halle auf die Straße, um Solidarität mit jüdischen Mitbürgern zu demonstrieren. Die Politiker debattieren über Maßnahmen gegen den Rechtsextremismus und über die Rolle der AfD geben, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Natürlich standen wir zuerst unter Schock. Aber die Stadtgesellschaft steht zusammen.“ Am Nachmittag demonstrierten nach Angaben derVeranstalter mehr als 2000 Menschen in der Innenstadt, die Polizei sprach von mehr als 1300 Teilnehmern. DieSolidarität mit den Opfernsei überwältigend, sagte der Bürgermeister.Wiegand stellte sich an diesem Sonntag zur Wiederwahl. In Chemnitz hatte es im August 2018 tagelang Demonstrationen gegeben, nachdem ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden war. Bei den Kundgebungen marschierten auch Rechtsextremisten mit, einige zeigten den Hitlergruß oder griffen Menschen an, bei denen sie eine ausländische Herkunft vermuteten. Schon nach diesen Vorfällen in Chemnitz gab es eine Debatte,obdie AfD für die wachsende Zahl von rechtsextremistischen und antisemitischen Straftaten und Übergriffen die politische Wegbereiterin ist. Für die CDU-Chefin Annegret Kramp- Karrenbauer ist die Antwort klar. Diese im Bundestag sitzende Partei sei „der politische Arm des Rechtsradikalismus“, sagte sie auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken. Rechtsradikalismus sei ein wirkliches Problem. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Tag für Tag in der politischen Debatte wirklich ein Tabu nach dem anderen gebrochen wird“, sagte sie. Ebenfalls in Saarbrücken sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU): „Die AfD ist nicht auf dem Weg, eine bessere und ehrlichere CDU zu werden. Die AfD ist auf dem Weg, die wahre NPD in Deutschland zu sein.“ Das Bundesverfassungsgericht hat die NPD in einem Urteil von 2017 als verfassungsfeindlich bezeichnet. „Wir stehen solidarisch und unteilbar zusammen. Udo und die ganze Panikfamilie.“ Udo Lindenberg, Musiker, auf Facebook SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil verlangte eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. „Das ist eine verfassungsfeindliche Partei“, sagte er auf dem Parteitag der baden-württembergischen SPD. Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen wies die Anschuldigungen zurück. „Es ist tief beschämend, dass im Zusammenhang mit dieser schrecklichen TatinHalle jetzt eine solche politische Instrumentalisierung beginnt.“ Es gebe nicht den geringsten Zusammenhang zwischen der AfD und dieser Tat, sagte der AfD-Vorsitzende. Die Kritik hat der AfD in Umfragen bislang nicht geschadet. Erstmals seit dem 3. August liegt sie sogar wieder vorder SPD.Im Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid für Bild am Sonntag erhebt, verliert die SPD einen Prozentpunkt und kommt nur noch auf 14 Prozent. Die AfD erhält wie in der Vorwoche 15 Prozent. Die Union gewinnt einen Prozentpunkt hinzu und erreicht 28 Prozent. Auf Platz zwei folgen die Grünen mit unverändert 21Prozent. Die FDP landet bei sieben Prozent, die Linke bleibt bei acht Prozent der Stimmen. Der Berliner Bischof Markus Dröge forderte am Sonntag: „Der Verfassungsschutz und die Sicherheitskräfte müssen wesentlich konsequenter gegen rechte Netzwerke und rechtspopulistische Funktionäre vorgehen.“ Es reiche nicht mehr, „nie wieder“ zu rufen, sagte der Geistliche. Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD): „Wir müssen dem Rechtsterrorismus so begegnen, wie wir auf den RAF-Terrorismus in den 70er-Jahren reagiert haben: mit einem knallharten, wehrhaft-demokratischen Rechtsstaat, der sich nichts gefallen lässt“, sagte er der Bild am Sonntag. Dazu müssten die Sicherheitsbehörden modernere Instrumente an die Hand und Zugriffsrechte auf die Kommunikation von Terroristen im Internet bekommen. Derbaden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) schlug eine Änderung im Strafgesetzbuch vor. „Wir müssen festschreiben, dass antisemitische Ziele und Beweggründe bei der Strafzumessung strafschärfend zu berücksichtigen sind“, sagte Wolf am Sonntag. Und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner forderte ein Verbot der Identitären Bewegung. „Die sogenannte Identitäre Bewegung sind Rechtsextremisten, die unsere freiheitliche Verfassungsordnung bekämpfen“, sagte Stegner dem Handelsblatt. (tom., dpa) AFP Berlin bekommt eine Express-S-Bahn Neuer Fahrplan tritt im Dezember in Kraft VonPeter Neumann Ein solches Konzept ist in Berlin bislang unüblich: S-Bahn-Züge durchfahren Stationen fahrplanmäßig ohne Halt, damit sie ihr Ziel schneller erreichen. Im kommenden Fahrplanjahr, das am 15. Dezember beginnt, wirdesumgesetzt. Auf der Linie S3 geht zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof montags bis freitags eine neue Zuggruppe in den Einsatz, die unterwegs vier S-Bahnhöfe auslässt. Weil dies die Fahrzeit verkürzt, erreichen die S-Bahnen schneller als die übrigen Züge ihr Ziel. Unterm Strich werden also weniger Wagen benötigt als bei Halten an allen Stationen. So kann die S-Bahn Berlin GmbH, die mit einem knapp bemessenen Fahrzeugpark kalkulieren muss, die wegen Bauarbeiten entfallenen Verstärkerfahrten auf der S3 wieder auf die Schiene setzen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hat den zusätzlichen Verkehr bei ihr bestellt. Eine Frage der Gewöhnung Der Berliner Fahrgastverband IGEB forderte,die Kundschaft gut zu informieren, damit sie keine böse Überraschung erlebt, weil die S-Bahn an ihrer Station nicht stoppt. Er begrüßte es aber,dass das Zugangebot auf der Linie S3 nun wieder erweitertwird. Fahrgäste in Berlin sind es nicht gewöhnt, dass S-Bahnen Stationen ohne Halt durchfahren. Derzeit gibt es solche Fahrten nur vor und nach Veranstaltungen im Olympiastadion. Damit Beschäftigte des DDR- Staatsapparates zur Arbeit kamen, ohne denVerlockungenWest-Berlins zu erliegen, setzte die S-Bahn von 1953 bis 1958 Durchläuferzüge ein. Sie hielten in den Westsektoren nicht. Eine weitereAusnahme waren die elektrischen Bankierzüge, die von 1933 bis zum Zweiten Weltkrieg verkehrten. Siefuhrenin17Minuten ohne Halt von Zehlendorf zum damaligen Potsdamer Fernbahnhof unweit vomPotsdamer Platz. Normalerweise ist es schwierig, Expressfahrten abzuwickeln, ohne zuvor die Infrastruktur zu erweitern. Reguläre Züge stünden im Wege. Im Fall der S3 sind „Schnellzüge“ aber möglich. Sie fahren kurz vor den regulären S-Bahnen ab. Berlin Seite13 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Tagesthema Seite2,Berlin Seite12 4 194050 501603 11042

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