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Berliner Zeitung 14.11.2019

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Der Unioner Neven Subotic –erliebt den Fußball und hasst das Geschäft – Sport Seite 19 Heute mit Kulturkalender 2°/7° Öftersmal Sonne Wetter Seite 28 Die Zukunft am Checkpoint Charlie Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Die Berlinale wird 70 und steckt in der Krise Feuilleton Seite 21 Donnerstag,14. November 2019 Nr.265 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Die E-Zigaretten und das Herzrasen Wissenschaft Seite 17 Italien Lernen für die Umwelt VonRegina Kerner Lorenzo Fioramonti ist Italiens oberster Klimaschützer. Vor zehn Jahren drehte Lorenzo Fioramonti mit seiner Frau, einer deutschstämmigen Umweltaktivistin, einen Film über den Klimawandel. Die Spezies Mensch müsse sich vom Diktat des Wirtschaftswachstums verabschieden, um zu überleben, lautete die Botschaft. Inzwischen ist der Wachstumskritiker Fioramonti in seiner Heimat Italien Bildungsminister geworden. Seit September sitzt er für die Protestbewegung Fünf Sterne in der Regierung. Umwelt und Klima sind weiter seineThemen. Und sohat er kürzlich angekündigt, Klimaschutz in Italien ab September 2020 zum verpflichtenden Unterrichtsstoff zu machen –ein weltweites Novum. Fioramonti ist ehrgeizig. Nach dem Philosophie-Studium in Rom forschte er unter anderem an der Universität Heidelberg und der Berliner Hertie School of Governance. Mit Mitte dreißig bekam er einen Lehrstuhl für Politische Ökonomie an der Universität Pretoria in Südafrika. Nun will der 42 Jahre alte Minister,der vier Sprachen spricht, Italien zum ersten Land machen, das „Umwelt und Gesellschaft als Herzstück all dessen begreift, was wir in der Schule lernen“, wie der Vater von zwei Kindernsagt. Italienische Schüler sollen künftig vonder ersten Klasse bis zum Abitur mindestens eine Stunde pro Woche für die Klimaproblematik sensibilisiert werden –altersgerecht. Mittelfristig sollen alle Fächer mit neuer Blickrichtung unterrichtet werden. Fioramontis Vorhaben ist auch deshalb ehrgeizig, weil Italien bei Umwelt- und Klimaschutz hinterherhinkt. Laut Europäischer Umweltagentur sterben in keinem EU-Land so viele Menschen an den Folgen der Umweltverschmutzung. Und während jeder zweite junge Deutsche Klimaschutz für ein entscheidendes Zukunftsthema hält, ist nur jeder vierte junge Italiener dieser Meinung. Im Bündnis mit der Lega hatte Fioramonti keine Chance mit Ideen wie der, Plastik und zuckerhaltige Lebensmittel höher zu besteuern. „Ich wurde früher ausgelacht und wie ein Depp behandelt“, sagt er.Die neue Regierung aus Fünf Sternen und Sozialdemokraten dagegen hat die Umwelt- und Klimapolitik für zentral erklärt und die Mittel dafür auf 4,5 Milliarden Euro verdoppelt. DiePlastik- und Zuckersteuer wurde im Budgetentwurfaufgegriffen. Bei Fioramonti zu Hause gilt das Prinzip „Zero Waste“ –null Abfall – durchVerzicht auf Plastikverpackungen bereits seit Jahren. Seine Frau überzeugte ihn davon, indem sie ihm Dokumentarfilme über Plastikmüll in den Ozeanen vorführte. VonElmar Schütze, Peter Neumann und Theresa Dräbing Die Ankündigung hat alle überrascht –zumindest in Berlin. Der US-amerikanische Elektroautohersteller Tesla will in der Hauptstadt-Region in der Nähe des BER eine Produktionsstätte bauen. In Berlin ist ein Entwicklungszentrum geplant. Tesla will Hunderte, später vielleicht Tausende Jobs schaffen. So hat es Tesla-Chef Elon Musk fast schon beiläufig bei einer Veranstaltung am Dienstagabend in Kreuzberg angekündigt. Für die überraschte Berliner Politik und vorallem auch für die Wirtschaftsförderung beginnt damit jetzt die Arbeit. Gespräche zwischen Tesla-Chef Musk und Senatsvertretern hat es gegeben, unverbindlich offenbar. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wusste bis Dienstagabend nur,dass eine Standortentscheidung „vor Jahresende“ fallen soll, sagte sie. Viel umweltfreundliche Energie Brandenburgwar offenbar entscheidende Schritte weiter. Seit vier Monaten, so hieß es aus Potsdam, habe man mit Tesla verhandelt. „Wir wundernuns immer noch, wie es uns gelungen ist, die Sache so lange unter der Decke zu halten“, hieß es in Potsdam aus Regierungskreisen. Der Senat wurde dagegen erst am Dienstag darüber informiert, dass es „zeitnah eine Ankündigung geben“ würde, wo die Produktionsstätte entstehen soll, sagt Ramona Pop. Die Wahl fiel auf Grünheide (Mark) am östlichen Berliner Ring. Aber was würde bei dem Deal für Berlin abfallen? „Am Abend gab’s die frohe Botschaft direkt vonMusk“,so Pop –Berlin werde Standort eines Forschungs-und-Entwicklungszentrums.Der Regierende Bürgermeister MichaelMüller (SPD) sprach voneiner „großartigen Entscheidung“. In der Gemeinde im Landkreis Oder-Spree sollen die Arbeiten für die geplante Fabrik, „Gigafactory 4“, im ersten Quartal des kommenden Jahres beginnen, sagte BrandenburgsWirtschaftsminister JörgSteinbach (SPD). „Die müssen mit Rekordgeschwindigkeit Unterlagen einreichen.“ Produktionsstart soll bereits 2021 sein. In der ersten Stufe solle die Fabrik mehr als 3000 Arbeitsplätze haben, sagte er. Mehrere Milliarden Euro würden investiert. Steinbach sagte, erhabe am Dienstag eine Absichtserklärung mit dem Chef Automotive von Tesla unterschrieben. Die Fabrik im Güterverkehrszentrum Berlin Ost soll 300 Hektar umfassen. Tesla-Vertreter haben das Gelände mehrfach besichtigt. Ursprünglich wollte BMW dort ein Autowerk bauen –imJahr 2000 entschied sich das Unternehmen dann für Leipzig. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte,die Pläne hätten Signalwirkung für Europa. „Das erste Mal gelingt es, hier bei uns in Brandenburgzuzeigen, dass Klimaschutz und Schaffung von Wohlstand und Arbeitsplätzen Hand in Hand gehen können.“ Zudem verwiesWoidke auf die vielen Windräder in Brandenburg. So könnten die umweltfreundlicheren Autos mit umweltfreundlicher Energie gebaut werden. In Berlin können Wirtschaftssenatorin Pop und Regierungschef Müller für sich in Anspruch nehmen, möglicherweise etwas zur Entscheidung für Berlin als Forschungs- und Entwicklungsstandort beigetragen zu haben. Kaum hatte Musk im Sommer 2018 getwittert, er erwäge, in Deutschland eine Fabrik zu errichten, erhielt erWerbepost vonPop aus Berlin. Brandenburg nannte sie nicht. Müller kann darauf verweisen, noch im Sommer mit Musk telefoniert zuhaben. Aus der Senatskanzlei heißt es,der Regierende halte seit seit Monaten in Sachen Tesla engen Kontakt zum Kollegen Woidke. Tesla-Großfabriken US-Autobauer produziert in„Gigafactories“ vorallem Lithium-Ionen-Batterien San Francisco USA Buffalo NEW YORK Gigafactory2 in Betrieb nahe Reno NEVADA Gigafactory1 in Betrieb, in Ausbau Geplante Endgröße 500 000 m 2 Grundfläche, Platz für 100 Boeing-747-Flugzeuge DEUTSCHLAND nahe Grünheide BRANDENBURG Gigafactory4 Bau angekündigt CHINA Berlin elektrisiert Tesla kommt: Wiedie Hauptstadtregion Elon Musk überzeugt hat –und warum es nun noch härter wird für deutsche Autokonzerne Schanghai Gigafactory3 in Bau, soll noch 2019 in Betrieb gehen BLZ/GALANTY; QUELLE: TESLA, MEDIEN, AFP AFP/FREDERIC J. BROWN Offenbar entschied sich Tesla auch deswegen für Grünheide, weil Berlin und Polen nahe sind. Die Amerikaner gehen davon aus, dass die Arbeitskräfte von beiden Seiten der Oder kommen. Berlin wiederum gilt nicht nur international als„cool“, hier gebe es auch viel Forschung und Entwicklung sowie eine ausgeprägte Start-up-Kultur, sagte Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). In dem geplanten Forschungsund-Entwicklungszentrum wird es nach Knies Einschätzung nicht um neue Autoteile gehen. Gefragt seien neue Formen der Automobilität: digital vernetzte Dienstleistungen, in denen Elektroautos eine zentrale Rolle spielen –als gemeinschaftlich kommerziell genutzte Vehikel, also nicht als Privatautos bisheriger Art. Außerdem geht Knie davon aus, dass Tesla das Zentrum dazu nutzen werde, wie Volkswagen („We Share“) ins Carsharing einzusteigen –wohl auch in Berlin. Tesla-Chef Musk äußerte sich, wie zu vielem anderen auch, dazu nicht. Viele Mutmaßungen also,aber kaum Antworten. Doch auf Letztereist die landeseigene Wirtschafts- und-Technologieförderung Berlin Partner angewiesen. „Die Arbeit geht jetzt erst richtig los“, sagte Sprecher Lukas Breitenbach. Man müsse wissen, was Tesla brauche und wo das Zentrum entstehen könnte. Erster Jobausgeschrieben Für die deutschen Autobauer jedenfalls kündigt sich direkte Konkurrenz im Elektrofahrzeug-Markt an. Wie siedarauf reagieren, ist offen. Daimler und BMW wollen die Pläne auf Anfrage nicht kommentieren. Herbert Diess, Vorstandschef von VW, war am Dienstagabend bei der Veranstaltung „Das Goldene Lenkrad“ im Axel-Springer-Verlag, bei der auch Musk sprach. Dessen Berlin- Plan sei nichts, „weswegen wir uns fürchten würden“, sagte Diess. Der Verband der Automobilindustrie begrüßt die Entscheidung. „Die Ankündigung zeigt, wie wichtig der AutomobilstandortDeutschland für den Hochlauf der Elektromobilität in Europa ist“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes am Mittwoch. Allerdings wird esnoch dauern, bis Tesla tatsächlich in Brandenburg produzieren kann. Auch wenn Musk am Dienstagabend sagte: „Wir werden den Umzug schneller meistern als der FlughafenBER, das ist sicher.“ Seit Dienstagabend ist auf der Internetseite von Tesla immerhin der erste Jobfür dieRegion Berlin-Brandenburgausgeschrieben. Seiten 2–3, Leitartikel Seite8 Viele Kinder sind in Berlin zu lange im Heim Experten fordern mehr Sozialarbeiter VonAnnika Leister InBerlin lebten Ende des vergangenen Jahres knapp 4500 Kinder und Jugendliche in Kinderheimen oder betreuten Wohngemeinschaften. Sielebten dort, weil die Jugendämter entschieden haben, dass sie an Leib und Seele gefährdet sind, wenn sie länger in ihren Familien bleiben. Eigentlich sollen sie dort nur kurze Zeit untergebracht werden und möglichst schnell in ihre Familien zurück oder –falls es nicht möglich ist –bei Pflegefamilien untergebracht werden. Nun kommt aber heraus, dass weit mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder länger als ein Jahr in den Heimen sind. Für die Kinder hat das gravierende Folgen. Denn je länger sie von ihren Eltern und ihrer gewohnten Umgebung getrennt sind, desto unwahrscheinlicher wird, dass eine Rückkehr gelingt, meinen Experten. Die Zahlen finden sich in einer Antwort der Senatsbildungsverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe. Hilfen für Eltern Die Entscheidung, ein Kind aus der Familie zu nehmen, ist immer die letzte Möglichkeit. Zuvor gibt es zahlreiche Hilfsangebote für die Eltern.Sinddie aber nicht in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern, weil sie etwa drogensüchtig sind, oder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen, können die Jugendämter den Eltern das Sorgerecht zeitweise entziehen und die Kinder in Obhut nehmen. Dass die Rückkehr der Kinder in so vielen Fällen nicht gelingt, liegt eben genau an den zerrütteten Familienverhältnissen, die sich nicht in wenigen Wochen ändern lassen, sagen Experten. „Es müsste viel stärker gearbeitet werden mit den Eltern“, sagt Tobias Giebenhain, der Sozialpädagoge ist bei der AWO Pro Mensch zuständig für die stationären Unterbringungen. Dafür fehlten in Berlin aber oft die Kapazitäten. Das gesamte System steht nach seinenWorten ziemlich unter Druck. Es brauche mehr Sozialarbeiter in Schulen und mehr ambulante Angebote. Berlin Seite 12 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 41046

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