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Berliner Zeitung 15.02.2019

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Ursula von der Leyen: Verteidigungsministerin in eigener Sache – Seite 3 Senatslinie: Kaufen oder bauen? Seiten 8u.9 1°/11° Heiter weiter Wetter Seite 28 Grenzwerte: Lungenärzte haben sich verrechnet Politik Seite 4, Kommentar Seite 8 www.berliner-zeitung.de Airbus verabschiedet sich vom A380 Wirtschaft Seite 7, Leitartikel Seite 8 Freitag,15. Februar 2019 Nr.39HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Die neue Grippewelle in Berlin Berlin Seite 13 FAHR MIT MIR Berlinale Tierisch gut Frank Junghänel Feuilleton-Redakteur Kurzbevor die Preise der Berlinale vergeben werden, ist es höchste Zeit, hier einen großen Kreis von Kreativen zu würdigen, der am Ende wie immer mit leeren Pfoten, Tatzen, Tentakeln, Hufen oder Krallen nach Hause gehen wird. Das ist in diesem Jahr besonders ungerecht, da Tiere im Wettbewerb oft eine zentrale Rolle spielten. Das Private ist nicht nur politisch, sondernirgendwie auch animalisch. Zu nennen wäre da in erster Linie das würdevolle Paar aus Esel und Hund in Angela Schanelecs Beitrag „Ich war zuhause, aber“. Vor allem an den Auftritt des Esels werde ich noch lange denken. Mit welcher Grandezza das Tier die Stube betrat! Wie seine rätselhafte Persönlichkeit den Raum erfüllte! Realismus kann im Film schnell zur Falle werden. Dem Esel ist es auf wunderbare Weise gelungen, das Uneigentliche im Eselsein mit einer postrealistischen Introspektion zum Ausdruck zu bringen, die eine Erwähnung als beste künstlerische Einzelleistung verdient hat. Beim Hund hingegen hat mich irritiert, dass er das Kaninchen vomFilmanfang gefressen hat.Werdie Szene kennt, wirddas verstehen. Hunde waren reichlich vertreten. Viel zu oft indes wurden die besten Freunde des Menschen leider wieder nach Typbesetzt, als bester Freund des Menschen. Hier ist die Fantasie der Autoren gefordert. DerBronzene Bär geht an „Porter“, einen Border Collie,der in dem norwegischen Film „Out Stealing Horses“ eine Ewigkeit seinem Mitspieler beim Monologisieren beisaß –und zwar ohne ein Mal mit den Ohren zuwackeln. Das ist Körperbeherrschung par excellence. 2019 war aber auch das Jahr, in dem ein paar Tiere den Durchbruch schafften, die sonst selten auf der großen Leinwand zu sehen sind. Der Tintenfisch etwa, die Schnecke und der Skorpion, um einige Newcomer zu nennen. DerSilberbär geht daher an die kleine Made,die in Fatih Akins Film „Der goldene Handschuh“ mit schmerzhafter Genauigkeit von der Zimmerdecke in die Suppe fiel. Das beste Tier jedoch war für mich das mongolische Kamel im Steppenthriller „Öndög“. Wenn es dort mit spöttisch-kritischem Blick die erotischen Bemühungen eines Paares an seiner Flanke begleitet, zeugt das vonjenem phänomenalen mimischen Spiel, wie es nur den ganz großen Kamelen gegeben ist. Made in Berlin Seite 6, Berlinale Seiten 21 und 22 VonMartin Klesmann, Jochen Knoblach und Peter Neumann Vor dem Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat die Wirtschaft auf mögliche Folgen der Arbeitsniederlegung hingewiesen. „Wenn der Wirtschaftsverkehr und Zehntausende Pendler gleichermaßen ausgebremst werden, kann dies zu enormen Schäden bei den Unternehmen führen.Wirbefürchten Kosten in Millionenhöhe durch Umsatzeinbußen im Handel und bei Dienstleistern und durch Produktionseinschränkungen in den Betrieben“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Mitdem Ausstand, der am Freitag von 3.30 bis 12 Uhr alle Busse, U- und Straßenbahnen lahm legen soll, greife die Gewerkschaft Verdi über Gebühr ins Leben vieler Berliner ein. „Wenn die halbe Stadt lahmgelegt wird, um eine Tarifforderung durchzusetzen, ist das alles andereals verhältnismäßig“, warnte Amsinck am Donnerstag. „Die Gewerkschaft muss bei ihren Aktionen dringend mehr Augenmaß walten lassen.“ Ausfälle auch am Wochenende? Abgestellt und ausgebremst In der Belegschaft der BVGund ihres Tochterunternehmens Berlin Transport gibt es allerdings Forderungen, es bei der achteinhalbstündigen Arbeitsniederlegung nicht zu belassen. Dasgeht aus einer Mitteilung der Basisgewerkschaftsgruppe Verdi aktiv hervor, die im Internet veröffentlicht worden ist. Darin heißt es, dass sich die Gruppe der Forderung vieler Kolleginnen anschließt, „den anstehenden Warnstreik auf das gesamte Wochenende auszuweiten“. Die Verdi- Forderungen seien „absolute Minimalforderungen, um der Desorganisation des Berliner Nahverkehrs entgegenzuwirken“, so die Gruppe weiter.Durch die „jahrzehntelange krasse Sparpolitik der Senate auf dem Rücken der Beschäftigten und Fahrgäste“ sei die Situation bei der BVG nur ein Vorgeschmack auf das,was den Berlinernbald drohe. „Der Warnstreik dauert bis 12 Uhr“, bekräftigte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Niemand könne sich vorstellen, dass einige Mitarbeiter die Arbeit länger niederlegen. „Das hatten wir bislang nicht. Streiks bei der BVGwaren immer geregelt.“ In BVG-Kreisen hieß es, dass es sich bei Verdi Aktiv um eine Splittergruppe handele. Wer unberechtigt streike,müsse mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen rechnen. Der Warnstreik stellt viele Familien mit schulpflichtigen Kindernvor große Probleme und lässt sie noch früher aufstehen als sonst üblich. Nicht wenige Elternwollen ihreKinder zu Hause lassen. „Prinzipiell gilt aber die Schulpflicht“, sagte Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin SandraScheeres (SPD). Auch Norman Heise, Berlins oberster Elternsprecher, stellte klar:„In der Regel dürfte es den Schülerinnen und Schülern zumutbar sein, sich rechtzeitig um andere Möglichkeiten für den Schulweg zu kümmern.“ Eltern könnten Fahrgemeinschaften mit dem Auto organisieren. Auch das Fahrrad komme in Betracht, zumal das Wetter einigermaßen angenehm werden soll –und natürlich die S-Bahn. Doch gebe es auch Fälle, in denen ein weiter Schulweg ohne BVG nicht angetreten werden kann. „Etwa für unbegleitete Grundschüler oder werdreibis viermal umsteigen muss,umans Ziel zu kommen “, präzisierte Heise. „Wenn die halbe Stadt lahmgelegt wird, um eine Tarifforderung durchzusetzen, ist das alles andere als verhältnismäßig.“ Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) Gemäß Schulgesetz Paragraf 46 können Schüler aus wichtigem Grund vom Unterricht beurlaubt werden. Heise: „Schulversäumnisse können auch nachträglich entschuldigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, der vorher nicht bekannt war.“ Bei dieser Entscheidung habe die Schule aber einen Ermessensspielraum. „Bei uns können Eltern ihre Kinder auch nachträglich entschuldigen“, heißt es zum Beispiel am Evangelischen Gymnasium Köpenick, das etwas abgelegen im Ortsteil Wendenschloss liegt. Ähnlich dürfte das an anderen Schulen praktiziert werden. Klar ist jedenfalls: Wenn Eltern keine Entschuldigung vorlegen, wird der Freitag als unentschuldigter Fehltag auf Der Warnstreik bei der BVG trifft Berlin hart. Arbeitnehmer und Schüler brauchen viel Geduld an diesem Freitag. Die Wirtschaft fürchtet Schäden in Millionenhöhe DPA/ ROBERT SCHLESINGER dem Zeugnis eingetragen. Die Bildungsverwaltung will in dieser Frage im Vorfeld nicht allzu liberal auftreten, um zu vermeiden, dass kaum noch jemand in die Schule geht. Der Warnstreik kommt nicht ohne Grund. Denn wenngleich die Verhandlungsführer der Arbeitgeber- wie auch der Arbeitnehmerseite, Claudia Pfeiffer und Jeremy Arndt, denTarifkonflikt nicht als aussichtslos bezeichnen, liegen die beiden Seiten mit ihren Positionen derzeit weit auseinander. Sofordert die Gewerkschaft Verdi für alle BVG-Beschäftigten, die nach 2005 eingestellt wurden und deshalb 39 Stunden pro Woche arbeiten müssen, eine Arbeitszeitverkürzung auf 36,5 Stunden proWoche bei vollem Lohnausgleich. Außerdem sollen Gewerkschaftsmitglieder eine Einmalzahlung von500 Euro bekommen. „Schlicht nicht umsetzbar“ Kommen Sie gut durch den Streik-Tag! Die Sonder-Aktionen der Berliner Zeitung Trotz des Streiks –die meisten Berlinerinnen und Berliner müssen zur Arbeit. Natürlich kann man an diesem Freitagvormittag, an dem Verdi die BVG-Mitarbeiter bis 12 Uhr zum Warnstreik aufgerufen hat, Fahrrad fahren oder auch zu Fuß gehen. Mankann sich aber auch gegenseitig helfen, indem man andere imAuto mitnimmt. Um das zu erleichtern, gibt es den blauen Punkt der Berliner Zeitung (siehe oben). Dersignalisiert, ich bin bereit, andere mitzunehmen, oder ich möchte gerne mitgenommen werden. Der Punkt ist in dieser Ausgabe groß auf Seite 9abgedruckt. Einfach die Zeitung sichtbar ins Auto legenoder am Straßenrand hochhalten, wenn man mitfahren möchte. Die Teilnahme an der Aktion erfolgt auf eigeneVerantwortung. Außerdem bietet die Berliner Zeitung einen Service in den sozialen Medien an. In unserer Facebook- Gruppe „Der BVG-Warnstreik in Berlin“ veröffentlichen wir aktuelle Informationen zum Streik,außerdem können sich Facebook-Nutzer zu Fahrgemeinschaften zusammenfinden. Viele werden wohl trotzdem zu spät kommen, aber sie können wenigstens gut informiert am Arbeitsplatz erscheinen. Dafür kann sich jeder amFreitag kostenlos die Berliner Zeitung als E-Paper –also als Digitalausgabe –für unterwegs aufs Smartphone holen. Dafür müssen die Leser die kostenlose Berliner-Zeitung-App aufs Handy laden. Diegibt es für iOS- Geräte im App-Store, für Android-Geräte bei Google-Play. Umsich einzuloggen, bitte als Benutzername und als Passwort„Streik“ eingeben. Außerdem gibt es das Angebot der Fahrrad-Sharing-Firma Nextbike. Nextbike betreibt Fahrradverleih per Handy-App im Auftrag des Landes Berlin. Am Streiktag gilt: Jeder Kunde kann einmal den Code 945394 auf der App eingeben und dann innerhalb von 24 Stunden zweimal für 30 Minuten kostenlos Radfahren. (BLZ) Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt „Das sind Maximalforderungen“, sagt Claudia Pfeiffer,Geschäftsführerindes Kommunalen Arbeitgeberverbands und Verhandlungsführerin für die BVG. Allein die Arbeitszeitverkürzung hätte die Neueinstellung von 500 Mitarbeitern zur Folge –zusätzlich zu dem ohnehin notwendigen Einstellungsbedarf von 1350 Mitarbeiternindiesem Jahr.„Dasist für die Arbeitgeberseite schlicht nicht umsetzbar“, so Claudia Pfeiffer. VonVerdi wirddas Forderungspaket auf 60 Millionen Euro beziffert. Arndt geht es vor allem um bessere Bezahlung. „Die Mitarbeiter der BVG sind sehr unzufrieden, die Löhne nicht konkurrenzfähig. Ein Lokführer bei der S-Bahn verdient rund 400 Euro netto mehr als bei der BVG.“ Am 5. März treffen sich beide Seiten, um die Verhandlungen fortzuführen. Tagesthema Seite 2 4 194050 501603 51007

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