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Berliner Zeitung 15.05.2018

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Erdbeben bei Union: Trainer degradiert, Manager entlassen – Sport Seite 17 Gesundheitskarte vor dem Aus? Seite 7 14°/21° Wolken und Sonne Wetter,Seite 2 Nacht der Wissenschaft: Michael Müllers Tipps Wissenschaft Seite 16 www.berliner-zeitung.de Brandenburg: Tödliches Ende einer Radtour Brandenburg Seite 14 Dienstag,15. Mai 2018 Nr.111 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Die Firma Windsor: Eine Hochzeit fürs Image Seite 3 Der Präsident aus dem 18. Jahrhundert VonMartin Dahms, Madrid Als Quim Torra noch Direktor des Born Centre Cultural in Barcelona war, führte er manchmal Besucher durch die zum Geschichtsmuseum umgebaute Markthalle. Dann wandelte er sich zum Verteidiger Barcelonas während des spanischen Erbfolgekrieges Anfang des 18. Jahrhunderts. „Ein Jahr lang halten wir ziemlich gut durch“, erzählte er, wie selbstverständlich in erster Person und im Präsens. „Bis uns Ludwig XIV. den Herzog von Berwick mit 40 000 zusätzlichen Soldaten her- Quim Torra, katalanischer Regionalpräsident Katalonien schickt.“ Nach deren Einmarsch am 11. September 1714 gehe „für Katalonien die ganze Welt unter,und für die Katalanen beginnt eine lange Nacht.“ Wenn man Torra glaubt, dann ist Kataloniens lange Nacht noch immer nicht vorüber. Am Montag wurde der 54-jährige Jurist vom katalanischen Regionalparlament zum neuen Ministerpräsidenten gewählt, und er versprach, Katalonien „vom Gefängnis und Exil zum Leben zurückzuführen“. In einer anderen Parlamentsrede hatte er erklärt: „Kein europäischer Bürger muss aushalten, was wir Katalanen in diesem Moment aushalten.“ Torralebt noch immer in den Schützengräben von 1714. Torra, der nach einer Karriere in einem Versicherungskonzern recht spät zur Politik kam, ist der ideale Ersatzmann für Carles Puigdemont, den Ende Oktober abgesetzten Regionalpräsidenten. Er ist ein mindestens ebenso fanatischer Nationalist, vielleicht auch noch eine Nummer fanatischer. InTweets, die er gerade hat löschen lassen, zog er vor ein paar Jahren über „die Spanier“ her, die das Wort „Scham“ nicht kennten und sich durch „Ungezogenheit“ und das „Gefühl von Unrat“ auszeichneten. Torras Zukunftspläne für Katalonien beschränken sich auf die Schaffung einer unabhängigen Republik. Nach jetziger Rechts- und Machtlage wird er damit scheitern. Im Born Centre Cultural sagte Torra einmal: „Wir Katalanen müssen nicht notwendigerweise und fatalerweise alle Kriege verlieren, wie es manchmal scheint.“ Doch er selbst geht wieder einer Niederlage entgegen. Palästinenser protestieren in Gaza und erinnernanVertreibung und Flucht von Hunderttausenden aus dem heutigen israelischen Staatsgebiet 1948. VonKordula Doerfler Zu„Tagen des Zorns“ hatten die Palästinenser aufgerufen, aus Anlass des 70. Jahrestags der Staatsgründung Israels und derVerlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Sie begehen außerdem an diesem Dienstag den Nakba-Tag, an dem sie ihrer Flucht undVertreibung aus dem heutigen israelischen Staatsgebiet gedenken. Schon am Montagmorgen, Stunden, ehe unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem die Feier für 800 geladene Gäste stattfand, war klar,dass es ein blutiger Tag werden sollte. Zehntausende Palästinenser folgten dem Aufruf zu Protesten in Gaza und im Westjordanland, bald stiegen dunkle Rauchschwaden entlang des Grenzzauns auf, es kam zu Ausschreitungen, die ersten Toten wurden gemeldet. Bis zum Abend wurden nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde mehr als 50 Palästinenser vonder israelischen Armee erschossen, mindestens 2400 Menschen wurden verletzt. Israels Luftwaffe flog Angriffe auf die Hamas im Gazastreifen. Schon nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump im Dezember, die Botschaft der Vereinigten Staaten nach Jerusalem zu Die Botschaft der Gewalt Dutzende Tote, Tausende Verletzte: Die USA eröffnen ihre Vertretung in Jerusalem –Palästinenser und Israelis bekriegen sich noch heftiger als erwartet verlegen, war es zu Protesten in den Palästinensergebieten gekommen, auch in deutschen Städten wurden israelische Flaggen verbrannt. Die Frage, welchen Status der Ostteil Jerusalems haben soll, ist einer der großen Streitpunkte im Nahostkonflikt. Israel hat Ostjerusalem im Sechstagekrieg 1967 erobert und 1980 annektiert, die palästinensische Seite will es zur Hauptstadt eines unabhängigen Palästina machen. Israel lehnt das strikt ab. Die internationale Gemeinschaft drängt darauf, dass der Streit nur in Verhandlungen mit beiden Seiten gelöst werden könne. Die deutsche Bundesregierung war mit dem Alleingang Trumps alles andere als glücklich. Es könne in dem Konflikt nur eine einvernehmliche Verhandlungslösung geben, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. „Wir rufen an einem Tagwie heute alle dazu auf, das Recht auf friedliche Meinungsäußerung nicht zu missbrauchen“, sagte sie.Gleichzeitig müsse Israel bei seinen Schutzmaßnahmen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit wahren. DieSPD-Vorsitzende Andrea Nahles kritisierte die Verlegung der US- „Präsident Trump, mit der Anerkennung der Geschichte haben Sie Geschichte geschrieben.“ Benjamin Netanjahu, Israels Ministerpräsident, anlässlich der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem Botschaft. „Einseitige Entscheidungen indieser schwierigen Gemengelage sind nicht nur wenig hilfreich, sie legen praktisch die Lunte an ein Pulverfass“, sagte Nahles.Mit seiner Entscheidung erweise der US-Präsident der Region einen Bärendienst. Der Fraktionsvize der CDU/CSU Johann David Wadepuhl forderte, die Ausschreitungen sofort zubeenden. „Israel hatdas Recht, sich zu verteidigen, muss aber zeigen, dass es nicht nur an Sicherheit, sondern anFrieden mit den Palästinensern interessiert ist“, DPA/KHALIL HAMRA sagte Wadepuhl. Für die Eskalation vomMontag machte er vorallem die Hamas verantwortlich. Auch die internationale Gemeinschaft zeigte sich besorgt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezichtigte Israel des Völkermords. „Israel ist ein Terrorstaat“, sagte Erdogan in einer Rede vortürkischen Studenten in London. DieTürkei beorderte ihreBotschafter in Israel und den USA zurück. Kurz zuvor hatte auch Südafrika seinen Botschafter in Israel zurückbeordert. Trump selbst war nicht zu den Feierlichkeiten nach Jerusalem gereist, stattdessen nahmen seine Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner sowie Finanzminister Steven Mnuchin teil. In einer Videobotschaft rechtfertigte Trump seine Entscheidung, die Botschaft zu verlegen. Gleichzeitig versicherte er, dass die USA einer Friedenslösung im Nahen Ostenweiterhin verpflichtet seien. Als Reaktion aufdie Gewaltkam es auch in Berlin zu Demonstrationen. Vordem Brandenburger Torversammelten sich am Montagabend rund 250 Teilnehmer,wie eine Polizeisprecherin sagte. Einige schwenkten palästinensische Fahnen. AmNeuköllner Hermannplatz protestierten etwa 130 Menschen. (mit dpa, AFP) PolitikSeite 5, Leitartikel Seite8 Brandstifter am Kollwitzplatz In Prenzlauer Berg brannten 14 Autos. Wasist das Motiv? VonElmar Schütze Die Suche nach Täternund möglichen Motiven der Brandanschläge auf Autos am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg geht weiter. Die beiden noch in der Nacht festgenommenen 26-jährigen Männer wurden wenige Stunden später mangels dringendem Tatverdacht wieder freigelassen. In der Nacht zu Montag hatten Unbekannte rund um den Kollwitzplatz drei Autos in Brand gesteckt. Bei den Feuern wurden insgesamt 14 Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Anwohner berichteten von meterhohen Flammen. Der Verdacht fiel sofort auf die linksautonome Szene. Schließlich hatte sie für das zurückliegende Wochenende „Diskussions- und Chaostage“ angekündigt. Auch der Prozess an diesem Montag über die Kneipe Kadterschmiede im Wohnprojekt Rigaer 94 in Friedrichshain schien ins Bild zu passen –auch wenn dieser Prozess mit einemTeilsieg für die Autonomen endete. Nach der Freilassung der beiden ursprünglichVerdächtigen vomKollwitzplatz beginnt die Suchenach Täternund Motiv vonneuem. Tatsächlich haben Linksautonome in den vergangenen Jahren immer wieder Brandanschläge auf Stromkabel oder Firmenfahrzeuge verübt. Allerdings haben sich Anschlagsserien auf Autos in den vergangenen Jahren immer wieder als Taten einzelner Verwirrter herausgestellt. Besonders spektakulär war der Fall von André H., der im Jahr 2011 über drei Monate hinweg in Spandau, Mitte und Charlottenburg mehr als hundert Autos angesteckt hatte. Sein Motiv war diffuser Sozialneid. Kommentar Seite8,Berlin Seite9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 21020 Trekking··· mit Zufriedenheits-Garantie! 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