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Berliner Zeitung 15.08.2019

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Deutschland spricht: Das neue Debattenforum der Berliner Zeitung – Tagesthema Seite 2 Heute mit Kulturkalender 14°/20° Stellenweise Regen Wetter Seite 2 Union: Zingler stärkt den Ultras den Rücken Sport Seite 20 www.berliner-zeitung.de Schwan und Stegner wollen die SPD führen Politik Seite 5 Donnerstag,15. August 2019 Nr.188 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Hongkong: Der Horizont verdüstert sich Leitartikel Seite 8 „Madame“ für den Milliardär VonSebastian Moll Virginia Giuffre war gerade 15 Jahre alt und arbeitete als Aushilfe auf Donald Trumps Anwesen in Palm Beach, als ihr eine Dame der Gesellschaft dort ein unwiderstehliches Angebot für einen Nebenjob machte. Sie würde viel Geld verdienen, wurde ihr versprochen, viel mehr als hier bei Trump und würde außerdem ganz viele berühmte Leute kennenlernen. DerJob stellte sich jedoch als alles andere als glamourös heraus. Die Bezahlung war in Ordnung, doch die Ghislaine Maxwell soll für Epstein Frauen angesprochen haben. Epstein Tätigkeit war weit weniger glanzvoll, als sie sich das vorgestellt hatte. Giuffre sollte älteren Männern, darunter der Financier Jeffrey Epstein, erotische Massagen verpassen. Giuffre gehörte zu den Klägerinnen gegen Jeffrey Epstein, der in New York wegen Kinderprostitution vor Gericht gestellt werden sollte. Am vergangenen Wochenende soll er sich im Gefängnis das Leben genommen haben. Durch ihre jetzt publik gewordenen Aussagen rückte jedoch neben Epstein noch eine weitere Person in das öffentliche Interesse – jene mysteriöse Rekruteurin, die GiuffreEpstein zugeführthatte. Ihr Name ist Ghislaine Maxwell und nach den Worten von Virginia Giuffre fungierte sie für Epstein als eine Art „Madame“ –wie man im Branchenslang Zuhälterinnen bezeichnet. Laut Giuffresowie anderen Zeuginnen hat Maxwell systematisch über Jahrehin für Epstein minderjährige Frauen, „rekrutiert, beherbergt, bezahlt und gemanagt“. So kristallisiert sich Maxwell als die zweite Hauptverdächtige in dem Großskandal heraus,der Amerika erregt und spaltet. Als die Frau an Epsteins Seite scheint sie über viele Jahre dessen unappetitliches Treiben mit jungen Frauen mitgetragen, organisiertund gedeckt zu haben. Ursprünglich hatten Epstein und die britische Verlegers-Tochter offenbar eine romantische Beziehung, die sich jedoch bald in eine Art Geschäftspartnerschaft verwandelte. Eine ehemalige Freundin von Epstein erzählte dem Magazin Vanity Fair, dass Maxwell in Epsteins New Yorker Prunk-Villa ein- und ausging. DerFall ist noch nicht aufgeklärt. Guter Hoffnung Der Berliner Zoo ist zuversichtlich. Panda-Weibchen Meng Meng ist schwanger – sehr wahrscheinlich. So weit war man noch nie, sagt Zoodirektor Andreas Knieriem. Berlin Seite 14 Berliner Justiz zeigt Härte Der Fall des Freigängers Michael Turgut hat eine Debatte über die Haftbedingungen in der Hauptstadt ausgelöst VonChristine Dankbar Das war dann auch der liberalen Berliner Justiz zuviel. Der Finanzjongleur Michael Turgut sitzt wieder im geschlossenen Vollzug. Der umtriebige Geschäftsmann, der in Berlin eine vierjährige Haftstrafe absitzt, hatte seine Hafterleichterungen genutzt, um seine dubiosen Geschäft erneut voranzutreiben. Die Strafvollzugsbehörden hatten davon erst durch die Berichterstattung der Berliner Zeitung Kenntnis erhalten. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) reagierte schnell. Dem Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses teilte er am Mittwochnachmittag mit, dass Turgut nun wieder in den geschlossenen Strafvollzug überstellt worden sei. Der51-Jährige sitzt nun in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering im Landkreis Teltow-Fläming ein. Die JVA liegt zwar in Brandenburg, ist aber eine Vollzugsanstalt des Landes Berlin. DerFall Turgut hat in den vergangenen Tagen eine Debatte über den angeblich zu laxen Strafvollzug in Berlin ausgelöst. Nach Recherchen der Berliner Zeitung hatte der Freigänger, der wegen vorsätzlichen Bankrotts und falscher Aussage an Eides statt verurteilt wurde, auf einem sogenannten „Sommer-Kongress“ Mitarbeiter eines ihm zugerechneten Finanzbetriebs auf den Verkauf dubioser Wertanlagen eingeschworen. Behrendt erklärte am Mittwoch im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses, er habe keine Zweifel, dass Turgut einer nicht genehmigten geschäftlichen Tätigkeit nachgegangen sei. Er sei deshalb unverzüglich in den geschlossenen Vollzug verlegt worden. DiePolitik reagierte mit Genugtuung auf die Entscheidung.„Es ist gut, „Wir versuchen, die Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Und wir haben gute Erfolge dabei.“ Thorsten Luxa, Leiter der JVAdes Offenen Vollzuges, im Interviewmit der Berliner Zeitung dass sich der Rechtsstaat nicht auf der Nase herumtanzen lässt“, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD, Sven Kohlmeier, amMittwoch der Berliner Zeitung. Er begrüße es, dass Behrendt so schnell reagiert habe. Turgut war in Hof verurteilt worden. Nachdem er seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hatte,traterseine Haftstrafe Ende 2018 hier an. Weil auch Meike und Lars Schlecker, die Kinder des Pleitiers Anton Schlecker ihreFreiheitsstrafen im offenen Vollzug der Hauptstadt verbüßen, hatte es in den vergangenen Tagen eine Diskussion über den sogenannten „Vollzugstourismus“ gegeben. Der Leiter der JVA des Offenen Vollzugs,Thorsten Luxa, ist der Meinung, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt. „Man kann nicht sagen, dass Berlin mit auswärtigen Straftätern geflutet wird“, sagte er am Mittwoch im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Berlin hat als einziges Bundesland ein sogenanntes Selbststeller- Modell. Danach können sich Straftäter, die eine Vorladung zum Haftantritt erhalten, selbstständig in der JVA des Offenen Vollzugs melden – sofern sie ihren Wohnsitz in Berlin haben. Thorsten Luxa verteidigte das Modell. „Wir haben gute Erfolge dabei“, sagte er.Straftäter würden in jedem Einzelfall genau überprüft, ob sie für den offenen Vollzug geeignet seien. „Deshalb ärgert mich jeder Missbrauch maßlos.“ Berlin Seite 12 DPA/PAUL ZINKEN Die Kanzlerin und das Private Merkel spricht in Stralsund auch über ihr Leben Den Ort ihres ersten Auftritts nach dem Sommerurlaub wählte Kanzlerin Angela Merkel mit Bedacht. Es wurde Stralsund, ihr Wahlkreis, also eine Art Heimspiel erhoffte sie sich wohl. Und bei der Bürgerfragerunde am Dienstagabend in dem bekannten Meeresmuseum Ozeaneum gewährte sie einen ungewöhnlichen, sehr privaten Blick in ihreGefühlslage. In ihrem ganzen politischen Leben habe sie immer versucht, sagte sie, „auch bestimmte Räume zu haben, in denen ich privat sein kann“. Diese geschützten Bereiche seien nötig, sonst könne man auch schwer in der Öffentlichkeit immer fröhlich sein. „Das heißt, ich wünsche mir dann schon –und ich hab’s auch eigentlich immer geschafft –dass es dann auch eben einen Raum gibt, wo ich auch traurig sein kann, ohne dass ich darüber nun der gesamten Öffentlichkeit Bericht erstatten muss“, sagte Merkel bezüglich der Trauer um ihre kürzlich gestorbene Mutter. Ähnlich gehe sie aber auch mit positiven Erlebnissen um. „Dass ich mich auch über etwas in der Familie freuen kann, worüber ich nicht Bericht erstatten muss.“ Um genau diesen Raum zu schützen, erlaube sie Medien wenige Einblicke in ihr Privatleben. Denn sonst könne sie keinen Abstand verlangen, wenn es mal nicht so gut laufe. Sie zeigte sich zufrieden.„Aber ich hab in meinem Leben eigentlich auch erlebt, dass die allerallermeisten eigentlich auch diesen kleinen privaten Raum akzeptieren.“ Rund 240 Bürger kamen zu der Fragestunde, die vom Partner der Berliner Zeitung, dem RedaktionsnetzwerkDeutschland,und der Ostseezeitung organisiertwurde. (tom.) Politik Seite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 41033 BERLIN

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