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Berliner Zeitung 16.04.2019

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Aus der Traum: Alba Berlin verliert das entscheidende Spiel gegen Valencia im Eurocup – Seite 18 Europa nach der Finnenwahl Seiten 5und 8 3°/14° Sonnenreicher Tag Wetter Seite 2 Die AfD und das gefälschte Müller-Foto Kommentar Seite 8, Berlin Seite 11 www.berliner-zeitung.de Der Verfassungsschutz beobachtet Jugendliche Politik Seite 4, Kommentar Seite 8 Dienstag,16. April 2019 Nr.89HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Die Parteien und ihr Auftritt in den sozialen Medien Tagesthema Seite 2 Game of Thrones Von Buckow nach Westeros VonChristian Seidl Marc Rissmann, Ex-Zehnkämpfer und künftiger TV-Weltstar Wenn du das Spiel der Throne spielst, gewinnst du oder du stirbst“, lautet ein Satz aus der erfolgreichsten Fernsehserie der Welt. Wie die Sache für Harry Strickland ausgeht, ist naturgemäß noch ungewiss – aber eine der großen Fragen, die die finale Staffel von„Game of Thrones“ klären wird, die am Montag anlief. Sein erster Auftritt lässt zumindest den Schluss zu, dass mit dem Burschen und seiner Söldnerarmee, genannt Goldene Kompanie,nicht zu spaßen ist. Ein Gewinner ist in jedem Fall der Mann, der Strickland spielt: Marc Rissmann, 39, setzt die Tradition der Deutschen in „Game of Thrones“ fort: Nach Sibel Kekilli und TomWlaschiha, die sich schon voreiniger Zeit vomFantasiekontinent Westeros verabschieden mussten, mischt nun ein Schauspieler aus Berlin-Buckow mit. Und dies laut Einschätzungen der zahllosen Fan- und Experten-Foren durchaus entscheidend. Nicht, dass er was dazu sagen darf, außer: „Du weißt, dass bei dieser Serie alles passieren kann, und sie wird mit einem absoluten Knall enden.“ Der Knall hätte ja an sich schon sein sollen, dass Rissmann überhaupt mitspielt. Das Willkommen neuer Cast-Mitglieder obliegt traditionell der gleichen strengen Geheimhaltung wie Drehbuch-Inhalte. Aber dann rutschte die Information irgendwie auf die Website von Rissmanns Agentur, und obwohl sie in Rekordzeit wieder gelöscht wurde, war die Sache in der Welt. Offiziell ist sie aber im Grunde erst jetzt, nachdem die erste Folge der Staffel gelaufen ist. UndRissmann muss sich darauf einstellen, dass seinTelefon ab sofortnicht mehr stillstehen wird–wobei er am meisten den Anruf seiner Omaaus Britz fürchtet:„Immer wenn sie mich im Fernsehen sieht, erschrickt sie und schimpft: ,Jetzt bist du schon wieder der Bösewicht.‘“ Dabei ist er im echten Leben ein eher musischer Zeitgenosse, der Shakespearerezitiert, an Klavier und Gitarre geschult ist und über Gesangsstunden bei Jonathan Kinsler zur Schauspielerei fand. Seine Zehnkämpfer-Statur und das scharf geschnittene Gesicht prädestinierten ihn jedoch früh zum Mann fürs Grobe, vor allem in internationalen Produktionen wie „Into the Badlands“, „The Last Kingdom“ oder zuletzt „The Maninthe High Castle“. DieZusage für„Game ofThrones“ musste Rissmann gleichwohl „dreimal lesen“, und als er ans Set kam, war er baff: „Sowas Großes habe ich noch nie gesehen.“ Nicht, dass ihn das allzu nervös gemacht hätte.„Ich dachte: Was soll’s?Musst ja eigentlich auch nur spielen hier.“ Auch, wenn’s das Spiel der Throne ist. Notre-Dame in Flammen Ein Feuer zerstört die berühmte Kathedrale im Herzen von Paris. Weltweit ist das Entsetzen groß. Panorama Seite 26 Kampfgegen Ferienwohnungen DerBerliner Senat setzt in der Auseinandersetzung mit Airbnb und Co. auf ein Urteil aus München VonUlrich Paul Das Land Berlin will den Kampf gegen die illegale Vermietung von Ferienwohnungen verstärken – und setzt dabei auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts München, das die Internet-Pattform Airbnb dazu verpflichtet hat, die Identität vonGastgebernpreiszugeben. Grund: Nurwenn Namen und Adresse von Anbietern bekannt werden, kann gegen Personen ermittelt werden, die imVerdacht stehen, gegen das Zweckentfremdungsverbot zu verstoßen. „Gerichtsverfahren gegen Airbnb waren in Berlin bislang erfolglos“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland, am Montag. Aber dies sei ein Lernprozess.„Wirwerden auch in Berlin in den Verfahren und auf dem Rechtsweg alles unternehmen, um Airbnb an die Einhaltung seiner Pflichten zu binden.“ Das Urteil des Verwaltungsgerichts München vom Dezember 2018 werde dazu genutzt. Die Entscheidung aus München ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Airbnb hat Berufung eingelegt. Bis Ende vergangenen Jahres haben die Berliner Bezirke insgesamt 2418 Registriernummern ausgegeben, die für die tage- oder wochenweise Vermietung von Wohnräumen benötigt wird. Gleichzeitig wurden 1735 Anträge auf Genehmigung einer Ferienwohnungsnutzung abgelehnt, heißt es in der Antwortder Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg. Hintergrund: Seit 1. August 2018 ist eine Registriernummer nötig, wenn jemand in Berlin seine Wohnung ganz oder teilweise an Feriengäste vermieten will. In Fällen, in denen mehr als 49 Prozent der Wohnung vermietet werden sollen, benötigen die Anbieter zudem eine Genehmigung. Das Problem ist, dass viele Angebote immer noch keine Registriernummer aufweisen. Diese Offerten sind jedoch nicht automatisch illegal. Denn es gibt auch Ferienwohnungen in Gewerberäumlichkeiten oder gänzlich neu errichtete Ferienwohnungen. Hier greift die Registrierungspflicht nicht, da es sich nicht um klassischen Wohnraum handelt. Mit der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Regelung zur Zweckentfremdung will der Senat die Nutzungvon Mietwohnungen als Ferienwohnungen eindämmen und die Kontrollmöglichkeiten verstärken. Zugleich soll die zeitweiseVermietung der eigenen Wohnung erleichtert werden. Für Berliner, die ihre Hauptwohnung vermieten, gibt es keine feste zeitliche Begrenzung. Der Charakter der Hauptwohnung darf sich durch die Vermietung aber nicht ändern. Anders ist es bei der Vermietung von Zweitwohnungen. Sie dürfen maximal 90 Tage im Jahr an Feriengäste vermietet werden. Der Berliner Mieterverein (BMV) fordert ebenfalls ein schärferes Vorgehen gegen Internetplattformen wie Airbnb. Bislang scheitere die Verfolgung von Rechtsverstößen daran, dass Airbnb nicht in Deutschland ansässig sei, sonderninIrland. Notwen- „Wir brauchen ein Transparenzregister, in dem grundsätzlich legale Angebote in Gewerbeimmobilien und die nach dem Zweckentfremdungsrecht ausnahmsweise genehmigten Angebote gelistet sind.“ Katalin Gennburg, (Linke) Politikerin im Berliner Abgeordnetenhaus dig sei die „Einführung von nationalen elektronischen Betriebsstätten, wenn Dienstleistungen online für ein Land angeboten werden“, fordert BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. „Damit könnte nicht nur die Rechtsverfolgung vereinfacht, sondernauch die Besteuerung der Immobilienportale gerechter erfolgen“, sagt er. DieZahl derWohnungen in Berlin, die ganz oder teilweise für die Unterbringung vonTouristen genutzt werden, wird auf 20 000 bis 30 000 geschätzt. Für Genehmigungen und Registriernummernsind die Bezirke zuständig. VieleBerliner ärgernsich über Ferienwohnungen. Zum einen stören die Besucher oft durch nächtliche oder morgendliche Anreise die normalen Mieter. Zum anderen geht durch die vollständige Nutzung von Mietwohnungen als Ferienwohnungen wertvoller Wohnraum verloren. Manche Eigentümer setzen auf die Vermietung von Wohnraum an Feriengäste,weil sie so mehr Geld verdienen können. Mitunter kalkulieren Käufer von Wohnimmobilien den Kaufpreis bereits so,dass die Vermietung an Feriengäste die Finanzierung sichert. Das Land Berlin verfolgt die zweckfremde Nutzung von Wohnraum seit 2014. Mit Erfolg: Bis Ende 2018 wurden insgesamt 9341 zweckentfremdete Wohnungen wieder Wohnzwecken zugeführt, heißt es in der Senatsantwortandie Linken-Abgeordnete Gennburg. Darunter waren4551 Ferienwohnungen. DieLinken-Abgeordnete fordertein schärferes Vorgehen gegen Internetportale. „Weltweit bricht Airbnb die Regeln, die Städte gegen die ausufernde Ferienwohnungsvermietung aufstellen“, sagt sie. „Der Konzern muss endlich in die Schranken gewiesen werden.“ Airbnb beurteilt die Sache anders –und verweist auf Hamburg als Vorbild. „Unsere Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg beim Registrierungssystem zeigt, dass effektiver Wohnraumschutz möglich ist“, sagt eine Airbnb-Sprecherin. Auch Berlin sei eine Zusammenarbeit angeboten worden. Bedauerlicherweise habe die Stadt diese aber abgelehnt. AFP/FRANCOIS GUILLOT Anklage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn Für Betrugssoftware kann es zehn Jahre Haft geben Eshat lange gedauert, aber nun muss sich der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wohl doch vor Gericht für den Dieselskandal verantworten. DieStaatsanwaltschaft Braunschweig will ihm als erstem Beschuldigten den Prozess machen wegen der Millionen Dieselautos mit Betrugssoftware, die VW unter seiner Führung untersVolk gebracht hatte. Bislang war der 71-Jährige wegen derselben Vorwürfe nur in den USA angeklagt. Diehiesige Justiz ließ sich viel Zeit, um den US-Kollegen nachzuziehen. Wie bereits die US-Justiz werfen nun auch die Braunschweiger Staatsanwälte Winterkorn vor, seit Mai 2014 von der Schummelsoftware gewusst und nichts dagegen getan zu haben. Die Software schönte die Messwerte für Stickoxid bei Dieselfahrzeugen. Nachdem das herausgekommen war, musste Winterkorn als VW-Lenker zurücktreten. Nun drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Winterkorn hatte immer betont, von der Existenz der Software bis wenige Tage vor Bekanntwerden des Dieselskandals im Herbst 2015 nichts gewusst zu haben. An dieser Version hält er fest –gegen die Aussagen ehemaliger Mitarbeiter und auch seines einstigen Mentors Ferdinand Piëch. DerAufstieg Piëch war es, der Winterkorns Aufstieg erst möglich gemacht hatte.Der promovierte Metallphysiker Winterkorn begann 1981 in der Qualitätssicherung bei Audi, wo er Piëch kennenlernte.Zwölf Jahrespäter folgte er Piëch zur Muttermarke VW und machte dorteine steile Karriere. 2002 wurde Winterkorn Vorstandsvorsitzender vonAudi, ab 2007 stand er an der SpitzedesVW-Konzerns.Ergilt als Autonarr und Perfektionist, der im Jobpenibel über kleinste Details diskutierte.Aus einem kränkelnden Unternehmen führte der gebürtige Leonberger VW unter die Topdreider Autokonzerne weltweit. Winterkorn verdoppelte den Umsatz und steigerte die Zahl der verkauften Autos von sechs auf zehn Millionen. Wird Winterkorn verurteilt, könnten ihm gigantische Schadenersatzforderungen von seinem ehemaligen Arbeitgeber drohen. (AFP) Wirtschaft Seite 6 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21016

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