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Berliner Zeitung 16.05.2019

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Das goldene Nest ist weg: Grundschule in Biesdorf bestohlen – Berlin Seite 9 Heute mit Kulturkalender 8°/13° Viele dunkle Wolken Wetter Seite 2 Berliner Strafverfahren: 600 Raser sollen büßen Kommentar Seite 8, Berlin Seite 12 www.berliner-zeitung.de Die Lebensmittelampel: Wasist gute Ernährung? Tagesthema Seite 2 Donnerstag,16. Mai 2019 Nr.112 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Müggelturm: Schließung wegen Brandschutz? Berlin Seite 14 Mount Everest Ichbin dann mal oben VonAnne Vorbringer Angeberei ist Kami Ritas Sache nicht. Dabei hätte der Nepalese allen Grund dazu: Immerhin erreichte er am Mittwoch den Gipfel des Mount Everest. Diemeisten Bergsteiger wären froh, wenn sie es einmal im Leben auf den höchsten Berg der Erde schaffen. Kami Rita hat den 8848 Meter hohen Himalaja-Giganten schon zum 23. Malerklommen – so oft wie er war noch keiner oben. Dabei hat der 49-Jährige bestimmt keine Bestmarken im Sinn: „Ich bin Für Kami Rita ist der Mount Everest der Hausberg. nicht hinaufgestiegen, um Rekorde zu brechen, ich habe einfach gearbeitet. Früher wusste ich nicht mal, dass man dabei Rekorde aufstellen kann“, sagte der Bergführer, bevor er im April zum Basislager aufbrach. Vor25Jahren bestieg Kami Rita den Mount Everest zum ersten Mal. Es ist sein Job, das zu tun. Die Angehörigen des Sherpa-Volkes sind für den Bergsteiger-Tourismus in Nepal überlebenswichtig. Sie helfen zahlenden Kunden beim Abenteuer des Gipfelsturms, tragen deren Ausrüstung auf die Berge, bereiten die Routen vor. DieArbeit in der dünnen Höhenluft sind die Sherpas gewohnt – ohne sie wäre die Mount-Everest- Besteigung für viele Bergsteiger unmöglich. In der Heimat von Kami Rita ist der Trekking- und Höhenbergsteig-Tourismus der wichtigste Industriezweig: In diesem Jahr hat Nepal 378 Lizenzen zur Everest-Besteigung erteilt. Die meisten Kletterer werden dabei von einem einheimischen Bergführer begleitet. VonMenschen wie Kami Rita, die ihr Leben riskieren, weil andere den Nervenkitzel suchen. Immer wieder kommen Sherpas bei der Ausübung ihrer Arbeit um. Auch Kami Rita hat schon Freunde am Berg verloren.„Es gibt viele Risiken beim Klettern, was immer unberechenbar und gefährlich ist. Aber ich musste es immer wieder machen, weil ich nichts anderes kenne“, sagt er. Sein Vater war einer der ersten professionellen Sherpas, nachdem sich Nepal 1950 für ausländische Trekker und Bergsteiger geöffnet hatte. Sein Bruder hat den Everest 17-mal bezwungen, die meisten seiner männlichen Verwandten mindestens einmal. Schon als Kind wollte Kami Rita Bergführer werden, er beneidete die Leute um die guten Kleider und Sachen, die sie nach den Expeditionen mitbrachten. Sherpas verdienen für nepalesische Verhältnisse viel Geld, auch wenn sie nur einen Bruchteil vondem erhalten, was ausländische Expeditionsteilnehmer zahlen. Dafür bekommen sie im besten Fall jemanden wie Kami Rita an die Seite gestellt –einen soliden, verlässlichen Arbeiter. Auf dem Everest können diese Eigenschaften Leben retten. Jenseits von Marzahn Vordrei Jahren beendete Ilka Bessin ihre Karriere als Comedy-Figur Cindy aus Marzahn. Gut im Geschäft ist sie heute trotzdem. Seite 3 Deutsche Grenzwerte Die Wirtschaft wirft den Städten vor,Schadstoffe strenger zu messen, als selbst die EU es verlangt VonAndreas Niesmann Deutschlands Städte und Gemeinden gehen bei der Messung von Feinstaub und Stickoxiden weit über die rechtlichen Vorgaben der Europäischen Union hinaus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Rechtsgutachten des Deutschen Industrieund Handelskammertages (DIHK), das die Münchner Kanzlei Redeker Sellner Dahs erstellt hat. DieJuristen hatten den Auftrag, unbestimmte Rechtsbegriffe in der EU-Luftqualitätsrichtlinie auszulegen. Auf dieser Richtlinie basieren die Anforderungen, nach denen Städte und Gemeinden die Standorte für Schadstoffmessstationen auswählen. Das noch nicht veröffentlichte Gutachten, das der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland) vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass die von Behörden befolgten Prämissen bei der Standortwahl für Messstationen in vielen Fällen über europarechtlich Vorgaben hinausgingen. „Viele Behörden vertreten unter Bezugnahme auf die Richtlinie die Auffassung, dass Messungen und Modelle die Luftqualität an der Stelle beurteilen müssten, die die höchste Belastung innerhalb eines Gebiets oder Ballungsraums aufweist“, schreiben die Gutachter und widersprechen dem ausdrücklich. „Anders als vielfach angenommen, ist nicht zwingend am Ort der höchsten Belastung zu messen.“ Zu ermitteln seien nicht Orte, sondern „Bereiche“ höchster Belastung und diese seien auch nur dann zu untersuchen, wenn die Bevölkerung den dortigen Konzentrationen über einen „signifikanten Zeitraum ausgesetzt“ sei. Das bloße Einhalten der in der Richtlinie beschriebenen Abstandsund Höhenangaben reiche nicht aus, um Messungen europarechtskonform durchzuführen, argumentieren die Juristen. Neben Kriterien wie der höchsten Belastung und der dauerhaften Exposition müssten auch weitere Faktoren wie die Repräsentativität eines Standortes, die Vermeidung direkter Emissionsquellen oder der ausreichende Abstand zu Bäumen, Balkonen oder Straßenkreuzungen bei der Aufstellung von Messstationen berücksichtigt werden, so die Forderungen in dem Gutachten im Auftrag der Wirtschaft. Das Gutachten befeuert einen Streit, den Umweltschützer, Verkehrspolitiker und Wirtschaftsvertreter schon seit längerem austragen. Dabei geht es um die Frage, ob in Deutschland Luftschadstoffe unter schärferen Bedingungen als in anderen EU-Ländern gemessen werden und ob diese Bedingungen ein Grund für die vielerorts drohenden Fahrverbote sein könnten. Widerspruch aus Berlin Ja, glaubt der Deutsche Industrieund Handelskammertag, der das Gutachten in Auftrag gegeben hat. „Das Rechtsgutachten zeigt: In Deutschland wird die Luftqualität „Wir gehen davon aus, dass die Grenzwertüberschreitungen an vielen Straßen bei korrekten Messungen geringer ausfallen würden.“ Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages oftmals strenger gemessen, als es EU-Regeln verlangen“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Viele Länder und Kommunen stellten ihre Messstationen sehr nah am Straßenrand und in sehr geringer Höhe auf, so Dercks weiter. „Die Folge sind hohe Grenzwertüberschreitungen an zahlreichen Messstationen und Fahrverbote in vielen deutschen Städten.“ Derzeit drohen in 21 deutschen Städten Dieselfahrverbote.„Vonsolchen Fahrverboten ist die regionale Wirtschaft vor Ort überproportional betroffen, da in der gewerblichen Wirtschaft in höherem Maße Diesel- Fahrzeuge eingesetzt werden“, warnt DIHK-Mann Dercks. DieBerliner Senatsverwaltung für Umwelt weist die Kritik des DIHK an den Messungen zurück. „In der verdichteten Großstadt Berlin stehen die für die Grenzwerteinhaltung relevanten Messstationen immer in Wohngebieten –also dort, wo Menschen leben“, sagt Sprecher Jan Thomsen der Berliner Zeitung.„Dort gehören sie auch hin: Es geht schließlich um Schadstoffe in der Außenluft, die alle Menschen in der Stadt 24 Stunden am Tagatmen und deren Belastung daher dauerhaft gesundheitsverträglich sein muss.“ Die EU-Regeln würden dabei eine einheitliche Aufstellung von Messstationen vorsehen, um Vergleichbarkeit zu erzielen, sagt Thomsen. „InBerlin werden sämtliche dieser Kriterien eingehalten, die Messungen sind valide und wurden vom Verwaltungsgericht bestätigt.“ In den Mittelpunkt des Streits war der EU-weite Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Atemluft gerückt. Dieser Wert wirdinzahlreichen Städten, darunter auch Berlin, an zu vielen Tagen im Jahr überschritten. Der Wert war die Grundlage für Klagen der Deutschen Umwelthilfe, die in der letzten Konsequenz zu Fahrverboten von Dieselfahrzeugen mit älterer Abgasnormführten. Um das zu verhindern, wurde das Bundesimmissionsschutzgesetz geändert. Fahrverbote bei Werten unter 50 Mikrogramm sind demnach unverhältnismäßig. GETTY IMAGES [M] Bauverband rüffelt Deutsche Wohnen Vermieterorganisation weist Kritik am Mietspiegel zurück VonUlrich Paul Die Deutsche Wohnen macht sich jetzt sogar bei denjenigen unbeliebt, die sie bisher immer gegen Kritik verteidigt haben. Nach der Attacke auf den neuen Mietspiegel, der nach den Worten des Finanzchefs der Deutsche Wohnen „nicht die reale Marktentwicklung“ abbilde, erklärte der Verband Berlin-BrandenburgischerWohnungsunternehmen (BBU) am Mittwoch, erhabe die Aussagen „mit Verwunderung zur Kenntnis genommen“ und könne „diese nicht nachvollziehen“. Die Deutsche Wohnen ist das größte Mitgliedsunternehmen im BBU. Dieser hat den Mietspiegel mit erarbeitet und mit allen anderen beteiligten Vermieterverbänden anerkannt.„Der BBUund seine Mitgliedsunternehmen stehen zu ihrer Verantwortung für den Erhalt des sozialen Zusammenhalts und den Schutz von bezahlbarem Wohnen als zentralem Element der Daseinsvorsorge“, sagte BBU-Chefin MarenKern. „Wir erwarten von der Deutsche Wohnen als Berlins größtem Vermieter ein entsprechendes Bekenntnis.“ Als börsennotiertes Wohnungsunternehmen zählt die Deutsche Wohnen nicht zuden typischen Mitgliedern des BBU, dem überwiegend städtische Unternehmen und Genossenschaften angehören. DieDeutscheWohnen erklärte,sie unterstütze „das Instrument des Mietspiegels ausdrücklich, da es grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete“ sei. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Erstellung nach wissenschaftlichen Standards. „Wir werden den neuen Mietspiegel in den nächsten Monaten eingehend analysieren“, so Unternehmenssprecherin Manuela Damianakis. Unabhängig davon werde die Deutsche Wohnen mit ihm auch künftig die Mieterhöhungen begründen und auf andere Begründungsmittel wie beispielweiseVergleichswohnungen verzichten. „Als Mitgliedsunternehmen des BBU stehen wir selbstverständlich zu unsererVerantwortung für den Erhalt des sozialen Zusammenhalts und den Schutz von bezahlbarem Wohnen als zentralem Element der Daseinsvorsorge.“ Berlin Seite 12 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 41020

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