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Berliner Zeitung 17.01.2018

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Berliner Zeitung

Berliner Forscher und wie sie die Welt besser machen – Seite 20 . . Mittwoch, 17. Januar 2018 Nr.14HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... H A N D B A L L - E M Mann ohne Nerven VON MICHAEL WILKENING Binnen Minuten wurde Tobias Reichmann zu einer kleinen Berühmtheit. Unmittelbar vor der 20-Uhr-Tagesschau in der ARD, wenn die Anzahl der Zuschauer sekündlich größer wird, stand der Handballer der deutschen Nationalmannschaft am Montag in der Arena in Zagreb und wartete darauf, den Ball aus sieben Metern ins Torzuwerfen. Bei der Europameisterschaft in Kroatien, zu der die Deutschen als Titelverteidiger angereist sind, lagen Reichmann und seine Kollegen im zweiten Gruppenspiel gegen Slowenien mit 24:25 zurück. Das Schiedsrichter-Duo aus Litauen zog sechs Minuten lang den Videobeweis zurate, der bei Handball- Großturnieren seit 2015 Tobias Reichmann, sicherer Schützevom Sieben-Meter-Punkt angewendet werden kann. Es entschied auf eine unerlaubte Abwehraktion der Slowenen, Siebenmeter.Esging um den Ausgleich in der Partie, die Qualifikation für die Hauptrunde und die Chance der deutschen Mannschaft, im Turnierverlauf das Halbfinale zu erreichen. Diemehrheitlich slowenischen Fans bliesen zum Sturm. Reichmann trat an. Undtraf. Der Mann, der einst in Rangsdorf zum Handball kam und danach an der Lausitzer Sportschule in Cottbus ausgebildet wurde, hatte den Stresstest bestanden. „Ich habe mich sicher gefühlt, zum Glück hat es geklappt“, sagte er später fast gelangweilt. Den gebürtigen Berliner machen Extremsituationen im Handball nicht nervös. Bei der EM vor zwei Jahren verwandelte er im Turnier 26 von 29Siebenmetern, was im Handball eine extrem gute Bilanz ist. Reichmann weiß eine wechselvolle Karrierehinter sich. Schon früh galt der Rechtsaußen als Riesentalent. Er spielte im deutschen Handball-Nachwuchs und erfreute sich mit 20 Jahren Avancen des THW Kiel, der Macht im deutschen Handball. Doch erzählt sein Lebensweg auch von der Mühsal auf dem Weg zum Weltklasse-Mann. Denn obwohl er zunächst eine Lehrzeit in Magdeburg dem THW vorzog und erst später nach Kiel wechselte, wurde nicht gleich alles zu Gold, was er anfasste. Erst warf ihn eine schwere Knieverletzung weit zurück, sogar das Geld wurde zwischenzeitlich knapp, dann wusste er sich in dem ausgewiesenen Starensemble nicht umgehend zur Stammkraft zu entwickeln. Reichmann machte einen Schritt zurück, heuerte in Wetzlar an, um anschließend über Osteuropa zu Ruhm zu kommen: Vor18Monaten hat er mit dem polnischen Verein KS Kielce die Champions League gewonnen −und in einem dramatischen Siebenmeterwerfen lässig verwandelt. Den Mann kann nichts aus der Ruhe bringen, nicht mal die beste Sendezeit unmittelbar vorder Tageschau. SportSeite 22 Verkehr,Notrufe 14 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 18, 29 ................................................................................................................. Auto,Immobilien, Stellen 13, 15, 18 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 13, 18 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 31003 VON JAN THOMSEN Für eine dauerhafte Offenhaltung des Flughafens Tegel gibt es nach dem vomSenat eingesetzten Gutachter, dem renommierten Ex-Bundesrichter Stefan Paetow, praktisch keinen erfolgversprechenden Weg. Paetow, beim Bundesverwaltungsgericht selbst schon mit dem BER befasst, legte jetzt, gut zwei Monate nach seiner Ernennung durch den rot-rot-grünen Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), seine 72 Seiten starke Rechtsexpertise vor. Das Ergebnis kann den Befürwortern einer Offenhaltung Tegels, imvorigen Jahr auch in einem nicht verbindlichen Volksentscheid gefordert, nicht gefallen. Zwar gebe es denkbare rechtliche Wege, einen Weiterbetrieb zu ermöglichen. Sie seien aber langwierig, an viele Voraussetzungen gebunden und insgesamt hochriskant, resümiertder Jurist. Vorallem: Ohne ein Einvernehmen der drei Flughafen-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund sind dem Senat laut Paetow derzeit die Hände gebunden –trotz klarem Volksentscheid. Denn der einzig mögliche Berliner Alleingang, die einseitige Kündigung der gemeinsamen Landesplanung mit Brandenburg, würde voraussichtlich nicht vor 2025 rechtswirksam. Bis dahin soll nicht nur der BER längst eröffnet sein –angekündigt ist der Oktober 2020. Auch Tegel wird nach verbindlicher Rechtslage sechs Monate später geschlossen. Ein damit nötiges, komplett neues Genehmigungsverfahren für Tegel sei Keine Chance für Tegel Senatsgutachten: Weiterbetrieb des City-Flughafens ist rechtlich hochriskant bis unmöglich –selbst wenn sich Bund, Berlin und Brandenburg einig wären. „wenig aussichtsreich“, vor allem wegen der Lärmbelastungen des innerstädtischen Standorts.Für die Entwicklung der Region sei von einer Kündigung der gemeinsamen Landesplanung ohnehin abzuraten, schreibt Paetow. Das Gutachten zieht detaillierte Schlussfolgerungen: Die alte Entscheidung für einen Single-Airport für die Region bleibe gültig, solange der gemeinsame „Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung“ bestehe. Auf dieser Grundlage erfolgte für Tegel der Schließungsbeschluss, zuletzt 2006. Solange „diese Gesetzeslage nicht im Einvernehmen aller Gesellschafter“ geändert worden ist, muss Tegel schließen. „An diesem Einvernehmen fehlt es derzeit“, stellt GutachterPaetowfest. Einzige Möglichkeit wärelaut Paetow die Berliner Kündigung des Landesentwicklungsplanes. Sie werde aber frühestens im Januar 2022 wirksam. Ein Verfahren für eine neue Berliner Landesplanung dauere wegen der umfangreichen Beteiligungen, Anhörungen und Abwägungen voraussichtlich weitere drei Jahre. Erst dann –und nicht jetzt schon, wie von der Opposition „Um das Konzept Single-Airport zuändern, genügt nicht ein bloßer politischer Wille.“ Stefan Paetow, Ex-Bundesrichter und Senatsgutachter aus FDP,AfD und CDU gefordert –könnte ein weiterer Formalakt folgen: die Wieder-Genehmigung des seit 2006 offiziell entwidmeten Flughafens Tegel. Gäbe es,wie derzeit zu erwarten, in Tegel dann bereits keinen Flugbetrieb mehr, müsste ein gänzlich neues Planfeststellungsverfahren her. Dabei käme aber nicht mehr nur Tegel als Standort in Betracht, sondern auch andere Optionen außerhalb Berlins. Sowohl gegen die geänderte Landesplanung als auch gegen die Wieder-Genehmigung wären Klagen möglich, teils vermutlich mit aufschiebender Wirkung. Paetow untersucht auch den Fall, dass sich die drei Flughafengesellschafter doch noch einig werden,Tegel offenzuhalten – was Brandenburg und der Bund bisher klar ablehnen. Auch dann müsse es eine geänderte Landesplanung für künftig zwei Flughafenstandorte, Tegel und Schönefeld, in der Region geben. Auch dafür wären Beteiligungsverfahren nötig, deren Dauer Paetow im günstigsten Fall auf „mindestens ein Jahr“, höchstwahrscheinlich aber länger, einschätzt. Auch sie sind rechtlich heikel. Denn eine neue Landesplanung mit zwei Flughäfen sei nur dann „rechtsfehlerfrei“ möglich, wenn belegbar „gravierende und dauerhafte Kapazitätsengpässe“ bei der Abfertigung in Schönefeld bestünden. Lässt sich dies nicht belegen, wärejedeKlage dagegen soforterfolgreich. Tatsächlich bestreitet die Flughafengesellschaft FBB, dass es dauerhaft Engpässe gibt. FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup legte Ausbaupläne für den BER bis ins Jahr 2040 vor. Auch die kritische Eröffnungsphase, inder ein neues Nebenterminal und der alte Flughafen Schönefeld aushelfen sollen, ist aus seiner Sicht gut zu bewältigen. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, in dem alle Gesellschafter vertreten sind, hat dies längst bestätigt. Das heißt: Für eine neue Landesplanung, die mit dauerhaften Engpässen begründet ist, müssten die Länder Berlin und Brandenburg den eigenen Beschlüssen im Flughafen-Aufsichtsrat widersprechen – eine kaum vorstellbareKonstellation. Paetow legt zugleich Wert auf dieFeststellung, nur die Folgeneiner „dauerhaften“ Offenhaltung Tegels geprüft zu haben, wie im Volksentscheid formuliert. Sollte aufgrund vonEngpässen ein „befristeter“ Weiterbetrieb Tegels sinnvoll erscheinen, müssten dies die Gesellschafter beurteilen. Auch dafür seien Änderungen der Landesplanung nötig. Welche genau, lässt Paetow offen. Der rotrot-grüne Senat will sich noch im Januar mit den Folgen der Expertise befassen. Die Oppositionsparteien FDP und AfD nannten sie am Dienstag ein„Gefälligkeitsgutachten“. Kommentar Seite 8 FOTOLIA/STOCK.ADOBE.COM/KATJA XENIKIS Berliner SPD blamiert ihren Vorsitzenden Müller unterliegt deutlich bei GroKo-Abstimmung V ON ELMAR SCHÜTZE Das Nein des Berliner SPD-Landesvorstandes zu Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU ist nicht nur ein Rückschlag für den Bundeschef Martin Schulz, sondern auch für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller. Seine Doppelstrategie – Kritik am Sondierungspapier und zugleich werben für weitere Verhandlungen – ist nicht aufgegangen. Mit 8:21 Stimmen fiel er mit seiner Position durch. Pikant wird die Abstimmung dadurch, dass sich Müllers innerparteilicher Rivale Raed Saleh, der Vorsitzende der Abgeordnetenhausfraktion, als Nein-Stimmer verriet. Damit haben die Berliner Sozialdemokraten mal wieder bewiesen, dass sie ein besonders zerstrittener Verband sind. Kleiner Trost für Martin Schulz: DieDelegierten sind nicht an dasVotum des Landesvorstandes gebunden –und mit 23 Delegierten spielen die Berliner auch keine bedeutende Rolle am Sonntag auf dem Parteitag in Bonn mit 600 Delegierten. Wesentlicher ist es da schon, wie sich die 144 Delegierten der SPD aus Nordrhein-Westfalen entscheiden. Daher reist Martin Schulz derzeit durch dieses Bundesland und wirbt für seine Haltung pro Verhandlungen. Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen SPD-Chefs Michael Groschek lässt sich das Stimmverhalten seines Verbandes noch nicht absehen. „Wir haben Mitglieder,die sagen Ja,und welche, die sagen Nein, und dazwischen ist ein großer Teil von nachdenklichen Unentschlossenen“, sagte Groschek am Dienstag im Westdeutschen Rundfunk. Der NRW-Parteichef befürwortet die Aufnahme vonKoalitionsverhandlungen. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf, Thomas Kutschaty, kritisierte dagegen die Plänefür eine neue große Koalition. Nachdem Schulz am Montag in Dortmund unter den westfälischen Delegierten für ein Ja zu Koalitionsverhandlungen geworben hatte,bat er am Dienstagabend inDüsseldorf die rheinischen Vertreter umderen Zustimmung. DasTreffen wurde begleitet vonlautstarken Protesten der Jusos gegen eine große Koalition. Schulz hat noch fünf Tage Zeit, eine Mehrheit für seinen Kurs zu organisieren. Er äußerte sich am Abend vorsichtig optimistisch. Kritiker und Befürworter einer großen Koalition hielten sich in DüsseldorflautSchulz die Waage. „Ich habe den Eindruck, dass wir bei den Skeptikern große Nachdenklichkeit auslösen.“ Politik Seite 5, Leitartikel Seite 8, Berlin Seite 9 WETTER BERLIN: Viele Wolken, immer wieder Schneeschauer.Höchstwerte bei 4, nachts um 1Grad. Seite 2 16. &17. BERLIN MESSEN Februar 2018 Dein Marktfür Ausbildung,Karriere, 9–16Uhr Weiterbildung &Qualifizierung Freier Eintritt Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Interessante Präsentationen Spannende Workshops Attraktive Angebote Weitere Informationen:www.berliner-zeitung.de/berlin-messen|berlin.messen@dumont.de SCHIRMHERRSCHAFT Frau ElkeBreitenbach Senatorin für Integration, Arbeit undSoziales

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