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Berliner Zeitung 17.04.2019

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Fast-Katastrophe: Jet der Bundeswehr legt Schönefeld lahm – Berlin Seite 9 Heute mit Hauptstadt Seite 4 4°/17° Durchgehend sonnig Wetter Seite 28 Urteil: Böhmermann unterliegt der Kanzlerin Feuilleton Seite 21 www.berliner-zeitung.de Senat will Wohnungen in der Karl-Marx-Allee kaufen Berlin Seite 9 Mittwoch, 17. April 2019 Nr.90HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Zweifel: Kühnert und die Zukunft der großen Koalition Politik Seite 5 USA Nur er kennt den ganzen Mueller-Report VonKarlDoemens Zwei Jahre lang hat das politische Washington auf diesen Moment hingefiebert. US-Justizminister William Barr wird amDonnerstag den 400-seitigen Bericht von Sonderermittler Robert Mueller veröffentlichen. Frieden wird nicht einkehren. „Wenn die Medien ehrenwertwären, wäre diese Geschichte größer und bedeutsamer als Watergate“, twitterte Trump bereits am Dienstag. Seit Tagen behauptet der US-Präsident, der Mueller-Report habe ihm einen „totalen Freispruch“ beschert. William Barr, Justizminister 22 Monate unter Trump hatte Sonderermittler Mueller mögliche illegale Russlandverbindungen vonTrumpsWahlkampfteam untersucht, im Märzübergab er dem Justizminister seinen Bericht. Barr veröffentlichte zunächst nur eine kurze Zusammenfassung, derzufolge es keine Belege für Absprachen des Trump-Lagers mit Vertretern Russlands gibt. ObTrump die Justiz behinderte, ließ Mueller ausdrücklich unbeantwortet. Barr entschied, dass dem Präsidenten keine strafrechtlichenVorwürfe zu machen seien. Damit rückt der 68-jährige Justizminister, den Trump als Nachfolger des gefeuerten Legalisten Jeff Sessions berief, ins Zentrum der weiteren Entwicklung. Der konservative Dudelsackspieler, der schon unter dem alten George H.W. Bush im gleichen Amt wirkte, entscheidet nämlich, welche Teile des Mueller-Berichts nun freigegeben werden. Zwar hat Barr versprochen, so viel Transparenz wie möglich herzustellen. Dass er aber den bearbeiteten Bericht in der sitzungsfreien Zeit des Parlaments kurz vor Ostern vorlegt, lässt politische Motivevermuten. Tatsächlich hat Barr vordem Senat erklärt, er wolle nun eine neue Untersuchung einleiten, bei der es um den behördlichen Umgang mit Trump im Wahlkampf geht: „Ich denke, dass Spionage stattgefunden hat.“ DasFBI hatte 2016 eine Untersuchung zu Absprachen mit Russland eröffnet und dazu eine gerichtliche Genehmigung für die Überwachung eines Trump- Beraters erwirkt. Dassei das eigentliche Verbrechen, so Trump: „Untersucht die Ermittler!“ DieDebatte ist noch nicht vorbei. Brände katastrophalen Ausmaßes, wie jetzt einer die Kathedrale von Notre- Dame heimsuchte, sind selten geworden. Sieerscheinen uns vor allem als Folge von Kriegen oder politischen Unruhen. Im Alltag dagegen erstaunen sie viele Menschen inzwischen regelrecht. Schließlich wurden seit dem 18. Jahrhundert – oft gegen den erbittertenWiderstand der Bürger, die die Mehrkosten scheuten –aus Tongebrannte Dachziegel statt der Stroh- und Holzdächer durchgesetzt, breite Straßen gebaut, Brandwände zwischen den Häusern und Blitzableiter auf ihren Dächernangeordnet. Vor allem aber veränderte die Elektrizität unser Zusammenleben mit den Flammen. Brände werden deswegen meist als Folge des Versagens von einzelnen Personen oder Institutionen betrachtet: Die Pariser Staatsanwaltschaft verkündete noch während des Brands,dass sie ein Ermittlungsverfahren eröffnet habe. Eine Überschwemmung oder ein Sturmschaden hätte kaum so schnell die Suche nach einzelnen Schuldigen ausgelöst. Fast vergessen ist, dass Städte geradezu periodisch durch Großbrände zerstört wurden. Noch Ende des 19. Jahrhunderts fiel etwa Chicago einem solchen zum Opfer. So manche Kirche –und in der Folge das angrenzende Kloster, Dorf oder Stadtviertel –ging in Flammen auf, weil hochgeschwungene Weihrauchgefäße mit ihrer Glut den textilen Schmuck auf den Altären in Brand setzten. 1840 brannte das Dach der Kathedrale von York ab, weil ein Handwerker eine Kerze vergessen hatte.Kaum zählbar viele Kirchen, Festsäle, Theater oder andere Festräume des vorelektrischen Zeitalters wurden kurzvor oder sogar am Tagihrer Einweihung zerstört, weil man die aus Kerzen, Öllampen und Gaslichtern bestehende Beleuchtung zum ersten Malinvoller Pracht ausprobierte. Sicherer machen Heutesindesweniger solche„klassischen“ Ursachen als vielmehr der Verfall von Elektroleitungen, die, kombiniert mit oft uralten Sicherungsanlagen, bei der kleinsten Überlastung Funken schlagen. Diese brauchen dann nur noch Brandbeschleuniger wie herumliegenden Baumüll, alte Zeitungen oder Sägespäne, umeine Katastrophe auszulösen. Eine solche Überlastung geschieht, es scheint ironisch, öfter als denkbar ausgerechnet beim Versuch, die Folgen der Vernachlässigung zu beheben, Bauten also sichererzumachen. Das Dach der Berliner Philharmonie, die Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar brannten ab, als sie repariert und brandschutztechnisch ertüchtigt werden sollten. Auch für Parisist nach aktuellem Kenntnisstand eine solche Verknüpfung unglücklicher Umstände anzunehmen. Immerhin, die Feuerwehrkonnte hier aus vollen Rohren den Brand bekämpfen, Straßen wurden von der Polizei systematisch abgesperrt, bedrohte Häuser in der Nachbarschaft geräumt und störende Gaffer beiseitegeschoben – was trotzdem nicht verhinderte, dass zwei Feuerwehrleute leicht verletzt wurden. Und es wurde –für diese Kirche eine zentrale Frage! –eine der wichtigsten Reliquien der Christenheit geborgen, die legendäre Dornenkrone, wenige Ein europäisches Haus Die Kirche Notre-Dame in Paris ist längst nicht mehr nur ein französisches Nationalsymbol. Für den Wiederaufbau sollte man sich Zeit nehmen VonNikolaus Bernau Montagnacht zerstörtdas Feuer Teile der Kirche Notre-Dame in Paris. AP/DIANA AYANNA Tage vor Karfreitag, an dem sie den Gläubigen präsentiert wird. All das entspricht den Regeln, die in Europa oder Nordamerika für Brände gelten. Ein Brand wie jener des einzigartigen Nationalmuseums im brasilianischen Rio de Janeirovor einigen Monaten, bei dem die Feuerwehr der jahrzehntelangen Sparpolitik aller Regierungen wegen sogar ohneWasser auskommen musste, ist hier kaum vorstellbar. Auch wenn noch nicht klar ist, wie es der Orgel, den Glasfenstern, der künstlerischen Ausstattung ergangen ist: Die Gewölbe von Notre- Dame haben überwiegend gehalten. Vielleicht sogar wegen der Hitze des Brandes,die die Balken des Dachgeschosses verglühte, bevor sie auf die Gewölbe darunter stürzten. Blanker Wahnsinn wäre es übrigens gewesen, in diese Hitze kaltes Wasser zu kippen, wie es der amerikanische Präsident Donald Trumpvorschlug. Dass diese 1160 begonnene Kirche nicht zusammengebrochen ist, liegt aber auch an der genialen Architektur der Hochgotik. Spitzbogen, die asymmetrisch und damit beweglich zwischen Pfeilern und Wänden verspannt werden können, schlanke Rippen, zarte Gewölbeschalen, die ohne Schaden für das Gesamtsystem herabstürzen können, haben sich mal wieder bewährt. Als die Kathedrale von Reims –Ort der Krönung fast aller französischen Könige –1914 von deutschen Truppen in Brand bombardiert wurde, konnte der Bau vergleichsweise schnell wieder hergestellt werden. Der Berliner Kunsthistoriker Thomas W. Gaehtgens hat über dieses Kriegsverbrechen gerade ein vorzügliches Buch veröffentlicht, das auch die Folgen solcher Brände für kollektiveGefühlslandschaften erforscht. Selbst im Zweiten Weltkrieg überraschten die vonBomben getroffenen gotischen Kirchen immer wieder durch ihre Kraft. Werwissen will, was Innovation bedeutet, sehe sich diese Kirchen an. Deutsche Sondermünzen? Notre-Dame ist allerdings erst ein Mythos unserer Kultur, seitdem für die Krönung Napoleon I. zum Kaiser der Franzosen die Westfassade freigelegt wurde –ein ganzes Stadtviertel musste für den Vorplatz abgerissen werden –und Mitte des 19. Jahrhunderts die zur Seine gewandten Seitenansichten freigelegt wurden. Unzählbar viele Bücher, Gedichte, Gemälde,Filme und Fotografien zeigen diese Ansichten, sie machten Notre-Dame zum weit die französischen Grenzen übergreifenden Allgemeinbesitz Europas. Es überrascht eher nicht, dass im deutschen Bundesfinanzministerium bereits Anträge gestellt wurden, eine Sondermünze und eine Sonderbriefmarke dafür herauszugeben. Die größte Gefahr ist jetzt übertriebene Geschwindigkeit, die von auf schöne Bilder versessenen Großsponsoren und Politikern ausgelöst wird. Erst einmal, vor jeder Wiederaufbauplanung, muss der Bau gesichert werden. Die steht dann unter anderem vor dem Problem, ob der Dachstuhl wieder aus Holz errichtet werden soll – obwohl so gewaltige Baumstämme heute kaum noch verfügbar sind. Der Wiener Dombaumeister sprach im Radio vonmindestens drei Jahren, die alleine für diesen Dachstuhl nötig seien –wenn man weiß, wie über der gewaltigen Notre- Dame gebaut werden kann. Seiten 2und 3, Leitartikel Seite 8 Hertha entlässt Dardai Cheftrainer hört bei den Profis zum Saisonende auf Seine längste Niederlagenserie kostet Pal Dardai zwar im Sommer den Job als Cheftrainer, dem Fußball-Bundesligisten Hertha BSC bleibt der Rekordspieler und Fanliebling aber erhalten. Ein außergewöhnliches Vertragswerk macht es möglich, dass der 43-Jährige nach dem Aus bei den Profis im nächsten Jahr wieder als Coach im Nachwuchsbereich arbeitet. Die Berliner verkündeten diesen Schritt am Dienstag und reagierten auf zuletzt fünf Pleiten nacheinander sowie den Absturzauf den elften Tabellenplatz. Geschäftsführer Michael Preetz sucht bereits einen fähigen Nachfolger für den Ungarn Dardai, der am Saisonende nach knapp viereinhalb Jahren abtritt. „Manchmal ist es so,dass die Zeit für eine Veränderung gekommen ist. Ich habe immer betont, dass es mir um das Beste für Hertha BSC geht, denn Hertha ist und bleibt mein Zuhause“, sagte Dardai, der schon als Profi 286 Spiele für den Klub absolvierte: „Ich bin dankbar für diese Chance, die ich hier bekommen habe, und sehr stolz darauf, was wir in dieser Zeit gemeinsam erreicht haben.“ Preetz sagte: „Ein neuer Impuls im Sommer ist der richtige Schritt für Hertha BSC.“ Dardai wird die Berliner in den verbleibenden fünf Saisonspielen noch betreuen, ehe er sich vermutlich eine einjährige Auszeit genehmigt. Die Rückkehr als Nachwuchstrainer soll im Sommer 2020 erfolgen, hieß es.„Palist einwichtiger Bestandteil der positiven Entwicklung unseres Klubs und wird auch über seine Zeit als Cheftrainer der Profis hinaus ein großer Faktor der Hertha- Familie bleiben“, sagte Preetz. (dpa) Kommentar Seite 8, SportSeite 20 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31016 2. und3. November 2019 10 –17Uhr Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Jetzt Aussteller werden! Diebesten Jahre Doppelmesse Reise &Gesundheit Bis zu 15% Frühbucherrabatt bei Buchung biszum 30. April2019 Anmeldung unter: berlin.messen@dumont.de oder (030) 2327 6758 BERLIN MESSEN

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