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Berliner Zeitung 17.08.2019

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IMAGO (2) Ist Berlin auf dem Wegzueiner anerkannten und beachteten Fußball-Stadt –sowie Madrid, London oder Mailand? Einerster Schritt ist jedenfalls getan, denn in der nun gestarteten neuen Bundesliga-Saison ist die Hauptstadt zum ersten Mal seit 43 Jahren wieder mit zwei Mannschaften in der Beletage vertreten. Zuletzt war das in der Saison 1976/77 der Fall, als Hertha BSC und Tennis Borussia zu den Branchen-Größen gehörten. Doch nun duellieren sich mit dem 1. FC Union (Ost) und Hertha (West) zwei Klubs äußerst unterschiedlicher Herkunft, Historie und Botschaft. Beide Klubs durchlebten verschiedene Phasen ihres gemeinsamen Daseins in einer Stadt, die lange durch eine Mauer geteilt war. Siefanden sich sympathisch, beachteten sich später kaum oder übten sich auch in Abneigung. Es gibt ein Foto, das die beiden Profis Olaf Seier, Kapitän des 1. FC Union, und Dirk Greiser, Spielführer der Hertha, beim Handschlag am Mittelkreis zeigt. Es stammt aus dem Januar 1990, wenige Monate nachdem die Mauer gefallen war. Eswar das sogenannte Wiedervereinigungsspiel im Olympiastadion. 51 000 Fans beider Klubs kamen damals,sie feierten die Teams und sich selbst. Das Spiel endete mit einem 2:1 für die Hertha. Aber das Ergebnis war eigentlich egal. Union-Kapitän Olaf Seier, heute 60 Jahre alt, erinnert sich: „Das war ein ganz großes Ereignis in meinem Leben, wirklich die Erfüllung eines Traums.Ich stand zum ersten Malim gewaltigen Olympiastadion auf dem Rasen und bewunderte die unglaubliche Kulisse. Ich dachte damals: Ist das alles wahr oder träume ich doch?“ Dirk Greiser,heute 56, sagt in der Nachschau: „Das war für mich ein außergewöhnliches und bewegendes Erlebnis in einer turbulenten Zeit. Wir lernten die Spieler aus Köpenick zum ersten Mal kennen und genossen gemeinsam dieses Spiel.“ Nach diesem Treffen haben sich die beiden populären Profis aus den Augen verloren – genauso wie die beiden Traditionsvereine und vorallem deren zahlreiche Anhänger.Hertha stieg am Ende der Saison in die Bundesliga auf, aber auch sofortwieder ab.Union verpasste den Aufstieg in die Oberliga des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes. Nun aber, im30. Jahr des Mauerfalls,ist Union der 56. Klub,der in der Dreißig Jahre nach dem Mauerfall verbindet die Berliner Vereine mehr als sportliche Rivalität Bundesliga angekommen ist. Hertha dagegen gehört zum Inventar der Liga, ist Gründungsmitglied und steht auf Rang 12 der „Ewigen Bundesligatabelle“. Endlich bekommt Hertha BSC ernsthafte Konkurrenz in der eigenen Stadt. Bislang wähnt sich Hertha BSC als der größte und wichtigste Fußballverein Berlins. Und das bereits seit den 20er- und 30er-Jahren. Immerhin sechsmal in Serie hatte die Mannschaft das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft erreicht, zweimal – 1930 und 1931 –den Titel geholt. Es Zwei Herzen einer Stadt VonMichael Jahn folgten immer wieder gewaltige Brüche in derVereinsgeschichte,genauso wie sie Berlin erlebte. Betroffen waren vor allem auch die Fans. Als die Mauer Berlin teilte, verlor Hertha zahlreiche Anhänger im Osten der Stadt. Die mussten Westfernsehen schauen, um ihre Hertha zu sehen. Herthas Fans aber solidarisierten sich so gut sie konnten mit den Anhängern des 1. FC Union. DerVerein galt als Underdog in der DDR-Oberliga und pflegte als Feindbild den vomStaat und den Sicherheitsorganen gehätschelten BFC Dynamo. Hertha-Fans reisten häufig an die Alte Försterei. Dortrief man gern gemeinsam und trotzig: „Eisern Berlin!“ oder „Es gibt nur zwei Meister an der Spree –Union und Hertha BSC!“ Für dieWest-Berliner Fußballfans war die Reise nach Köpenick durchaus auch ein Abenteuer, ein Nervenkitzel. Die gemeinsame Ablehnung staatlicher Restriktionen beider Fangruppen war wohl ein wichtiger Antrieb für die damals keimende Freundschaft. Im Gegenzug fuhren Union-Anhänger zu Spielen der Hertha ins sozialistische Ausland, zu Duellen in Prag oder Plowdiw und bildeten mit ihren Hertha-Freunden eine beeindruckende Kulisse. Nie waren sich die beiden Fangruppen so nah wie zu Zeiten, als die Mauer teilte. Doch schon wenige Monate nach dem Spiel im Januar 1990 begann die Entfremdung. Die Ost-Berliner Fußballfans bewegten wichtigere Dinge als Fußball. Sie kämpften mit den neuen gesellschaftlichen Anforderungen.„Sie mussten dieWelt neu lernen“, sagt ein Hertha-Anhänger, der noch heute Freunde an der Alten Försterei besitzt. Die Fans aus den Mauerzeiten sind in die Jahre gekommen. Die junge Generation lebt lieber die neue Rivalität. Unions Präsident Dirk Zingler sagte zu den bevorstehenden Duellen gegen Hertha: „Für mich ist das ein Derby, das steht für Rivalität, für Abgrenzung. Und für Fußball-Klassenkampf in der Stadt.“ Das kam bei Hertha nicht besonders gut an. Union tritt zu Recht selbstbewusst auf. An der Alten Försterei pflegt man weiter das Image des „etwas anderen Vereins“, der sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs wehrt. Hertha übt dagegen den Spagat zwischen Moderne und Tradition. Die beiden Mannschafts-Kapitäne von 1990, Olaf Seier und Dirk Greiser, freuen sich schon auf die beiden Derbys.Seier,sportlicher Leiter des Vereins „Kietz für Kids –Freizeitsport e.V.“ in Hohenschönhausen, besitzt ein Privileg –inAnerkennung seiner Verdienste bekam er einst eine Dauerkarte auf Lebenszeit. „Dann habe ich wenigstens keine Schwierigkeiten, beim Derby wieder dabei zu sein.“ Dirk Greiser, Rechtsanwalt in Charlottenburg, spricht von einer „gesunden Rivalität“. Greiser: „Das Wichtigste aber ist, dass sich beide Vereine mit Respekt begegnen.“ Damit sollten beide Fanlager gut leben können. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61033 Die schönstenStunden erleben Sie an einem Ort, an dem alles stimmt. Mit Formen, die einfach und klar sind. Ralph Bosshammer GmbH Karl-Marx-Allee 77 –79. 10243 Berlin. Tel. 030 42201520. www.dk-bulthaup.berlin

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