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Berliner Zeitung 17.09.2019

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Eine Curry mit Gregor Gysi –die neue Interview-Kolumne – Berlin Seite 11 GötzAly über die DDR- Geschichte Seite8 8°/16° Ein Tagmit Regen Wetter Seite 2 SPD-Vorsitz: Das nächste Casting steigt in Berlin Tagesthema Seite 2 www.berliner-zeitung.de Anja Reich: Werdie Wahl in Israel entscheidet Seite 3 Dienstag,17. September 2019 Nr.216 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Auf dem Gipfel: Reinhold Messner zum 75. Panorama Seite 26 Brexit Der Hulk schlägt zurück VonChristian Schlüter Der bei seinem halsbrecherischen Brexit-Unternehmen um keine Finte verlegene Boris Johnson griff am Wochenende ganz tief in die popkulturelle Trickkiste und beschwor den unglaublichen Hulk, jene grünhäutige, muskelbepackte, blindwütige,aber im gerechten Zorn um sich schlagende Comicfigur, die seit einiger Zeit durch die „Avengers“-Blockbuster auch einem breiten Kinopublikum bekannt sein dürfte. Derbritische Premierminister sagte also das hier: „Je wütender Hulk wird, MarkRuffalo desto stärker verbietet sich blöde wird Hulk. Er ist Hulk-Vergleiche. immer entkommen, egal wie eng gefesselt er war –und das gleiche gilt für dieses Land. Wir werden am 31. Oktober ausscheiden.“ Solche Sätze müsste sich mal ein deutscher Politiker trauen! Für den durch seinen Präsidenten auch einiges gewohnte US-Schauspieler Mark Ruffalo war Johnsons Indienstnahme vonHulk allerdings zu viel des Guten: Ruffalo,der in einigen„Avengers“-Filmen den wütenden Grünling verkörpert, zürnte auf Twitter:„Boris Johnson vergisst, dass Hulk nur für das Wohl des Ganzen kämpft. Wütend und starkkann auch beschränkt und zerstörerisch sein. Hulk funktioniert am besten, wenn er im Einklang mit einem Team ist, und er ist eine Katastrophe,wenn er alleine ist.“ Der51-jährige Ruffalo gibt ein tolles Beispiel dafür, wie ein Schauspieler auch nach Drehschluss noch für die Belange seiner Rolle eintritt: Philologisch sauber an der Comic- und Filmvorlage entlang argumentiert, macht der Mime auf die ganz erheblichen Gefahren aufmerksam, die von einem entfesselten Hulk ausgehen. Allein die Vorstellung, wie sich die Wut indem aus allen leiblich-seelischen Proportionen geratenen Unhold ausbreitet, wie Hulks Halsadern schwellen – diesem Idealbild eines Cholerikers möchte doch im Ernst niemand entsprechen. Gewiss auch die Briten nicht, denen Boris Johnson mit seinem Hulk- Vergleich zu schmeicheln glaubte. Ruffalo gibt ihnen in seinem Tweet noch etwas auf den Weg: Im Film habe Hulk mit seinem Alter Ego, dem Wissenschaftler Dr. Banner, immer „Wissenschaft und Vernunft“ dabei. So weist der hellwache Schauspieler den Politiker darauf hin, dass sich weder das Parlament noch die EU durch rohe Gewalt zerstören lassen. Und dass von der in dem Hulk-Statement durchscheinenden Vorstellung einer Politik ohne Gewaltmonopol, Ordnungsbegriff und Rechtsempfinden nichts zu halten ist. Nach seinen Wutanfällen als Hulk wacht Dr. Banner stets in zerfetzten Hosen auf und fragt sich, was er angerichtet hat. Das dürfte Boris Johnsons eines Tage auch so gehen. Colanis Welt Er kam aus Berlin und wollte die Dinge schöner machen. Kompromisslos. Der Designer Luigi Colani ist tot. Ein Nachruf von Ingeborg Ruthe Feuilleton Seite 21 VonAnnika Leister Berlins öffentliche Verkehrsmittel starten eine in der Hauptstadt bisher einzigartige Kampagne: Am Sonntag können alle Berliner mit einem AB-Ticket für den Preis von2,80 Euro durch die Innenstadt fahren –und zwar bis um 3Uhr am nächsten Morgen. „Wir wollen Autofahrern einen Anlass geben, das Auto einfach mal stehen zu lassen“, sagte BVG-Sprecherin PetraNelken. „Wir bauen eine Brücke, umden inneren Schweinehund zu überwinden.“ Das Ziel ist eine Art autofreier Sonntag in Berlin. Einen solchen Sonntag gab es zuletzt in der Bundesrepublik im November 1973 während der Ölkrise. DieDeutsche Umwelthilfe hat den Anstoß zu dem Projekt gegeben, BVG, DB Regio und S-Bahn schlossen sich schnell an. Mitdem starkvergünstigten Tagesticket können Berliner nun Bus, Straßenbahn, S-Bahn und U- Bahn im AB-Bereich nutzen. Für die Öffentlichen ist dieser Sonntag auch eine Herausforderung: Nach Informationen der Berliner Zeitung nehmen BVG &Co. dadurch insgesamt geschätzt 100 000 Euro weniger ein. „Natürlich verlieren wir Geld“, sagt BVG-Sprecherin Nelken. Doch alle beteiligten Unternehmen seien gleich eingestiegen und angespornt davon zu zeigen: „Wir können das.“ Das klingt ein wenig nach einem Testballon für Größeres.Parteien wie Autofreier Sonntag Die BVG testet die Verkehrswende: Berliner sollen an diesem Wochenende billig Bahn undBus fahren Linke und Grüne fordern angesichts der angestrebtenVerkehrswende immer wieder einen ticketlosen Nahverkehr,der günstiger und doch besser ausgebaut werden soll. Nicht nur die BVG steht den daran gebundenen Finanzierungsmodellen allerdings kritisch gegenüber. Vermutlich soll es genau deswegen auch am Testtag nicht ganz kostenlos werden. „Es hat alles seinen Preis“, so Nelken. Der Aktionstag wird der Abschluss einer Woche sein, die sich politisch starkwie nie um den Klimaschutz dreht. Am Freitag tagt das Klimakabinett in Berlin, die Schülerprotestbewegung Fridays for Future will an diesem TaginDeutschland und weltweit streiken. DER KLIMASTREIK UND DIE APP Die Berliner Zeitung erscheint am 20. September,dem Tagdes Weltklimastreiks, mit einer Sonderausgabe, die mehr kann als eine normaleZeitung.Viele Seiten können Sie mit unserer neuen App „Berliner Zeitung3D“ zumLeben erwecken. DieApp steht bereits jetzt kostenlos für Android- und iOS-Geräte zur Verfügung.Einfach runterladen,Appstarten, Zugriffauf die Kameragestatten und das Smartphone über die mit diesem Smartphone- Logogekennzeichneten Seiten und Artikel halten –und los geht’s. Auch die radikalen Klimaaktivisten von Extinction Rebellion, die im Maibereits den Verkehr auf der Oberbaumbrücke mit einer Sitzblockade lahmlegten, wollen am Freitag wieder aktiv werden: Sie planen unter dem Motto„Ungehorsam für alle“ großangelegte Blockaden von strategisch wichtigen Straßen in Berlin. Beiihren in der Regel friedlichen Aktionen des zivilen Ungehorsams nehmen die „Rebellen gegen das Aussterben“ auch in Kauf, von der Polizei festgenommen zu werden. Die Extinction Rebellion macht seit Ende 2018 immer wieder mit Protestaktionen auf sich aufmerksam. Sie will damit Regierungen zum Umdenken in ihrer Klimapolitik bringen. Für den 7. Oktober hat die Bewegung sogar zu einem einwöchigen globalen Aufstand aufgerufen. Aktionen unter anderem in Berlin, Paris, London und NewYork sollen den Forderungen Nachdruck verleihen. Die Klimaaktivisten haben eine prominente Fürsprecherin: Carola Rackete, die Seawatch-Kapitänin, die ungeachtet des Verbots Italiens den Hafen von Lampedusa ansteuerte, um gerettete Flüchtlinge an Land zu bringen. „Die Teilnahme am Generalstreik mag für manche Menschen persönliche Konsequenzen haben.“ Nichts gegen die Klimakrise zu tun, habe aber „definitiv fatale Konsequenzen“, sagte Rackete. Auch der rot-rot-grüne Senat fiebert den Entscheidungen des Klimakabinetts entgegen. Am Montag stellte Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) eine Machbarkeitsstudie zum Kohleausstieg in Berlin vor. Daraus geht hervor: Bis 2030 kann Berlin es schaffen, keine Steinkohlemehr für Stromund Wärme zu verfeuern. Allerdings nur, wenn Berlin ein neues hybrides Gas-Kraftwerk bekommt und vom Bund bestimmte Voraussetzungen geschaffen würden, wie beispielsweise eine CO 2 -Bepreisung, betonte Günther. Klimaaktivisten gehen die Pläne der Senatorin nicht weit genug. Sie wollen noch früher aussteigen –und lehnen das geplante Gas-Kraftwerk strikt ab, weil auch Gas ein fossiler Brennstoff ist. Politik Seite 4, Berlin Drohnenangriff lässt Ölpreise stark steigen Experten: Versorgung in Deutschland nicht gefährdet Die Drohnenangriffe auf die weltweit größte Ölförderanlage in Saudi-Arabien haben die Märkte in Aufregung versetzt. Trotz der Zusage von US-Präsident Donald Trump, mit den Ölreserven der USA mögliche Engpässe ausgleichen zu wollen, stiegen am Montag die Ölpreise an den Börsen deutlich an. Das werden auch die Verbraucher in Deutschland zu spüren bekommen –unklar ist noch, wie deutlich. Grundsätzlich hält die Mineralölwirtschaft die Ölversorgung in Deutschland „im vollen Umfang“ für gesichert. Engpässe bei Mineralölprodukten, vorallem Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin, „sind nicht zu befürchten“, teilte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Montag mit. Demnach bezog Deutschland im vergangenen Jahr gerade einmal 1,7 Prozent seiner Ölimporte aus Saudi- Arabien, im ersten Quartal 2019 waren es0,8 Prozent. Dem MWV zufolge bezieht die Bundesrepublik Öl aus rund 30 Ländern, vor allem aus Russland. Diese Importe betrugen 2018 rund 85 Millionen Tonnen. Trump: Krieg möglichst vermeiden Noch nicht beziffernkonnte der Verband mögliche Folgen des Angriffs auf die Spritpreise in Deutschland. Zwar stieg der Ölpreis im Vergleich zu Freitag zuletzt deutlich an, aktuell seien jedoch noch „keine Preisreaktionen darauf an den Stationen zu beobachten“. US-Präsident Donald Trump will nach den Angriffen auf die Öl-Anlagen einen militärischen Konflikt mit dem Iran nach eigenen Worten möglichst vermeiden. Er würde einen solchen Konflikt „sicherlich vermeiden wollen“, sagte Trump am Montag im Weißen Haus. Nach seinen Angaben laufen weiterhin noch die Untersuchungen dazu, werhinter den Angriffen steckt. Trump hatte dem Iran am Sonntag mit Vergeltung gedroht. Die USA stünden mit„geladener“Waffe bereit, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Nun aber sagte er zu Reportern: „Ich will keinen Krieg mit irgendjemandem.“ Allerdings sei sein Land auf einen Kriegseinsatz besser vorbereitet als jedes andere. (AFP) Politik Seite 5 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Seiten 10 und 12 4 194050 501603 LAIF/POLARIS 21038

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