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Berliner Zeitung 17.12.2018

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Mitten in Berlin gesprengt und dann vergessen: die Denkmalskirche – Stadtgeschichte Seite 10 Sillys neue Sängerinnen Seite 12 0°/3° Meist starkbewölkt Wetter Seite 2 Der Brexit und die umkämpfte Irland-Grenze Seite 3 www.berliner-zeitung.de Politiker unterwegs – mit Alkohol am Steuer Berlin Seite 9 Montag,17. Dezember 2018 Nr.294 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € WieUnion und Hertha in die Winterpause gehen Sport Seiten 19 und 20 Brücken-Einsturz Genuas größter Optimist VonRegina Kerner Weihnachten 2019, in einem Jahr also, wird die Morandi-Brücke wieder stehen, verspricht Marco Bucci. Der Bürgermeister von Genua ist Optimist. Denn seit ein Teil des Autobahn-Viadukts am 14. August einstürzte, 43 Menschen starben und Hunderte ihre Wohnungen verloren, ist kaum etwas passiert. Nach vier Monaten ragen die Brückenstümpfe wie ein Mahnmal in der ligurischen Hafenstadt auf. Am Sonnabend nun hat Bucci, vor sechs Wochen zum Kommissar für Marco Bucci, Bürgermeister vonGenua den Wiederaufbau ernannt, die Abriss-Baustelle eröffnet – symbolisch zunächst. Bevor Bagger und Mini- Sprengsätze zum Einsatz kommen, muss ein Richter die beschlagnahmten Brückenteile freigeben. Diese Woche sollen die Arbeiten beginnen. Fünf Monate sind für den Abriss angesetzt, Ende März soll parallel mit dem Neubau begonnen werden. Bucci glaubt fest an den engen Zeitplan. „Ich bin der Weltmeister des halbvollen Glases“, sagt der 59-Jährige vonsich. Wenn es einer schaffen kann, dann der pragmatische frühereTop-Manager vonKonzernen in den USA und der Schweiz. In die Politik ging er 2017, als er in seiner Heimatstadt bei der Bürgermeister- Wahl für ein Bündnis rechter Parteien antrat. Dastraditionell rote Genua stimmte erstmals nach 42 Jahren für einen Kandidaten der Rechten. Bucci selbst ist parteilos, mit guten Kontakten zur Lega. Der Stadt verspricht er die Wiedergeburt nach der Katastrophe. Laut Regierungsbeschluss soll Genua 1,1 Milliarden Euro erhalten, davon 430 Millionen für Abriss und Wiederaufbau der Brücke. Einen Großteil muss deren Ex-Betreiber Autostrade per l’Italia zahlen. Als Kommissar mit besonderen Vollmachten kann Bucci den Auftrag für den Brücken-Neubau recht unbürokratisch vergeben. Unter den zehn Bewerbern sind Konsortien, die berühmte Architekten zu bieten haben. Einitalienischer Baukonzern will die Brücke nach Plänen des Genuesers Renzo Piano errichten. Die Konkurrenz hat den spanischen Brückenspezialisten Santiago Calatrava engagiert. Werden Zuschlag erhält, will Bucci in Kürze bekanntgeben. Wut in bunt Mit orangen und roten Tüchern protestieren Berliner an der Karl-Marx-Allee gegen die Privatisierung ihrer Wohnungen. Tagesthema Seite 2 Kleine Schritte zur Weltrettung DerKlimagipfel beschließt in Polen ein laues Regelwerk. Und eine 15-jährige Aktivistin rügt die Erwachsenen Anderthalb Wochen lang verhandelte die Weltgemeinschaft im polnischen Kattowitz, tief im schlesischen Kohlerevier,bei der Klimakonferenz über die Zukunft des Planeten. Minister waren da, Staatschefs. Weit nach dem geplanten Ende der Verhandlungen über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens erzielten sie ein Ergebnis, das sie am Sonnabend präsentierten. Selbst der polnische Gipfelpräsident Michal Kurtyka formulierte sein Lob an die Teilnehmer zurückhaltend. „Sie haben 1000 kleine Schritte nach vorn gemacht“, sagte er. Kleine Schritte –für mehr hat es auch 23 Jahre nach der ersten Weltklimakonferenz nicht gereicht. Die Kritik am Zaudern der Mächtigen formulierte vielleicht niemand eindringlicher als eine Schülerin aus Schweden: Greta Thunberg, 15 Jahre alt. Seit vier Monaten befindet sie sich in einem „Schulstreik für das Klima“. Über die sozialen Medien ist sie weltberühmt und zu einer Stimme für die Generation geworden, die von den Folgen des Klimawandels viel härter betroffen sein wird als die heutigen Entscheider. Thunbergs Urteil über die Erfolge in Kattowitz fiel vernichtend aus. „Wenn unsere Politiker, die Medien und die Gesellschaft die Klimakrise endlich als solche behandeln, dann brauchen wir keine Klimakonferenzen mehr“, schrieb sie am Sonntag auf Twitter.„Dann werden wir all unsere Zeit dafür verwenden müssen, die Emissionen zu reduzieren.“ Schon in der vorigen Woche hatte Thunbergauf der Konferenz die Verhandler mit einer Rede aufgerüttelt. „Unsere Zukunft wirdfür die Möglichkeit geopfert, dass eine kleine Gruppe von Menschen unglaubliche Summen verdient“, warfsie ihnen entgegen. Sie kritisierte auch die Vorstellung, die Klimakrise lasse sich mit Technologie überwinden. „Ihr sprecht nur deshalb von grünem Wachstum, weil ihr Angst habt, unbeliebt zu werden“, rief Thunberg den Politikernzu. Greta Thunberg, Klimaaktivistin DPA Das in Kattowitz von fast 200 Staaten gebilligte Dokument legt fest, dass alle Länder regelmäßig berichten müssen, wie viel Treibhausgase sie ausstoßen und was sie dagegen tun. Zuletzt hatten noch Brasilien und die Türkei für Verzögerungen gesorgt. UN-Generalsekretär António Guterres sprach in der Nacht zum Sonntag von einem „soliden“ Ergebnis, mahnte aber zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Er lud für September zu einem großen UN-Treffen ein, bei dem die Staats- und Regierungschefs Farbe bekennen sollen. Das gut 130 Seiten starke Regelbuch setzt das als historisch eingestufte Pariser Klimaabkommen von 2015 praktisch um. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Nach Erkenntnissen von Klimaforschern ist dieses Ziel mit den bisher vereinbarten Maßnahmen aber nicht zu erreichen. Umweltverbände zeigten sich in der Nacht zum Sonntag unzufrieden und mahnten zu mehr Solidarität. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan wies darauf hin, dass ganze Nationen im Meer zu versinken drohen. „Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und eindringliche Warnungen der besten Wissenschaftler weltweit hätten zu viel mehr führen sollen.“ Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte, ingeopolitisch schwierigen Zeiten habe der Gipfel gezeigt, dass es sich lohne,beharrlich an einem globalen Konsens zu arbeiten. Ab 2024 müsse sich nun zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganzeWelt beim Klimaschutz in die Karten schauenlassen. Der Klimaforscher Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sagte mit Blick auf die global gestiegenen Treibhausgasemissionen, ein Kursschwenk sei unumgänglich. „Wir bewegen uns mit großer Geschwindigkeit in die falsche Richtung.“ Die Fortschritte in Kattowitz seien minimal gewesen. (fred., dpa) Politik Seite 5, Leitartikel Seite 8 THOMAS UHLEMANN Regierung fordert Bahn-Reform Konzern soll grundlegend umstrukturiert werden Die Bundesregierung hat von der Deutschen Bahn grundlegende Reformen gefordert. „Die Bahn braucht eine Neustrukturierung“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann (CDU), der Welt am Sonntag. Einem Bericht der Bild am Sonntag zufolge gab das Staatsunternehmen von 2015 bis 2018 über eine halbe Milliarde Euro für externe Berater aus – und beschloss nun eine deutliche Reduzierung dieser Kosten. „Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein“, sagte Enak Ferlemann und setzte der Bahn ein Ultimatum: „Wir erwarten, dass der Vorstand der Bundesregierung bis März ein entsprechendes Konzept vorlegt“, sagte der CDU-Politiker,der auch Staatssekretär im Verkehrsministerium ist. „Erste Ergebnisse wollen wir bei einem Termin im Januar hören.“ Derweil dauert der Tarifstreit mit der kleineren Lokführergewerkschaft GDL an. Bahnreisende müssen bis zum Jahresende aber keine Streiks befürchten, weil die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) nach geltender Regelung erst nach einem Schlichtungsverfahren dazu aufrufen darf. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte sich am Sonnabendmorgen nach tagelangen Verhandlungen auf ein Tarifpaket mit der Deutschen Bahn AG verständigt. Es sieht eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,1 Prozent in zwei Stufen vor. Zum1.Juli2019 sollen die Löhne um 3,5 Prozent steigen, ein Jahr später noch einmal um 2,6 Prozent. Zudemerhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 1 000 Euro. (AFP,dpa) Wirtschaft Seite6,Kommentar Seite8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 11051 Einbesonderes Weihnachtsgeschenk! 26.01. -27.01.2019 Tickets: www.ticketmaster.de ·www.eventim.de www.apassionata.show

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