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Berliner Zeitung 18.02.2019

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Der Engel über Berlin –zum Todvon Bruno Ganz – Feuilleton Seite 21 Heute mit Katja Berlins Kolumne Seite 8 3°/14° Sonnig und warm Wetter Seite 28 Karl Marx’ Grab in London geschändet Feuilleton Seite 21 www.berliner-zeitung.de Die Clans enteignen? Schwerer als gedacht Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Montag,18. Februar 2019 Nr.41HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Berlinale: Goldener Bär für „Synonymes“ aus Israel Feuilleton Seite 23 Fußball-Bundesliga Alter schießt Tore VonPaul Linke Ist Claudio Pizarro ein Schlitzohr oder mehr der TypSpitzbube? Eher Schlingel oder doch ein Schelm des Strafraums? Dasjedenfalls sind die S- Kategorien, die den Stürmer seit über zwanzig Jahren begleiten. Auch beliebt: Spaßvogel und Sympathieträger.Pizarroselbst favorisiertSchlawiner.Weil: „Ein Schlawiner hat ein gutes Auge. Ersieht alles. Überall! Auf dem Platz, neben dem Platz, sogar auf dem Oktoberfest.“ Hier muss man sich bitte ein Grinsen Claudio Pizarro, ältester Torschütze der Bundesliga vorstellen, am besten ein spitzbübisches. Pizarrowar 40 Jahre und 136 Tage alt, als er am Sonnabend ein Freistoßtor im Olympiastadion erzielte. Für Werder Bremen, gegen Hertha BSC. Für die Geschichtsbücher,gegen den Jugendtrend im Fußball. Pizarro ist nun der älteste Torschütze der Bundesliga. Andere Rekorde,die der Peruaner hält: die meisten Spiele (463) und die meisten Tore (195) eines ausländischen Profis. Erzielt hat er diese zwischen 1999 und 2019, in jedem Jahr mindestes eines – diese Serientat ist unerreicht. Müssten sich die deutschen Fußballfans auf einen gemeinsamen Liebling festlegen, Pizarro wäre ein heißer Kandidat. Einerseits sind seine Tore –fürWerder,die Bayern oder den 1. FC Köln –nicht selten fußgemachte Kunst. Heber, Schlenzer, gerne Absatzkicks. Andererseits sind es diese ansteckend gute Laune und dieser ungebrochene Optimismus, die ihn ausmachen. Pizarro, so das öffentliche Bild, sagt einfach Ja zum Leben. Auf dem Platz und neben dem Platz, sogar auf dem Oktoberfest –oder in der Münchner Promidiskothek P1. Pizarros Karriere, die ihn kurzzeitig auf die Ersatzbank beim FC Chelsea führte, aber nie zu einer Weltmeisterschaft, hätte noch erfolgreicher sein können. Das sagten seine Trainer.Das weiß er selbst. Es reichte ja auch so zu sechzehn Titeln. Pizarro war nie einer, der immer alles gab. Harten Zweikämpfen ging er aus dem Weg, von schweren Verletzungen blieb er verschont. Dass er selbstbestimmt und würdevoll alternkann im Fußball-Business hat damit zu tun. Seit Jahren schon ist Pizarro ein Teilzeitarbeiter. Meist wird ereingewechselt, wenn das Spiel eine Wende, eine besondere Pointe braucht oder die Stadionstimmung belebt werden muss. Manchmal gelingt ihm noch eine Aktion, die ihre volle Schönheit erst in der Zeitlupe entfaltet. Annahme,Drehung, Schuss –alles in einer fließenden Bewegung. Meistens aber trabt er über den Platz, als wäre er auf einer Ehrenrunde. ObPizarro sich im Sommer endgültig in den Ruhestand verabschieden wird? „Ich muss darauf hören, was mein Körper sagt.“ Undauch hier bitte das Grinsen nicht vergessen. SportSeite 20 VonGabriela Keller und Kai Schlieter Berlin ist eine anziehende Stadt. Das lässt sich mit vielen Zahlen belegen. Die Tourismusbranche wächst zweistellig, und Zehntausende Menschen ziehen dauerhaft jedes Jahr hierher. Die Preise für Grund und Boden stiegen seit dem Jahr 2008 in manchen Gegenden um 1000 Prozent. Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Beratungsunternehmen Knight Frank einen Städteindex und auf Platz 1landete erstmals Berlin – als die Stadt, in der die Preise am schnellsten in die Höhe schießen. 20 Prozent Steigerung imVergleich zum Vorjahr. Der ökonomische Druck auf Berlin ist gewaltig, weil die ganze Welt hier investieren will. Das hat gravierende Folgen für die Stadt und die Menschen hier, die ja in ihrer Mehrheit Mieter sind. Deswegen wurde die Kehrseite dieser Attraktivität Berlins in der Hauptstadt zum wichtigsten Thema der kommenden Jahre: die Wohnungspolitik. Vor diesem Hintergrund entwickelt die Unternehmensgruppe Berlin Aspireihr Geschäftsmodell für die Hauptstadt. Es ist ein Modell, das Mieter in Schrecken versetzt. Berlin Aspire kauft Häuser vor allem in einkommensschwachen Lagen der Stadt, teilt die Häuser rasch auf und verkauft die einzelnen Wohnungen so schnell wie möglich und zumeist an israelische Kleinanleger. Die Firma bedient sich dabei auffälliger Vereinbarungen, wie Recherchen der Berliner Zeitung und des Rundfunks Berlin-Brandenburgnun erstmals offenlegen. Es geht um Vereinbarungen, die in Israel mit den Kleinanlegern geschlossen werden und die diesen Er- Wetten auf Berlin tragsgarantien von fünf Prozent versprechen. Doch in den deutschen Kaufverträgen, die von der Berliner Zeitung eingesehen wurden, fehlen diese Fünf-Prozent-Vereinbarungen. Es sind womöglich Nebenabsprachen, die Konsequenzen haben können. Denn der Kniff hilft dabei, in den uns bekannten Fällen dasVorkaufsrecht für Mieter auszuhebeln. Wie das funktioniert? Durch die Zusicherung einer fünfprozentigen Ertragssicherung für die Investoren verringert sich im Nachhinein der Kaufpreis für die Wohnungen. Wird den Altmieterndiese Klausel vorenthalten, zahlen sie am Ende einen höheren Preis, wenn sie ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen. So wirddas Vorkaufsrecht für Mieter zu einer teuren und unattraktiven Angelegenheit. Gleichzeitig sind Wohnungen, die von Reportern besichtigt wurden, teilweise in schlechten Zuständen. Berlin Aspireentwickelte ein ausgetüfteltes System und baute ein Geflecht von Firmen auf, das neben dem Verkauf auch die Verwaltung, Finanzierungsberatung und Vermietung der Wohnungen für Anleger übernimmt. Die Gruppe steuert einen großen Teil der Verwertungskette. Hochoptimiert. Störfaktor in diesem Anlagemodell sind jedoch Der Immobilienmarkt der Hauptstadtboomt und zieht immer mehr Investoren an. Die Firmengruppe Berlin Aspire hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, bei dem vor allem eines stört: Die Altmieter in den Wohnungen die Altmieter, die die Erträge drücken, wenn sie in den Wohnungen verbleiben. Es lohnt sich daher, solche Geschäftsmodelle genau unter die Lupe zu nehmen, um zu verstehen, was gegenwärtig in Berlin passiert, wenn abstrakt von Verdrängung die Rede ist. Diese Recherchen zeigen jetzt, wie die Sache im Detail funktioniert. Wie Verwerfungen entstehen, wenn das Recht auf Wohnen an der Logik von Renditeerwartungen zerschellt. Berlin Aspire kauft Häuser vor allem in einkommensschwachen Lagen der Stadt, teilt die Häuser rasch auf und verkauft die einzelnen Wohnungen dann so schnell wie möglich weiter. In Bezirken wie Friedrichshain- Kreuzberg schnappen Berliner Behörden Investoren immer öfter Immobilien vor der Nase weg. Sie nutzen als letztes Mittel ebenfalls ihr Vorkaufsrecht. Werden Häuser in Wohneigentum aufgeteilt, muss auch Mietern die eigene Wohnung zum Kauf angeboten werden. So will es das Bürgerliche Gesetzbuch. Das Vorkaufsrecht der Mieter aber spielt in den Debatten bisher nicht immer eine große Rolle,dabei ist es eine der letzten Bastionen des deutschen Mieterschutzes. Hemdsärmelig agieren manche Berliner Politiker und Politikerinnen, die nun Versäumnisse der Vergangenheit aufarbeiten müssen. Da soll plötzlich in großem Stil enteignet ILLUSTRATION: BERLINER ZEITUNG werden, was umso ungewohnter wirkt, weil viele Jahre vor allem das Gegenteil geschah: Bürgermeister und Senatoren taten fast alles, um möglichst jeden Investor in die Stadt zu locken. Mit dem Effekt, dass sich heute in Berlin Briefkastenfirmen nur so tummeln, deren Hintermänner in Panama oder Zypern verborgen bleiben. Niemand weiß heute, wemBerlin wirklich gehört. Die Firmengruppe Berlin Aspire sitzt in Israel, es könnte aber auch ein Investor aus einem anderen Land sein. Das spielt keine Rolle. Wasaber wichtig ist: In einer globalisierten Welt kollidieren mitunter die verschiedenen Rechtssysteme und -verständnisse und sie können vonExperten gezielt gegeneinander ausgespielt werden. Besonders auf dem Wohnungsmarkt. Denn Anleger aus der ganzen Welt investieren in Berliner Häuser. Es sind wohlhabende Russen, Chinesen, Amerikaner, auch Europäer, mitunter sind auch Diktatoren und Oligarchen unter ihnen. Die Unternehmensgruppe nutzt die Unterschiede zwischen Deutschland und Israel auf dem Wohnungsmarkt und behält auch nach demVerkauf der Wohnungen an die Anleger mit ihrem Portfolio noch die Kontrolle. InIsrael ist Mieterschutz –wie in vielen anderen Ländern –kaum bekannt. In Deutschland soll er ungehemmte Renditeerwartungen auf dem Wohnungsmarkt bremsen. Aber auch hier schlängelt sich das Aspire- Modell durch. Denn die von Altmietern befreiten Wohnungen werden befristet und möbliert vermietet. So lassen sich das Zweckentfremdungsverbot umgehen und die Mieten vervielfachen; die Mietpreisbremse greift dann auch nicht mehr. Merkel rechnet mit Trump ab Streit um Außen- und Wirtschaftspolitik eskaliert Das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA rutscht wegen drohender Sonderzölle auf deutsche Autos und großer Differenzen in der Außenpolitik immer tiefer in die Krise. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz traten die großen Spannungen zwischen Berlin und Washington am Wochenende offen zutage. Kanzlerin Angela Merkel rügte die Alleingänge von US-Präsident Donald Trump in der Außen- und Handelspolitik scharf. Dessen Stellvertreter Mike Pence forderte die Europäer in München auf, dem harten Kurs der USA gegen Iran und Russland zu folgen. Doch Merkel denkt nicht daran. Sie setzt auf internationale Zusammenarbeit und die bestehende Weltordnung: „Wir dürfen sie nicht einfach zerschlagen“, sagte sie bei der Tagung vor zahlreichen Staats- und Regierungschefs in Anspielung auf Trump. Die USA erhöhen in der Außenund Handelspolitik den Druck auf die westlichen Verbündeten. So planen sie offensichtlich Sonderzölle auf deutsche Autos.Das Handelsministerium stufte europäische Autos als Gefahr für die nationale Sicherheit ein, somit könnte Trump Sonderzölle erheben. Pence drohte mit Konsequenzen, wenn Europa weiter auf russisches Gas setze, und forderte die Verbündeten zum Rückzug aus dem Atomabkommen mit dem Iran auf. „Die Zeit für unsere europäischen Partner ist gekommen, an unserer Seite zu stehen.“ Merkel reagierte in München empört darauf, dass die USA Pläne für Sonderzölle auf deutsche Autos haben. Wenn deutsche Autos „plötzlich eine Bedrohung der nationalen Sicherheit derVereinigten Staaten von Amerika sind, dann erschreckt uns das“. DieKanzlerin sagte zudem, sie halte es für einen Fehler desWestens, die Kontakte zu Russland und dem Iran zu kappen. Es sei besser,imGespräch zu bleiben und so auf die beiden Länder einzuwirken. Dagegen sagte Pence: „Das iranische Regime befürwortet einen weiteren Holocaust und versucht ihn auch zu erreichen.“ Trumps Stellvertreter fügte hinzu: „Antisemitismus ist nicht nur falsch, er ist böse.“ (dpa) PolitikSeite 4, Leitartikel Seite8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt ReportSeiten 2und 3 4 194050 501603 11008

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