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Berliner Zeitung 18.06.2018

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Bis es zum Himmel stank: Berlin und seine Rieselfelder – Stadtgeschichte Seite 18 Die FU und der Fall Steffel Seite 17 16°/24° Meist sonnig Wetter Seite 2 www.berliner-zeitung.de Montag,18. Juni 2018 Nr.139 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Mit Mut voran: Englands junge Elf Seite 14 Mesut Özil und das einsame Schweigen Seiten 12 und 13 Brasilien patzt: Nur 1: 1gegen die Schweiz Seiten 13 DIE WM-KOLUMNE Schnellinger! Ausgerechnet Schnellinger! VonJan Scheper Etwas ist anders bei der WM. Schon in den Tagen vor dem Eröffnungsspiel fehlte mir was. Erst konnte ich nicht sagen, was genau. Dann war es so, als ob ein Bällchen mir schemenhaft durchs Gedächtnis hopste, kullerte und schließlich zügig gen Erkenntnis flog. Die Geschichten fehlten. Seit meiner Kindheit gehörte es zu einem Ritual vor jedem großen Turnier,dass mein Vater mit WM-Anekdoten von früher aufwartete: Wembley-Tor, das Jahrhundertspiel, aber auch vermeintlich belanglose Gruppenspiele oder Spieler, die alsbald nach zwei, drei guten Aktionen wieder auf ewig in der Versenkung verschwanden. Später, als der öffentlich-rechtliche Rundfunk entdeckte, dass man vor einem großen Turnier durchaus noch mal große Partien voneinst zeigen kann, wurde mir klarer, warum seine Augen glänzten, wenn er von den „großen Spielen“, „fehlenden Schienbeinschonern“ und „zauberhaftem Standfußball“ berichtete. Undvon George Best, auch wenn der nie bei einer WM dabei war.Und von Pelé, dessen spielerischer Geist über jedem brasilianischen Team schwebt –mal als Anspruch, mal als Inspiration, mal als Bürde.Und nicht zuletzt auch von Eusébio, dem eigentlichen Star des Turniers 1966. Fußball, insbesondere indiesem besonderen Vier-Jahres-Rhythmus, ist die Summe seiner Geschichten. Unddie sich aus der eigenen Erinnerung speisende Erzählung ist die eigentliche Königsdisziplin. Etwas,das dankenswerterweise, angesichts eines endlosen Kommerzes, unkorrumpierbar erscheint. Immer noch. Vielleicht war die Vorfreude auf die WM deswegen als Kind so groß. Die väterliche Paradedisziplin war und ist allerdings das Impulsreferat während des Elfmeterschießens. Wohl auch um die eigene Anspannung bei deutscher Beteiligung zu verbergen. Nur uminden entscheidenden Momenten doch kurzinden Garten zu flüchten. DieWM94sahen wir mit Freunden überwiegend im Sommerurlaub in Skandinavien. Die Übertragungen im Fernsehen waren ob der Gefühlsausbrüche der Kommentatoren ein Riesenspaß für uns Kinder. Bei Mini- Chancen gluckste es „Oioioioioio“ oder „Aiaiaiai“ aus den TV-Lautsprechern. Entnervt hielt Vater ein flammendes Plädoyer für die nüchternen Pointen und Analysen Ernst Hubertys. Seitdem weiß ich, was „Schnellinger! Ausgerechnet Schnellinger!“ bedeutet. Natürlich haben wir auch zum Mexiko-Spiel telefoniert. Ich hab’ mir neue und alte Geschichten angehört. Jetzt fehlt mir nichts mehr. Ich bin im Turnier angekommen. JanScheper genoss eine fürs Ruhrgebiet typische Fußballerziehung. Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft startet schlecht in das WM-Turnier. Sie verliert 0:1 gegen Mexiko. Bundestrainer Joachim Löw gibt sich gefasst und sagt: „Wir werden wieder aufstehen.“ Seiten 11 bis13 Ultimativer Streit Der Asylkonflikt zwischen CDU und CSU schwelt weiter.Kommt es jetzt zum großen Knall in der Regierung? VonTobias Peter und Daniela Vates Es sind denkwürdige Tage in Berlin. Da soll der Bundesinnenminister die Zusammenarbeit mit der Bundeskanzlerin für unmöglich erklärt haben, da gibt es Berichte über immer neue Ultimaten der einen Schwesterpartei an die andere. Undalle warten darauf, ob es am Montag zum großen Knall in der Bundesregierung kommt. Denn die Fronten im Asylstreit zwischen CDU und CSU sind am Wochenende verhärtet geblieben –auch wenn CSU-Chef Horst Seehofer zumindest signalisierte, er könne sich mit Merkel einigen. Die CSU dringt weiter darauf, dass Asylbewerber an der deutschen Grenze abgewiesen werden, wenn sie bereits in anderen EU-Staaten registriert sind. Die Kanzlerin will in dieser Frage keine deutschen Alleingänge, sondern ein abgestimmtes europäisches Vorgehen. „Ich kann mit der Frau nicht mehr arbeiten.“ Diesen Satz soll CSU-Chef Horst Seehofer laut der Zeitung Welt am Sonntag über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesagt haben. Gleich zweimal. Und zwar in einer Runde mit Landesgruppen-Chef Alexander Dobrindt und anderen führenden CSU-Politikern amDonnerstagmorgen in Berlin. In der CSU wirddiesem Bericht am Sonntag widersprochen. Die Darstellung, dass Seehofer den Satz gesagt habe, sei nicht richtig, sagten Teilnehmer der Sitzung der Berliner Zeitung. Ein CSU-Sprecher kommentierte den Bericht auf Anfrage nicht. Es habe sich um eine interne Sitzung gehandelt, sagte er.Ineinem Interview mit der Bild am Sonntag sagte Seehofer dann:„Niemand in der CSU hat Interesse, die Kanzlerin zu stürzen, die CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft aufzulösen oder die Koalition zu sprengen.“ Er fügte hinzu: „Wir wollen endlich eine zukunftsfähige Lösung für die Zurückweisung von Flüchtlingen an unseren Grenzen.“ Am Montag könnte es zum Showdown kommen. Das CSU-Präsidium wird sich dann mit einem Beschluss der Landesgruppe befassen. Dieser besagt, Seehofer solle seine Ressortkompetenz in der strittigen Frage einfach nutzen. MitanderenWorten: Der Innenminister solle die Bundespolizei anweisen, an der Grenze Flüchtlinge zurückzuweisen, die in anderen EU-Staaten registriertsind. Seehofer stünde dann vor der Frage, oberdies tut, ohne noch einmal mit Merkel zu sprechen. Merkel wiederum stünde vor der Frage, wie sie reagiert. Sie hat als Kanzlerin das Recht, die Richtlinien der Politik zu bestimmen. Lässt sie Seehofer gewähren, dann ist ihreAutorität mehr als nur angeschlagen. Entlässt Merkel Seehofer als Minister, wäre das Zerwürfnis zwischen CDU und CSU vollkommen. Und: Die Koalition dürfte in diesem Fall am Ende sein. „Niemand in der CSU hat Interesse, die Kanzlerin zu stürzen, die CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft aufzulösen oder die Koalition zu sprengen.“ Horst Seehofer, Bundesinnenminister, imInterview mit der Bild am Sonntag Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Olevon Beust (CDU) regte an, die Kanzlerin könne die Vertrauensfrage stellen. Dabei bittet der Regierungschef oder die Regierungschefin auf Grundlage von Artikel 68 des Grundgesetzes die Abgeordneten darum, ihm oder ihr das Vertrauen auszusprechen. Die Vertrauensfrage lässt sich mit einem Votumüber eine Sachfrage verknüpfen. Erhielte Merkel keine Mehrheit, könnte sie Bundespräsident Steinmeier um die Auflösung des Bundestages bitten. Welchen Ausweg könnte es geben? Innenminister Seehofer pochte Albtraum zum Auftakt in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf seine Rechte als Minister. Erschrieb aber auch: Es sei von„entscheidender Bedeutung, dass der EU-Gipfel Ende Juni endlich zu Beschlüssen kommt, die Deutschlands Lasten in der Migrationspolitik anerkennen und einen wirksamen Schutz der EU-Außengrenzen und eine faireVerteilung der Menschen mit Bleiberecht ebenso gewährleisten wie eine schnelle Rückführung der Menschen ohne Bleiberecht“. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass er Merkel womöglich doch zwei Wochen mehr Zeit geben will. CSU-Generalsekretär Markus Blume hatte dies zuvor allerdings dementiert. Am Sonntagabend kam die engste CDU-Spitze in Berlin zum Krisentreffen zusammen. Inwieweit wird Merkel versuchen, in den kommenden Tagen in Gesprächen mit Griechenland, Italien und Österreich Lösungen zu finden, die auch die CSU zufriedenstellen würden? Ein Regierungssprecher in Berlin widersprach Berichten, es sei ein EU-Sondergipfel geplant. Aber „selbstverständlich ist, dass die Bundesregierung in diesem Zusammenhang Gespräche mit unterschiedlichen Mitgliedstaaten und der Kommission führt.“ Damit ist klar: Eswird zwar vor dem regulären EU-Gipfel am 28. und 29. Juni gesprochen. Aber es ist unklar,inwelchen Formaten. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 10 GETTY IMAGES/MATTHIAS HANGST Wiener Ärger über Spionage des BND Deutscher Geheimdienst überwachte Österreicher Angesichts detaillierter Berichte über Spionageangriffe des Bundesnachrichtendienstes (BND) auf Politiker,Ministerien, Unternehmen und Einrichtungen internationaler Organisationen in Österreich haben Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bundespräsident Alexander Vander Bellen vonDeutschland volle Aufklärung gefordert. „Ein Ausspionieren unter befreundeten Staaten ist nicht nur unüblich und unerwünscht, es ist auch nicht akzeptabel“, stellte Van der Bellen in Wien klar. Kurz sagte,das Ausmaß sei „gewaltig“. Anlass für ihre verärgerten Äußerungen waren Berichte über systematische Abhöraktionen des deutschen Auslandsgeheimdiensts.Von 1999 bis 2006 soll der BND 2000 Telefon-, Faxund Handyanschlüsse sowie E-Mail- Adressen im Nachbarland überwacht haben, berichteten das Magazin Profil und DerStandard. Die Berichte lösten in der österreichischen Politik große Unruhe aus. Das Kanzleramt in Wien berief ein Krisentreffen ein. Bundespräsident und Bundeskanzler wandten sich danach am Sonnabend in einer ungewöhnlichen gemeinsamen Pressekonferenz an die Öffentlichkeit. Derartige Abhöraktionen würden „auf Dauer das Vertrauen zwischen den Staaten infrage stellen“, sagte Vander Bellen. Die deutsche Bundesregierung wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. Sie nehme dazu nichtöffentlich, sondernnur gegenüber den zuständigen und geheim tagenden Gremien des Bundestags Stellung, erklärte ein Regierungssprecher in Berlin. Zudem betonte er mit Blick auf den Spionageverdacht gegen Firmen,dass Wirtschaftsspionage weder in der Vergangenheit noch jetzt zu den Aufgaben des BND gezählt habe. ImParlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags ist das Thema bereits angekommen: „Wir prüfen, ob die Vorwürfe neu sind oder ob sie Teil der schon 2015 bekanntgewordenen Vorwürfe sind“, sagte der PKG-Vorsitzende Armin Schuster (CDU) der Funke Mediengruppe. Es sei „oft weder verhältnismäßig, noch in der Sache erklärbar“ gewesen, dass der BND andere europäische Staaten bespitzelt habe,sagte er. (AFP) Politik Seite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 11025

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