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Berliner Zeitung 18.09.2019

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WieJuan Moreno den Fall Relotius aufdeckte: Ein Interview – Feuilleton Seite 22 Ramona Pop auf Tour in NewYork Seite 9 7°/13° Sonne und Wolken Wetter Seite 2 Nichts röhrt mehr: Neuer Trend auf dem Automarkt Wirtschaft Seite 7 www.berliner-zeitung.de Union und Hertha: die Fußballkolumne Sport Seite 20 Mittwoch, 18. September 2019 Nr.217 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Sorgen um Sanssouci: Die Parkbäume sterben Seite 3 Eine neue Partei als Traumprojekt VonRegina Kerner Den Rechtspopulisten Matteo Salvini will er bekämpfen und dessen Wiederaufstieg verhindern. Das könne er viel besser, wenn er nicht ständig aus der eigenen Partei beschossen werde, sagt der Ex-Premier und frühere Chef der italienischen Sozialdemokraten, Matteo Renzi. Die seien nur noch ein Sammelbecken verschiedener Strömungen und hätten keine Zukunftsvision. Deshalb trete er nun aus und gründe seine eigene politische Bewe- Matteo Renzi kehrtden Sozialdemokraten den Rücken. Italien gung, erklärte Renzi. Klar ist: 30 Abgeordnete und zwei Minister aus der neuen Regierungskoalition von PD und Fünf Sternen werden ihm folgen. Für die gerade erst formierte Mannschaft von Premier Giuseppe Conte sind das keine guten Aussichten, auch wenn Renzi beschwichtigt. Die Regierung werde er unterstützen. Immerhin gilt er als Urheber des Bündnisses der Sozialdemokraten mit dem früheren Feind Fünf Sterne. Auf das „Meisterwerk“, Salvini so in die Opposition gedrängt zu haben, sei er stolz, sagt Renzi mit der ihm eigenen Eitelkeit. Der heute 44 Jahre alte frühere Bürgermeister von Florenz war von 2014 bis 2016 Regierungschef, der jüngste in Italiens Nachkriegsgeschichte. Als selbst ernannter „Verschrotter“ der alten Eliten des Landes und der Altlinken seiner Partei und mit großen Reformversprechen galt er als Hoffnungsträger. Bei der Europawahl 2014 holte er für die PD mehr als 40 Prozent. Doch überdimensionierter Ehrgeiz, Großspurigkeit und die Angewohnheit, sich mit einem Zirkel Getreuer zu umgeben, machten ihn zunehmend unbeliebt, in der eigenen Partei wie in der Bevölkerung. Am Ende stolperte er über ein Verfassungsreferendum, das er zum Votum über sich selbst deklariert hatte. Auch als Parteichef musste er abtreten. Inzwischen ist er Italiens unpopulärster Politiker. Aber Renzi liegt es nicht, lange im Hintergrund zu bleiben. DieAbspaltung von der PD ist ein Schachzug, sich wieder Macht und Einfluss zu sichern. Seine Parlamentarier werden bei Abstimmungen im Parlament das Zünglein an der Waage sein. Die Regierung wird auf ihn angewiesen sein, um ihre Gesetze durchzubringen. Entsprechend irritiert und wütend sei Conte,hieß es. Renzi wird versuchen, die Mitte rechts vonder PD zu besetzen, gemäßigte Wähler und Überläufer der Berlusconi-Partei Forza Italia zu gewinnen. Seine Strategie und den Namen der neuen Bewegung will er im Oktober präsentieren. Sie werde jung und innovativ sein, verspricht er: „Wir werden Ideen und Träume für das Italien vonmorgen vorstellen.“ Neben zwei oberirdischen sind auch zwei unterirdische Geschosse für das neue Museum der Moderne geplant. 2026 soll es fertig sein. VonUlrich Paul Schön teuer Das Berliner Museum der Moderne im Kulturforum soll doppelt so viel kosten wie ursprünglich geplant. Ist es das wert? Für das Museum der Moderne im Kulturforum soll noch in diesem Herbst der erste Spatenstich getan werden. Mit der Fertigstellung des Gebäudes wird 2026 gerechnet. Das sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger,amDienstag bei der Vorstellung der Pläne. Weil Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zuvor verkündet hatte, dass sich die zunächst auf 200 Millionen Euro veranschlagten Ausgaben für das Projekt nun auf 450 Millionen Euro erhöhen, geriet die Präsentation der Pläne zur Rechtfertigung der Kostensteigerung. Parzinger sagte,dass der Bund das Geld für den Neubau investieren wolle, sei „ein großartiges Zeichen für die Kulturnation Deutschland und auch für den Museumsstandort Berlin“. Die Baukosten beliefen sich auf 364 Millionen Euro. Hinzu kämen 52,2 Millionen Euro,die für künftige Baukostenerhöhungen eingeplant würden sowie eine Risikovorsorge in Höhe von33,8 Millionen Euro.Die Summe von 200 Millionen Euro sei vor fünf Jahren genannt worden, als es noch keinen Entwurf für das neue Museum und damit keine Berechnungsgrundlage für den Bau gegeben habe, führte Parzinger ins Feld. Auch zu den 200 Millionen Euro hätten steigende Baukosten und eine Risikovorsorge hinzugerechnet werden müssen. „Dennoch, es ist eine Menge Geld, ganz klar“, räumte Parzinger ein. Deswegen sei eswichtig, deutlich zu machen, warum der Baunotwendig sei. Da in der benachbarten Neuen Nationalgalerie nur ein Bruchteil der Sammlung der Moderne des 20. Jahrhunderts dauerhaft gezeigt werden könne, sei der Neubau erforderlich. Die Neue Nationalgalerie und das Museum der Moderne sollen unterirdisch miteinander verbunden werden. „Unsere Sammlung hat sich seit den 1960er- Jahren durch die Zusammenlegung der Sammlungen aus Ost und West, durch zahlreiche Ankäufe und Schenkungen mindestens verdreifacht, aber sie ist zerrissen, über viele Standorte verteilt und aus Platzgründen immer nur in Ausschnitten zu sehen“, sagte der Leiter der Neuen Nationalgalerie, Joachim Jäger. Vieles schlummereimDepot. „Es wirdmit dem Neubau möglich sein, die Kunst des 20. Jahrhunderts von Max Beckmann zu Bruce Nauman, von Kurt Schwitters zu Jason Rhoades als Kontinuum zu erfahren“, so Jäger. „Der künftige Standort für die Kunst des 20. Jahrhunderts wird nicht nur die Neue Nationalgalerie mit dem Neubau verbinden, auch die Werkkonvolute der Sammlungen Pietzsch, Marx und Marzona erhalten ideale Präsentationsräume“, sagte Jäger. Überdies habe auch der Maler GerhardRichter zugesagt, eine große Zahl von Werken für das neue Haus zurVerfügung zu stellen. Arbeiten aus dem Kupferstichkabinett und der „Uns wurde eine günstige ,Scheune‘ für 200 Millionen Euro versprochen und wir bekommen jetzt ein Museum,für das wir auch ein neues Schloss bauen könnten.“ Gesine Lötzsch, Berliner Bundestagsabgeordnete der Linken Kunstbibliothek sollen die Präsentation abrunden. DieLinke im Bundestag mag sich trotz großer Künstlernamen nicht einfach mit der Kostensteigerung abfinden. „Uns wurde eine günstige ,Scheune‘ für 200 Millionen Euro versprochen und wir bekommen jetzt ein Museum, für das wir auch ein neues Schloss bauen könnten“, sagt die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch in Anspielung auf die Architektur, die manchen Kritiker an eine Lagerhalle in der Landwirtschaft erinnert. „Es kann nicht sein, dass sich der Preis noch vor dem ersten Spatenstich mehr als verdoppelt“, stellt die Linken-Abgeordnete fest. „Darüber werden wir im Haushaltsausschuss sprechen müssen.“ Der Neubau für das Museum der Moderne soll nach Plänen des Schweizer Architekturbüros Herzog &deMeuron entstehen, die durch den Umbau der Tate Gallery ofModern Art in London im Jahr 2000 international bekannt wurden. Sie haben sich 2016 mit ihrem Entwurf für einen hallenähnlichen Bau mit Spitzdach durchgesetzt, der auf einem freien Grundstück zwischen der St.Matthäus-Kirche und der Potsdamer Straße geplant ist. Auf dem STIFTUNG PREUSSISCHER KULTURBESITZ 10 200 Quadratmeter großen Baugrundstück soll laut SPK eine Nutzfläche von 16000 Quadratmetern entstehen, davon rund 9000 Quadratmeter Ausstellungsflächen. Architekt Jacques Herzog verteidigte am Dienstag die neue Preiskalkulation. Ein großer Teil der Kosten habe mit dem hohen Aufwand zur Klimatisierung und dem Schutz der Räume zu tun, sagte er. Aber nicht nur die Preise haben sich geändert. Die Architekten mussten auch die Grundfläche um rund 15 Prozent verkleinern, um den Abstand zur St. Matthäus-Kirche und zu der als Naturdenkmal geschützten Platane an dem Standortzuvergrößern. Um die benötigten Museumsflächen unterbringen zu können, soll nun mehr in die Tiefe gebaut werden. Neben zwei oberirdischen sind zwei unterirdische Geschosse geplant. Architekt Herzog interpretiert die Anordnung der Geschosse auf ganz eigene Weise. „Das eigentliche Raumkonzept des Gebäudes ist ein Haus alsein Raum“, sagteer. Es gebe also nicht, „wie kolportiert wurde“, Tiefgeschosse. Alles sei oben. „Du befindest dich, auch wenn du unten bist, in diesem einen Raum“, sagte er.Zur Erklärung fügte Herzog hinzu: „Künstler haben es gar nicht gern, wenn sie an weniger guten Orten sind.“ Arno Lederer, der Vorsitzende der Jury,die den Entwurfvon Herzog &deMeuron 2016 zum Sieger kürte, spart nicht mit Lob für das Projekt. Die Fassade sei „sehr, sehr fein gearbeitet“. Der Bau konkurriere nicht mit Mies vander RohesNeuer Nationalgalerie und nicht mit Hans Scharoun, dem Architekten der Philharmonie.Die einfache Form des Museums der Moderne könne „wahrscheinlich am leichtesten“ zwischen In eigener Sache Die Berliner Zeitung hat neue Besitzer Nach zehn Jahren in der Unternehmensgruppe DuMont erhält der Berliner Verlag neue Eigentümer: Das Berliner Ehepaar Silke und Holger Friedrich übernimmt den Verlag, in dem die Berliner Zeitung erscheint. Silke und Holger Friedrich sehen im Fokus der künftigen Ausrichtung des Berliner Verlags die Stärkung des Unternehmensprofils und die digitale Weiterentwicklung seiner Titel. „Wir möchten den gesellschaftlichen Diskurs für Berlin und aus Berlin heraus bereichern“, betont Holger Friedrich. (BLZ) Tagesthema Seite 2 USA: Angriff wurde vom Iran aus verübt Merkel warnt vor einer Eskalation in der Golfregion D ie Luftangriffe auf saudische Öl- Anlagen sind nach US-Erkenntnissen von iranischem Boden aus verübt worden. Dassagte ein US-Regierungsmitarbeiter am Dienstag. Dabei seien Marschflugkörper eingesetzt worden. Zu den Attacken vom Sonnabend hatten sich die Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannt, die vomIranunterstützt werden. Nach Angaben des US-Regierungsmitarbeiters, der nicht namentlich genannt werden wollte, trägt Washington Beweismaterial zu den Angriffen zusammen, das der internationalen Gemeinschaft und besonders den europäischen Verbündeten am Rande der UN-Vollversammlung vorgelegt werden soll. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte am Dienstag die Notwendigkeit einer politischen Lösung für den Iran-Konflikt sowie von Mäßigung angesichts der jüngsten Eskalation in der Golfregion. Deutschland werde „immer auf der Seite der Deeskalation stehen und sehr deutlich machen, dass langfristige Lösungen nur politisch möglich sind“, sagte sie nach einem Gespräch mit dem jordanischen König Abdullah II. (AFP, dpa) PolitikSeite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt den Häusernvermitteln, sagte er. 4 194050 501603 31038

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