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Berliner Zeitung 18.10.2019

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Emoji und Gefühl: Arno Widmann bastelt sich ein zweites Ich – Netzwerk Seite 26 Die Zukunft der Bundesliga Seite 20 12°/19° Wechselnd bewölkt Wetter Seite 2 Erkältungsmythen: Washilft, was schadet Gesundheit Seite 17 www.berliner-zeitung.de Wieist Berlin? Eine Stadt sucht einen Slogan Berlin Seite 9 Freitag,18. Oktober 2019 Nr.242 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Ersatzverkehr: Vom Nutzen des Lastenrads Made in Berlin Seite 6 Wunderkind der Worte VonFlorian Thalmann Jeder Schriftsteller hat sie irgendwann: die Schreibblockade.Bei Samuel Grabovski passierte es,als er an seinem dritten Buch arbeitete, dem Roman „Drum lasst uns Leut’ vernünftig sein“; er erzählt darin die Geschichte zweier Freunde in der NS- Zeit.„Es hat gedauert, bis es fertig war, weil ich den Faden verlor“, sagt er. „Am Ende habe ich mich selbst am Samuel Grabovski ist Berlins jüngster Schriftsteller. Literatur Kragen gepackt und das Ende geschrieben.“ Und so ist es nun zu haben, das dritte Werk von Grabovski, auf dem Markt eines von vielen, und dennoch besonders: Samuel, der zuvor die Romane „John Farmer und der Krater des Todes“ und „Edwin Farmer –Mit nur fünf Pfund nach Amerika“ veröffentlichte,ist erst elf. DerJunge,der mit seinem Vater in Friedenau lebt und die Grundschule besucht, ist ein Wunderkind der Worte –mit dem Schreiben begann er, als er noch gar nicht schreiben konnte. „Ich hatte Spaß daran, mir Geschichten auszudenken“, erzählt er.„Damals habe ich sie diktiert und jemand anderes musste sie abtippen.“ Mit sechs Jahren durfte er an den Computer, schrieb selbst. „Ich liebe es,weil man alles zu Papier bringen kann, was man möchte. Dass man sich damit in fremde Welten begeben kann.“ DasThema des dritten Werkes, die NS-Zeit, beschäftigt ihn, seit er acht Jahrealt war.„Es hat mich negativ fasziniert. Mich interessierte, wozu eine Gesellschaft fähig ist, wie sie sich manipulieren lässt und ob das heute auch noch möglich wäre.“ Werdem Jungen zuhört, wenn er über Literatur redet, der staunt. Er ist anderen in seinem Alter weit voraus. Auch seinem Vater ist klar, dass sein Sohn etwas Besonderes ist. „In dem, was er tut, ist er außergewöhnlich begabt, aber nicht in allen Bereichen“, sagt Anton Grabovski. Dasweiß auch Samuel. Zwar kassiert erinDeutsch gute Noten. „Aber Mathematik ist nichts für mich. Ich lebe in einer künstlerischen Welt, das Abschreiben ist nicht mein Fall.“ Spannend wird sein Lebensweg. „Ich will Bücher schreiben, aber davon leben vermutlich nicht. Wenn man keinen Durchbruch hat, verdient man nur sehr wenig bis kein Geld.“ Samuel strebt einen festen Beruf an, „das Künstlerische mache ich nebenbei“. Nach dem Deal ist vor dem Deal Durchbruch in Brüssel: Die EU und Großbritannien haben ein neues Brexit-Abkommen vereinbart. Allerdings könnte es im Londoner Parlament noch scheitern Der Union Jack, Nationalflagge des Noch-EU-Mitglieds Großbritannien, wird am Donnerstag in Brüssel aufgehängt. VonMatthias Koch Der scheidende Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker,hat noch einmal allen gezeigt, was er kann. Seit Wochen witterte der Altmeister das Risiko einer historischen Blamage für die EU, ausgerechnet auf den letzten Metern seiner Amtszeit. Großbritanniens Premierminister BorisJohnson hatte Anlauf genommen für eine Kampagne, mit der er Juncker und „die starrsinnigen Bürokraten in Brüssel“ verantwortlich machen wollte für einen möglichen No-Deal-Brexit. Jean-Claude Juncker hat die Gefahr nicht nur erkannt, er hat sie auch gebannt. Die Sondervorschriften über Nordirland wurden neu formuliert. Über das Ja oder Nein des Austritts Großbritanniens aus der EU ist damit immer noch nichts gesagt. Den Schwarzen Peter für alle immer noch möglichen heillosen Eskalationen aber gab Juncker mit eleganter Geste zurück nach London – lächelnd und mit einem Schulterklopfen für die „britischen Freunde“. Immerhin wird jetzt wieder klar, worum es geht. Der Brexit ist ein Problem, das die Briten selbst erschaffen haben –und das auch die Briten selbst irgendwie lösen müssen. Entweder verlassen sie nun tatsächlich jene Staatengemeinschaft, die ihnen mehr Wohlstand und Sicherheit verschafft hat als je in ihrer Geschichte.Oder sie halten inne und widerrufen den gesamten Unfug durch ein zweites Referendum. Die EU aber steht ihnen weder hier noch dortimWege. Die Abmachung von Brüssel hilft auch Johnson. Tatsächlich wird ihm der selbst erklärte „großartige Deal“ innenpolitisch nützlich sein. Denn innerhalb Londons rollt der Ball jetzt von Downing Street Nr. 10inRichtung Unterhaus.Die nordirisch-protestantische Democratic Unionist Party (DUP) kündigte bereits ihren Widerstand an, und Labour-Chef Jeremy Corbyn erklärte: „Es scheint, dass der Premierminister einen noch schlechteren Deal verhandelt hat als (seine Vorgängerin) Theresa May.“ Doch wenn es bei der Parlamentsabstimmung an diesem Sonnabend wieder nicht klappt mit einer Mehrheit für den Brexit, dann werden die Briten, so kalkuliertJohnson, allein dem uneinsichtigen Unterhaus daran die Schuld geben. Johnson müsste dann den Austritt ein weiteres Mal verschieben, könnte aber als wackerer Brexit-Vorkämpfer in mögliche Neuwahlen ziehen. Das Publikum allerdings ist der unendlichen Brexit-Geschichte längst müde geworden. Immer wieder haben Brexit-Gegner und Brexit- Befürworter mit rotem Kopf Schwarz-Weiß-Debatten geführt. Es würde die ungesunden Aufwallungen dämpfen, wenn man sich auf eine Betrachtung jener diversen Graustufen einließe, in denen sich „Wir haben eine einzigartige Lösung für Nordirland gefunden, die der einzigartigen Geschichte und Geografie Rechnung trägt.“ Leo Varadkar, Ministerpräsident Irlands die Realität in beiden denkbaren Szenarien darstellt. Hand aufs Herz: Welchen Unterschied macht es eigentlich, ob die Briten a) aus der EU austreten, aber in einer Vielzahl von Punkten so behandelt werden, als seien sie doch weiter drin, oder b) in der EU verbleiben, aber in einer Vielzahl vonPunkten so behandelt werden, als seien sie draußen? Auch Boris Johnson findet nicht heraus aus der Grauzone. Den bei den Brexiteers verhassten Backstop AFP/KENZO TRIBOUILLARD wollte er eigentlich wegverhandeln. Doch auch nach der neuen Version der Vertragsentwürfe bliebe Nordirland von EU-Regelungen betroffen. Waren, die ins Land kommen, sollen nun in zwei Kategorien sortiert werden, je nachdem, ob sie ins Vereinigte Königreich oder in die EU geliefert werden sollen, etwa nach Irland. Daswirdinder Praxis viele Fragen aufwerfen: Wie genau will man an dieser Stelle Manipulationen und Missbrauch verhindern? Kann die EU dann einschreiten? Undwenn ja, ist das dann alles noch ein „großartiger Deal“? Juncker ist ein Fuchs. Er hatte nie ein Problem damit, auf Englisch, Deutsch oder Französisch die vier Ecken eines Kreises zu beschreiben, wenn die diplomatische Situation dies gerade erforderte.Soist er auch jetzt vorgegangen. Es gibt keine Kollision, jeder wahrt erst mal sein Gesicht. Auch Johnson ist erhobenen Haupteszurücknach London gefahren. Doch als Absolvent von Eton und Oxford, historisch und altsprachlich gebildet, könnte der britische Premier ahnen, dass die Brüsseler ihm mit ihrem angeblichen Entgegenkommen in der Nordirland- Frage vielleicht doch einen kleinen Streich gespielt haben. Wieschrieb der römische Dichter Vergil einst? „Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“ PolitikSeite 5 Beratung zum Mietendeckel vertagt Am Freitag geht Beratung weiter,Lösung sei „nah“ VonMelanie Reinsch Inder Berliner Koalition wächst der Druck. Auch am Donnerstag konnte sich die rot-rot-grüne Koalition nach sechs Stunden Ausschusssitzung nicht auf einen Kompromiss zum Mietendeckel einigen. Am Freitag um 13 Uhr soll es weitergehen. Man brauche noch „Berechnungen für letzte Details“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Antje Kapek, der Berliner Zeitung. „Wir sind einer Lösung sehr nah.“ Auch der Fraktionsvorsitzende der SPD, Raed Saleh, erklärte, dass er davon ausgehe, dass man sich am Freitag einigen werde. „Das sind wir den Berlinern schuldig“, sagte Saleh der Berliner Zeitung. Zwar sind sich SPD, Grüne und Linke grundsätzlich einig, dass man die Mieten für fünf Jahre inBerlin einfrieren will. Streit gibt es aber um die Frage, ob es Mietobergrenzen und damit verbundene Mietabsenkungen geben soll. Ein Inflationsausgleich, den die SPD bisher ablehnte, soll nun offenbar kommen. Auch das Thema Kappung von Wuchermieten steht zur Debatte. DerRegierende Bürgermeister MichaelMüller (SPD) sagte in der„RBB- Spätabendschau“, dass es auch möglich sein müsse,„unanständig hohen Wuchermieten“ absenken zu lassen. Dassehe auch das Bundesgesetz vor. „Das darfkein juristisches Abenteuer sein und muss durchdiskutiert werden“, betonte Müller. Esginge jetzt darum, das juristisch sauber auszuformulieren. „Das ist eine schwierige Rechtslage.Mir ist es wichtig, dass wir hier zu einer klaren Entlastung der Mieter kommen“, machte der Regierungschef klar. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51042 Besser hier.Besser wir. Joachimsthaler Str. 5–6 ·Friedrichstr.150 ·Schlossstr.18 Wilmersdorfer Str.125 ·Bayreuther Str.37–38 Goldpreisauf Höhenflug!JetztGold undSchmuck zu TopPreisen verkaufen. Hier bekommen Siemehrfür Schmuck, Uhrenund Diamanten. Auch Hausbesuche! In Berlin &Potsdam Terminvereinbarung: 030 88033970 ww.exchange-ag.de 8xin Berlin und Potsdam ·Über 20 xinDeutschland ·Tel.:030 88033970

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