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Berliner Zeitung 19.01.2018

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Berliner Zeitung

Der Mann, der die SPD bewegt: Kevin Kühnert im Porträt – Seite 5 . . Freitag, 19. Januar 2018 Nr.16HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 4 A L E X A Feministischer Eishockey-Puck VON JULIA GRASS Sie sitzt brav auf ihrem Platz, versucht, auf jede Frage eine Antwort zufinden und bleibt freundlich, selbst wenn sie beleidigt wird. Amazons digitale Assistentin Alexa soll alles tun, um ihrem Nutzer zu gefallen. Auch, wenn der sie eine „Schlampe“ nennt. Darauf hat Alexa lange lediglich geantwortet: „Danke fürs Feedback.“ Ein Satz, der in Zeiten der #MeToo-Debatte gesellschaftliche Bedeutung hat. Da hilft nicht, dass Alexa kein Mensch ist und wie ein Zylinder oder in kleiner Ausführung wie ein Eishockey-Puck aussieht. Denn Alexa soll eben nicht nur Computer sein. Ganz im Gegenteil – sie soll dank künstlicher Intelligenz immer menschlicher werden. Marc Bestellmaschine Alexa soll diskutieren lernen. 194050 5 01504 Whitten, Vice President für Amazon Fire TV, soll auf der diesjährigen Consumer Electronics Show, angekündigt haben, Amazon arbeite daran, Alexa eine eigene Meinung zu ermöglichen. Das berichtet das US-Magazin TechCrunch. Alexa soll dann beispielsweise nicht mehr nur darüber informieren, was abends im Fernsehen läuft, sondernEmpfehlungen geben –diese sollen nicht nur auf Datenauswertungen basieren, sonderndurch komplizierte Machine-Learning-Prozesse vom Gerät selbst entwickelt werden. Ziel sei es, eine Assistentin zu designen, mit der der Nutzer sich unterhalten kann wie mit einer guten Freundin, so Whitten. Kurzum: Alexa soll mehr Persönlichkeit erhalten. Darum kümmert sich bei Amazon ein ganzes„Personality Team“. Unddieses Team identifiziertAlexa als eine „Sie“ und nicht als ein „Es“. Das erklärte Heather Zorn, die Direktorin des Alexa Engagement-Teams,dem US-Magazin Refinery 29. Dem Team, so Zorn, seien gesellschaftliche Debatten wie #MeToo bewusst –ebenso wie die Tatsache, dass der Umgang mit digitalen Assistenten den Umgang mit echten Menschen prägen könne. Deshalb habe man Alexa ein Update verpasst. Auf Beleidigungen antwortet sie mittlerweile mit„Ich werdedarauf nicht antworten“. Und auf die Frage, obsie Feministin sei ,mit „ja“. Das klingt harmlos. Richtig wehren kann Alexa sich nämlich gegen Beleidigungen und Belästigung nicht, soll sie doch zu guter Letzt immer ihren Nutzer zufriedenstellen. Je komplexer Alexas Persönlichkeit allerdings wird, je konkreter die digitale Assistentin sich einmal zu politischen und gesellschaftlichen Debatten äußern soll, desto schwieriger wird dieser Balanceakt werden. Nicht jeder wirdAlexa lieben. Undvielleicht wird gerade diese Eigenschaft den Zylinder menschlicher machen. Verkehr,Notrufe,Lotto-Quoten 16 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 15, 27 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 13, 15 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH,10171 Berlin Redaktion: (030) 6333 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax –499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)2327-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 51003 VON DAMIR FRAS Die Optimisten unter den deutschen Außenpolitikern sagten, so schlimm werde es schon nicht kommen. DiePessimisten dagegen sagten, es werde schlimmer kommen als befürchtet. Vor einem Jahr, genauer:am20. Januar,wurde Donald Trump vordem Kapitol vereidigt. Heute, ein Jahr nach dem Amtsantritt, lässt sich feststellen: Beide hatten recht. Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA gibt es noch. Es hätte also durchaus schlimmer kommen können. Aber gut sind sie eben auch nicht, ganz und gar nicht gut. Das Hauptproblem ist weniger die persönliche Chemie zwischen den Regierungsmitgliedern inWashington und in Berlin. Da herrscht Professionalität vor. Es ist das immer noch anhaltende Staunen über die Unberechenbarkeit Trumps, die zielorientiertes Miteinander erschwert bis ganz unmöglich macht. So einen US-Präsidenten wie Trump hat noch kein deutscher Regierungschef seit der deutschen Einheit vor mehr als einem Vierteljahrhundert erlebt. Bush Vater stellte zwar ebenso wie Bill Clinton, Bush Sohn und Barack Obama die US-Interessen in den Mittelpunkt seiner Politik. Das ist legitim. Wer anderes wollte, würde in den USA niemals zum Präsidenten gewählt. Aber im Vergleich zu Trump waren seine Vorgänger geradezu Musterknaben, wenn es um Einsicht ging und internationale Zusammenarbeit. Sie haben vielleicht auch „America first“ mitunter im Sinn gehabt, aber diesen Slogan nicht zum einzigen Punkt ihrer Präsidentschaft gemacht. DieBundesregierung hat sich im ersten Jahr des Trump-Zeitalters mit der Unberechenbarkeit des immer noch mächtigsten Politikers der Welt geplagt. Was Trump heute sagt, kann morgen Der Herausforderer Voreinem Jahr wird Donald Trump als US-Präsident vereidigt. Seither versucht die Welt, mit seiner Sprunghaftigkeit und Radikalität klar zu kommen. Er baut sein Land um und provoziert Protest. schon nicht mehr gelten –oder doch. Einmal lobt er die Deutschen, dann wieder kritisiert er sie mit derben Worten. Auch das war und ist der Grund, warum die rational handelnde, mit Detailwissen beladene Wissenschaftlerin Angela Merkel mit dem schaumschlagenden Polterer Donald Trump nicht warm geworden ist –und es auch nicht mehr werden dürfte. Eine Ebene tiefer sieht es nicht besser aus.Trumps Minister haben keine Prokura. Daserlebte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), wann immer er auf seinen Amtskollegen RexTillerson traf –ein Ansprechpartner, der in Wirklichkeit keiner ist. Einen Botschafter, der Trumps Politik für die Deutschen übersetzte, gibt es seit knapp einem Jahr nicht mehr in Berlin. Niemand kann momentan sagen, wann Trumps Kandidat Richard Grenell in der US- Botschaft am Brandenburger Toreinziehen, und ob er dann ein Botschafter sein wird, der Trump diplomatisch geschickt Aber im Vergleich zu Trump waren seine Vorgänger geradezu Musterknaben, wenn es um Einsicht ging und internationale Zusammenarbeit. interpretiert oder doch nur als sein verlängertes Sprachrohr auftritt. Grenells bisherige Äußerungen sprechen eher für die zweite Variante. Zumindest, was die Beziehungen zu den USA unter Trump angeht, hat Bundeskanzlerin Merkel im Mai vergangenen Jahres sehr nüchtern ineiner Bierzelt-Rede am Rande von München resümiert: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Und deshalb kann ich nur sagen: WirEuropäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“ Trump wird Merkel die Europäer und die Deutschen dabei möglicherweise gar nicht stören. Denn sein Interesse an fremden Ländern ist beschränkt. Dabei gäbe es dort etwas zu lernen. Der frühere US-Botschafter in Berlin, Philip Murphy, ein US-Demokrat freilich, sagte jetzt, vorbildlich in Deutschland sei die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Gewerkschaften, die Kontrolle über Waffen in Privathänden und das Gesundheitssystem. Für Trump ist dagegen alles ein großer Wettbewerb, indem die Länder mit ihren Interessen gegeneinander antreten. Wie inder Wirtschaft die Unternehmen. Dasist sein Feld, er sieht sich als großer „Dealmaker“. Warjetzt alles nur schlecht im ersten Jahr Trumps? Nein. Immerhin erwarten deutsche Autobauer hohe Sondergewinne wegen Trumps Steuerreform. Vorseinem Amtsantritt zog der Populist noch durch die amerikanischen Lande und kündigte an, er werde Einfuhrzölle für ausländische Produkte in einer Höhe erheben, die den Exporteuren aus dem finsteren Ausland die Tränen in die Augen trieben. Auch hat sich Trump noch nicht dabei erwischen lassen, wichtige Partner wie Deutschland als „Drecksloch- Länder“ zu beschimpfen. Dasist schon was. Für eine endgültige Schadensbilanz ist es allerdings noch entschieden zu früh. Trumps Amtszeit läuft noch drei Jahre. Seiten 2und 3 AFP/BRENDAN SMIALOWSKI Mehrere Tote durch Orkan „Friederike“ Deutsche Bahn stellt Fernverkehr komplett ein Der Wintersturm „Friederike“ ist am Donnerstag mit großer Wucht über Deutschland gefegt und hat dabei mindestens sechs Menschen in den Todgerissen. So starb im südlichen Brandenburg ein Lastwagenfahrer auf der A13, als sein Fahrzeug voneiner Orkanböe erfasst wurde und umkippte. Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr am Nachmittag bundesweit komplett ein. ICE und IC blieben in den Abfahrtsbahnhöfen stehen oder wurden in Bahnhöfen auf ihrem Weggestoppt. Vielerorts saßen gestrandete Passagiere an den Bahnhöfen fest. Teilweise wurden Hotelzüge bereitgestellt. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge.Die Feuerwehren fuhren hunderte Einsätze wegen umgestürzter Bäume,abgedeckter Dächer und herumfliegender Straßenschilder. DasTief, das vonWesten her über Deutschland fegte, ist laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) der schwerste Sturmseit dem Jahr 2007. Aufdem Brocken seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometer gemessen worden. „Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse“, sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich. Am Abend hob der Deutsche Wetterdienst in Potsdam seine Warnungen vor orkanartigen Böen für die gesamte Region Berlin und Brandenburg auf. Die Polizei in Potsdam mahnte jedoch weiter zu DPA/KLAUS-DIETMAR GABBERT Viele Bäume wurden entwurzelt. Vorsicht. „Bleiben Siewenn möglich Zuhause! Meiden Sie baumreiche Gegenden!“, schrieb sie am Abend im Kurzbotschaftendienst Twitter. In Ostdeutschland waren 140 000 Haushalte von der Energieversorgung abgeschnitten, nachdem Masten, Leitungen und andere Anlagen durch den Orkan beschädigt worden waren, teilte die Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz mit. Auch in Cottbus und dem südlichen Brandenburg waren zeitweise Tausende Menschen ohne Strom. In vielen Städten riefen die Behörden die Menschen dazu auf, in Gebäuden zu bleiben. In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus oder wurde früher beendet. Berlin Seite 9, Panorama Seite 28 WETTER BERLIN: Bewölkt. Örtliche Schneeschauer.Tageshöchstwerte bei 5, nachts um 0Grad. Seite 28 Die schönsten Stunden erleben Sie an einem Ort, an dem alles stimmt. Mit Formen, die einfach und klar sind. Ralph Bosshammer GmbH Karl-Marx-Allee 77 –79. 10243 Berlin. Tel. 030 42201520. www.dk-bulthaup.berlin

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