Aufrufe
vor 2 Jahren

Berliner Zeitung 19.02.2018

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Menschen
  • Zeitung
  • Deutschland
  • Welt
  • Deutschen
  • Februar
  • Deutsche
  • Panther
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Friedhof oder Bauland? Der Streit in Prenzlauer Berg – Seite 9 . . Montag, 19. Februar 2018 Nr.42HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... B E R L I N A L E Rollen und Hauptrollen Unter Polizeischutz Cem Özdemir muss auf der Münchner Sicherheitskonferenz bewacht werden, weil er in der Türkei für einen Terroristen gehalten wird. Seite 4 2. FUSSBALL-BUNDESLIGA Eintracht Braunschweig –Union Berlin 1:0 SportSeite 18 O L Y M P I A 2 0 1 8 Spreewild 27 ................................................................................................................. Lotto 9 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 12, 29 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 12 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH,10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 VON KATJA BERLIN Nächste Woche werde ich 38. Als Frau in einem Film würde ich mich jetzt langsam auf mein Ende vorbereiten, denn nur die wenigsten von ihnen erreichen das 40. Lebensjahr. Ich hätte ein gutes Leben gehabt. Zwar ohne Freundinnen, dafür aber immer mit Männern, die um mich kämpfen, weil ich so schön aussehe. Wahrscheinlich hätte ich zunächst eiskalt Karriere gemacht und mein Privatleben dafür aufgegeben. Am Ende aber hätte mir ein Mann gezeigt, wofür ich die ganzen 38 Jahreauf der Erde verbringen darf: Für die Liebe. Ich hätte endlich meinen Jobgeschmissen und wäreanseiner Seite glücklich geworden. Klar, das sind natürlich Hollywoodklischees.Imdeutschen Film verliefe mein Leben anders. Ich wäre nun definitiv aus dem Alter heraus, indem liebenswürdige Chaoten, die nur von außen wie Machos wirken, um meine Liebe kämpfen. Also dürfte ich mich jetzt in Würde zurückziehen und zwar auf eine Farm in Afrika. Weil das Leben aber kein Film ist, muss ich immer noch arbeiten und kenne andere Frauen meines Alters,denen es ähnlich geht. Deshalb zahlen wir Steuernund ein Teil dieser Steuern fließt in die Filmförderung. Nicht besonders viel, die Umrüstung der Diesel-PKW bezahlt sich ja schließlich auch nicht von alleine. Aber der Deutsche Filmförderfonds hat 2016 immerhin fast 50 Millionen Euro bewilligt. Davon gingen 82 Prozent an von Männern verantwortete Produktionen. Frauen erhielten also keine 20 Prozent der gesamten Bundesfördermittel. Auch vor der Kamera sieht es nicht besser aus.Indeutschen TV-Filmen spielen laut einer Untersuchung des Instituts für Medienforschung an der Uni Rostock Männer zwei Drittel der Hauptrollen. Deshalb haben sich filmschaffende Frauen zur Initiative „Pro Quote Film“ zusammengeschlossen und fordern eine Vergabe öffentlicher Aufträge und Fördermittel zur Hälfte an Frauen. Die #MeToo-Debatte hat ein bisschen Licht in die Machtstrukturen bei Film und Fernsehen gebracht und ist deshalb auch überall auf der Berlinale Thema. Ausgewogenere Geschlechterverhältnisse wären ein Ansatz für ein besseres Miteinander am Set, aber auch für eine größere Vielfalt der erzählten Geschichten. Wer immer noch meint, ohne Quote setzten sich nur die allerbesten durch, kann diese These ja mal im eigenen Arbeitsumfeld überprüfen. Ichfreue mich jedenfalls,dass das Thema beim Festival präsent ist, weil in diesem Rahmen so viel über Filme und ihreWirkung auf die Gesellschaft diskutiertwirdwie sonst nie.Hoffentlich ändertsich noch was,bevor ich auf die Farm muss. 501504 11008 Rentner sollen Berlin retten Die Hauptstadt hat zu wenig Personal in der Verwaltung –deshalb sollen Beamte nicht in Pension gehen, sondern länger im Dienst bleiben. Dafür bekommen sie mehr Gehalt V ON MARTIN KLESMANN Die Personalnot in der Berliner Verwaltung macht erfinderisch. Derrot-rot-grüne Senat plant deshalb nun, Landesbeamte nicht in die Pension zu schicken, sondern länger im Dienst zu halten. „Tatsächlich sind besoldungs- und versorgungsrechtliche Maßnahmen im Gespräch, um erfahrenes Personal zu halten, insbesondere in Bereichen, in denen dringender Handlungsbedarf besteht“, bestätigte ein Sprecher von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) am Wochenende der Berliner Zeitung. „Diese Maßnahmen sollen nicht nur für Lehrkräfte, sondern für alle verbeamteten Dienstkräfte gelten, deren Eintritt in den Ruhestand auf Antrag im dienstlichen Interesse hinausgeschoben wirdoder wurde.“ Demnach könnten bald Richter, Staatsanwälte oder Mitarbeiter in den Senats- und Bezirksverwaltungen bei Bedarf länger arbeiten und mehr verdienen. Amtsärzte etwa sind schwer zu finden, Posten im Bauamt oft kaum nachzubesetzen. „Im Gespräch ist ein besoldungsrechtlicher Zuschlag in Höhe von 20Prozent“, sagte der Sprecher der Finanzverwaltung. Gewährt für den Zeitraum, den der Eintritt in den Ruhestand hinausgeschoben werde. Das Ganze mutet umso kurioser an, weil Berlin vorein paar Jahren noch nicht einmal die Pensionsgrenze für Landesbeamte wie in anderen Bundesländern auf 67 Jahre raufsetzen wollte –umden Stellenabbau in der Verwaltung voranzutreiben. Jetzt aber wächst die Stadt. Es gibt wieder viel zu tun. Frank Becker,derVorsitzende des Berliner Beamtenbundes, sieht die neue Pläne mit Skepsis. „Ich denke,die meisten Kollegen wollen ihren wohlverdienten Ruhestand genießen“, sagte er. „Wichtig ist ja auch, dass Jüngere nachrücken, damit die Verwaltung nicht weiter überaltert.“ Gelten sollte das wirklich nur in Notfällen, wie zum Beispiel bei der Flüchtlingskrise ab dem Sommer 2015. Doch es gibt bereits eine Blaupause für den Senatsplan: Für die älteren Berliner Lehrer, die noch verbeamtet wurden, haben sich Bildungs- und Finanzverwaltung gerade auf eine Neuregelung des Berliner Beamtenrechts geeinigt. Sie soll laut Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bereits zu Beginn des neuen Schuljahres im August gelten. Ältere pensionsberechtigte Lehrer dürfen dann 20 Prozent zu ihrer letzten Besoldung hinzuverdienen, obwohl sie eigentlich pensionsberechtigt sind und somit noch gut 70 Prozent ihres bisherigen Gehalts als Pension beziehen. Bisher lag diese Zugewinnobergrenzebei 100 Prozent, sie konn- „Ich denke, die meisten Kollegen wollen ihren wohlverdienten Ruhestand genießen.“ Frank Becker, der Vorsitzende des Berliner Beamtenbundes, kritisiert die Pläne des Senats ten also allenfalls das bisher übliche Gehalt weiterbeziehen. Das taten nur wenige. Nun können sie maximal drei Jahre lang wöchentlich weiterunterrichten. Meist mit einer halben Stelle.„Mehr wird ein Pensionär realistischerweise auch nicht mehr arbeiten wollen“, hieß es in der Bildungsverwaltung. Die Alten sollen nun dafür sorgen, dass die Quereinsteiger-Quote bei den Neueinstellungen nicht noch weiter ansteigt. Denn anders kann Berlin bisher dem Lehrermangel nicht begegnen. Die Zuverdienstmöglichkeit jedenfalls steigt deutlich an: Ein verbeamteter Gymnasiallehrer verdient derzeit kurz vor seiner Pensionierung in der höchsten Gehaltsstufe von A13 etwa 4890 Euro brutto monatlich. Mit der neuen 120-Prozent-Regelung könnte er laut Bildungsverwaltung dann rechnerisch sogar gut 5870 Euro verdienen. Daswären immerhin 1000 Euro mehr. Da bei Beamten keine Sozialabgaben fällig werden, bliebe netto deutlich mehr übrig als bei normalen Arbeitgebern. Jüngere Berliner Pädagogen sind meist Angestellte. Andere Bundesländer gehen angesichts des bundesweiten Lehrermangels längst neue Wege. Bayern erschwertdie Frühpensionierung und drängt Lehrer von Teil- auf Vollzeit zu gehen. Sachsen bietet seinen Lehrern, die dort fast immer angestellt sind, eine „Bindungszulage“ an: Wer sich vor der Verrentung mit 63 Jahren weiter verpflichtet, wird höhereingruppiert und kann dann bis zu 600 Euro mehr verdienen (Viele in der DDR-ausgebildete Lehrer haben ihr Berufsleben früh begonnen und oft schon mit 63 Jahren die 40 nötigen Rentenjahre voll). Entscheidet sich in Sachsen ein angestellter Lehrer aus der Rente heraus wieder zu arbeiten, kann er so viel hinzuverdienen, wie er will und erhält trotzdem die erarbeitete Rente weiter.Anders als für Beamte gilt für Angestellte keine Zugewinngrenze. Dasgilt auch für Berlin. DPA/SEBASTIAN GOLLNOW AFP/FRANÇOIS-XAVIER MARIT Showdown beim Schießen: Biathlet Simon Schempp. Dramatischer Endspurt: Silber für Schempp Nach hochdramatischen 15 Kilometerntrennten den deutschen Biathleten Simon Schempp am Sonntag nur 14 Zentimeter vomOlympiasieg. Nach einem spektakulären Zielsprint jubelte der Deutsche aber auch über die Silbermedaille,Gold ging an den Franzosen Martin Fourcade.ImMedaillenspiegel hat die deutsche Mannschaft jetzt den Spitzenplatz verloren – an Norwegen. Seiten 20 und 21 Angriff im Flug: Wellinger träumt vom Team-Gold Wenige Stunden nach seiner nächsten olympischen Medaille –der silbernen für den Großschanzen- Wettkampf am Sonnabend –schaltete AndreasWellinger schon wieder auf Angriff. An diesem Montag will er seine Kollegen im Teamwettbewerb zum Olympiasieg führen. „Alles ist möglich!“, kündigte er am Sonntag an. Gelingt der Coup,dann könnte Wellinger mit 22 Jahren den Rekordvon Jens Weißflog als erfolgreichster deutscher Skispringer aller Zeiten bei Olympischen Spielen einstellen. Seite 21 Vielseitig auf der Piste: Ester Ledecka gewinnt Super-G Dasgab es noch nie –und wirdes womöglich auch nie mehr geben. Völlig überraschend rast Ester Ledecka zu Olympia-Gold im Super-G - auf Ski. Die22Jahrealte Tschechin ist zwar Weltmeisterin. Dasallerdings in einer anderen Sportart: Snowboarden. Seite 22 Bäuchlings aufs Podest: Silber für Jacqueline Lölling Kopfüber ins Glück: Skeleton- Weltmeisterin Jacqueline Lölling ist bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme zu Silber gerast. Die23-Jährige aus Winterbergmusste sich bei den Winterspielen in Pyeongchang nur der Sotschi-Olympiasiegerin Lizzy Yarnold geschlagen geben. DieBritin war nur 0,45 Sekunden schneller durch den Eiskanal gerast. Es ist die erste Medaille in dieser Sportartseit 2010 für die Deutschen. „Jacqpot!“ stand in großen Buchstaben auf der riesigen Leinwand im Deutschen Haus,als Jacqueline Lölling am Abend ihreMedaille feierte. Seite 21 WETTER BERLIN: Starkbewölkt bis bedeckt. Tageshöchstwerte bei 5, nachts um minus 1Grad. Seite 2

2019

2018