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Berliner Zeitung 19.03.2018

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Berliner Zeitung

Berlin analog: Eine Entdeckungstour in der Old Economy – Seite 14/15 . . Montag, 19. März 2018 Nr.66HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... F O R S C H E R I N Die europäische Afrikanerin VON SEBASTIAN BORGER Noch ein Film über mein Leben? Das braucht es doch wirklich nicht!“ Ganz genau erinnert sich Jane Goodall an ihre spontane Reaktion auf die Bitte, die Abgesandte von National Geographic der Forscherin vorgetragen hatten. Am Ende ließ sich Goodall, 83, doch erweichen, denn es diente ihrem Herzensanliegen, dem Schutz wilder Primaten und des Planeten. „Wir Menschen sind dabei aufzuwachen, aber wir müssen mehr tun.“ Derzeit verbringt die wohl bekannteste britischeWissenschaftlerin viel Zeit damit, den Dokumentarfilm„Jane“ vorzustellen. Dann steht die elegante, schlanke Dame in beigefarbener Hose und rosa Jane Goodall kämpft immer noch für den Schutz vonPrimaten. Rollkragenpullover, das graue Haar streng zurückgekämmt, auf der Bühne und unterhält sich mit dem Regisseur Brett Morgen. Unverkennbar haben die beiden Profis einander schätzen gelernt während der gemeinsamen Arbeit an dem 90-minütigen Film. Wobei es Morgen zufiel, aus 150 Stunden gänzlich ungeordneten Farbaufnahmen eine Ordnung herzustellen, die einen Einblick in Goodalls faszinierendes Leben ermöglicht. Die Aufnahmen hatten 50 Jahre lang im Archiv von National Geographic geschlummert. Im neuen Film fügt sich das zum Leben einer entschlossenen jungen Frau, die ihren Kindheitstraum wahr machte:„Seit ich 8, 9Jahrealt war,wollte ich in Afrika leben.“ Mit 23 Jahren hatte Goodall genug gespart, um die Reise ins damals noch britische Kenia anzutreten. Drei Jahre später nahm sie den Auftrag an, im Urwald von Tansania das Verhalten vonSchimpansen zu erforschen. Ihre Beobachtungen im heutigen Gombe-Nationalpark veränderten die menschliche Sicht auf Primaten: Goodall berichtete über Tiere mit Intelligenz, Erinnerungsvermögen und hoch entwickelten sozialen Fähigkeiten. Goodalls Bücher verkauften sich millionenfach. In mehr als 100 Staaten der Erde gibt es inzwischen Projekte der Aktion, mit denen Kinder an die Bedeutung des Natur-und Artenschutzes herangeführtwerden sollen. WasJane Goodall erlebt und geleistet hat, sollte immer wieder nacherzählt werden, zumal wenn man die Erzählung mit so außergewöhnlichen Bildern leisten kann. Sie stammen von einem der besten Tierfilmer des vergangenen Jahrhunderts,dem niederländischen Baron Hugo van Lawick (1937- 2002). Er drehte von 1962 an im Auftrag von National Geographic Hunderte vonStunden Dokumentarmaterial über Goodall und ihre damalige Schimpansenstation in Tansania. Morgen hat sie mit Aufnahmen aus Goodalls Kindheit zusammengefügt und mit reflektierenden Sequenzen aus einem langen Interview mit seiner Protagonistin umrahmt. In Lawicks Aufnahmen stehen Goodalls Forschungen im Mittelpunkt, natürlich. Die Liebe zu den Tieren ist unverkennbar. Und behutsam wandelt sich der Film von der klugen Beobachtung einer außergewöhnlichen Forscherin zu einer Liebesgeschichte auch unter Menschen. DerFilm veranschaulicht Jane Goodalls lakonische Art, ihre stählerne Entschlossenheit und Integrität, was ihn überaus sehenswert macht. Spreewild 25 ................................................................................................................. Verkehr,Notrufe,Lotto xx ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 11, 27 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 11, 13 Berliner Verlag GmbH, 10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 11012 Putins Wahl Der alte Präsident Russlands ist auch der neue. WelchenKurs schlägt er jetzt gegenüber dem Westen ein? Außenminister Heiko Maas warnt den Kreml-Chef. Seiten 2und 8 Lufthansa provoziert Berlin Vorstandsmitglied Dirks wagt die Prognose, der BER werde abgerissen. Dafür handelt sich die Fluglinie Häme und massive Kritik an ihrer Geschäftspolitik in der deutschen Hauptstadt ein V ON JAN THOMSEN Einen „Spirit vom Tegernsee“ beschwören die Veranstalter des 12. Annual Mountain Partners Network Event. Ihr jährlicher „Unternehmertag am Tegernsee“ in den bayerischen Alpen sei nämlich eine der begehrtesten Veranstaltungen im deutschsprachigen europäischen Raum, schreiben sie auf ihrer Netzseite. Man versammle dort, unweit von München, das Who-is-Who derVentureCapital und Private Equity Szene Europas,natürlich nur auf Einladung –„by invitation only“. So „mancher illustre Redner“, heißt es wörtlich, habe sich dort schon die Ehre gegeben, auf der diesjährigen Rednerliste Ende voriger Woche standen etwa Roland Koch, Joschka Fischer, Roland Berger und Joachim Gauck. Wer ein wenig scrollt, findet sogar eine Frau unter 17 angekündigten Gastrednern. Ärger aus dem eigenen Haus Um sich auf einem solchen Event zu behaupten, muss man schon etwas liefern. Auch dies könnte Lufthansa-Vorstand Thorsten Dirks, im Konzern zuständig für die Billiglinie Eurowings, motiviert haben, laut Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), auf der Bühne am Tegernsee diesen Satz zum Flughafen BER gesagt zu haben: „Meine Prognose ist: Das Ding wird abgerissen und neu gebaut.“ Ob und wie viel Applaus er für diese These bekam, ist nicht überliefert. Ärger bekam er allerdings schon. ZumBeispielsehr schnell aus dem eigenen Haus.Dennsoflott die These dahingesprochen ist, so seltsam klingt sie doch aus dem Mund eines Lufthansa-Managers, dessen Firma (gegründet 1926 in Berlin) die deutsche Hauptstadt immer weiter abhängt. Ihre Standorte Frankfurt am Main und München sind der Lufthansa seit vielen Jahren näher als die Zukunft in Berlin. Zuletzt, als mit Air Berlin der letzte Konkurrent pleitegegangen war, wurde bekannt, dass die Lufthansa einen erst Ende 2017 eingerichteten Direktflugnach New York wieder streichen werde. Die Atmosphäre zwischen den Führungsetagen von BER und Lufthansa jedenfalls ist angespannt. Dass Berlins Pannen-Airport seinen Kunden insgesamt keinen Grund zur Freude bietet, ist dabei eingepreist. Ernsthaft erwogen wurde ein kompletter Abriss des BER aufgrund der anhaltenden Probleme ohnehin nie. Allenfalls gab es 2012, als das Entrauchungssystem gescheitert war, die Chance zu einer Entkernung des Hauptterminals. Damals wurde anders entschieden, was aus heutiger Sicht neue Verzögerungen bewirkt haben dürfte. Am Sonntag jedenfalls bemühte sich der Unternehmenssprecher der Lufthansa, Andreas „Die Lufthansa wäre gut beraten, sich um Langstrecken für die Hauptstadt zu kümmern.“ Engelbert Lütke Daldrup, BER-Flughafenchef Bartels, um Schadensbegrenzung. Dirks’ Satz aufdem Unternehmertag sei keinesfalls als Plädoyer für einen Abriss des BER gemeint gewesen. „Das war eine zugespitzte Äußerung, um auf das Ausmaß der Probleme am Flughafen hinzuweisen“, ergänzte der Eurowings-Sprecher Matthias Eberle. Neues Logo,neue Probleme Komplett retten konnte die Presseabteilung die Angelegenheit allerdings nicht mehr. Schließlich hatte Dirks am Tegernsee laut FASweniger über die Probleme des BER im Allgemeinen als über die Problemchen der Lufthansa im Terminal geklagt. So habe seine Firmakürzlich ihr Logo, den berühmten Kranich, überarbeitet, und auch die Farben im Markenauftritt hätten sich geändert. Im BER-Terminal sei aber noch die alte Version für die Eröffnung 2012 installiert. „Das müssen wir in Berlin alles umbauen“, klagte Dirks. Und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, wie das gehen soll.“ Vermutlich wüsste das ein Handwerker. Oder auch BER- Chef Engelbert Lütke Daldrup: „Die Lufthansa wäregut beraten, sich um Langstrecken für die Hauptstadt zu kümmern“, sagte er am Sonntag kühl. Abriss-Thesen seien „Unsinn“, eröffnet werde imOktober 2020. Ähnlich äußerte sich der Flughafen-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. Auch der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schloss einen Abriss aus: „Leider ist das Label BER so beschädigt, dass es international nur noch für Belustigung sorgt“, sagte Scheuer der Bild-Zeitung. Aus dem Roten Rathaus kam ebenfalls Kritik. Und Häme: Die Sprecherin des rot-rot-grünen Senats, Claudia Sünder, sagte, die BER-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund seien sich einig, dass der Hauptstadtflughafen nicht abgerissen, sondernfertiggebaut werde. Insofern nichts Neues – außer: „Wenigstens weiß dieWelt jetzt, dass es Thorsten Dirks gibt.“ Kommentar Seite 8 AFP/YURI KADOBNOV 1. FUSSBALL-BUNDESLIGA Borussia Dortmund –Hannover 96 1:0 1. FCKöln –Bayer Leverkusen 2:0 RB Leipzig –FCBayernMünchen 2:1 SportSeiten 16 bis 20 NICHT VERPASSEN ❖ BÖLLER-BANN Verletzte und sogar Tote,dazu die erhebliche Belastung durch Feinstaub: DieFolgen des Abbrennens vonFeuerwerkskörpern in der Silvesternacht zwingen zum Handeln. Doch Einschränkungen sind nicht leicht umzusetzen. AndereStädte sind damit bereits gescheitert. Berlin Seite 9 FLUT-FOLGEN Nach den Hochwasserkatastrophen an Oder und Elbe wurden vorallem die Dämme verstärkt. Im sächsischen OrtBrockwitz wirdnun versucht, das Problem auf revolutionäreArt zu lösen: DasganzeDorfsoll angehoben werden. Seite 3 BODENLOS Vormehr als 300 Jahren baute Andreas Schlüter am Schloss einen Münzturm. Doch das Bauwerk stürzte nach wenigen Jahren ein. Derberühmte Architekt hatte eine Besonderheit im Boden übersehen, die auch bei heutigen Bauherren für Überraschungen sorgt. Berlin Seite 10 LEIPZIG DieBuchmesse ging am Sonntag zu Ende,ohne einen neuen Besucherrekordmelden zu können. DerSchnee in und um Leipzig war schuld. Kälte zogauch in manche Gespräche ein. DieAuseinandersetzung um rechte Verlage setzte sich auf den Fluren und im Internet fort. Feuilleton Seite 23 WETTER DPA EIN PATE Michael Rutschky hat seit den 80er-Jahren das Genreder literarisch-soziologischen Zeitdiagnose geprägt. Viele Autoren ermunterte er zum Schreiben –nun fehlt er.Erist im Alter von74Jahren gestorben. Feuilleton Seite 21 ERDOGANS EROBERUNG Nach dem Einmarsch der Türkei in Nordwestsyrien verkündet Präsident Erdogan nun seinen Erfolg: DasZentrum der kurdischen Stadt Afrin ist unter Kontrolle türkischer Soldaten. Politik Seite 5 BERLIN: Viel Sonne bei vier bis sieben Grad. Nachts wieder frostig bei bis zu minus sieben Grad. Seite 2

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