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Berliner Zeitung 19.03.2019

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Aus: Thomas und Thea Gottschalk trennen sich – Panorama Seite 26 Kein Bock auf Kinder? Seite 19 2°/6° Sonne und Wolken Wetter Seite 2 Berlin: Zelte gegen Obdachlosigkeit Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Brünn: Eine literarische Reise nach Tschechien Seite 3 Dienstag,19. März 2019 Nr.65HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Utrecht: Schüsse in der Straßenbahn Politik Seite 5 Herthas Nationalspieler Am Ziel angekommen VonPaul Linke Vor ein paar Wochen ist der auf Defensive spezialisierte Niklas Starkindie Offensivegegangen. Nur ein bisschen. „Irgendwann will ich auch mal in der Nationalmannschaft spielen“, sagte der Innenverteidiger von Hertha BSC. Denn das sei sein großer Wunsch. Daraus machte der Berliner Kurier die Schlagzeile: „Die Nationalmannschaft ist mein Ziel“ – und aus dem nur ein bisschen wurde Stark ein bisschen zu viel. Er hatte plötzlich das Gefühl, zu forsch und zu Niklas Stark, Hertha-Nationalspieler Nummer 29 fordernd aufzutreten. Er wollte sich doch lieber mit Taten aufdrängen, nicht mit Worten. Nach allem, was man weiß, hat sich noch nie ein deutscher Fußballer in die Nationalmannschaft gequatscht. Zwar achtet Joachim Löw auf einen gepflegten Umgangston, fußballerisches Talent ist dem Bundestrainer aber immer noch wichtiger. Und davon hat Stark, 23, zweifelsfrei einiges abbekommen. Er ist schnell, kopfballstark, offensiv wie defensiv,ein im Spielaufbau umsichtiger Abwehrturm, und wenn es mal wirklich sein muss,ist er ein brachialer Zweikämpfer, der oft Kampfspuren imGesicht davonträgt. Profifußball ist eine Ellenbogengesellschaft. Und Starks Nasenbein ein Mitglied mit brüchiger Biografie. Nach der Abschiebung von Jérôme Boateng und Mats Hummels in die Altersteilzeit hat Löw erhöhten Spielerbedarf im Abwehrzentrum. Deshalb hat er Stark für die Länderspiele gegen Serbien an diesem Mittwoch und die Niederlande am Sonntag nominiert. Eingroßer Wunsch ist also in Erfüllung gegangen. Mandarf hoffentlich schreiben, dass Niklas StarkamZiel angekommen ist. Der Weg begann im bayrischen Neustadt an der Aisch (Geburtsort) und führte ihn über die Zwischenstation 1. FC Nürnberg (erstes Bundesligaspiel) nach Berlin, wo er seit drei Jahren zum Stammpersonal gehört; man sagt ihm besondere Führungsstärken nach. Starks Marktwert ist in dieser Zeit von zwei auf zwanzig Millionen Euro gestiegen. DerJugendtrend bei Hertha hat mit seiner Verpflichtung begonnen. In der Gerüchteküche wird Stark bereits in einen Topf mit dem FC Bayern oder Borussia Dortmund geschmissen. Seinen bisher größten Fußballmoment erlebte Niklas StarkimSommer vor zwei Jahren, als er mit der deutschen U21 die Europameisterschaft gewann. Er schleppte sich mit Schmerzen durchs Turnier, bekam Spritzen, eine Rippenprellung, so dachte er nach einem Zweikampf im ersten Gruppenspiel. Nach dem Finale wusste er,dass es ein Bruch war. Sieben Wochen Ausfallzeit. Dann machte er weiter. Weiter wie immer. Undjetzt ist er da. SportSeite 18 Senat will höhere Parkgebühren Drei statt zwei Euro die Stunde sollen die Regel sein. Außer Dieselfahrverboten gibt es auch 85 neue Tempo-30-Zonen. So wird die Luft besser, sagt Verkehrssenatorin Regine Günther VonPeter Neumann Dass auch in Berlin Straßen für zahlreiche Dieselfahrzeuge gesperrt werden, ist nichts Neues. Dass die Zahl der Tempo-30-Bereiche wächst, hat der Senat ebenfalls bereits vor Monaten angekündigt. Doch nun gab die Verwaltung bekannt, dass sie ein weiteres Mittel nutzen will, damit die Berliner Luft sauberer wird. Die Parkgebühren sollen steigen, und die Innenstadtgebiete,indenen Parken Geld kostet, sollen fast verdoppelt werden. Das kündigte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Montag an. Parkraumbewirtschaftung ist eine von vier Maßnahmen, mit denen der Senat den Schadstoffausstoß senken will. Verankert ist dies im Entwurf des neuen Luftreinhalteplans,den Günther vorstellte. Wenn weitere Parkzonen eingerichtet werden und die Gebühren steigen, fahren weniger Menschen mit dem Auto –solautet das Kalkül. „Ziel ist es, Kraftfahrzeugverkehr zu vermeiden“, erklärte die Senatorin. Pendler, die keinen Gratis-Stellplatz für ihren Wagen mehr finden, sehen sich meist nach anderen Verkehrsarten um. In vielen Fällen ist das der umweltfreundliche Nahverkehr. Billiger als in Hamburg Derzeit summieren sich die Gebiete innerhalb des S-Bahn-Rings, indenen Parken Geld kostet, auf 40 Prozent der Fläche. Ende 2020 sollen 75 Prozent gebührenpflichtig sein, so Günther. „Mehrere Bezirke, zum Beispiel Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof- Schöneberg, planen bereits neue Parkzonen. Das Land will diese Bemühungen nun beschleunigen.“ Derzeit kostet eine Stunde Parken auf öffentlichen Straßen und Plätzen in Berlin im Durchschnitt zwei Euro pro Stunde. Der Senat setzt sich dafür ein, dass stattdessen drei Euro pro Stunde kassiert werden. „Ob diese Möglichkeit genutzt wird, liegt in deren Hoheit“, so Günther. Die Parkgebühren in Berlin haben sich seit vielen Jahren nicht verändert. „Derzeit prüfen wir in bestimmten Parkzonen mit besonders hohem Parkdruck erhöhte Gebühren“, sagte Sara Lühmann, Sprecherin des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg. „Es ist bereits jetzt möglich, drei Euro proStunde zu nehmen.“ Für den Bewohnerparkausweis ist dagegen weiterhin keine Verteuerung geplant. Die Berliner Vignette kostet seit langem 20,40 Euro für zwei Jahre. In Hamburg werden für ein Jahr 30,30 Euro, inFrankfurt am Main für zwei Jahre50Eurofällig. „Ziel des neuen Luftreinhalteplans ist es, die EU-weiten Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten und so die Gesundheit der Berlinerinnen und Berliner zu schützen“, sagte die Senatorin. Das Reizgas schädigt den Atemtrakt und kann Asthma verstärken. Kinder,Senioren und Menschen mit schwacher Konstitution sind besonders gefährdet. Bereits 1999 machte die EU deutlich, dass die Stickstoffdioxidbelastung sinken muss. Seit 2010 besteht die Pflicht zur Einhaltung des Grenzwerts: im Jahresmittel maximal 40 Mikrogramm proKubikmeter Luft. Dieser Wert wird auch in Berlin vielerorts überschritten, an sechs Messstellen wurden 2018 sogar mindestens 50 Mikrogramm gemessen. Deshalb sieht der Entwurf des Luftreinhalteplans als weitere Maßnahme vor, an 15 Abschnitten von neun Straßen Durchfahrverbote für „Wir wollen die Käuferinnen und Käufer von Dieselautos, die von der Autoindustrie betrogen worden sind, nicht mehr belasten als zwingend notwendig.“ Regine Günther, Verkehrssenatorin (parteilos, für Grüne), zu ihren Plänen Diesel- Lkw und -Pkw bis einschließlich Euro 5zuverhängen. Dazu zählen Teilstücke der Leipziger und Brückenstraße in Mitte,aber auch Bereiche der Friedrichstraße und vonAlt- Moabit. Die Verbote sollen vom 1. Juli 2019 an gelten. Zudem werden Tempo-30-Schilder aufgestellt. Das Verwaltungsgericht, das im Oktober 2018 einer Klage der Deutschen Umwelthilfe stattgab,hatte für elf Abschnitte Durchfahrverbote gefordert. Nach neuen Berechnungen sind es nun 15. „Neu kam unter anderem die Silbersteinstraße in Neukölln hinzu“, sagte Abteilungsleiter Michael Thielke. Kapweg und Leonorenstraße sind nicht mehr dabei. „Wir wollen die Käuferinnen und Käufer von Dieselautos, die von der GETTY IMAGES Autoindustrie betrogen worden sind, nicht mehr belasten als zwingend notwendig“, sagte Senatorin Günther. Deshalb summierten sich die betroffenen Abschnitte auch nur auf 2,4 Kilometer. Das gesamte Berliner Straßennetz ist 6500 Kilometer lang. Umfangreiche Ausnahmen Messerattacke von Chemnitz: Prozessauftakt Verteidiger zweifeln an der Unabhängigkeit des Gerichts Sieben Monate nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz und anschließenden Ausschreitungen hat am Montag der Prozess begonnen. Beschuldigt wird ein 23 Jahre alter syrischer Asylbewerber, gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker einen 35-jährigen Deutschen mit mehreren Messerstichen getötet und einen anderen Mann lebensbedrohlich verletzt zu haben. Angeklagt sind sie nicht wegen Mords, sondern wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte Alaa S. hatte die Tatstets bestritten. ZumProzessauftakt äußerte er sich nicht selbst zu seiner Person oder zur Tat. SeineVerteidiger erklärten ihn für unschuldig. Aus Sicherheitsgründen und wegen des großen öffentlichen Interesses fand der Prozess nicht in Chemnitz statt, sondern wurde in den Sicherheitssaal des Oberlandesgerichts Dresden verlegt. Zuschauer und Medienvertreter mussten eine Sicherheitsschleuse passieren, um in den Saal zu gelangen. Der Prozess in Dresden wurde kurz nach Beginn unterbrochen, weil die Verteidigung Zweifel an der Unbefangenheit des Gerichts äußerte. Noch vor Verlesen der Anklage legte Verteidigerin Ricarda Lang einen Fragenkatalog vor, in der sie unter anderem wissen wollte, ob die Richter Mitglieder oder Unterstützer der AfD oder der islamfeindlichen Pegida-Bewegung sind und wie sie zu Flüchtlingen insgesamt stehen. Rechter Trauerzug In Chemnitz begleitete nahezu gleichzeitig ein Großaufgebot der Polizei die Beerdigung eines überregional bekannten Hooligans und Rechtsextremen. Es handele sich um eine „Maßnahme zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“, so eine Polizeisprecherin. Nach ihrenAngaben reisten etwa 1000 Sympathisanten aus dem Bundesgebiet an. Auch ausdem europäischen Auslandkamen nach Angaben szenekundiger Beamter Hooligans. Rund 950 Polizisten aus mehreren Bundesländern sowie von der Bundespolizei waren im Einsatz. (dpa) PolitikSeite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Zudem werdeesweitreichende Ausnahmen von den Durchfahrverboten geben. „Sie gelten für alle, die an den Abschnitten ein Anliegen haben“, sagte Thielke. Dazu zählen nicht nur die Anwohner. Auch Taxis, Handwerker, Liefer- und Pflegedienste sowie Menschen, die dortarbeiten, dürfen in die 15 Abschnitte hinein. „Sie dürfen dort ein-, aber nicht durchfahren“, sagte Thielke. Als dritte Maßnahme für saubere Luft plant der Senat 85 neue Tempo- 30-Bereiche, die sich auf 36 Straßen insgesamt 10,5 Kilometer weit erstrecken. Aufder Listestehen unter anderemTeilstückeder Elsen-, Erk-, Friedrich-, Hermann- und Martin-Luther- Straße. Auch die Müller-, Oranien-, Torstraße und der Mehringdamm werden entschleunigt. Die Schilder sollen ebenfalls am 1. Juli 2019 stehen, sagte die Senatorin. Tempo 30 gilt bereits jetzt auf allen Nebenstraßen in Berlin, insgesamt rund 5000 Kilometer, sowie auf 200 Kilometern Hauptverkehrsstraße. Wo nötig, werden Ampelschaltungen verändert, um den Verkehr flüssig zu gestalten. Als Einladung, im Auto in die Stadtzufahren, sei das aber nicht zu verstehen. „Es geht uns um Verstetigung, nicht darum, Staus zu produzieren“, sagte Günther. Als vierte Maßnahme ist geplant, Kommunalfahrzeuge und Busse mit Stickoxidfiltern nachzurüsten oder neue Fahrzeuge zu kaufen. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 4 194050 501603 21012

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