Aufrufe
vor 10 Monaten

Berliner Zeitung 19.11.2019

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Zeitung
  • November
  • Joker
  • Menschen
  • Deutschland
  • Perfekte
  • Geheimnis
  • Finsternis
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Warum Robert de Niro nicht über seinen neuen Film reden will – Panorama Seite 26 Kolumne: Auf eine Curry mit Gysi Seite 12 3°/7° Öftersmal Sonne Wetter Seite 2 Urteil: Mieterin wehrt Eigenbedarfskündigung ab Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Wenn Ärzte Fehler machen Politik Seite 4 Dienstag,19. November 2019 Nr.269 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Mobilnetz: Eine Milliarde gegen Funklöcher Tagesthema Seite 2 Allianz gegen die Langeweile VonChristian Schwager Umesmit den Worten der ehemaligen Biathletin Laura Dahlmeier zu sagen: Ma mua ned Houchdeitsch sprichn, um beim ZDF zua arbadn. Dafür ist die 26-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen jetzt das beste Beispiel. Dahlmeier wird dem ZDF bei Übertragungen vom Biathlon als Expertin zur Hand gehen, dabei niemandem nach dem Mund reden, sondern wie gewohnt mit bayrischem Einschlag. Erstmals kurz vorWeihnachten wird sie das tun beim Weltcup in Le Grand Bor- Laura Dahlmeier wird als Kommentatorin für das ZDF arbeiten. Fernsehexpertin nand, Frankreich. Auch bei der WM im Februar in Antholz, Südtirol, steht Laura Dahlmeier mit Mikrofon am Start. Basst scho! Zwar kommt langsam der Eindruck auf, dass sich das ZDF als Notaufnahmelager für frühereHochleistungssportler sieht und daher zuletzt auch der Tennisspielerin Andrea Petkovic eine Anschlussvertrag im Sonntagsformat „Sportreportage“ in Aussicht stellte. Doch mit Laura Dahlmeier geht der Sender eine geradezu logische Symbiose ein. Im Kampf gegen Langeweile nämlich, die bei der Bayerin aufkam, nachdem sie zweimal Olympiagold, sieben WM-Titel und 33 Weltcuprennen gewonnen hatte. Sie hörte auf mit Biathlon, wechselte zum Berglauf und debütierte nun am vergangenen Sonnabend bei der WM in Argentinien über 42 Kilometer. Resultat: Platz 27. Herrschoftszeidn! DasZDF wiederum bekämpft die programmbedingte Langeweile mit dem beliebtesten Dialekt der Deutschen. Bayrisch liefertsich in alljährlichen Umfragen ein Kopf-an-Kopf- Rennen mit dem Norddeutschen nach hanseatischer Art. Jeweils ein Drittel findet einen der beiden Dialekte am sympathischsten, doch zum Wintersportpasst nun mal kein Hamburger.Moizeid! Glück hat der ehemalige Biathlet und ZDF-Experte Sven Fischer. Er kann beruhigt weitermachen und sich künftig mit Dahlmeier abwechseln. Der 48-Jährige kommt aus Schmalkalden, spricht mithin Thüringisch, nicht Sächsisch, das den Umfragen zufolge hierzulande der unbeliebteste Dialekt ist. Oder mit den Worten von Laura Dahlmeier: Kruzitürkn no amoi! Hinter die Mauer Sollen Sicherungsverwahrte in Berlin tatsächlich außerhalb des Gefängnisses leben? Daran zweifelt auch die SPD VonAnnika Leister Die Berliner Opposition kritisiert die Pläne von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), einen offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte in Tegel außerhalb der Gefängnismauern einzurichten. Auch der Koalitionspartner SPD meldet Zweifel an der Standortwahl an. Wie berichtet soll ab Anfang 2020 ein Haus in der Seidelstraße 34, wenige Meter vor der Mauer der Justizvollzugsanstalt Tegel, saniert und umgebaut werden. Dortsoll ein offener Vollzug mit zehn Plätzen für Sicherungsverwahrte eingerichtet werden. Am Abend diskutierten Anwohner mit Vertretern der Justizverwaltung über dasVorhaben. Aus der Senatsjustizverwaltung heißt es zur Standort-Wahl vor den Mauernder JVA, dass der offeneVollzug nach gesetzlichen Vorgaben ohne oder mit verminderten baulichen Vorkehrungen gegen Entweichungen ausgestattet sein müsse. „Ein ‚offener Vollzug‘ innerhalb des geschlossenen Justizvollzuges ist daher per definitionem nicht möglich.“ Im Tränengas In Hongkong eskalieren die Kämpfe zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Lage in der Universität ist dramatisch. Seite 5 Anders sieht das die Berliner SPD, Koalitionspartner der Grünen: Die Sicherungsverwahrten hätten einen Anspruch auf Resozialisierung, sagte Sven Kohlmeier, rechtspolitischer Sprecher der SPD, der Berliner Zeitung. „Aber ich sehe nicht, warum man den offenen Vollzug nicht hinter den Mauernauf dem Gelände der JVA einrichten kann.“ Die Sicherungsverwahrten hätten erst vorkurzem einen Neubau auf dem JVA-Gelände erhalten. „Es spräche nichts dagegen, für den offenen Vollzug dorteine Etage freizuräumen.“ Ähnlich klingt das bei den Oppositionsparteien CDU und FDP: Der offene Vollzug für normale Strafgefangene in Plötzensee oder Hakenfelde sei abgelegener und mit Zäunen stärker gesichertals das nun geplante Pilotprojekt für Schwerverbrecher, sagte Holger Krestel, Rechtsexperte der FDP. Im Zweifel müsste man sich klar für den Schutz der Allgemeinheit entscheiden und nicht nach dem Motto verfahren: „Mal schauen, ob das klappt.“ Auch Linken und Grünen ist die Brisanz bewusst. „Ich verstehe die „Wenn man dieVerfassung ernst nimmt, muss man auch diesen Menschen eine Chance geben, sich zu resozialisieren.“ Petra Vandrey, Rechtsexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus Bedenken von Anwohnern, das ist durchaus ein heikles Thema“, sagte Petra Vandrey, Rechtsexpertin der Grünen. „Aber wenn man die Verfassung ernst nimmt, muss man auch diesen Menschen eine Chance geben, sich zu resozialisieren.“ Die Linke verweist ebenfalls auf den Grundsatz der Resozialisierung und die strenge Prüfung der Kandidaten, bevor sie in den offenen Vollzug verlegt werden. „JVA und Richter werden sehr genau hingucken, wer in Frage kommt für dieses Projekt“, sagte Sebastian Schlüsselburg von der Linken. Auch der Bund deutscher Kriminalbeamter hält das Projekt für sinnvoll. Objektiv mache es keinen Unterschied, ob der offene Vollzug voroder hinter den Gefängnismauern liege. Die Menschen könnten das Gelände im Rahmen ihrer Freigänge ohnehin problemlos verlassen. Der Opferbeauftragte des Landes Berlin, Roland Weber,lobt das Pilotprojekt als„absolut sinnvoll und vernünftig“. Die Sicherungsverwahrten säßen zum Teil Jahrzehnte lang im Gefängnis und müssten langsam wieder an die Freiheit gewöhnt werden. „Wir würden eher Gefahrenquellen schaffen, wenn wir die Person einfach so rauslassen.“ Dass ein Gutachter sich bei seiner Einschätzung irre, käme selten vor. Auswertungen zeigten außerdem, dass Sicherungsverwahrte nach ihrer Entlassung vergleichsweise selten und wenn mit kleineren Straftaten rückfällig würden, so Weber. Kommentar Seite 8, Berlin Seite 11 DPA/AP/ACHMAD IBRAHIM Birthler und Kowalczuk beraten Zeitung Experten sichten Stasi-Akten des Verlegers Marianne Birthler, die frühere Leiterin der Stasi-Unterlagen- Behörde,und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk werden die Redaktionen der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers bei der Sichtung der Stasi-Akten des Verlegers Holger Friedrich unterstützen. Das teilten Birthler und Kowalczuk den Redaktionen am Montag mit. Am Freitag vergangener Woche war bekannt geworden, dass Holger Friedrich, der den Berliner Verlag im September gekauft hatte, Ende der Achtzigerjahre an das Ministerium für Staatssicherheit der DDR berichtet hatte. Die Chefredakteure der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers, Jochen Arntz und Elmar Jehn, hatten daraufhin erklärt, dass sie den Fall wie jeden anderen objektiv untersuchen wollen: „Wir werden Fakten sammeln, wir wollen die Akten –die Opfer- und die Täterakte – einsehen.“ Holger Friedrich hatte der Redaktion zugesichert, sie dabei zu unterstützen. Michael Maier, der Herausgeber der Berliner Zeitung, hatte zu der Aufarbeitung in der Süddeutschen Zeitung erklärt:„Es bedarfder Expertise, umden Fakten auf den Grund zu gehen. Akten haben ihre eigene Wahrheit.“ DieStasi-Unterlagen-Behörde hat den zugänglichen Teil der Täter-Akte mittlerweile der Berliner Zeitung zur Verfügung gestellt. DieRedaktion hat nun auch die Opfer-Akte angefordert, mit dem Einverständnis von Holger Friedrich, was eine rechtlicheVoraussetzung dafür war.Die Redaktion hat ein fünfköpfiges Reporter-Team für die Aufarbeitung benannt und wird vor einer Veröffentlichung beide Akten gemeinsam prüfen. Dabei werden Birthler und Kowalczuk sie fachlich unterstützen. (BLZ) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21047 Wie viele Entdeckungen passen in ein Wochenende? Herzlich willkommen inunserem Museum auf Zeit. Grisebach zeigt 1.438 Kunstwerke vom 22. bis 26. November 2019, bevor sie ab dem 27. November 2019 versteigert werden. Eintritt frei. Fasanenstraße 25, 27 und 73, 10719 Berlin grisebach.com

2019

2018