Aufrufe
vor 11 Monaten

Berliner Zeitung 19.12.2019

  • Text
  • Berlin
  • Kino
  • Vorstellung
  • Berliner
  • Cinestar
  • Cineplex
  • Dezember
  • Ladenkino
  • Aufstieg
  • Skywalkers
  • Zeitung
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Eigenbedarf? Die investigative Serie zum Berliner Wohnungsmarkt – Seite 3 Heute mit Kulturkalender 3°/10° Sonne und Nebel Wetter Seite 2 Mit Fontane auf der Pfaueninsel Feuilleton Seite 24 www.berliner-zeitung.de Der Präsident und das Impeachment Politik Seite 5 Donnerstag,19. Dezember 2019 Nr.295 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Klinsmann-Effekt: Hertha siegt 1:0 in Leverkusen Sport Seite 22 Die Größe der Gewinnerin VonChristian Schwager Ted Evetts hat Fallon Sherrock umarmt. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Sport: Ein Verlierer gratuliert der Gewinnerin. DieEngländerin Fallon Sherrock, 25, hatte ja bei der Darts-WM in London ihren 22 Jahre alten Landsmann 3:2 besiegt. Die Nachrichtenagenturen vermeldeten, Evetts habe Größe gezeigt mit seiner Geste. Eine interessante Interpretation.Waresnicht Fallon Sherrock, erfolgreiche Dart-Spielerin Darts-WM Sherrock, die Größe zeigte? Als erste Frau bei einer Darts- WM wies sie einen Mann in die Schranken. Schon ihr Start galt als bemerkenswert. Fallon Sherrock und die Japanerin Mikuru Suzuki sahen sich als weibliche Minderheit 94 Konkurrenten gegenüber. Überraschend kam der Sieg der Engländerin indes nicht: 2011 hatte sie den Girls World Cup als ihr erstes internationales Turnier gewonnen. Drei Jahrespäter dann ihr größter Erfolg, der Finaleinzug beim World Masters, dem ältesten Wettbewerb für Frauen. Das Talent liegt in der Familie, Schwester Felicia Blay spielt ebenfalls Dart. Was nun am Sieg gegen Evetts überrascht, ist die Reaktion darauf. Die Emanzipation im Sport macht Fortschritte. Bei den Winterspielen 2018 in Peongchang gingen 43 Prozent Frauen an den Start, so viele wie nie zuvor bei Olympia. Doch derWeg bis zur endgültigen Gleichstellung ist lang, vor allem im Bewusstsein der Sportkonsumenten. Das zeigt sich an der Darts-WM. Daszeigt sich am Fußball. Voreiner Woche verkündete der Frauen-Bundesligist 1. FFC Frankfurt, dass er mit Eintracht Frankfurt fusioniert. Damit verstärkt sich ein Trend, den der FC Bayern und der VfL Wolfsburg gesetzt haben. Nur noch starke Marken unter dem Dach des Männerfußballs sind dauerhaft erfolgreich. In einer solchen Konstellation immerhin sind die Sportlerinnen nicht nur schmückendes Beiwerk,sie werden ernst genommen. So wie Fallon Sherrock jetzt in ihrerBranche für voll genommen wird. Am Sonntag trifft sie auf den Österreicher Mensur Suljovic. Der trägt den Spitznamen „The Gentle“, der Vornehme. Könnte sein, dass Fallon Sherrock nicht zum letzten Mal bei der Darts-WM umarmt worden ist. Gedenken am Breitscheidplatz: Zwölf Menschen starben beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016. VonJan Sternberg und Andreas Kopietz Das Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz ist bis heute der schwerste dschihadistische Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik: VordreiJahren fuhr der Terrorist Anis Amri einen gestohlenen, mit Stahl beladenen Sattelschlepper in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Zwölf Menschen starben, 55 wurden teilweise schwer verletzt. AufdemWeihnachtsmarkt werden an diesem Donnerstag um 19.55 Uhr alle Lichter für ein stilles Gedenken ausgeschaltet.Um 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags vordreiJahren, werden die Kirchenglocke zwölfmal geläutet, in Erinnerung an jedes einzelne Opfer des Terroranschlags. DerAttentäter ist tot, Amriwurde nach drei Tagen in einem Vorort von Mailand erschossen. Über seine Netzwerke und Kontakte ist aber auch nach drei Jahren noch längst nicht alles bekannt. Seit 2018 arbeitet sich ein Bundestags-Untersuchungsausschuss durch den Fall Amri. DerAusschussvorsitzende vonder CDU sieht noch viel Aufklärungsbedarf. Auf die Frage, obAnis Amri ein Einzeltäter war oder ob er ein Netzwerk hinter sich hatte, sagte Klaus-Dieter Gröhler im ZDF-„Morgenmagazin“: „Ich glaube, dazu kann man sich jetzt Das Versagen Drei Jahre nach dem Attentat auf dem Breitscheidplatz zeigt sich immer deutlicher, dass zu wenig aufgeklärt wurde –und die Entschädigung der Opfer unzureichend ist noch keine abschließenden Urteile erlauben.“ Möglicherweise habe es Mitwisser und Unterstützer bei der Flucht gegeben. Man habe aber noch über ein Jahr Zeugenbefragungen vor sich, deshalb gebe es jetzt ohnehin nur Zwischenstände. DiedreiAusschussmitglieder von Grünen, Linke und FDP geben eine gemeinsame Pressekonferenz. Irene Mihalic (Grüne), Martina Renner (Linke) und Benjamin Strasser (FDP) weisen der Bundesregierung eine ganze Reihe von Fehlern und Vertuschungsversuchen nach. Gerade erst hatte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im ZDF weit aus dem Fenster gelehnt und sein Interesse an einer„lückenlosen Aufklärung“ bekräftigt. Beiden drei Aufklärern löst das einen kurzenAnflug von sarkastischer Heiterkeit aus.„Unsere Arbeit hat mit einem Versprechen begonnen, dem Versprechen nach Aufklärung“, sagt Strasser.„Vondiesem Versprechen der Regierung ist nichts übrig geblieben.“ Der V- „Die Bundessicherheitsbehörden waren mit einer falschen Gefahreneinschätzung unterwegs.“ Irene Mihalic, Obfrau der Grünen im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Anschlag auf den Breitscheidplatz Mann-Führer, die wichtigste Quelle in Amris Umfeld, darf nicht aussagen, wichtige Akten werden nicht zur Verfügung gestellt und zentrale Fragen sind noch offen. Mihalic weist noch einmal darauf hin, dass Bilel Ben Ammar, der engste Vertraute Amris, imHauruck-Verfahren abgeschoben wurde, obwohl auf seinem Mobiltelefon Bilder des Anschlags zu sehen sind. Ben Amar werden unter anderem Verbindungen zum marokkanischen Geheimdienst nachgesagt. In zwei zentralen Punkten widerlegen die Aufklärer die Bundesregierung: Aus ihrer Sicht stehe fest, dass Amrikein Einzeltäter war und dass es sich nicht um einen „reinen Polizeifall“ handele, wie der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) glauben machen wollte. Mehrere Bundesbehörden waren mit Amri betraut. De Maizière muss noch im Ausschuss aussagen. Am Ende weist Strasser auf die unzureichende Entschädigung der DPA/CHRISTOPH SOEDER Opfer hin. Bisher sind 4,3 Millionen Euro an die Opfer und Hinterbliebenen des Terroranschlags geflossen. Noch mindestens ein Dutzend der Überlebenden erhält Pflegeleistungen. „Ein Verletzter muss rund um die Uhr gepflegt werden“, sagte der Opferschutzbeauftragte des Bundes, Edgar Franke.„Vonetwa 20 Menschen ist mir persönlich bekannt, dass sie nach wie vor unter den psychischen Folgen dieser schrecklichen Tat leiden.“ Etwa ebenso viele könnten bislang ihrer Arbeit nicht wie vor dem Anschlag nachgehen. Auch in Nordrein-Westfalen und Berlin wurden Untersuchungsausschüsse eingerichtet. Im Berliner Abgeordnetenhaus steht noch immer die Frage zur Debatte, obman Amri hätte früher fassen können. Die Abgeordneten wollen vorallem die Zusammenarbeit von Polizei und Verfassungsschutz zu diesem Fall ergründen. So kam heraus, dass verschiedene Sicherheitsbehörden V-Leute in Amris Umfeld platziert hatten. Diese sollen aber angeblich keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag gegeben haben. Allerdings sind die vom Bundesamt für Verfassungsschutz an den Berliner Ausschuss übersandten Akten zum großen Teil geschwärzt und somit nicht brauchbar. Deshalb hat der Untersuchungsausschuss das Bundesinnenministerium verklagt. Leitartikel Seite8 Teslahat schon Förderung beantragt Doch der Vertrag für die Fabrik ist noch nicht fertig VonJens Blankennagel, Potsdam Der Kaufvertrag für das Grundstück der sogenannten Gigafactory des US-Elektroautoherstellers Tesla ist vomKonzernund dem Land Brandenburg noch nicht fertig ausgehandelt. Eigentlich war dies für diese Woche geplant. Doch Tesla hat für den Bau der Fabrik, für die angeblich bis zu vier Milliarden Euro investiertwerden sollen, bereits Fördermittel beantragt. Das geht aus der Antwort der Brandenburger Landesregierung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag hervor. Darin heißt es, dass Tesla bereits am 12. November einen Antrag auf Förderung bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg gestellt habe. Bei diesem Fördertopf namens „GRW-G–Wachstumsprogramm für kleine Unternehmen“ handele es sich um ein Programm zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Über die Höhe der beantragten Summe könne die Landesregierung derzeit noch keine Angaben machen, weil die GRW-Förderung erst noch bei der EU-Kommission „notifiziert“ werden müsse. In der Anfrage wird auch die Frage gestellt, ob das Gelände, das dem Land gehört, an Tesla verkauft oder verpachtet werden soll. Die Antwort lautet: Tesla wolle kaufen. „Zum Kaufpreis liegen derzeit keine Informationen vor“, heißt es. Tesla habe noch keine Anträge zur Inbetriebnahme der Fabrik gestellt. Alles ist also noch rechtoffen. Die Regierung sagt auch, dass Teslamehrere mögliche Areale im Land Brandenburg vorgestellt wurden. Der Konzern habe sich aber sehr schnell für den Standort nahe Grünheide entschieden. Brandenburg Seite19 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 194050 501603 41051 Abenteuer-Träume ··· jetzt erfüllen! Abenteuerträume für draußen–jetzterfüllen! (oder erfüllen lassen) Gib dem Weihnachtsmann einen Tipp oder gönne dir jetzt, was du dir schon immer erträumt hast. DIE OUTDOOR-INSIDER Karl-Marx-Allee 32 Berlin-Mitte www.camp4.de

2019

2018