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Berliner Zeitung 20.02.2018

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Berliner Zeitung

Das Ostkreuz –eine Geschichte in Bildern – Seite 10 . . Dienstag, 20. Februar 2018 Nr.43HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D** ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 1. FUSSBALL-BUNDESLIGA Eintracht Frankfurt–RBLeipzig 2:1 SportSeite 16 Merkels erste Wahl B E R L I N A L E Nichts zu lachen Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer soll CDU-Generalsekretärin werden. O L Y M P I A 2 0 1 8 VON JOCHEN-MARTIN GUTSCH In den vergangenen Tagen sah ich drei Filme.Alle waren irgendwie deprimierend. Ein Film kam aus Korea und trug den schönen Titel „Inkan, gongkan, sikan, grigo, inkan“. Die Handlung lässt sich kurz sobeschreiben: Auf einem Schiff, das ein ganz normales Schiff ist, aber das plötzlich durch die Wolken fliegt, kommt es zu einer Meuterei. Vergewaltigungen und Kannibalismus sind die Folge. Eine Frau schneidet sich ein Stück Fleisch aus dem Armund füttertdamit einen Mann, der sie kurz zuvor vergewaltigt hat. Gott ist auch an Bord, imSchiffsrumpf baut er Gemüse an. Als ich aus dem Kino ging, dachte ich: Die Koreaner und das koreanische Kino sind schon extrem schräg drauf. Aber Exzentrik muss ja nicht schlecht sein! Der Film „La Cama“ beginnt damit, dass ein Ehepaar jenseits der 50 versucht, miteinander zu schlafen. Aber der Mann bekommt keine Erektion. Damit dies nicht nur filmische Behauptung bleibt, läuft der Mann immer wieder erschlafft durchs Bild, direkt in die Kamera. Leider saß ich im Kino in der zweiten Reihe.Nach dem Film kann ich vermutlich nie wieder wertfrei in eine Bockwurst beißen. Überhaupt sind die beiden Darsteller fast immer nackt oder halbnackt. Sie reden nur wenig. Der Mann schnarcht oft. Die Frau schaut deprimiert. Ansonsten passiertnicht viel. Am Ende verspürte ich große Sehnsucht nach etwas Heiterkeit. Aber wo findet man Heiterkeit auf der Berlinale? Rasch ging ich in den nächsten Film: „14 Apples“ aus Taiwan. DieHandlung: EinMann leidet unter Schlaflosigkeit. EinWahrsager rät ihm zu einer Kur ineinem buddhistischen Kloster,woerjedenTageinen Apfel essen soll. Minutenlang zeigt der Film, wie der Mann einen Apfel isst. Da bin ich dann weggenickt. Später, auf dem Nachhauseweg, wurde mir klar, dass vermutlich drei Dinge einen typischen Berlinale-Film auszeichnen: wenig Dialog. Lange szenische Einstellungen. Und vor allem: kein Humor. Sicher gibt es unter den aktuellen 400 Berlinale-Filmen auch eine Komödie. Oder zwei. Dieter Kosslick, der Festival-Chef, sagte mal: „Die Berlinale ist kein Komödien-Festival.“ Ja, leider. Anscheinend gibt es hier noch immer die sehr deutsche Vorstellung, dass ein Film umso besser ist, je weniger gelacht wird. Und dass sich die Welt und ihre Krisen stets nur mit hundertvierzig Kilo Bedeutungsschwere zuverlässig vermessen lassen. Was ja an sich schon wieder komisch ist. In den vergangenen 30 Jahren hat noch nie eine Komödie den Goldenen Bären gewonnen. Mein Tipp: Daran wird sich auch in den nächsten 30 Jahren nichts ändern. Lotto-Quoten 9 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 13, 27 ................................................................................................................. Klein- und Traueranzeigen 13 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH,10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 21008 VON DANIELA VATES Esgibt eine Personalentscheidung in der CDU, und einer, der den Jobnicht übernimmt, ist relativ kurz angebunden. Jens Spahn verlässt die Parteizentrale, bevor die Neue präsentiert wird. Er gibt zwei kurze Fernsehinterviews. „Ein gutes Signal“, sagt er und ignoriert die Frage nach seiner Person. Das ist es, was sie jetzt alle sagen in der CDU: ein gutes Signal. Hinter vorgehaltener Hand gibt es die, die hinzufügen:„Für eine inhaltlich breitereAufstellung der Partei braucht es dann noch andere Personalien.“ Aber erstmal ist der CDU- Name des Tages: Annegret Kramp-Karrenbauer. 24 Buchstaben und ein Bindestrich, so lang ist diese Kombination, dass sich in der Partei das KürzelAKK durchgesetzt hat, auch im Mündlichen. Angela Merkel nimmt die Langversion. Vor einem knappen Jahr hat sie schon einmal hier gestanden mit Kramp-Karrenbauer. Damals hatte die gerade die saarländische Landtagswahl wiedergewonnen. Der Bann der Schulz-Euphorie, der auch die CDU so verunsichert hatte, schien erstmal gebrochen. Nun stehen beide Frauen wieder in der Parteizentrale und verkünden Kramp-Karrenbauers Umzug nach Berlin. AKK gibt ihr Amt als Ministerpräsidentin auf und wird Generalsekretärin der CDU, oberste Parteimanagerin also, als Nachfolgerin des umstrittenen Peter Tauber. „Große Zustimmung“ habe es in den Parteigremien für diesen Vorschlag gegeben, berichtet Merkel, und dann verlässt sie ihre Nüchternheit. „Ich empfinde ein großes Glück“, sagt sie. Wann sagt Merkel so was schon. Kramp-Karrenbauer habe auch ein Ministeramt haben können, sagt sie.Sie habe aber selbst vorgeschlagen in die Partei zu wechseln.„Mich hat das sehr berührt“, sagt Merkel. Es sei schließlich alles andere als selbstverständlich, dass jemand „von einem Staatsamt in die Partei“ wechsle. Sie habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Es ist eine Art politische Liebeserklärung. Es ist mehr als Erleichterung über eine gelöste Personalfrage. Es ist ja schon eine ArtCoup,der Merkel da gelungen ist. „Staunende Freude“ habe im Vorstand geherrscht, über die erste Ministerpräsidentin, die ihr Amt für ein Parteiamt aufgibt, berichtet ein Sitzungsteilnehmer.Ein anderer verweist auf das Wahlergebnis im Saarland: 40,7 Prozent, das klingt mittlerweile fast magisch in CDU-Ohren. AKK ist also auch noch die 40-Prozent-Frau, sie wird das gleich als Orientierungsmarke bestätigen. Merkel ist so zufrieden, dass sie auf der Pressekonferenz gleich noch verkündet, Kramp- Karrenbauer sei auch die erste Frau als Generalsekretärin. Waren Sie das nicht selber, Frau Merkel, in den 90er Jahren? Ein erstaunter Blick: „Ach so. Ja.“ Merkel prustet los.„Daswar jetzt eine echte Fehlleistung.“ Solche Sätzekann sie sagen an so einem Tag, an dem sie weiß, dass alles gut läuft. Die Frau, die da künftig die Parteizentrale leiten wird, ist eine ihrer engeren politischen Vertrauten. „Wir können uns aufeinander verlassen, selbst wenn jede ihren eigenen Kopf hat“, sagt Merkel. Mit Jens Spahn wäre das vermutlich nicht so gewesen. Eigener Kopf schon, aber:„Die Kanzlerin hält ihn für illoyal“, heißt es in der CDU-Spitze. „Das gesamte Parteipräsidium steht loyal zur Kanzlerin“, versichert Spahn prompt am Montag. Alle wollten „Ich habe mich noch nie für Prinzessinnenrollen geeignet.“ Annegret Kramp-Karrenbauer, designierte CDU-Generalsekretärin Mit der Personalie macht Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel ihren Kritikern klar: Mit mir ist noch zu rechnen. Merkel für diese Wahlperiode zur Kanzlerin wählen. Kramp-Karrenbauer macht ihre Distanz zu Spahn und das Lager der Merkel-Kritiker auf eigene Weise deutlich. Sie wolle sich „in den Dienst der Partei“ stellen, sagt sie: Eigene Karrierepläne zurückstecken fürs große Ganze, ist die Botschaft. Die CDU dürfe „keine durch Personen getragene Sammelbewegung“ werden, sondern müsse Volkspartei bleiben. Es ist die Antwort auf die, die Spahn in der Tradition von Emmanuel Macron und Sebastian Kurz sehen, die sich in Frankreich und Österreich von Parteien abgekoppelt hatten und dadurch Präsident oder Kanzler wurden. Konservativ sein heiße für sie, Vorhaben konsequent umzusetzen, sagt die künftige Generalsekretärin außerdem. Es gehe nicht darum, in den Wettstreit um die schärfste Forderung zu treten. Und Konservativ komme aus dem Lateinischen und bedeute bewahren: „Den Kurs der Mitte bewahren“, sagt Kramp-Karrenbauer. So schnell kann man Begriffe in einen neuen Zusammenhang stellen. Und Merkel gibt schnell noch dem Wirtschaftsflügel eine mit, der irgendwie auch ein Spahn-Flügel ist: Bei der Renten-Grundsicherung sei dessen Chef Carsten Linnemann mittlerweile auch „auf wundersame Weise“ der Meinung, „dass das doch eine gute Sache ist“. Aufder blauen Wand hinter den beiden Frauen steht das CDU-Motto „Die Mitte“. Es steht da schon länger, aber irgendwie scheint es an diesem Tagbesonders präsent. Ob AKK ihre Nachfolgerin werde, wird Merkel dann noch gefragt: Journalisten seien immer„schon drei Runden weiter“, gibt sie zurück. „Wir haben alle Hände voll zu tun, den Tagzu meistern.“ Es gehe nicht um Nachfolgefragen: „Es geht um die CDU, eine tolle Partei.“ Noch so eine Liebeserklärung. Kramp-Karrenbauer pariert die Frage nach ihrem Kronprinzessinnen-Status so: „Ich habe mich noch nie für Prinzessinnenrollen geeignet, auch bei Fastnacht nicht.“ Für die zentrale Karnevalsveranstaltung im Saarland hat sich die Ministerpräsidentin stets als Putzfrau verkleidet. Über eine mögliche künftige Merkel-Nachfolge hat sie mit ihrer Antwort nichts gesagt. Leitartikel Seite 8 AFP/TOBIAS SCHWARZ DPA/TOBIAS HASE Gleich schnell: Zweimal Gold im Zweierbob Gold im Zweierbob für Deutschland und Kanada Vier Läufe,viermal die Kurveneun und dann auf das Hundertstel gleich schnell: Francesco Friedrich hat mit seinem Anschieber Thorsten Margis die Goldmedaille im Zweierbob gewonnen –mit den KanadiernJustin Kripps und Alexander Kopacz. 3:16,86 Minuten brauchten beide Teams für ihrevier Läufe.Friedrich war nach zwei nicht ganz fehlerfreien Läufen am Sonntag als Fünfter in die zweite Hälfte desWettbewerbs am Montag gestartet. Im dritten Lauf schob er sich mit Bahnrekordvon 48,96 Sekunden auf Rang zwei. Derletzte Lauf brachte dann die Entscheidung. Im Team-Skispringen gibt es die Silber-Medaille Mitgerademal drei Punkten Vorsprung luchste das Team der deutschen Skispringer der polnischen Mannschaft die Silbermedaille ab. Gold ging an das Team aus Norwegen. Denzweiten Platz sicherte Andreas Wellinger im letzten Sprung für sich und seine Mannschaftskollegen Karl Geiger,Stephan Leyhe und RichardFreitag. Dopingverdacht im Team der russischen Athleten DieDoping-Affäreumden russischen Curling-Bronzemedaillengewinner Alexander Kruschelnizki gefährdet die Rückkehr Russlands in die olympische Familie.Das IOC drohte am Montag mit Konsequenzen, sollte die russische Mannschaft gegen die vorden Spielen festgelegten Verhaltensregeln verstoßen. Der Internationale Sportgerichtshof CAS leitete ein Verfahren gegen Kruschelnizki ein. Russischen Medien zufolge soll der Curler in der A-Probe positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet worden sein. Lindsey Vonn fährt nicht nur gegen die Konkurrenz Für die amerikanische Skirennläuferin Lindsey Vonn sind es schon die vierten olympischen Spiele –doch nie war der Druck größer.Das liegt nicht nur an der Konkurrenz: Vonn hatte sich kritisch zu Präsident Donald Trump geäußert–seither erlebt sie vorallem in den sozialen Medien heftige Anfeindungen. Olympia Seiten 17 bis 20 WETTER BERLIN: Sonne und Wolken wechseln sich ab.Höchsttemperatur fünf, nachts minus ein Grad. Seite 2

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