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Berliner Zeitung 20.07.2019

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Fast 90 Minuten bohrten die Hauptstadtjournalisten, es ging um Klimapolitik und Steuern, um die SPD und den Verfassungsschutz, um Brüssel, Polen und den Westbalkan, und die Kanzlerin parierte routiniert. Aber als es „Eine letzte Frage noch!“ hieß, da bahnte er sich an, der Moment der diesjährigen Sommerpressekonferenz. „Fühlen Sie Solidarität mit den Kongressabgeordneten, die US-Präsident Donald Trump angegriffen hat?“, fragte ein Reporter. „Ja“, sagte Merkel, kurzund klar. Und dann holte sie noch einmal aus.„Ichdistanzieremich davon entschieden und fühle mich solidarisch mit den attackierten Frauen.“ Es war ein bemerkenswerter Schlusspunkt, eine Distanzierung vomUS-Präsidenten, die härter ausfiel, als sie musste. Und wer indem Moment auf Merkels Sprecher Steffen Seibertachtete,der sah einen etwas ernster, unentspannter blickenden Regierungssprecher, einen, der womöglich dachte: Eigentlich ist alles so gut gelaufen bisher –jetzt werden die Telefone nicht still stehen. Gut eineinhalb Stunden zuvor hielten Merkels schwarze Limousinen vor dem Haus der Bundespressekonferenz. Die Kanzlerin steigt aus, einige Schritte durch das Atrium, die Treppe hinauf in den großen Saal; die Glastüren öffnen sich, Kameras klackern, die blaue Wand, die Kanzlerin davor.Berlin, dieser Freitag, der Sommer naht, Zeit für Rituale.Seit 14 Jahren besucht Angela Merkel (fast) jedes Jahr vorihrem Urlaub die Bundespressekonferenz und stellt sich den Fragen der Hauptstadtpresse. Es hat also etwas Gewöhnliches – und doch ist immer wieder alles anders. Esgab Jahre, in denen sie auffällig schweigsam, lustlos oder gelöst war. Esgab ikonische Momente und „Wir waren ja fleißig in der DDR“ Eine Sommerpressekonferenz mit zwei Überraschungen: Angela Merkel geht Donald Trump hart an –und spricht plötzlich lange über das Leben vor dem Mauerfall Sätze, die blieben:Wirschaffen das! – es ist der Satz der Sommerpressekonferenz des Jahres 2015. In diesem Jahr war plötzlich eine Kanzlerin zu beobachten, die in drei Themen Akzente setzte,die sie lange nicht übermäßig betonte: Frauen, Osten –und das transatlantische Verhältnis. Dabei kommt nicht vonungefähr, dass Merkel sich Donald Trump und dessen rassistische Angriffe auf vier farbige US-Kongressabgeordnete besonders vornahm. Merkel kann mit Trumps Art nicht viel anfangen, sie sind die zwei Pole der politischen Arbeit: auf der einen Seite der hyperimpulsive US-Präsident, auf der anderen die analytische Merkel. Doch während Merkel ihre Kritik bei den gemeinsamen Auftritten mit dem US-Präsidenten lediglich durch leichtes Augenrollen zu erkennen gibt, scheint in der Endphase ihrer Kanzlerschaft eine regelrechte Befreiung eingetreten zu sein. Merkel hat sich damit abgefunden, in der Zusammenarbeit mit Trump nur noch größere Schäden verhindernzukönnen –nichts wirklich Substanzielles aber erreichen zu können. Warum sich also nicht mit denen solidarisieren, die der Präsident gerade angegriffen hat. Merkel jedenfalls schien an diesem Freitagmittag nach ihren Worten selbstzufrieden. Siewollte es genau so sagen. Merkel wirkte befreit nach einer Woche, in der ihr einiges gelungen VonGordon Repinski Angela Merkelnach einer Woche der –überraschenden –Entscheidungen „Ich bin immer im Dienst, wenn was ist, bin ich erreichbar.“ Angela Merkel auf der Pressekonferenz GETTY IMAGES war: Nach langen Kämpfen hat das Europaparlament Ursula von der Leyen zur Kommissionspräsidentin gewählt, ihreNachfolgerin imVerteidigungsministerium ist Annegret Kramp-Karrenbauer. Zwei ihrer engsten Wegbegleiterinnen hat sie damit befördert, einen Schritt gemacht, ihre Nachfolge mitzubestimmen. Und nebenbei hat sie eines der mächtigsten Bilder dieses Jahres geschaffen: Merkel, von der Leyen, Kramp-Karrenbauer – nebeneinander sitzend im Schloss Bellevue. Die Würde der weiblichen Macht hätte kaum deutlicher werden können als in dieser Konstellation. „Annegret Kramp-Karrenbauer ist Parteivorsitzende und ist damit natürlich in einer wichtigen und auch entscheidenden Position. Das ist ja gar keine Frage“, lobt sie die neue Verteidigungsministerin an diesem Freitag. Und dann ist da noch Ostdeutschland, ein wichtiges Thema der Spätphase der Kanzlerschaft. Merkel erzählt von einer Reise nach Hoyerswerda vor wenigen Tagen. Von den Kindern der Stadt, die in den Westen gezogen sind, und den Alten, die ihre Enkel in Stuttgart so selten sehen. Sie erzählt von den ehemaligen Industriearbeitern, deren Kenntnisse heute genauso wenig gefragt sind wie ihre Überlebensstrategien aus der Zeit des „real existierenden Sozialismus“, als man „Tomatenmarkhamstern“ und „Tauschbörsen anlegen“ musste. Merkel wird biografisch. Ihre Identität als Ostdeutsche arbeitet sie viel mehr heraus, als man es bisher vonihr gewohnt war. Dass 30 Jahre nach der Wiedervereinigung mancherorts viel Frust herrsche, könne sie gut nachvollziehen, sagt Merkel.„Das Problem eines Lebens in der DDR ist einfach, dass man so vieles gemacht hat, was in der alten Bundesrepublik nicht mehr gebraucht wird.“ Viele der typisch ostdeutschen Fähigkeiten seien heute nicht mehr notwendig. „Und das bekümmerteinen natürlich manchmal“, sagte die Kanzlerin. „Wir waren ja, man war ja fleißig in der DDR.“ Doch viele Menschen, die vielleicht auch nach der Wende arbeitslos geworden seien, fragten sich nun, was sie noch zu dieser Gesellschaft beitragen könnten. „Und das kann man nicht einfach mit einem Federstrich wiedergutmachen“, sagt Merkel. Stattdessen müsse man sich füreinander interessieren. Diese wichtigen Kontakte zwischen Ost- und Westdeutschen seien aber an vielen Stellen in den vergangenen Jahrzehnten nie entstanden. Nach ihrem leidenschaftlichen Appell entschuldigte sich Merkel „für meine etwas ausschweifende Antwort“. Auf ihre Gesundheit wird Merkel lediglich einmal angesprochen. „Sie kennen mich ja nun auch schon eine ganzeWeile“, sagte Merkel. Für sie sei wichtig, „dass ich mich zu der Verantwortung bekenne, als Regierungschefin handlungsfähig zu sein“. Es ist eigentlich eine dieser Nicht-Antworten, mit denen sie gelegentlich die Fragenden ärgert. Und wenn schon, mag sich Merkel in diesem Moment denken. Dann verschwindet sie, inden schwarzen Limousinen. Biszum nächsten Sommer,wenn die Regierung denn hält. (mit dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61029

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