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Berliner Zeitung 21.04.2018

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Berliner Zeitung

Leben am Limit: Berliner Politikerinnen über ihren Alltag mit Kind – Seiten 2und 3 14°/23° Sonne und wenig Wind Wetter,Seite 32 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,21./22. April 2018 Nr.93HA-74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.90 € Berlin/Brandenburg: 1.70 € Im Magazin: Kantig Oliver Masucci über seine weiche Seite Seiten 2und 3 Macht weiter Theater! Sophie Rois wechselt ins Ensemble des Deutschen Theaters. Das verrät die Schauspielerin im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Der Streit um die Volksbühne verdirbt ihr nicht die Lust auf die Stadt. Feuilleton Seiten 26/27 BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Klickig VomTraumjob,Spiele zu erfinden Seiten 4und 5 Großartig Islands Premierministerin ist die jüngste Seite 7 Anzeige www.fliesen.de SPD: Es kann nur eine Chefin geben Politik Seite 4 TelAviv –Berlin: Post von Anja Reich Politik Seite 5 Wie ein Felsbrocken sieht sie aus. Verwittert, mit Moos bewachsen, 1,20 Meter lang. Am Mittag hängt der Brocken, der eigentlich eine Weltkriegsbombe ist, in Gurte gewickelt an einer Baggerschaufel und dreht sich im Wind. Da ist die Bombe schon entschärft. Und die Stadt steht noch. Glück gehabt. Alles lief nach Plan. „Das Böse“, wie die Polizei am Morgen die Bombe noch genannt hat, ist besänftigt. Das Erbe eines Kriegs vormehr als siebzig Jahren, es ist beseite geräumt. Den ganzen Vormittag über hat dieser Sprengkörper, eine 500 Kilogramm schwereamerikanische Fliegerbombe, die ein Baggerführer am Montag bei Tiefbauarbeiten an der Heidestraße gefunden hat, allerdings das Leben in der Stadt gehörig durcheinandergewirbelt. Und nicht nur das. Weil der Berliner Hauptbahnhof im Sperrkreis für die Entschärfung liegt und deshalb der gesamte Bahnverkehr von und nach und in Berlin betroffen ist, weil zehntausend Menschen in Sicherheit gebracht werden müssen und weil ein Teil der Innenstadt über Stunden lahmgelegt ist, ist dieser TaginBerlin ein internationales Ereignis. Zeitungen und Nachrichtensender aus Russland, Italien, den Niederlanden, Großbritannien berichten über die Bombe. Um neun Uhr amMorgen ist am Hauptbahnhof noch normaler Betrieb.Die Polizei steht zwar schon mit Mannschaftswagen vor der Tür, aber noch immer steigen Reisende aus ihrenZügen und laufen durch die Halle. In einer Ecke hat sich ein Team der Deutschen Bahn versammelt. DieKoordinatorin informiertihreLeute,wie sie in Kürze über die Bahnsteige,Terrassen, Gänge, Rolltreppen laufen sollen, um sämtliche Menschen zum Verlassen des Gebäudes zu bewegen. 300 000 Fahrgäste in 350 Zügen werden am Ende davon betroffen sein, dass die Bahn für die Dauer der Entschärfung den Verkehr in diesem Bahnhof ganz einstellt. Um 10 Uhr sperrt die Polizei ab. Niemand soll sich jetzt mehr in der Nähe der Bombe aufhalten. 800 Meter Distanz sind nötig. Alles, was näher am Fundort der Bombe liegt, ist in Gefahr. Die Menschen müssen den Bereich verlassen. Das Bundeswehrkrankenhaus ist betroffen und räumt einen Teil der Stationen. Aus einem Pflegeheim an der Scharnhorststraße müssen Demenzkranke mit Rettungswagen abtransportiert werden. Die 1 000 Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums kommen gar nicht erst zur Arbeit. Sie haben frei, genau wie die Angestellten des Sozialgerichts. Große Straßen liegen im Sperrkreis: die B96, Heide- und Lehrter Straße. Der Tiergartentunnel muss gesperrt werden. Die Polizei sagt, an diesem Tag bräuchten Hauptstadt- Pendler starke Nerven. Sogar auf den Autobahnen, bis hin zum Berliner Ring, könne es voll werden. Aber es wird erstaunlich wenig gemurrt. Es hat viele Informationen in den vergangenen Tagen gegeben. Radio, Fernsehen, Zeitungen berichteten. DieBahn lässt schon seit Tagen in ihren Zügen Lautsprecheransagen laufen, um auf diesen Taghinzuweisen. „Selten so einen entspannten WegzuArbeit mit dem Fahrrad gehabt“, twittert eine Nutzerin des Kurznachrichtendienstes. Die Perleberger Straße ist vollkommen leer. Berlin und die Bombe WieeineMillionenstadt den Ausnahmezustand erstaunlich gelassen erträgt –und am Ende Glück hat VonJulia Haak Entschärft: sechs Männer und ihre Bombe. ERIC RICHARD Ein Anwohner freut sich. „Holt die Stühle auf die Straße“, postet er im Internet. An der Absperrung am Hauptbahnhof trudeln zwar immer wieder Reisende ein, die nicht wissen, dass an diesemVormittag kein Zugdiesen Bahnhof verlassen wird. Es sind meist Touristen. Aber sie tragen es mit Fassung. Die Bahn hat Infozelte und mobile Auskunftstische aufgestellt. Strahlend lächelnde Mitarbeiter empfangen die Menschen und erklären ihnen, wie sie woanders ihren Zug bekommen. Es gibt sogar kostenlos Wasser zu trinken. In den Wohnhäusern laufen Polizeibeamte die Treppen hoch, klopfen an Türen und versuchen, die Menschen dazu zu bewegen, ihre Wohnungen zu verlassen. Diemeisten tun das. „Ich gehe aber davon aus, dass nicht alle unseren Rat befolgen. Wer partout nicht will, den lassen wir“, sagt eine Polizistin. Auch wenn die Polizei zur Gefahrenabwehr rechtlich dazu in der Lage wäre, die Evakuierung gegen den Willen der Menschen durchzusetzen, tut sie es nicht. Etwa 50 Menschen verbringen die Wartezeit in zwei Grundschulen. Manch einer kann nicht ohne Hilfe die Gefahrenzone verlassen. An der Lehrter Straße wird eine bettlägerige Frau von der Feuerwehr aus dem 4. Stock mit einer Drehleiter in Sicherheit gebracht. Sie kann nicht durch das Treppenhaus getragen werden.Aberauchdas gelingt. In der Polizeipressestelle haben die Mitarbeiter in der Hochphase der Evakuierung so gute Laune, dass sie ein Foto von einem Spatzen andie Berliner senden, der hüpfend einen menschenleeren Bürgersteig überquert. Um 13.18 Uhr ist es dann soweit. Der Zünder wird von der Bombeentfernt. DerKnall ist außerhalb des Sperrkreises nicht zu hören, auch nicht für die Leute, die sich direkt an der Absperrung am Hauptbahnhof niedergelassen haben. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigt sich der Welt auf einem Foto prompt mit erhobenen Daumen im Ausweichquartier seines Ministeriums und schickt Liebesgrüße an die Bombenentschärfer.„SaubereArbeit“, twitterter. Die Besichtigung der nun harmlosen Bombeauf der Baustelle an der Heidestraße gewähren die Polizeikräfte, stellvertretend für alle anderen, nur den Medienvertretern. „Es ist wirklich gut gelaufen. So einen entspannten Einsatz haben wir selten“, sagt Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Hinter ihm posieren die Feuerwerker der Polizei derweil für Fotos mit der Bombe. Dann packen sie den Brocken ein. Er wird sein Ende auf dem Sprengplatz im Grunewald finden. Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501702 61016 ORANKE CAMP’18 Riesen-Zelt- &Kanuausstellung& ·Anfassen,· Testen, Kaufen Strandbad Orankesee ·10bis 18 Uhr Openair ·www.camp4.de HEUTE Eintritt frei! lädt ein zum Start in den Frühling: Riesen-Zelt- und Kanuausstellung, Infostände,Workshops,Essen&Trinken, Kletterturm, Kistenklettern, Slackline, Secondhand-Outdoormarkt, Lagerfeuer, Pappboot-Aktion: Bau und Rennen

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