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Berliner Zeitung 21.09.2018

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Krokodil im Nacken: Eine Begegnung mit dem Berliner Autor Klaus Kordon – Seite 3 Krebsinfotag in Buch Seite 10 13°/28° Wolken und Schauer Wetter Seite 2 Berlin ist das Zentrum Künstlicher Intelligenz Made in Berlin Seite 6 www.berliner-zeitung.de 13 Jahre Haft für Berliner Raser Djordje S. Berlin Seite 13 Freitag,21. September 2018 Nr.221 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € „Bewegte Zeiten“ im Martin-Gropius-Bau Feuilleton Seite 22 Einheitsfeier Seine liebste Leinwand ist die Straße VonSilvia Perdoni Die Erfolgsgeschichte des Streetart-Künstlers JR beginnt wie ein Hollywoodfilm: EinJugendlicher aus einem Pariser Vorort, der nachts mit seinen Freunden durch den Block streift und Graffiti sprüht, findet Anfang der 2000er-Jahre inder Metro eine Kamera. Er fängt an, die Entstehung seiner Wandbilder auf Fotos festzuhalten und diese wiederum an Hauswände zu kleistern. Heute, gut 15 Jahre später, kürte das Time Magazin JR gerade zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. JR, Dass die Fotograf und Straße noch immer seine liebste Graffitikünstler Leinwand und das Kleistern noch die wichtigste Technik ist, zeigt der 35-Jährige bald in Berlin. Zum Einheitstag soll eine Collage mit Fotos aus der Nacht des Mauerfalls das Brandenburger Tor zieren. Feiernde Menschen sind darauf zu sehen, die den Wall überwinden und die Freiheit bejubeln –eine Szene nach JRs Geschmack. DieWerke des anonym auftretenden Künstlers richten sich oft gegen Ausgrenzung und Unterdrückung. Im vergangenen Jahr installierte er einen Aufsteller am Grenzzaun zu Mexiko: ein Kleinkind, das neugierig über die Grenze späht, als wolle es darüber hinwegkrabbeln. In der Arbeit, die ihm 2004 den Durchbruch brachte,montierte JR in Pariser Banlieues überdimensionale Porträts von Bewohnern, die aus ihren Häusern vertrieben worden waren. Sein berühmtes „Inside-Out“-Projekt nutzt die gleiche Technik: Über 135 000 Gesichter klebte er weltweit auf Mauern und ließ so die Bewohner durch ihreStädte sprechen. Auch in Berlin hat JR schon gearbeitet. Gemeinsam mit Blu malte er die bekannten Figurenbilder an der Cuvry-Brache. Die sind inzwischen aus Protest übermalt. Aber auch das ist eben Streetart: Sie hat ihre Zeit. Berlin Seite 9 Die Mauerteile für das Dau-Projekt bleiben vorerst eingelagert. VonHarry Nutt, Ulrich Seidler und Stefan Strauss Das umstrittene Kunstprojekt Dau wird nach Informationen der Berliner Zeitung nicht mehr wie geplant in diesem Jahr in Berlins Mitte stattfinden. Das haben die Behörden im Senat und im Bezirksamt Mitte am Donnerstag entschieden. Bei diesem Projekt sollten vom 12. Oktober bis zum 9. November in Mitte Teile der Berliner Mauer wieder errichtet werden, um eine Diktaturerfahrung erlebbar zu machen. „Bei allen Bemühungen, die Verwaltung hat die umfangreiche Prüfung des Antrages in der Kürze der Zeit nicht schaffen können“, heißt es aus der Verwaltung. Vorallem wegen der Sicherheit habe es erhebliche Bedenken gegeben. Tonnenschwere Mauerteile sollten errichtet werden, ein öffentlich zugänglicher Bereich wärewochenlang für das private und kommerzielle Projekt blockiertgewesen. Zudem, so heißt es aus der Verwaltung, sollen die Unterlagen, die der Veranstalter mehrfach in geänderter Form eingereicht hat, nicht vollständig gewesen sein und nicht so Die Mauer bleibt weg Das Kunstprojekt Dau bekommt keine Genehmigung –für dieses Jahr. Die Zeit für die Prüfung durch die Behörden war zu knapp. detailliert vorgelegen haben, wie es für eine zügige Bearbeitung des Antrags nötig gewesen wäre. DerAntrag war kurzfristig eingereicht worden. Aber das Projekt wird nicht grundsätzlich abgelehnt. Die Behörden wollen dem Veranstalter nun empfehlen, das Vorhaben auf das kommende Jahr zu verschieben. Dann liegt der Mauerfall 30 Jahrezurück. Am Freitagmorgen wollen Verkehrssenatorin Regine Günther und die zuständige Stadträtin von Mitte, Sabine Weißler, Genaueres zur Ablehnung erklären. Die Veranstalter wollten sich am Donnerstagabend nicht äußern. Sie wüssten noch nichts vonder Entscheidung. DasNein der Verwaltung stößt auf Kritik: „Wenn das tatsächlich so ist, dann wäre das für Berlin eine Katastrophe“, sagt Carl Hegemann der Berliner Zeitung. DerfrühereDramaturg der Volksbühne war einer der ersten Förderer des Dau-Projektes. „Dieser fortschreitende Okkultismus der Macht –Adorno –wird die russischen Künstler an ihre Heimat erin- „Die Stärke, die diese Stadt einmal auszeichnete, ist verschwunden.“ Jürgen Jürges, Dau-Kameramann DPA/MATHIAS SCHWERBROCK nern, wo ihnen gesagt wird, natürlich, wir erlauben euch alles,aber wir können nichts tun, wir müssen das Theater schließen, es sind Salmonellen in der Kantine gefunden worden. Immer mehr wird das Verwaltungsdenken zum ersehnten Vorbild gesellschaftlichen Handelns.Traurig.“ Und Dau-Kameramann Jürgen Jürges assistiert: „Wenn es wahr sein sollte, dass die Berliner Behörden das Dau Projekt nicht genehmigen, was ich kaum glauben kann, wäre das für mich ein Armutszeugnis und ein unglaubliches Zeichen von Schwäche. DieStärke, die diese Stadteinmal auszeichnete,ist verschwunden.“ Das Mauer-Projekt wird aber auch grundsätzlich abgelehnt. Mit öffentlichen Anzeigen und einem Pressetermin hat Lea Rosh, die Journalistin und Mitinitiatorin des Berliner Mahnmals für die ermordeten Juden Europas, ihren Protest gegen das Kunstprojekt Dau bekräftigt. „Wir brauchen keine Mauer“, heißt es in einem Offenen Brief.„Wir brauchen nicht die Erfahrung vonKnast – das war lange bitterer Ernst in Berlin, die Mauer ist kein Event-Spielzeug!“ Weiter heißt es: „Die Herren, die sich dieses unselige Projekt ausgedacht haben, sollten sich bei Herrn Putin für Sensow(sic!), Serebrennikoweinsetzen und Nawalny unterstützen. Dann können sie wahrscheinlich die Knasterfahrung an eigenem Leib erfahren.“ Oleh Senzow ist ein ukrainischer Filmregisseur,der sich in russischer Haft in einem Hungerstreik befindet. Der Theaterregisseur Kirill Serebrennikowsteht in Russland unter Hausarrest. Alexei Nawalny ist ein russischer Oppositionspolitiker. Kommentar Seite 8 Sexuelle Belästigung in Gedenkstätte? Vorwurf von Übergriffen im ehemaligen Stasi-Gefängnis VonMarkus Decker In einem Brief, der von sechs ehemaligen Mitarbeiterinnen der Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen unterzeichnet ist und der Berliner Zeitung vorliegt, werden einem dort arbeitenden Mann sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Es soll sich um Vize- Direktor Helmuth Frauendorfer handeln, wie der RBB als erster berichtete. Indem Brief ist von„strukturellem Sexismus aus der Führungsetage“ die Rede.Essoll weitere Betroffene geben, die„aus Furcht vor beruflichen Nachteilen“ nicht in Erscheinung treten möchten. Der Stiftungsrat kommt am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammen. DerDirektor der Gedenkstätte,Hubertus Knabe, zeigte sich betroffen. „Ich bin entsetzt, wenn ich höre, dass sich Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte von meinem Stellvertreter bedrängt gefühlt haben“, ließ er mitteilen. Frauendorfer ließ seinen Anwalt mitteilen, Knabe habe ihn schon vor gut zwei Jahren aufseinVerhalten angesprochen. Er habe dies daraufhin geändert. Allerdings soll das sexistische Klima in der Spitze der Einrichtung Insidern zufolge bekannt gewesen sein. DerSprecherdes Kultursenators sagte, man habe mehrfach mit Knabe gesprochen, auch mit dem Hauptbeschuldigten habe es zwei Anhörungen gegeben. PolitikSeite 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51038 höchstezeit, unterzutauchen. Catania, Olbia oder Málaga ab €34, 99* *Onea inlie teern egrente ergbareiteitra 9 9 tand ie allgeeinen etbedingngen ind a eaetoeinebar

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