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Berliner Zeitung 21.10.2019

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Die unendliche Geschichte: Boris Johnson und der Brexit – Tagesthema Seite 2 Heute mit Finanztipp Seite 6 12°/20° Wechselnd bewölkt Wetter Seite 2 Berliner Menschenkette gegen Antisemitismus Berlin Seite 11 www.berliner-zeitung.de ErwardieandereSPD:Zum Todvon Erhard Eppler Politik Seite 4 Montag,21. Oktober 2019 Nr.244 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Nach Ärger: Pechstein trainiert jetzt in Polen Sport Seite 18 Marius Bülter Er will doch nur spielen VonPatrick Berger Ein geborener Redner ist Marius Bülter nicht. Wenn der 26 Jahre alte Fußballprofi des 1. FC Union nach Spielen vor die Kamera tritt, fühlt er sich nicht unbedingt wohl. Sein Blick wandert dann meist am Gesprächspartner vorbei in eine Ecke. Seine Sätze wirken zuweilen holprig, aber dafür erfrischend echt. Keine künstlich-geschliffenen Phrasen, was auch daran liegt, dass Bülter bis vor 16 Monaten noch in der vierten Liga beim SV Rödinghausen kickte, wo das mediale Auf- Marius Bülter kommen dann traf nach 56 Sekunden für die Eisernen. doch überschaubarer ist als in der Hauptstadt. Marius Bülter spricht eben lieber auf dem Platz. Und das ist auch gut so.Der wuchtige Athlet brachte seine Mannschaft mit einem strammen Fernschuss in den rechten Winkel auf die Siegerstraße. Nicht einmal eine Minute war da gespielt. Das Match gegen den SC Freiburgendete schlussendlich 2:0. Es war der zweite Bundesliga-Sieg für die Köpenicker. Und wieder hatte jener Marius Bülter einen nicht unerheblichen Anteil. Schon beim 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund vor anderthalb Monaten traf der Blondschopf doppelt. Wie ersich denn jetzt so fühlt als Supertorschütze des FCU, wurde Bülter nach dem Spiel gefragt. Er grinste nur verlegen und sagte: „Ich bin kein Supertorschützenkönig.“ Und überhaupt: Darüber mache er sich keine Gedanken, er wolle einfach nur Fußball spielen. Das merkt man dem gebürtigen Westfalen, der frei und unbeschwert aufdribbelt, wirklich an. Nicht wenige der 22 012 Zuschauer an der Alten Försterei fragten sich, wieso die Qualitäten des offensivstarken Linksaußen so lange unentdeckt blieben. Als studierender (Maschinenbau) Amateurkicker wechselte Bülter im Sommer 2018 in die 2. Liga nach Magdeburg, wo er sich mit vier Toren und vier Vorlagen in 32 Spielen auf den Notizzettel von Oliver Ruhnert spielte. Neben dem eisernen Sportdirektor fanden auch die Macher weiterer Bundesligisten Gefallen an Bülter. Ironie der Geschichte: Vorallem der SC Freiburg, den Bülter nun abgeschossen hat, warb um die Dienste des Regionalliga-Torschützenkönigs von 2017/2018. Die Eisernen überzeugten den Spieler aber mit der Aussicht auf viele Einsätzeim Oberhaus. „Ich fand immer, dass er etwas hat“, sagte Trainer UrsFischer. „Zum Glück war ich nicht der Einzige bei uns,der das so gesehen hat.“ Undsolebt Marius Bülter,der von Magdeburg zunächst für ein Jahr ausgeliehen ist (Union sicherte sich eine Kaufoption) in Köpenick seinen Kindheitstraum von der Bundesliga. „Es wärewunderbar“, sagt er,„wenn es so weitergeht.“ Feuer mit Folgen Der Brand eines Sonderzuges im Berliner Bahnhof Bellevue führte am Wochenende zu großen Behinderungen bei der S-Bahn und im Fernverkehr. Berlin Seite 9 Die gespaltene Stadt Der Mietendeckel polarisiert: Opposition und Wirtschaft verurteilen den Gesetzesentwurf –die SPD keilt zurück VonMelanie Reinsch und Elmar Schütze Ein „Deckelkompro-Mist“ oder doch ein „Konjunkturprogramm“? Nach der Einigung der rot-rot-grünen Koalition auf einen Mietendeckel geht der Streit um den so massiven wie ungewöhnlichen Eingriff in den Mietenmarkt ungebremst weiter. Am Freitagabend hatte Rot-Rot- Grün nach wochenlanger auch öffentlich geführter interner Auseinandersetzung einen Gesetzesentwurf beschlossen, in dem die Mieten in rund 1,5 Millionen Wohnungen für fünf Jahreeingefroren werden. Daneben sind Obergrenzen bei Neuvermietungen abhängig von Baujahr und Ausstattung derWohnung vorgesehen. Außerdem soll eine Absenkung von Wuchermieten möglich sein –wenn die Bestandsmiete um mehr als 20 Prozent über den Vergleichsmieten liegt. Als Orientierung soll der Mietspiegel von2013 dienen. Gerichte müssen entscheiden Die Opposition und Wirtschaftsverbände kritisieren das Vorhaben, das seit Monaten debattiert wird, scharf. Sowohl CDU als auch FDP im Abgeordnetenhaus haben bereits angekündigt, gegen das Gesetz, das noch im Parlament beraten werden muss, zu klagen. DasBundesverfassungsgericht muss dann entscheiden, ob es rechtlich Bestand hat. In den Stunden und Tagen nach Bekanntwerden des Kompromisses ließ die parlamentarische Opposition wie erwartet kein gutes Haar am Entwurf. DieCDU sprach voneinem „Deckelkompro-Mist“. Fraktionschef BurkardDregger warfder Koalition Populismus vor. „Sie weckt unerfüllbare Erwartungen und wird Enttäuschung und Politikverdrossenheit ernten. Das angebliche Mietendeckelgesetz wird vor dem Verfassungsgericht keinen Bestand haben“, sagte Dregger. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja spricht von einem Gesetz, „das unserer Stadt nichts bringt, aber umso mehr schadet“. Tausenden privatenVermietern drohten drastische Verluste. Auch die Wirtschaft läuft Sturm. Für Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg(UVB), ist es „mehr als zweifelhaft, ob damit wohnungspolitisch irgendetwas erreicht wird“. Wieunter solchen „Umständen das vorrangige Ziel, jährlich mindestens 20 000 neue Wohnungen zu bauen, erreicht werden soll, istvöllig schleierhaft“. In den Augen vonJürgen Michael Schick, dem Präsidenten des Immobilienverbandes IVD,kehrt derSenat schlicht „zurück zur sozialistischen Wohnungspolitik“. Etwas differenzierter sieht Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK), den Kompromiss. Immerhin habe sich die Koalition von den schwerwiegendsten planwirtschaftlichen Eingriffen verabschiedet. „Das ist allerdings das einzig Positive, was sich dazu sagen lässt“, sagt Kramm. „Der Mietende- „Interessant ist vor allem, wie sich Wirtschaftssenatorin Pop zur Notarin eines perfiden Plans zur Einführung der Planwirtschaft macht.“ Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef und Wahlkämpfer, über die Rolle der Grünen-Wirtschaftssenatorin ckel ist in der jetzigen Form vielleicht weniger schlimm, aber sicher nicht gut.“ Völlig konträr fällt, wie erwartet, die Einschätzung von Reiner Wild aus.Der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins mit seinen knapp 180 000 Mitgliedern sieht im Deckel „eine historisch einmalige Chance für ein besseres Mietensystem“. Auch SPD-Fraktionschef Raed Saleh verteidigte den Gesetzesentwurf am Sonntag erneut vehement. „Der Mietendeckel schadet der Konjunktur nicht, wie Wirtschaftsverbände oder die Opposition behaupten, er kurbelt sie an“, sagte Saleh der Deutschen Presse-Agentur. „Jeder Euro, mit dem wir die Berliner entlasten, kommt der Stadt zugute“, argumentierte er.„Werpro Monat 100 Euro bei der Miete spart, hat im Jahr 1200 Euro netto mehr in der Tasche. Und wenn Menschen mehr Geld zur Verfügung haben, ist das gut für dieWirtschaft und die Konjunktur.“ Ob die Einigung auf einen Kompromiss die zuletzt in Aufruhr befindliche rot-rot-grüne Koalition befriedet, werden dienächstenWochen zeigen. Erste Anzeichen dafür gibt es. Saleh greift an So hatte vor allem die CDU immer wieder versucht, einen Keil in die rot-rot-grüne Koalition zu treiben. Vorerst vergebens.Entsprechend vehement greift der Berliner CDU- Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak die SPD an.„Die Einigung hat die Koalition in letzter Sekunde vor dem Aus gerettet“, sagte Luczak. „Die SPD ist auf ganzer Linie eingeknickt und hat so den Koalitionsfrieden gewahrt–zum Schaden unserer Stadt.“ Die SPD keilt zurück. Fraktionschef Saleh kritisierte namentlich CDU-Landeschef Kai Wegner. „Wenn Wegner von einem schwarzenTag für den Berliner Wohnungsmarkt spricht, dann ist das eine Verhöhnung der Mieter in dieser Stadt.“ Auch die Ankündigung der CDU, mit rechtlichen Mitteln gegen den Mietendeckel vorzugehen, verurteilte Saleh. „Sollte das eintreten, disqualifiziert sich die CDU, langfristig eine politische Rolle in Berlin zu spielen, und macht sich zum Handlanger der Immobilienwirtschaft“, sagte Saleh. Kommentar Seite 8 ERIC RICHARD Flugausfälle in Tegel wegen Streik Ausstand der Flugbegleiter trifft Berliner Airport Wegen des Warnstreiks der Kabinengewerkschaft Ufo sind am Sonntag auch am Flughafen Berlin-Tegel mehrere Flugzeuge am Boden geblieben. „22 Flüge der Airline Eurowings sind ausgefallen“, sagte eine Sprecherin der Berliner Flughäfen am Sonntagmittag. Überwiegend von Berlin aus startende Maschinen seien betroffen gewesen, hieß es weiter. AmSonntagmorgen hatte der angekündigte Warnstreik der Kabinengewerkschaft Ufobegonnen. Gestrichen waren innerdeutsche Flüge zum Beispiel nach München oder Stuttgart. Auch Auslandsflüge mit den Zielen Kos oder Palma de Mallorca fielen aus.WeitereFlugausfälle seien im Tagesverlauf möglich, aber derzeit nicht absehbar, hieß es weiter. Ein Chaos am Flughafen Berlin- Tegel blieb nach Angaben der Sprecherin allerdings aus. Der Flughafen Berlin-Schönefeld sei vondenWarnstreiks nicht betroffen. DieKabinengewerkschaft Ufohat den Warnstreik der Flugbegleiter der Lufthansa-Töchter Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und Sunexpress an mehreren deutschen Flughäfen von ursprünglich 5bis 11 Uhr bis um Mitternacht verlängert. Insgesamt kam es in Deutschland bei den verschiedenen Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns zu rund 100 Flugausfällen. Ufo kündigte an, am Montag die Warnstreiks in ihren jeweiligen Tarifkommissionen auszuwerten und über weitere Maßnahmen zu beraten. Die Gewerkschaft hat für jede der fünf Fluggesellschaften Forderungen aufgestellt, die vom Lufthansa-Konzernteilweise bereits freiwillig geleistet werden. So zahlt Lufthansa freiwillig 2,0 Prozent mehr Gehalt, obwohl Ufo im aktuellen Arbeitskampf nur 1,8 Prozent geforderthat. Zum Abschluss von förmlichen Tarifverträgen mit der Ufo ist Lufthansa aber weiterhin nicht bereit. Sie erkennt den Ufo-Vorstand nach erheblichen Führungsquerelen nicht mehr als vertretungsberechtigt an und will der Gewerkschaft vorGericht die Fähigkeit absprechen lassen, Tarifverträge rechtsgültig abzuschließen. (dpa) Wirtschaft Seite 7 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11043

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