Aufrufe
vor 3 Monaten

Berliner Zeitung 21.11.2019

  • Text
  • Berlin
  • Kino
  • Cinestar
  • Berliner
  • Vorstellung
  • Cineplex
  • November
  • Deutschen
  • Ladenkino
  • Zeitung
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

„Reden mit dem Feind“: Ex-Mossad-Chef Halevy im Interview – Politik Seite 6 Heute mit Kulturkalender 5°/9° Es gibt Nieselregen Wetter Seite 2 Der offene Vollzug und die Angst: Ein Zwischenruf Berlin Seite 15 www.berliner-zeitung.de Die Deutsche Wohnen und der Mietspiegel Berlin Seite 11 Donnerstag,21. November 2019 Nr.271 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Unions Christopher Lenz freut sich auf Gladbach Sport Seite 19 Ein bisschen Curry fürs Spiel VonChristian Schwager Eshat mit Curry zutun. Mit dem Gewürz? Das auch. Der Torjubel des deutschen Fußball-Nationalspielers Serge Gnabry, dieses imaginäre Rühren mit einem Löffel in einem Schälchen, ist nämlich eine Hommage an Stephen Curry, den Basketballer aus der NBA. „Er ist der Chefkoch“, hat Gnabry gesagt und damit gemeint, Curry sei einer, der stets die Zutaten eines Spiels bestimmt. Insofern passt die Geste. Serge Gnabry, 24, geboren in Stuttgart und beim FC Bayern Serge Gnabry, Nationalspieler und dreifacher Torschütze Fußball München unter Vertrag, ist so eine Art Johann Lafer des deutschen Fußballs. Nicht, weil sein Schnauzbart andie Oberlippenbehaarung des Fernsehkochs erinnert, sondern weil er wichtige Zutaten in die Auftritte der Nationalmannschaft mischt. Schärfe etwa durch seine Treffer. Drei hat er im letzten Spiel der EM-Qualifikation erzielt, bei jenem 6:1-Erfolg gegen Nordirland am Dienstag, der dem deutschen Team Platz eins in Gruppe Cvor den Niederlanden einbringt und es bei der Auslosung zum Kontinentalturnier 2020 in Topf eins befördert. In diesem Länderspieljahr hat Gnabryneun Tore erzielt. Dasist das eine,das Zählbare, das den Angreifer zum Star eines Kaders im Umbruch und Aufbruch werden lässt. Dasanderewürde Kochkollege Lafer auf gut Österreichisch beschreiben mit: Sahneee.Gnabrygibt den Vorstößen seiner Mannschaft das süße Etwas obendrauf, wie zum Beispiel beim Ausgleich gegen die Nordiren, dem 1:1 –Ballannahme, Drehung, Schuss,Tor. „Er ist einer, der durch seine Aktionen immer wieder ein Spiel belebt“, hat Oliver Bierhoff gesagt, der Direktor des Nationalteams hat erklärt:„Erkann durch schnelle Einzelaktionen die Mannschaft immer wieder aufwecken.“ Wie nach eben jenem 0:1 gegen Nordirland in der siebten Minute. Aber auch in vorangegangenen Begegnungen verlieh er den Mitspielern Sicherheit und der deutschen Qualifikation trotz personeller Ausfälle Souveränität. Gnabry selbst musste oft verletzt passen, ist „immer so ein bisschen aus dem Rhythmus gekommen“, wie sein langjähriger Wegbegleiter und Teamkollege Leon Goretzka sagt. „Jetzt hat er sich stabilisiert, auch körperlich, das sieht man auf dem Platz.“ Um im Bild zu bleiben: Gnabry hat sich die Suppe nie versalzen lassen. Oder wie er es formuliert: „Immer, wenn man arbeitet, kriegt man etwas zurück. Ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt und immer an mich geglaubt.“ Nunglauben andereanihn, glauben, er stehe für eine erfolgreiche Zukunft der deutschen Elf: Serge Gnabry, der mit der Curry-Note. Mord aus Hass Der Arzt Fritz von Weizsäcker wurde von einem 57-Jährigen erstochen, weil der Täter eine Abneigung gegen Richard von Weizsäcker hegte –den Vater des Opfers VonPhilippe Debionne, Andreas Kopietz, Eric Richard und Lutz Schnedelbach Der Mann, der am Dienstagabend den tödlichen Angriff auf den Mediziner Fritz vonWeizsäcker, den Sohn von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, verübt hat, wirdinein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. „Der Unterbringungsbeschluss wegen Mordes und wegen versuchten Mordes ist soeben antragsgemäß erlassen worden“, teilte die Staatsanwaltschaft Berlin am Mittwochabend bei Twitter mit. Der 57-Jährige sollte demnach noch am Mittwoch in eine nicht näher benannte Einrichtung gebracht werden. DasTatmotiv des 57-Jährigen aus Rheinland-Pfalz liege nicht im höchstpersönlichen Bereich, sondern ineiner wohl „wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Nachmittag zur Begründung des Antrags. Er sprach von einer „akuten psychischen Erkrankung“ des Beschuldigten und berief sich auf eine psychiatrische Untersuchung vom Mittwoch. In der Vernehmung durch die Mordkommission räumte der Mann die Tatein. Um sie zu planen, recherchierte der 57-Jährige den Angaben zufolge im Internet und stieß dabei auf den Vortragdes Weizsäcker-Sohnes in der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg. Demnach fuhr er am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung nach Berlin, nachdem er zuvor noch ein Messer gekauft haben will, um die Tatzubegehen. Nach dem Ende der Veranstaltung hatte der Mediziner noch mit Die Leitung der Klinik hat ein Kondolenzbuch ausgelegt. Zuhörern gesprochen. Zeugen zufolge ging der 57-Jährige schnell auf den Arzt zu und stach ihn mit einem Messer nieder.Ein Zuhörer ging dazwischen und wurde von dem Angreifer schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei ist der Helfer ein 33-jähriger Polizist, der privat bei dem Vortrag war. Mehrere Menschen aus dem Publikum halfen, überwältigten den Angreifer und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Bei dem 33-Jährigen handelt es sich nach Informationen der Berliner Zeitung um einen Vater von vier Kindern, der in der Abteilung II des Landeskriminalamtes Betrugsdelikte verfolgt. Er wurde im Krankenhaus operiert und war am Mittwoch wieder außer Lebensgefahr, konnte aber bis zum Nachmittag noch nicht befragt werden. Der 57-jährige Tatverdächtige ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht vorbestraft. „Über ihn liegen nach derzeitigem Ermittlungsstand auch keine anderweitigen strafrechtlichen Erkenntnisse vor“, so Sprecher Steltner. Nach Informationen der Berliner Zeitung stammt der Verdächtige ursprünglich aus Berlin. Er lebte aber zuletzt in der Nähe von Koblenz in Rheinland-Pfalz. Dortdurchsuchten „Das Tatmotiv liegt in einer wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten.“ Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin Polizei und Staatsanwaltschaft die Wohnung des Mannes. Dabei sei nichts Auffälliges gefunden worden, hieß es aus Polizeikreisen. Nach Recherchen des Spiegel begründete der Täter seine Abneigung mit der Rolle Richard von Weizsäckers,desVaters des Getöteten, beim Chemiekonzern Boehringer Ingelheim. Richardvon Weizsäcker sei als Geschäftsführer des Konzerns in den Sechzigerjahren dafür verantwortlich gewesen, dass das Unternehmen tödliche Giftstoffe für den Vietnam-Krieg geliefert habe. Daerden Vater nicht mehr habe treffen können, habe er sich den Sohn als Opfer ausgesucht. Die Schlosspark-Klinik hat im Eingangsbereich ein Kondolenzbuch für Fritz vonWeizsäcker ausgelegt. „Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, in einem geschützten Raum ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen“, teilte die Klinik am Mittwoch mit. Kanzlerin Angela Merkel bekundete ihr Beileid. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb der Mutter des Opfers,der einstigen First Lady Marianne von Weizsäcker (87), und drückte sein Mitgefühl aus. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bekundete ihr Beileid. DPA/SCHLOSSPARK-KLINIK US-Botschafter Sondland belastet Trump Schlüsselfigur in der Ukraine-Affäre sagt aus Ein wichtiger Zeuge hat in den Impeachment-Ermittlungen zentrale Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump untermauert. Der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, sagte am Mittwoch im Kongress aus, essei Druck auf die ukrainische Regierung ausgeübt worden, damit diese Ermittlungen in die Wege leitet, die Trumps Rivalen JoeBiden hätten schaden können. Er habe im Umgang mit der Ukraine auf ausdrückliche Anordnung Trumps mit dessen persönlichem Anwalt Rudy Giuliani zusammengearbeitet. „Die Forderungen von Herrn Giuliani waren ein Quid pro quo (Gegenleistung), um für Präsident Selenskyj einen Besuch im Weißen Haus zu arrangieren.“ Sondland betonte, Giuliani habe verlangt, dass die Ukraine ein öffentliches Statement abgebe und die gewünschten Ermittlungen ankündige.„Herr Giuliani hat die Wünsche des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgedrückt, und wir wussten, dass diese Ermittlungen dem Präsidenten wichtig waren.“ Er und andere hätten nicht mit Giuliani zusammenarbeiten wollen. Er betonte aber: „Wir haben mit Herrn Giuliani zusammengearbeitet, weil der Präsident uns angewiesen hat, das zu tun.“ Undweiter:„Wir haben alle verstanden, dass wir eine wichtige Gelegenheit verlieren würden, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine zu zementieren, wenn wir uns weigern würden, mit Herrn Giuliani zusammenzuarbeiten. Also folgten wir den Anweisungen des Präsidenten.“ Im Juli und August 2019 sei bekannt geworden, dass das Weiße Haus die Auszahlung vonbereits beschlossener Militärhilfe an die Ukraine vorerst gestoppt habe.Ersei dagegen gewesen, weil Kiew sehr auf die Militärhilfe angewiesen gewesen sei. Er habe versucht herauszufinden, warum diese ausgesetzt wurde, aber keine Antworten bekommen. Später sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass die Militärhilfe erst dann fließen würde,wenn eine öffentliche Erklärung aus der Ukraine vorliege, in der die Ermittlungen angekündigt würde,die Giuliani es verlangt hatte. Die Demokraten werfen Trump Amtsmissbrauch vor. (dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt „Ich bin bestürzt über die Nachricht vom tödlichen Angriff auf Fritz von Weizsäcker. Meine Gedanken und mein Beileid sind bei seinen Angehörigen“, erklärte die SPD-Politikerin amMittwoch. Sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte „aufs Äußerste“. Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. „Mein Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt haben“, so Kalayci weiter. „Eine solch grausames Gewaltverbrechen lässt uns alle mit der Frage nach dem Warum zurück“, erklärte der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz. Man trauere umeinen „engagierten Kollegen“, der seit Jahren in verschiedenen Gremien in der Ärztekammer aktiv gewesen sei. Der Vorstand der Charité zeigte sich „zutiefst erschüttert“ über den gewaltsamen Tod des Arztes. „UnsereGedanken sind bei den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der Schlosspark-Klinik“, heißt es in einer Erklärung. Zuletzt war in einem Krankenhaus der Hauptstadt im Juli 2016 ein Arzt getötet worden. Der55Jahrealte Oberarzt Thomas P. war im Klinikum Steglitz voneinem 72 Jahrealten Patienten in einem Behandlungszimmer erschossen worden. Anschließend tötete sich der Mann selbst. Thomas P. war Spezialist für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie. Später stellte sich heraus,dass der Täter unheilbar krank war, und er kurz zuvor die Diagnose erhalten hatte: Der Krebs im Mund und Rachen sei nicht zu heilen, hatte der Mediziner seinem Patienten gesagt. Das verkraftete der Kranke nicht. Seiten 2und 3 4 194050 501603 41047

2019

2018