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Berliner Zeitung 22.06.2018

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Vertrieben mit 92: WieInvestoren mit Berliner Rentnern umgehen – Seite 3 Berlins größte Arbeitgeber Seite 7 11°/19° Frisch und nass Wetter Seite 2 www.berliner-zeitung.de Freitag,22. Juni 2018 Nr.143 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Die Mannschaft: Es gibt keine Ausreden mehr Seite 9 Neymar: Ausnahmen für den Ausnahmefußballer? Seite 10 Bartpracht: WasMänner und Ziegen eint Seite 11 DIE WM-KOLUMNE Der Geschmack der Niederlage VonChristine Dankbar Eine Woche ist das Turnier jetzt alt. Alle Mannschaften haben mindestens einmal gespielt, man hat jetzt also einen gewissen Überblick, für wen esläuft. Cristiano Ronaldo zum Beispiel kann lachen.VierTore in zwei Spielen. Oder die russische Mannschaft. Fünf zu null gegen Saudi-Arabien und dann noch ein Sieg gegen Ägypten. Hoffentlich reichen die Wodka-Vorräte. Näher sind mir aber die Deutschen. Nicht aus Patriotismus, wie Sie jetzt vielleicht denken. Nein, die Nationalmannschaft und mich eint die gemeinsame Erfahrung. Beide spüren wir den bitteren Geschmack der Niederlage. Ich stehe beim Wettspiel der Redaktion auf dem letzten Platz. Die Deutschen haben nach der Klatsche gegen Mexiko erst mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Mir war das leider nicht vergönnt. Undsohabe ich in den vergangenen Tagen die ganze Bandbreite kollegialer Häme kennengelernt.„Na, du hast dich ja hinten richtig festgesetzt“, sagt die Kollegin, die mir gegenübersitzt und bisher im sicheren Mittelfeld tippt. Der Feuilletonchef, sonst ein Mann vonguten Manieren, hat mir ein freches: „Na, und bei Dir so?“ entgegen gerufen, als er mir auf dem Gang begegnete.Erhat dieWette beim letzten Malgewonnen. Ichtue natürlich so,als ob mir das alles nichts ausmacht. Aber in mir brodelt es. Erschwerend kommt hinzu, dass wir nun –wie alle Betriebe – im Internet tippen. Man kann nach jedem Spiel immer genau sehen, wo man steht. DerSpitzenreiter hat schon mehrfach gewechselt. Zuerst stand unsere neue Israelkorrespondentin auf Platz 1–dabei hat sie die ersten Spiele nur mit hebräischem Kommentar empfangen. Mittlerweile ist einer unserer Lokalredakteure ander Spitze. Er hat bereits alle Spiele bis zum möglichen Achtelfinale durchgetippt und steht jeden Tag besorgt vor einem der zahlreichen Fernseher in unserem Großraum. Nach jedem Spiel lächelt er und ich weiß, dass er wieder gepunktet hat. Ich aber hoffe jeden Tagvergeblich, dass ich endlich im Turnier ankomme,wie man so schön sagt. Mal sehen, wie es Jogis Jungs am Sonnabend auf die Reihe kriegen. Christine Dankbar steht ungernmit der DFB- Elf auf dem letzten Platz. Die Zeit läuft. Hundert Tage und wie weiter? Die große Koalition aus CDU, CSU und SPD ist gut drei Monate im Amt. Zuletzt gelang das Regieren nur mit Mühe. Waskommt da noch? Eine Bestandsaufnahme von Steven Geyer Es war einmal eine Zeit, da galten große Koalitionen als träge, aber stabil. 100 Tage nach Gründung der vierten schwarz-roten Bundesregierung hat man derzeit eher den gegenteiligen Eindruck: Statt langweilig und solide wirkt sie hysterisch und labil; was früher als Hort der Stabilität galt, klingt eher nach Kinderhort – dessen baldige Schließung niemand mehr ausschließen kann. Noch immer wächst einfach nicht zusammen, was doch eben noch zusammengehört hat: eine Union mit sozialdemokratischem Anstrich und eine SPD mit Agenda- und GroKo- Profil. Zwar hatte schon der Koalitionsvertrag verdeutlicht, dass die Notlösungsgemeinschaft zu keiner großen Vision mehr fähig war: kein Ministerium für Digitales, keins für Integration; keine Ideen für Europa, die den Schwung eines Emmanuel Macron aufgenommen hätten. Im Asylstreit drängt sich nun aber eine noch schlimmereDiagnose auf: DenPartnernfehlt nicht nur eine Vision, sie haben völlig verschiedene, teils entgegengesetzte Ziele. Das wiegt schwerer als Fragen von Stil und Professionalität, über die angesichts der Sabotage durch die CSU auch zu reden wäre. Unddamit sind auch nicht die üblichen Uneinigkeiten gemeint, durch die etwa in der Klimapolitik, bei der Belebung der ländlichen Regionen und beim Netzausbau kaum etwas vorangeht. Vielmehr treten jetzt bittere Wahrheiten zutage – jedenfalls für alle, die diese Koalition als letzte Chance begriffen, dem Durchmarsch des Populismus noch etwas entgegenzusetzen. Die nächstliegende Erkenntnis ist dabei, dass die Folgen der Flüchtlingskrise auf die deutsche Politik längst nicht verdaut sind. Doch es ist nicht allein die CSU, der das Flüchtlingsthema noch auf den Nägeln brennt, auch bei den Bürgern gibt es kein politisches Thema, das so hitzig diskutiert wird. Selbst bei der CSU hat die Eskalation ihren Grund nicht nur in Sturheit. Vielmehr haben die drei Koalitionäre total verschiedene Schlüsse daraus gezogen, dass sie im Herbst ihre schlechtesten Wahlergebnisse seit Jahrzehnten einfuhren. Ihre Analysen, wie der Vertrauenskrise der Politik, Medien, ja der liberalen Demokratie beizukommen sei, unterscheiden sich grundlegend. Das ist die Wurzel des üblen Bildes, das die Koalition gerade abgibt. Den Partnern fehlt nicht nur eine Vision, sie haben völlig verschiedene, teils entgegengesetzte Ziele. Das wiegt schwerer als Fragen von Stil und Professionalität. Den simpelsten Lösungsansatz verfolgt die CSU, die versucht, die Wähler am rechten Rand zu integrieren. Dafür agiert sie längst so populistisch wie Trump – aber in den 90ern ging diese Taktik gegenüber NPD und Republikanern auf. Die CDU will konstruktiver sein und setzt dem Krawall vonrechts das Bekenntnis zu Europa und eine Botschaft innerer und äußerer Sicherheit entgegen. Doch geben in Eu- ISTOCKPHOTO ropa und der Welt längst Populisten und Autokraten den Tonan, sodass auch dieser Plan nicht recht aufgeht. Die SPD schließlich zog aus der Wahl die Lehre, dass Abstiegsängste und Ungleichheit die tiefereUrsache dafür sind, dass viele Deutsche sich von den Etablierten abwenden. Die ersten Wochen der neuen GroKo nutzte sie deshalb für den Start etlicher Projekte, die den Deutschen ganz konkret helfen: das Rückkehrrecht vonTeilzeit- in Vollzeitjobs,höheres Kindergeld, Entlastung beim Krankenkassenbeitrag. Allein, weder den Umfragewerten der SPD noch dem Ruf der GroKo oder der Stimmung im Land hat das geholfen. Es wäre die bitterste Erkenntnis, wenn sich diese Analyse als falsch herausstellte: dass es den Menschen nur gut gehen muss,damit sie an Demokratie,Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft glauben. Stimmt das nicht, würden Deutschland und Europa erst wieder zur Ruhe kommen, wenn die EU eine Festung ist und abgehängte wie bürgerliche Wähler das Gefühl haben, wieder in einem Nationalstaat alter Prägung zu leben. Wenn es so wäre, wäreder Grund für die Krise der GroKo, dass sie als Bündnis schon aus der Zeit gefallen ist –und dass uns weitaus dunklere Zeiten bevorstehen. PolitikSeite 4 Schülerzahlen steigen langsamer Es kommen weniger Flüchtlingskinder in die Stadt VonMartin Klesmann und Kai Schlieter Die Berliner Schulen haben derzeit ein doppeltes Problem. Es fehlen Lehrer und Schulplätze. Während die Suche nach Unterrichtskräften ein großes Problem bleibt, zeichnet sich beim anderen Thema eine leichte Entspannung ab. Das liegt nicht daran, dass es der Senatsbildungsverwaltung und den Bezirken plötzlich gelungen ist, Tausende Schulplätze zu schaffen. Aber die Zahl der Schüler wird inden nächsten Jahren nicht mehr ganz so stark steigen wie bislang angenommen. Die Zahl der Grundschüler wird berlinweit von 173 320 im Schuljahr 2018/2019 auf 199 440 Schüler im Schuljahr 2026/2027 zunehmen. Das sind 10 300 Schüler weniger als in der bislang zugrunde gelegten Prognose angenommen. Dies geht aus der noch nicht veröffentlichten Antwort von Bildungsstaatssekretär Mark Rackles auf eine Anfrage der Grünen- Politikerin Marianne Burkert-Eulitz hervor, die der Berliner Zeitung exklusiv vorliegt. DerRückgang liegt vor allem daran, dass weniger Flüchtlinge in die Stadtkommen. Aber die Zahl der Schüler wächst weiter, daher braucht esauch mehr Schulen. Um den Bedarfschneller zu decken, hat der rot-rot-grüne Senat entschieden, ein Schulbau- und Sanierungsprogramm aufzulegen. Als Partner wurde die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge herangezogen. Nun geht es aber nicht schneller, sondern es dauert länger, wie die entsetzten Eltern des Schadow-Gymnasiums in Steglitz- Zehlendorf feststellen mussten. Die Schule ist marode,sollte vondiesem Jahr an saniertwerden. Aber dieHowoge ist noch nicht so weit. Neuer Starttermin: 2022. Berlin Seite 16 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51025 m l

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