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Berliner Zeitung 22.07.2019

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Aus dem Kahn: Wieeinst das Baumaterial nach Berlin kam – Stadtgeschichte Seite 10 Würdig glitzern: J.Lo wird 50 Seite 26 17°/24° Starkbewölkt Wetter Seite 2 Die Hohenzollern und Schloss Cecilienhof Kolumne Seite 8, Brandenburg Seite 14 www.berliner-zeitung.de Berlin und seine Superreichen Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Montag,22. Juli 2019 Nr.167 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Wahl in der Ukraine: Selenskyj auf Siegeskurs Politik Seite 4 Schwimm-WM Die Freiheit, die er lebt VonMarkus Lotter Florian Wellbrock hat die Zeit des Grübelns schon hinter sich. Er hat Antworten auf die für einen Menschen aus seiner Generation geradezu typischen Fragen nach all den Warums gefunden. In seinem Fall: Warum ersich das alles antut, diese Schinderei im täglichen Schwimm-Training. Warum er für seinen Traum von olympischem oder weltmeisterlichem Gold die Distanz zu seiner Familie in Florian Wellbrock, neue deutsche Schwimmhoffnung Kauf nimmt. Wellbrock hatte ja schon als Fünfzehnjähriger das Elternhaus in Bremen verlassen, um in Magdeburg unter der Anleitung von Trainer Bernd Berkhan den nächsten Entwicklungsschritt zu nehmen. Jetzt ist er 21 Jahre alt und sagt, er fühle sich frei. Diese Freiheit, die er lebt, ist wohl zwingend notwendig, um den hohen Erwartungen, die an ihn herangetragen werden, auch gerecht werden zu können. Der Deutsche Schwimm- Verband (DSV) braucht dringend wieder einen Vorzeigeschwimmer. Einen, der im besten Fall die anderen mitreißt, einen, der im schlechtesten Fall mit Edelmetall die Probleme des Verbandes einigermaßen kaschiert. Da war die am vergangenen Dienstag bei der WM im südkoreanischen Gwangju gewonnene Goldmedaille beim Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer schon ein guter Anfang, da wäre eine Goldmedaille bei den Becken-Wettbewerben über 800 Meter (Mittwoch) und/oder 1500 Meter (Sonntag) freilich ein erstes großes Ausrufezeichen. Ein historisches noch dazu, denn noch nie konnte ein Schwimmer bei einer WM zugleich im Freiwasser und im Becken Gold holen. „Genieß dein Leben ständig, du bist länger tot als lebendig“, ist übrigens auf Wellbrocks Brust zu lesen, eine Zeile aus dem Song „Fühl dich frei“ des Rappers Sido. Wellbrock, der mit der ebenfalls in Gwangju startenden Langdistanz-Schwimmerin SarahKöhler liiertist, trägt das Tattoo in Gedenken an seine im Dezember 2006 bei einem Schwimm- Wettkampf verstorbene Schwester Franziska. Ein etwas düsteres Lebensmotto ist dies auf den ersten Blick, ein ziemlich cleveres auf den zweiten. Tatsächlich Liebe „Marzahn mon amour“ –soheißt der neue Roman von Katja Oskamp. Voller Wärme erzählt sie darin von den Menschen, die in Marzahn wohnen –und davon, was die Seele Berlins ausmacht. Feuilleton Seite19 Lizenz zum Wegbaggern Berliner InvestorlässtInsel im SchmöckwitzerHafenabtragen–und zahltweniger als 8000 Euro Bußgeld VonGabriela Keller Der Skandal um die abgebaggerte Insel im Schmöckwitzer Hafen bleibt offenbar ohne ernste Folgen: Unter 8000 Euro Bußgeld hat der Eigentümer Nico Thiele bislang gezahlt, ist aus dessen Umfeld zu hören, mit weiteren Konsequenzen rechne man auch nicht mehr. Umwelt-Bezirksstadtrat BerndGeschanowski (AfD) bestätigt, dass seine Behörde wegen der„unerlaubten Erweiterung einer Steganlage“ ein Bußgeld verhängt habe,das „zeitnah auch beglichen wurde“. Ohne Genehmigung Allerdings gebe es mehrere Verfahren, von denen noch einige liefen. „Es ist aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes eine dreiste Geschichte“, sagt Geschanowski, wirklich schmerzhaft dürfte es für den Investor aber nicht mehr werden. Die Senatsumweltverwaltung hatte Strafanzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren jedoch inzwischen wieder eingestellt. DieBerliner Zeitung hatte im August vergangenen Jahres aufgedeckt, dass der Hafenbesitzer Thiele die rund 650 Quadratmeter große Insel abtragen ließ, ohne irgendeine Genehmigung zu beantragen. Der Investor selbst spricht von einer „Landzunge“ ohne ökologischen Wert,die imWesentlichen aus einem gesunkenen Transportschiff und Schutt bestanden habe. Dasich im Boden Giftstoffe befunden hätten, sei es erforderlich gewesen, sie zu entfernen. Anwohner dagegen beschreiben eine Insel mit Schilf, einem Baum und Sträuchern, auf der Wasservögel nisteten. Fotos scheinen dies zu bestätigen. Doch es fehlen genaue Erkenntnisse.„Aufder einen Seite werden Fakten geschaffen, auf der anderen ist es im Nachhinein schwer zu beweisen, was genau vernichtet worden ist“, kritisiert Stefan Förster (FDP), Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus aus Treptow-Köpenick. Wenn derartige Verstöße nicht strenger geahndet würden, seien daher Nachahmer-Effekte zu befürchten, sagt er: „Ich finde die bisherige Aufarbeitung absolut ungenügend. Dass es nun um ein Bußgeld vonein paar Tausend Euro geht, ist ein absoluter Witz.“ Auch die Linken-Abgeordnete Katalin Gennburgfordert„empfindliche Strafen“ für den Eigentümer, der „hier zu seinen Gunsten Platz schaffen wollte und dem schlichtweg die öffentliche Ordnung egal ist“. Aufgabe des Bezirksamts sei es nun, mit aller „ordnungspolitischen Härte“ durchzugreifen. Allerdings sieht es so aus,als wäre die Affäre für den Investor weitgehend ausgestanden. Auch eine Wiederherstellung der Insel, wie sie Naturschützer geforderthaben, wirdes nicht geben. Dies hätte den Hafenbesitzer rund 350 000 Euro gekostet. Angeordnet werden kann eine Wiederherstellung aber nur in Außenbereichen. Bemerkenswert ist daher, dass das Hafenbecken wenige Wochen nach dem Eklat um die Insel dem Außenbereich zugerechnet wurde. Auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Frank Scholtysek zu den Gründen dieser Neubewertung teilte der Bezirk mit, damit der Ansicht des Rechtsamts zu folgen: dass nämlich die Wasserfläche „die sie landseitig umgebenden (Hafen-)Nutzungen eher verbindet als trennt“. Scholtyseks Vorwurf, so den Eindruck einer „politischen Gefälligkeit“ entstehen zu lassen, wies das Bezirksamt zurück. Die Behörden in Treptow-Köpenick sahen in der Causa Jachthafen von Anfang an selbst nicht gut aus: Trotz frühzeitiger Hinweise ließen sie den Hafenbesitzer wochenlang unbehelligt agieren. Welche Stelle wann warum versagt hat, das soll ein Untersuchungsausschuss klären. Voreinigen Wochen habe sich Thiele dort persönlich gestellt, sagt Paul Bahlmann, Vorsitzender des Ausschusses und Vize-Vorsitzender der SPD-Fraktion. „Erwar sehr reumütig und hat alle Fehler eingeräumt.“ In der Klemme Inzwischen hat Bahlmann Verständnis für dessen Motivation: „Wir können anerkennen, dass es einen Grund gab, die Insel abzubaggern.“ Nichtsdestotrotz müsse der Verstoß geahndet werden. DerInsel-Skandal hat Treptow-Köpenick in die Klemme gebracht: Auf der einen Seite ist der öffentliche Druck hoch, den Investor zur Rechenschaft zu ziehen. Auf der anderen Seite hat der Bezirk ein Interesse an der Entwicklung des Hafens. „Wir bleiben bei unserem Standpunkt“, sagt Bahlmann, „wir wollen an der Stelle eine sportliche und touristische Nutzung.“ ReportSeiten 2und 3 IMAGO IMAGES/SCHÖNING Forschung im Osten benachteiligt Abgeordnete kritisieren Exzellenz-Strategie VonMarkus Decker Ostdeutsche Bundestagsabgeordnete der großen Koalition fordern Korrekturen an der Exzellenz- Strategie der Bundesregierung. „Mit Blick auf die Verteilung derStandorte stellen wir fest, dass wir neben der Exzellenz-Strategie spezielle Förderprogramme und Wettbewerbsformate brauchen, die stärker auf den Osten ausgerichtet sind“, sagte der digitalpolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Tankred Schipanski, der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland). „Die ostdeutschen Universitäten verfügen historisch nicht über eine seit Jahrzehnten gewachsene Verbundforschung, sehr wohl aber über exzellente Forschung.“ Es brauche „einen eigenen Förderrahmen, um die universitäreSpitzenforschung im Osten zu stärken“. Frank Junge, Sprecher der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten, sagte: „Mit der Entscheidung der Exzellenzkommission konzentriert sich die Unterstützung auf jeweils eine ostdeutsche UniinDresden und in Berlin sowie wenige alte Bundesländer.“ Damit blieben „in Ostdeutschland weiterhin große weiße Flecken“.Zuoft bekämen immer die gleichen Institutionen den Vorzug und erhielten erhebliche Mittel des Bundes für ihre Arbeit. „Aus meiner Sicht wirddas Bildungssystem damit deutlich ungleicher und elitärer“, so der SPD-Politiker. Erfolgreich waren am Freitag die beiden Münchener Universitäten und der Verbund der drei großen Berliner Unis. Den Titel Exzellenzuniversität bekommen außerdem die Unis in Hamburg, Aachen, Bonn, Dresden, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und Tübingen. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11030 2. und3. November 2019 10 –17Uhr Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Jetzt Stand buchen! Werden SieAussteller Doppelmesse Reise &Gesundheit Kontakt unter: berlin.messen@dumont.de oder (030) 2327 6758 BERLIN MESSEN

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