Aufrufe
vor 1 Jahr

Berliner Zeitung 22.08.2018

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Menschen
  • Zeitung
  • August
  • Transsilvanien
  • Deutschen
  • Stadt
  • Ummer
  • Ittwoch
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Barocke Kunst: Der Schlüterhof des Humboldt Forums ist fast fertig – Tagesthema Seite 2 Mysterium Melania Trump Seite 30 15°/28° Reichlich Sonnenschein Wetter Seite 30 Der erste Eindruck –wie kommt er zustande? Wissenschaft Seite 19 www.berliner-zeitung.de Der Osten arbeitet länger und verdient weniger Wirtschaft Seite 6, Kommentar Seite 8 Mittwoch, 22. August 2018 Nr.195 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Nur kurz: Die Stenografen des Bundestags Hauptstadt Seite 5 NS-Vergangenheit Ausgeliefert: Ein KZ-Wächter kehrt zurück VonSebastian Moll Eskann durchaus sein, dass Jakiw Palij gar nicht unglücklich ist über das, was ihm gerade widerfährt. Der 95Jahre alte ehemalige KZ-Aufseher ist in dieser Woche von den USA nach Deutschland ausgeliefert worden, wo er nun in einer Pflegeeinrichtung im Münsterland untergebracht ist. Es dürfte die friedvollste Wohnsituation sein, die Palij seit langem genießt. In seinem kleinbürgerlichen Backsteinhäuschen im Jakiw Palij, einst SS-Mann im KZ Trawniki in Polen New Yorker Stadtteil Queens hatte Palij schon seit Jahren keine Ruhe mehr. Seit ihn dort vor mehr als 15 Jahren Ermittler des US-Justizministeriums aufgespürt hatten, gab es beinahe wöchentlich vor seiner Tür Proteste –durch jüdische Gruppen und Bürgergruppen aus dem Viertel. „Keine Nazis in Queens“, wurde skandiert, Sprecher der Protestgruppen gaben zu Protokoll, dass einer wie Palij, der in Treblinka am Todvon Tausenden von Juden beteiligt war, nicht in den USA friedlich seinen Lebensabend verbringen dürfe. Palij gab sich immer verständnisvoll, „ich kann nachvollziehen, dass diese jüdischen Gruppen alle Nazis finden wollen“, sagte er. Doch sie unterlägen einem Missverständnis, fügte er an, er habe nie in einem Lager gearbeitet. DieBeweise gegen den Mann, der 1949 in die USA kam, sprechen allerdings eine andereSprache.Eli Rosenbaum, der Sonderermittler des Justizministeriums, der damals Palij fand, wies unter anderem nach, dass Palij von der SS als Trawniki ausgebildet wurde: Diese Handlanger sollten die Drecksarbeit in den Vernichtungslagernverrichten. Rosenbaum veranlasste,dass Palij, der in New York als Bauzeichner arbeitete, 2003 seine amerikanische Staatsbürgerschaft verlor. Die Auslieferung war jedoch schwierig. Weder Polen noch Deutschland wollten ihn haben. Der demokratische Senator des Wahlbezirks Queens, John Crowley, unternahm jedoch im vergangenen Jahr mit der neuen US-Bundesregierung einen neuen Anlauf, die Auslieferungsbemühungen voranzubringen. Mit Erfolg – die Trump-Regierung nahm dankbar die Gelegenheit auf, Versäumnisse ihrer Vorgänger aufzuarbeiten. Einen Prozess gegen Palij, sowie unlängst gegen John Demjanjuk, wird esallerdings wohl nicht geben, die Beweislage ist für eine deutsche Staatsanwaltschaft wahrscheinlich zu dünn. UndsowirdPalij seine letztenTage als Staatenloser in einem deutschen Pflegeheim zubringen. Doch immerhin können die USA sich rühmen, dass das Land Holocaust-Verbrechernkeine Zuflucht bietet. Bonos Berlin U2 -Frontmann Bono und Gitarrist The Edge reden mit der Berliner Zeitung darüber,wie sie hier gefeiert und verhaftet wurden. Berlin Seite 10 Müller sagt Ja zum Mauerbau Der Regierende Bürgermeister unterstützt die Kunst-Installation zur Erinnerung an die geteilte Stadt VonJan Thomsen Das ist doch mal ein Satz voller Zuversicht, wie man ihn sich vom Oberhaupt der Hauptstadt nur wünschen kann: Wird dieses geplante „Dau-Projekt“ –also jenes irrwitzig anmutende Film-Theater- Performance-Kunst-Quartier am Kronprinzenpalais,umgeben voneinem originalhohen Nachbau der Berliner Mauer –tatsächlich im Oktober in Szene gesetzt, wurde der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag in der Senatspressekonferenz gefragt. Und Müller erklärte: „Ja –nach meinem Eindruck ist das so gut konzipiert und vorbereitet, dass es umgesetzt werden kann.“ In manch einer Behörde der Stadt dürfte ein solches Statement zumindest Stirnrunzeln, wenn nicht gar Panik auslösen. Denn erst seit Anfang Juli liegt in der zuständigen Verkehrslenkung Berlins (es geht schließlich um die Teilsperrung der Hauptverkehrsstraße Unter den Linden) überhaupt eine Projektskizze vor, unterzeichnet vomChef der Berliner Festspiele, Thomas Oberender. Aber selbst ein erfahrener Kunstermöglicher wie Oberender konnte darin, drei Monate vor dem gewünschten Start, nur ankündigen, dass etwa ein Sicherheits- und Brandschutzkonzept noch nachgeliefert werden müsse. Seit voriger Woche, acht Wochen vor dem gewünschten Start, hat nun auch der Bezirk Mitte einen Antrag auf Sondernutzung des Straßenlandes vorliegen. Unddabei geht es um beachtliche Flächen: Der Mauer-Nachbau soll Unter den Linden vonder Spreebrücke bis hinter die Staatsoper gezogen werden, kurvt dann an der Hedwigskathedrale vorbei bis zur Französischen Straße, von dort wieder bis zur Spree hinter die Bauakademie –und am Ufer zurück bis zur Kommandantur. Innerhalb dieser fast drei Kilometer langen Mauer sind Events und Filmvorführungen geplant, im Kronprinzenpalais vor allem die mehr als 20 Produktionen des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky,zusammen 700 Stunden Spieldauer als Premiere –hervorgegangen aus dem bereits legendären Dau-Filmprojekt, das 2008 bis 2011 in der Ukraine in einer ähnlich umgrenzten Kunststadt nahe Charkiw mit 400 Darstellerngedreht worden war.Dau ist dabei das Kürzelfür den sowjetischen Wissenschaftler Lew Landau, der ursprünglich schlicht per Spielfilm porträtiert werden sollte. Mit anderen Worten: Da ist ganz schön was los. Geplant ist, das Projekt vom 12. Oktober bis zum 9. November stattfinden zu lassen, dann wirddie Mauer eingerissen.„Sauambitioniert“ nennt Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) daher die Pläne –für die es, wie er anmahnt, sehr, sehr viele Ab- „Nach meinem Eindruck ist das so gut konzipiert und vorbereitet, dass es umgesetzt werden kann.“ Michael Müller, Regierender Bürgermeister, über das Dau-Kunstprojekt mit originalgroßer Mauer sprachen etwa mit Anrainern, Verwaltungen, mit Polizei, Feuerwehr, Müllabfuhr, Bauaufsicht und Denkmalschutz geben müsse.Bis zum 30. August wolle man „die dringendsten Fragen und mögliche Problemstellungen“ identifizierthaben. Dasnun klingt alles andereals zuversichtlich, zumal von Dassel darauf hinweist, singuläre Megaprojekte wie dieses bräuchten normalerweise mindestens ein JahrVorlauf. Dass es bereits Vorarbeiten gibt, weil das Dau-Projekt 2017 zunächst um die Volksbühne herum stattfinden sollte (und dann scheiterte), ist nur wenig hilfreich, denn ein Ortswechsel bedeutet, alle Prozesse und Absprachen vonvornzubeginnen. Bei allem, was Senatschef Müller da in demonstrativer Sportlichkeit an technischen und rechtlichen Hürden zu nehmen gewillt ist, stellt sich ohnehin die Frage, oberüberhaupt einschätzen kann, was ästhetisch auf die Stadt zukommt. Was schwebt ihm vor, da er sich so ins Zeug legt? Müller selbst sagte am Dienstag, die Idee, die „dramatische Situation des Mauerbaus mit all dem dadurch verursachten Leid“ künstlerisch zubearbeiten, gefalle ihm gut. Könnte es also sein, dass er dieses Mauerbau-Vorhaben in eine Reihe mit den niedrigschwelligen, historisch inspirierten Events stellt, die das breite Publikum mitsamt Touristenmassen ansprachen? Aber dieses „Dau“-Dings ist kein so beziehungsreiches, aber harmloses Unterfangen wie die Einwicklung des Reichstages durch den Verpackungskünstler Christo oder die Lichterkette, die am 9. November 2014 entlang der Grenze so anschlussfähig in den Himmel stieg. Dau ist, soweit man das vorhersehen kann, ein spezieller und böser Stoff, der auf immersivem Weg verabreicht werden soll und durchaus auf die Erschütterung der Besucher abzielt. Wäre nicht schlecht, wenn sich auch Ahnungslose in diese Parallelwelt verirren würden. Kommt Dau doch zustande, dann vielleicht dank Müllers schnellem Wort. (mit use.) Kommentar Seite8 DPA/RAINER JENSEN Minister in Brandenburg tritt zurück Rückzug verschärft Regierungskrise VonJens Blankennagel, Potsdam Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber hat am Dienstag völlig überraschend erklärt, dass er sein Amt aufgeben wird. Die Gründe seien rein privat, sagte der 51-jährige SPD-Politiker bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in der Staatskanzlei, bei der auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dabei war. Mit dem Rücktritt steht die bundesweit einzige rot-rote Landesregierung vor einer veritablen Krise. Denn das Bündnis ist nicht mehr sehr beliebt beim Wähler. In letzten Umfragen hatten beide Par- noch Minister Albrecht Gerber, teien keine Mehrheit mehr, sondern lagen bei knapp 40 Prozent –und damit nur noch hauchdünn vorCDU und AfD. Zudem fordert die Opposition seit Wochen den Rücktritt oder die Entlassung der linken Gesundheitsministerin Diana Golze wegen des Versagens ihrer Kontrollbehörden bei einem Medikamentenskandal. Regierungschef Woidke könnte beide Problemfälle nun für eine größereRegierungsumbildung nutzen. Noch-Minister Gerber erklärte, dass er sich mehr um seine Familie kümmernwolle und dass er seine Arbeit nur noch bis zur nächsten Landtagssitzung am 19. September fortsetzen werden. Das ist das erste Datum, an dem ein Nachfolger vordem Landtag vereidigt werden kann. Gerber, geboren in Schleswig- Holstein, kam bereits kurznach dem Mauerfall in die Brandenburger Landeshauptstadt. Dortbegann er seine politische Karriere als Pressesprecher der SPD-Fraktion. Es folgte ein kontinuierlicher politischer Aufstieg, der mit seinem Rücktritt am Dienstag ein vorläufiges Ende fand. Woidke sagte, dass man gründlich nach einem Nachfolger suchen werde, da der Wirtschaftsminister auch für den anstehenden Strukturwandel der Lausitzer Kohleregion zuständig sei. Brandenburg Seite18 4 194050 DPA/LUKAS SCHULZE Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 501504 31034

2019

2018