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Berliner Zeitung 22.08.2019

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Mitten im Leben: Spaziergänge mit Dementen in Friedenau – Seite 3 Heute mit Kulturkalender 14°/26° Sonne! Wetter Seite 2 Wegen S-Bahnarbeiten wird der Osten abgehängt Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Unser USA-Korrespondent wundert sich über Berlin Berlin Seite 12 Donnerstag,22. August 2019 Nr.194 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Soll Russland wieder Teil der G7-Konferenz werden? Tagesthema Seite 2 Reitsport Sammlerin der Goldmedaillen VonGabriele Pochhammer Reiter können länger in der Weltklasse mitmischen als Turner oder Schwimmer, aber 30 Jahre lang an der Spitze, das ist auch unter Pferdesportlernselten. Isabell Werthreitet wenige Wochen nach ihrem 50. Geburtstag einem weiteren Höhepunkt ihrer Karriere entgegen. 1989 wurde sie zum ersten Mal Mannschaftseuropameisterin in Luxemburg. In Rotterdam am Dienstag holte sie das 24. EM-Gold mit der deutschen Mannschaft. Jetzt sieht es so aus,als müsste Isabell Werth, erfolgreichste Dressur- Reiterin aller Zeiten die Fuchsstute Bella Rose schon aus dem Viereck springen, um ihrer Reiterin die Einzeltitel, an diesem Donnerstag im Grand Prix Special, am Sonnabend in der Kür,noch zu verderben. Insgesamt hängen 32 Goldene Championatsmedaillen, errungen auf insgesamt zehn verschiedenen Pferden, bei ihr zu Hause in Rheinberg. Aufdem elterlichen Hofbetreibt sie einen Turnier- und Ausbildungsstall. Bis auf wenige Ausnahmen hat Werth ihre Pferde selbst trainiert, zunächst unter Anleitung ihres Förderers Uwe Schulten-Baumer, dann nach der Trennung von ihm im Jahr 2001 als selbstständige Unternehmerinmit Pferdepflegern, Bereiternund Schülern. Die sechsfache Olympiasiegerin und neunfache Weltmeisterin, erfolgreichste Reiterin aller Zeiten, ist erfolgshungrig wie eh und je. Keiner hat gewonnen, bevor sie nicht geritten ist. Über jeden Sieg kann sie jubeln, als sei es ihr erster, Niederlagen spornen sie an. Im Jahr 2009 wurde Werth wegen einer positiven Dopingprobe ihres Pferdes Whisper für sechs Monate gesperrt. Mit kaum einem anderen Pferd, von Goldmedaillensammler Gigolo vielleicht abgesehen, verbinden Werth so tiefe Emotionen, wie mit Bella Rose, mit der sie in Rotterdam nach den Titeln greift. Es war Liebe auf den ersten Blick, als sie die Fuchsstute als junges Pferd beim Züchter entdeckte. Die Stute lernte schnell. 2014 wurde sie mit dem deutschen Team in Caen Mannschaftsweltmeisterin. Doch dann verletzte sich Bella Rose und wurde dreieinhalb Jahre nicht mehr gesehen. Stattdessen war sie Dauerpatientin der Tierärzte. Die meisten anderen Reiter hätten längst aufgegeben und Bella Rose in die Zucht verabschiedet. Doch Isabell Werthverfügt über zwei Eigenschaften, die genau so wichtig sind wie reiterliche Fertigkeiten, Geduld und Ausdauer. Sie glaubte an ihr Pferd und endlich, im Jahre 2018 wurde sie belohnt. MitBella Rose,inzwischen 14 Jahre alt, wurde sie Mannschafts- und Einzelweltmeisterin in Tryon(USA). Seitdem wurde das Paar nicht mehr geschlagen. Undessieht nicht so aus,als ob sich das in naher Zukunft ändernwird. Menschenhandel in Berlin? Die Baubranche in Berlin ist besonders anfällig für Schleuserbanden und Schwarzarbeit. Zoll und Polizei reagieren am Mittwoch mit einer Großrazzia VonPhilippe Debionne und Jochen Knoblach Es ist die wohl dunkelste Seite der wachsenden Stadt und des Berliner Baubooms: Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung und bandenmäßiges Einschleusen von AusländernimBaugewerbe.Darum ging es am frühen Mittwochmorgen, als Hunderte Einsatzkräfte zu einer der größten Razzien der letzten Jahre in Berlin ausrückten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft durchsuchten rund 1900 Beamte von Hauptzollamt und Bundespolizei über 100 Wohn- und Geschäftsadressen im Berliner Stadtgebiet. Auch in Brandenburg, Dessau und Halle schlugen die Fahnder im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft zu. Wochenlang vorbereitet Dabei ginge es um den„Verdacht des Menschenhandels zur Arbeitsausbeutung sowie bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern imBaugewerbe“, hieß es weiter.Aus Ermittlerkreisen war zu erfahren, dass die Razzia seit mehreren Wochen vorbereitet worden sei. Ob es Festnahmen gab, war zunächst nicht bekannt. Den Angaben zufolge ging es in erster Linie darum, Beweismittel zu sichern. Im vergangenen Jahr waren die Fahnder des Berliner Hauptzollamts wegen Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung rund 1600-mal im Einsatz, etwa 100-mal öfter als 2017. Insgesamt wurden im Jahr 2018 dabei 4100 Ermittlungsverfahren eingeleitet, zudem Buß- und Verwarnungsgelder in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro verhängt. Die Schadenssumme lag 2018 bei 88,6 Millionen Euro. Außerdem, so heißt es beim Zoll, würde „Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung dauerhaft legale Arbeitsplätze“ vernichten und damit die Arbeitslosigkeit erhöhen. VomBranchenverband wurde die Aktion gegen Schwarzarbeit gestern begrüßt. Schwarzarbeit sei das Krebsgeschwür der Bauwirtschaft, sagte Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. Sie setze „seriös agierende und gesellschaftlich verantwortungsvolle Unternehmen, die Arbeitnehmern faire Löhne zahlen, Ausbildungsplätzeschaffen und ihreSteuernleisten, unter enormen wirtschaftlichen Druck“. Tatsächlich gilt Schwarzarbeit insbesondere inder Baubranche als so lukrativ wie das Drogengeschäft. Allerdings sei das Risiko,entdeckt zu werden, weit geringer. „Es gibt in Deutschland so gut wie keine große Baustelle, auf der keine Schwarzarbeit stattfindet“, sagt Ruprecht Hammerschmidt von der Industriegewerkschaft Bau. Dort wie auch auf Arbeitgeberseite werden seit Jahren mehr Kontrolleure gefordert, doch getan hat sich kaum etwas. Dafür gibt es immer mehr zu kontrollieren. Hinzu kommt, dass die Branche in der Tat schwer zu überprüfen ist. Schließlich geht es dort umUnternehmen, die ständig unterwegs oder an mehreren Orten im Einsatz sind. Zudem gilt etwa Teilzeitarbeit im Baugewerbe als erprobte Verschleierungsmaßnahme, daman quasi zu jeder Tageszeit behaupten kann, dass ein Beschäftigter gerade in der vereinbarten Arbeitszeit angetroffen wird. Dabei ist Teilzeitbeschäftigung im Baugeschäft tatsächlich wenig praktikabel und in Zeiten von Bauboom und Fachkräftemangel schwer nachvollziehbar. Dennoch liegt die Teilzeitquote in Berliner Baubetrieben „Da haben sich mafiöse Strukturen entwickelt.“ Nikolaus Landgraf, Regionalleiter Berlin/Brandenburg der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt (Bau) DPA/PATRICK PLEUL bei 20 Prozent, wie gerade erst das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in ihrem aktuellen Betriebspanel beschreibt. Beider Razzia am Mittwoch stand allerdings das organisierte Einschleusen von Arbeitskräften aus dem Ausland im Mittelpunkt. Denn vor allem die hiesige Baubranche ist seit langem ein beliebter Arbeitsort in Europa. Etwa jeder zweite hier tätige EU-Bürger aus dem Ausland arbeitet im Baugeschäft. Werhier illegal beschäftigt ist und etwa zur Scheinselbstständigkeit gezwungen wird, müsse teils unter „sklavereiähnlichen Bedingungen“ arbeiten, heißt es beim Verein Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. Häufig gebe es zudem „unverhältnismäßige Abzüge für Vermittlung, Unterkunft, Verpfle- gung“. Laut Gewerkschaftsangaben sei es keine Seltenheit, dass statt des tariflichen Baumindeststundenlohns von 12,20 Euro nur fünf Euro gezahlt werden. Wenn überhaupt. Immer wieder komme es auch vor, dass die aus dem Ausland eingeschleusten Arbeitskräfte „unverhältnismäßig lange arbeiten müssten“, weiß man beim Koordinierungskreis gegen Menschenhandel. Teils auch „unter gefährlichen Bedingungen“, weil Arbeitsschutzstandards nicht eingehalten würden. „Zwang und Gewalt“ Aufgrund ihrer Unkenntnis über Arbeitsrechte und Beratungsmöglichkeiten in Deutschland, aber auch aufgrund von „Drohungen, Zwang, Druck oder Gewalt“ durch die Arbeitgeber sei es für die Betroffenen schwierig, der Situation zu entkommen. „Da haben sich mafiöse Strukturen entwickelt“, sagt Nikolaus Landgraf, Regionalchef der IG Bauin Berlin und Brandenburg. „Um diesen Sumpf trockenzulegen, müssten die Baustellen laufend kontrolliert werden“, so der Gewerkschafter. Erst im vergangenen April hatte das Bundesfinanzministerium einen Vorstoß der Bundesregierung zur stärkeren Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Sozialleistungsmissbrauch auf den parlamentarischen Weggebracht. Wirtschaftssystem und Sozialstaat seien darauf angewiesen, dass keiner die Regeln umgeht und missbraucht, hieß es. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) teilte in diesem Zusammenhang mit, dass laut Gesetzentwurf der Zoll mit seinem Bereich „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ künftig schon bei Verdachtsfällen auf illegale Beschäftigung Brexit: Merkel erwartet Vorschläge Keine Annäherung beim Besuch von Boris Johnson Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält eine Lösung des Irland-Problems bis zum geplanten EU-Austritt Großbritanniens Ende Oktober für möglich. Der sogenannte Backstop sei nur als Übergangsregel für die nicht endgültig gelöste Irland-Frage gedacht gewesen, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin bei einem Treffen mit Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Man sei bislang davon ausgegangen, eine endgültige Lösung in den nächsten zwei Jahren zu finden. „Aber man kann sie vielleicht ja auch in den nächsten 30 Tagen finden. Warum nicht? Dann sind wir ein ganzes Stück weiter“, sagte Merkel. „Großbritannien sollte uns auch sagen, welche Vorstellungen es hat“, mahnte die Bundeskanzlerin. Johnson betonte erneut: „Der Backstop weist große, große Mängel auf für ein souveränes, demokratischesLand wie das Vereinigte Königreich. Er muss einfach gestrichen werden.“ Johnson betonte, dass auch Großbritannien einen„verhandelten Austritt“ aus der EU und keinen ungeregelten Brexit wolle. „Wir schaffen das“, fügte er in Anspielung auf einen Satz Merkelsinder Flüchtlingskrise hinzu. Der Backstop sieht vor, dass Großbritannien so lange Teil einer Zollunion mit der EU bleiben soll, bis eine andereLösung gefunden ist, die Kontrollen überflüssig macht. Für Nordirland sollen zudem teilweise Regeln des Europäischen Binnenmarkts gelten. DieBrexit-Hardliner in Johnsons Tory-Partei fürchten, dass Großbritannien durch den Backstop dauerhaft eng an die EU gebunden bleiben könnte. Eine eigenständige Handelspolitik wäre so unmöglich. (dpa, AFP) Politik Seite 5 Der britische Premierminister Boris Johnson am Mittwoch in Berlin. GETTY IMAGES Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Überprüfungen vornehmen könne. 4 194050 501603 41034

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