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Berliner Zeitung 22.10.2019

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Maut-Affäre: Hat Andreas Scheuer das Parlament getäuscht? – Seite 3 Kolumne: Eine Curry mit Gysi Seite 11 10°/16° Immer wieder Sonne Wetter Seite 2 Start-ups: Berlin wird von Paris überholt Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Der Berliner Skandal um gefälschte Kunst Berlin Seite 10 Dienstag,22. Oktober 2019 Nr.245 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Wasmit der Alten Münze in Mitte geschehen soll Feuilleton Seite 19 USA Sei doch kein Depp! VonSebastian Moll Jimmy Kimmel ist es gewohnt, mit seinen Witzen anzuecken, der Humorist aus Brooklyn gilt in der derzeitigen Riege von US-Late-Night- Talkern klar als derjenige mit dem meisten Biss. Mit der Art hat Kimmel vor einigen Jahren beinahe eine internationale diplomatische Krise ausgelöst. Er hatte eine Gruppe vonSechsjährigen gefragt, was die USA tun soll, um den riesigen Schuldenberg gegenüber China abzutragen. Einer der Vorschläge der Erstklässler war JimmyKimmel, es, alle Chinesen Late-Night-Talker mit umzubringen. Hang zur Provokation Kimmel lachte und fragte das Publikum, ob man die Chinesen leben lassen sollte.Die chinesische Regierung fand das freilich überhaupt nicht lustig und protestierte auf offiziellen diplomatischen Wegen. Kimmel entschuldigte sich öffentlich beim chinesischen Volk. DonaldTrump hat sich bislang erstaunlicherweise noch nicht mit Kimmel angelegt, nicht einmal auf Twitter, und das, obwohl der Präsident regelmäßig Zielscheibe von Kimmel ist. Kimmel witzelte erst vor14Tagen, Trump werde der erste Präsident sein, der wegen eines „Whistelblowjobs“ des Amtes enthoben werde – eine doppelte Anspielung auf das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton und die Whistleblower aus dem Weißen Haus, die Details von Trumps Ukraine-Telefonat an die Öffentlichkeit gegeben hatten. Am vergangenen Wochenende nun ging Kimmel erneut Trump an – diesmal wegen des eigenartigen, undiplomatischen Tonfalls in dem präsidialen Schreiben an den türkischen Präsidenten Erdogan. Kimmel schrieb auf, wie es geklungen hätte, wenn John F. Kennedy während der Schweinebucht-Krise 1961 in ähnlicher Diktion mit Nikita Chruschtschowkommunizierthätte: „Lieber Premier Chruschtschow“, steht darin. „Sei doch kein Depp.Wenn Du Deine Raketen aus Kuba holst, werden alle sagen ‚HurraChruschtschow ‘. Wenn nicht, werden alle sagen, was für ein Arschloch.“ Die Kimmel-Parodie war in den sozialen Medien ein Erfolg, sie zog eine Welle von Trump-Parodien nach sich. So etwa ein handgekritzeltes Schreiben, das mit dem Satz beginnt: „Lieber Präsident der Türkei. Die Fernsehleute sind schon wieder gemein zu mir.“ Auch Trumps ehemalige Rivalin Hillary Clinton fand die Parodie witzig und teilte sie auf Twitter. Sehr zum Ärger von Trumps Anhängern, die mit vorhersehbaren Zornausbrüchen reagierten. Trump selbst bleibt derweil jedoch noch untypisch still. Wasden Verdacht nährt, dass ihm an der Geschichte die Ironie entgeht. Studieren nur mit Einser-Abi? Trauriger Spitzenplatz: Berlin hat bundesweit die höchste Quote an Numerus-clausus-Fächern. VieleBewerber versuchen ihr Glück in anderen Bundesländern. Dicht an dicht sitzen Studentinnen und Studenten in den Hörsälen. Wenn sie überhaupt einen Platz finden. VonChristine Dankbar Die Berliner Hochschulen wirken in diesen Tagen, als sei die Überalterung der Gesellschaft nur ein böser Traum. Bei der Einführungsveranstaltung der Freien Universität (FU) für die Erstsemester vor wenigen Tagen reichte das Auditorium maximum bei weitem nicht aus.Die Reden der Dozenten wurden per Monitor in Nachbar-Hörsäle übertragen. Fast 195 000 Studierende sind in diesem Wintersemester an den Berliner Hochschulen eingeschrieben –ein Rekord. DerAnsturm auf Berlin hat allerdings eine Kehrseite. Mittlerweile sind die meisten Studienfächer mit einem Numerus clausus (NC) belegt. In ganz Deutschland sind durchschnittlich 40,7 Prozent aller Studiengänge zulassungsbeschränkt, in Berlin sind es 67 Prozent, das ist bundesweit der Spitzenplatz. Undbedeutet, dass für Studienanfänger in der Hauptstadt ein Einser-Abitur in vielen Fächern fast schon Pflicht ist, wenn man in der eigenen Stadt studieren will. Ausweichen auf Orchideenfächer Oder man zeigt sich flexibel: Archäologie statt Geschichte, Iranistik statt Betriebswirtschaftslehre. Besonders kurios: Auch Lehramtsstudenten mussten abgewiesen werden –und das in einer Situation, in der Berliner Schulen mehr und mehr Quereinsteiger einstellen müssen, weil ausgebildete Pädagogen fehlen. Diewissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Catherina Pieroth, spricht denn auch von „Mangelverwaltung“ und stellt fest: „Wir haben zu wenig StudienplätzeinBerlin.“ Der emeritierte Politikprofessor Peter Grottian forderte in einem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung voreinigen Tagen, den Numerus clausus ganz abzuschaffen. „Weg mit dem Monster“, schrieb er und rechnete vor, dass ein entsprechendes Sonderprogramm 200 Millionen Euro jährlich kosten würde.Erberechnet dabei schematisch den Aufwand für das benötigte Lehrpersonal, wenn die schätzungsweise 275 000 abgelehnten Studienbewerber bundesweit doch zum Zuge kämen. Eine Regelung, von der man in der Verwaltung des Wissenschaftssenators und Regierenden Bürgermeisters Michael NC-Quote nach Bundesländern zum Wintersemester 2019/20 in Prozent Hamburg 64,8 Niedersachsen 56,2 Bremen 61,5 Nordrhein-Westfalen 33,4 Hessen 28,6 Rheinland-Pfalz 22,0 Saarland 56,8 Baden-Württemberg 56,6 Müller (SPD) nichts wissen will. „Es würde alle Kosten sprengen, wenn man alle Bewerber an den Berliner Hochschulen zulassen würde“, meint Sprecher Matthias Kuder.Die Hauptstadt sei mit 195 000 Studierenden an ihrer Kapazitätsgrenzeangelangt. Müllers Sprecher verweist darauf, dass die elf staatlichen Hochschulen und die Charité Universitätsmedizin in den vergangenen Jahren mit einem jährlich steigenden Milliardenbetrag finanziert wurden. Die Summe, mit der Bund und Land die Hochschulen ausstatten, ist tatsächlich in den vergangenen Jahren nur leicht gestiegen: 2009 gaben Bund und Land 1,16 Milliarden Euro für die Berliner Unis aus, 2019 waren es 1,56 Milliarden, das ist eine Steigerung von 400 Millionen Euro. Eine hohe Summe, gewiss. Aber wenn man bedenkt, dass allein der Ankauf der 670 Wohnungen in der Karl- Marx-Allee durch das Land in diesem Jahr vermutlich 200 Millionen Euro gekostet hat, dann relativiertsie sich. Kuder macht außerdem geltend, dass an den Berliner Unis nicht nur Schleswig-Holstein 31,5 Mecklenburg- Vorpommern 21,9 Brandenburg 31,0 Berlin 67,0 Sachsen-Anhalt 27,8 Sachsen 33,8 Thüringen 23,7 Bayern 34,8 Deutschland: 40,7 BLZ/HECHER; QUELLE: CENTRUM FÜR HOCHSCHULENTWICKLUNG GETTYIMAGES die Abiturnote zählt. So sei im Berliner Hochschulzulassungsrecht die Gewichtung außerschulischer Kompetenzen gestärkt worden. Auch für beruflich qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber, die über keine Hochschulzulassung verfügen, gebe es eine Vorabquote. Das alles nützt Berliner Abiturienten mit einem mittelmäßigen Abitur wenig. Während jedes Jahr mehr Studierende nach Berlin kommen, bleibt ihnen oft nur das Ausweichen an eine Universität in einem anderen Bundesland. Die gute Nachricht: In den Bundesländern rings um die Hauptstadt sieht es sehr viel besser aus. Soist die Quote von Numerusclausus-Fächern in Brandenburg mit 31 Prozent nicht einmal halb so hoch wie in der Hauptstadt. Noch besser sieht es in Mecklenburg-Vorpommern oder in Rheinland-Pfalz aus. Dass sich Abiturienten aus der Hauptstadt auf den Weg ins Land machen, während Kinder aus der Provinz ihr Glück inder Hauptstadt versuchen, muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Kein Landeskinderbonus Auf einen sogenannten Landeskinderbonus, der Einheimischen das StudiuminBerlin zugänglich macht, sollten Betroffene dagegen nicht hoffen. Er wäre nach Meinung aller Parteien verfassungswidrig. Die Linke würde den NC lieber gestern als heute abschaffen, sagt die Linken-Abgeordnete Franziska Brychcy, die im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses sitzt. „Aber solange es mehr Studienbewerberinnen und -bewerber als Studienplätze gibt, braucht es ein einigermaßen vergleichbares Auswahlkriterium.“ „Wir können keine Schutzmauernumunsereeigenen Abiturienten ziehen“, sagt der bildungspolitische Sprecher der CDU, Dirk Stettner. Doch auch er findet, dass es wichtig ist, dass Berlin mehr Studienplätze schafft. „Die hohe NC-Quote ist wirklich problematisch.“ DieSenatsverwaltung fürWissenschaft hält die Verdrängung Berliner Abiturienten aus der Stadt ohnehin für eine Mär. Die Statistik zeige, so Sprecher Kuder, dass rund 70 Prozent der Berliner Abiturienten einen Studienplatz in ihrerHeimatstadt ergatterten. Dass die getroffene Wahl dann aber oft eher der Zweit- oder Drittwunsch gewesen ist, vermutet man auch an der Freien Universität. Dortbefragte man die Neuankömmlinge bei der Einführungsveranstaltung, ob sie im Wunschfach untergekommen sind. Eine Auswertung steht noch aus. Kommentar Seite8 Feuer im Zug: Ursache war wohl ein Defekt Ermittler sehen keine Hinweise auf Brandstiftung Ermittler halten derzeit einen technischen Defekt als Brandursache in dem mit Hunderten Fußballfans besetzten Sonderzug in Berlin für wahrscheinlich. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte am Montag, man gehe derzeit vondieser Ursache aus, eswerde aber weiterhin in alle Richtungen ermittelt. Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung haben die Sicherheitsbehörden bislang nicht. In einer Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Berlin und der Berliner Bundespolizei hatte es zuvorgeheißen: „Nach ersten Erkenntnissen könnte ein technischer Defekt den Brand verursacht haben.“ Nach dem Brand am Samstagabend hatte es auch Spekulationen über Pyrotechnik als Ursache der Flammen gegeben. Das Feuer war in dem Zug mit insgesamt 700 Fans des SC Freiburg an Bord ausgebrochen, der dann beim S-Bahnhof Bellevue zum Stehen kam. Ein Waggon brannte lichterloh. 150 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz. Vier Reisende wurden verletzt. Am Wochenendewurde seitens der Fanorganisation Supporters Crew Freiburg über einen technischen Defekt spekuliert. Das private Unternehmen Schweizer Centralbahn AG, umderen Zug es sich handelt, schloss dies jedoch aus.Der Brand sei offensichtlich im Inneren eines Abteils in der Wagenmitte ausgebrochen, wo es keine Technik gebe. Am24. August hatte es in einem Charterzug der Centralbahn, der Teilnehmer der Unteilbar-Demonstration von Dresden nach Berlin zurückbringen sollte, ebenfalls Rauchentwicklung gegeben. Ursache war eine festgefahrene Bremse,teilte das Unternehmen mit. (BLZ) Berlin Seite11 Der brennende Zug am S-Bahnhof Bellevue. Vier Fans wurden verletzt. DPA Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21043

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