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Berliner Zeitung 23.01.2018

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Die Berliner Pianistin Anastassiya Dranchuk darf bleiben – Seite 3 . . Dienstag, 23. Januar 2018 Nr.19HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 4 S P D Mädchen? Besser den Namen merken VON SABINE RENNEFANZ Annika Klose hat am Wochenende auf dem SPD-Parteitag eine der besten Reden gehalten. Sie kam direkt nach Martin Schulz auf die Bühne, der Parteichef warb für die große Koalition, die Berliner Juso- Chefin sprach dagegen. Wenn man sich die Rede auf Youtube anschaut, sieht man, dass Annika Klose nervös ist, ihre Stimme klingt zittrig. Mitjedem Satz wirdsie selbstbewusster,mutiger.Sie redet nahezu frei.„Man hört, ein Nein zur großen Koalition würde Chaos bedeuten, aber ein Nein bedeutet nicht Chaos, sondern gelebte Demokratie“, ruft sie in den Saal und begeistert die Zuhörer. „Sehr aufgeregtes Mädchen von den Jusos bekommt mehr Applaus als Martin Schulz“, schrieb Peter Huth, der Annika Klose, Chefin der Berliner Jungsozialisten 194050 5 01504 Chefredakteur der Welt am Sonntag dazu auf Twitter. Mädchen klingt niedlich, süß, nicht ernst zu nehmen. Huth wird inden sozialen Medien für seine Wortwahl heftig kritisiert. „Sie haben massive Probleme damit, Frauen als Autoritäten anzuerkennen“, schreibt ein grüner Politiker aus Schleswig-Holstein. Huth erwidert, er habe Klose doch gewürdigt, was man so sehen kann, aber sein Satz wird als Beleg dafür genommen, wie unterschiedlich Frauen und Männer in der Politik bewertet werden.Wieklischeebehaftet Sprache ist. Man ist Mädchen, wenn man Glück hat, wirdman später Mutti. Obwohl seit über zehn Jahren eine Frau regiert und Deutschland vonaußen betrachtet oft als fortschrittlich gilt, blieb die Politik ein Herrenklub. Schon junge Mädchen interessieren sich weniger für Politik als Jungs, treten seltener in Parteien ein, übernehmen weniger Funktionen. Heute sind knapp siebzig Prozent aller Bundestagsabgeordneten männlich. Annika Klose schrieb zurück: „Mit dem Mädchen bin übrigens ich gemeint.“ Das Mädchen ist 25 Jahre alt, arbeitet als Gewerkschaftssekretärin und leitet seit zweieinhalb Jahren die größte politische Jugendorganisation in Berlin. Sie fühle sich durch die Bezeichnung nicht verletzt, sagt sie am Montag am Telefon. „Es ist jetzt kein Fall von #MeToo“, sagt sie. Aber es ärgere sie schon, sagt Annika Klose, dass junge Frauen in der Politik oft nicht ernst genommen werden. „Wenn man nervös oder emotional ist, wird das Frauen oft als mangelnde Professionalität ausgelegt“, sagt sie. Sie findet den Hashtag #Canhesaythat treffender, eine Kampagne gegen Sexismus im Berufsleben. Annika Kloseist nicht die erste Politikerin, die unterschätzt wurde. Die, die sie Kohls Mädchen nannten, wurde später Kanzlerin. Man sollte sich den Namen Annika Klose merken. Tagesthema Seite 2 Verkehr,Notrufe 15 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 12, 25 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 12 ............................................................................................................... ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH, 10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 21004 Höher,schneller,günstiger Berlin braucht mehr bezahlbare Wohnungen. Doch wie kann das gelingen? Investoren unterstützen die SPD und deren Kritik an Linken-Bausenatorin Lompscher.Und die Wirtschaft fordert wieder: Bebaut das Tempelhofer Feld! VON ULRICH PAUL Die harsche Kritik der SPD- Fraktion an Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat eine Debatte über die Wohnungsbaupolitik in Berlin ausgelöst. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie der Bau insbesondere preisgünstiger Wohnungen gegen Widerstände von Bürgern und Bezirken beschleunigt werden kann. Mit dem Beschluss vom Wochenende fordert die SPD-Fraktion unter anderem, deutlich mehr Bauflächen auszuweisen und private Wohnungsunternehmen stärker beim Neubau einzubeziehen. Außerdem soll ein Lenkungsgremium unter Federführung des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) eingerichtet werden, das Konfliktfälle im Wohnungsbau lösen soll –was einer Entmachtung von Stadtentwicklungssenatorin Lompscher gleichkäme. Die Wohnungswirtschaft begrüßt den SPD-Vorstoß. Die Grünen, Koalitionspartner der SPD, gehen dagegen auf Distanz. „Wir alle wissen, nicht alles läuft gut beim Neubau. Es ist aber unfair und nicht zielführend, dies nur unserer Stadtentwicklungssenatorin zuzuschreiben“, sagte die Grünen- Abgeordnete Katrin Schmidberger. „Wir werden als Koalition nur gemeinsam erfolgreich sein.“ Die SPD-Fraktion kritisiere die Arbeit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, verdränge aber, dass sie selbst das Ressort jahrelang verantwortet habe. Im Gegensatz zu den öffentlichen Bekundungen komme die neue Liegenschaftspolitik „nur schleppend voran, besonders die Vergabe von Grundstücken an gemeinwohlorientierte Bauträger“, kritisierte die Grünen-Abgeordnete. „Und das liegt an der SPD.“ Linken-Fraktionssprecher Thomas Barthel sagte zu dem Vorschlag für ein Lenkungsgremium: „Mit einer besseren Steuerung über die Ressortgrenzen hinweg haben wir keine Probleme. Wer das allerdings als Machtfrage kommuniziert, tut der Sache keinen Gefallen.“ Die Linke steht auch der stärkeren Einbeziehung der privaten Wohnungswirtschaft sehr viel kritischer gegenüber als die SPD. „Wenn es bei der erwünschten Einbeziehung der Privaten darum geht, Partner für den Bau preiswerter Wohnungen zu finden, unterstützen wir die Idee“, sagte Thomas Barthel. „Aber wenn es nur darum geht, den privaten Unternehmen den roten Teppich für deren Verwertungsinteressen auszurollen, werden wir nicht mitgehen.“ Die Wohnungswirtschaft zeigt sich dagegen zufrieden mit dem Vorstoß der SPD.„DieRich- „Alle Bauland-Reserven müssen auf den Prüfstand gestellt werden, und da brauchen wir auch wieder eine Diskussion um das Tempelhofer Feld oder die Elisabeth-Aue.“ David Eberhart, Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen tung stimmt“, sagte Susanne Klabe, Geschäftsführerin des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). „Wohnungsneubau in Berlin muss Chefsache werden. Eine ressortübergreifende Lenkungsgruppe beim Regierenden Bürgermeister ist nötig, denn thematisch endet Wohnungsneubau nicht bei der Stadtentwicklungsverwaltung“, so Klabe. Die jetzige Wohnungspolitik des Senats führe zu „besorgniserregenden Perspektiven“ für die Fertigstellungszahlen von 2020 bis 2023. Der erhöhte Anteil von 30Prozent der Flächen für Sozialwohnungen bei Projekten, für die ein Bebauungsplan nötig ist, sei für die BFW-Unternehmen „nicht mehr wirtschaftlich darstellbar“ –weil die finanzielle Förderung nicht ausreichend sei. Die BFW- Mitgliedsunternehmen würden deswegen nur noch begonnene Projekte fertigstellen, aber keine neuen beginnen, so Klabe. DerVerband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) forderte einen „Masterplan Wachstum“ für Berlin – abgestimmt mit Brandenburg. Die Zuständigkeiten für Bauplanungs- und Genehmigungsverfahren sollten stärker bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angesiedelt werden. Außerdem müsse es mehr bezahlbares Bauland geben. „Hierfür müssen alle Bauland-Reserven auf den Prüfstand gestellt werden, und da brauchen wir auch wieder eine Diskussion um das Tempelhofer Feld oder die Elisabeth-Aue“, so BBU-Sprecher David Eberhart. Das Tempelhofer Feld darf nach dem Volksentscheid von 2014 nicht angerührtwerden; dieBebauung der Elisabeth-Aue wurde von Rot-Rot-Grün zumindest bis 2021 zurückgestellt. Auf beiden Flächen waren rund 10 000 Wohnungen geplant. Der Berliner Mieterverein (BMV) verteidigte unterdessen die Stadtentwicklungssenatorin. „Sie hat für die Kürze der Zeit viele Dinge in Angriff genommen“, so BMV-Chef Reiner Wild. Leitartikel Seite 8 TONGRO IMAGES RF NICHT VERPASSEN ❖ SHAKESPEARE IN CHARLOTTENBURG DasEnglish Globe Theatredes Berliner Schauspielers Christian Leonardhat endlich einen Standort. In Charlottenburg, im Österreichpark, wirdder originalgetreue Nachbau des Londoner Shakespeare-Theaters entstehen. Noch in diesem Jahr soll es die ersten Aufführungen geben. Berlin Seite 12 BASELITZ WIRD 80 DieMotiveseiner Bilder stehen, um 180 Grad gedreht, auf dem Kopf, damit der Inhalt abtropfen kann. Undauch in Worten und Gesten liebt er den starken Strich. Heute wirdder Malerprovokateur Baselitz, der eigentlich Georg Kern heißt, 80 Jahrealt. Feuilleton Seite 19 DEUTSCH-FRANZÖSISCHES Vor55 Jahren wurde der Élysée-Vertrag unterschrieben. Ausden Erbfeinden Deutschland und Frankreich wurden Partner.Aus Anlass des Jubiläums haben am Montag die französische Nationalversammlung und der Bundestag identische Resolutionen verabschiedet: DieBeziehungen sollen noch weiter vertieft werden. Politik Seite 5 MARKTMACHT UND IDYLL Derkleine Bauernhof mit artgerechter Tierhaltung ist der Wunsch vieler Verbraucher.Doch die Agrarwirklichkeit wirdvor allem vonfünf großen Konzernen geprägt –weltweit. Wirtschaft Seite 6 WETTER SABINE GUDATH MAUERFUND IM WALD Es gibt tatsächlich noch ein Stück Originalmauer aus der ersten Bauphase. Entdeckt hat die letzten Reste der PankowerHeimatforscher Christian Bormann in einem Waldstück im Ortsteil Schönholz. Es ist nach seinen Recherchen das letzte existierende Stück der Ur-Mauer,sagt er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Berlin Seite 9 BERLIN: Leider wieder viele Wolken und Sprühregen. Höchsttemperatur 5, nachts -2 Grad. Seite 2 16. &17. BERLIN MESSEN Februar 2018 Dein Marktfür Ausbildung,Karriere, 9–16Uhr Weiterbildung &Qualifizierung Freier Eintritt Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin Interessante Präsentationen Spannende Workshops Attraktive Angebote Weitere Informationen:www.berliner-zeitung.de/berlin-messen|berlin.messen@dumont.de SCHIRMHERRSCHAFT Frau ElkeBreitenbach Senatorin für Integration, Arbeit undSoziales

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