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Berliner Zeitung 23.01.2019

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Mit links: Wieder Berliner Fabian Wiede zum Held der Handballer wird – Seite 3 Religion im Bundestag Seite 5 -5°/-1° Heiter bis wolkig Wetter Seite 2 Groß Gaglow: Die Häuser und die NS-Geschichte Brandenburg Seite 16 www.berliner-zeitung.de Smarte Senioren: Immer mehr Rentner sind online Tagesthema Seite 2 Mittwoch, 23. Januar 2019 Nr.19HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Google ist da: Nicht in Kreuzberg –aberinMitte Netzwerk Seite 26 Oscars Der Richter und sein Henckel VonChristian Seidl Jetzt hat er es also wieder geschafft: Florian Henckel von Donnersmarck, 45, ist mit seinem Film „Werk ohne Autor“ für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. Offenbar hat sich die Academy nicht davon irritieren lassen, dass dem dreistündigen fiktiven Künstlerporträt inzwischen zwanghaft das Adjektiv„umstritten“ vorausgeschickt wird. Und dies vor allem, weil der Künstler, dessen Leben und Werk Donnersmarck Florian Henckel von Donnersmarck, Regisseur als Inspirationsquelle diente,davon wenig angetan ist. Dass es sich um Gerhard Richter handelt, den größten lebenden deutschen Künstler,kommt erschwerend hinzu. Erst letzte Woche ließ dieser, vom amerikanische Magazin The New Yorker zu Donnersmarck und Film befragt, verlauten: „Die Abneigung gegen den Film und die Person ist dermaßen angewachsen, dass es mir unmöglich ist, Ihnen zu antworten.“ Donnersmarck kann das gelassen nehmen. Schon weil es Richter selbst war, der seinerzeit aus einem angefragten, einstündigen Gespräch mit dem Regisseur vier Wochen werden ließ. Auch gegen das Drehbuch hatte der Künstler später offenbar nichts einzuwenden. Und oberden Film überhaupt schon gesehen hat, ist auch nicht gewiss. Schon kurz nach Kinostart im Oktober schmähte er ihn als „zu reißerisch“, obwohl er nur den Trailer kannte. So geht es hier wohl vorallen Dingen um persönliche Eitelkeiten, hinter denen die eigentliche Frage etwas in den Hintergrund gerückt ist –nämlich, ob der Film was taugt. Um die zu beantworten, ist es vollkommen egal, ob der Regisseur damit nun irgendwem zunahe tritt oder sich umgekehrtzuweit vonihm entfernt –Richter hat das nie konkretisiert. Die historische Authentizität war jedenfalls noch nie der Maßstab dafür, obein Spielfilm gelungen ist oder nicht. Donnersmarck weiß das nur zu gut. Schon für seinen ersten Spielfilm, das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“, hatte er sich heftige Vorwürfe gefallen lassen müssen: Die Geschichte sei inakkurat und bar jeder gelebten Wirklichkeit, und im Übrigen stehe ihm, als in Köln geborenem Adelsspross, sowieso nicht zu, sich des Lebens in der DDR zu bemächtigen. 2007 gewann er dafür den Oscar. Heute gilt der Film als Klassiker. Ob „Werk ohne Autor“ ein ähnliche spektakuläres Schicksal vergönnt ist, wird sich am 24. Februar zeigen, wenn in Los Angeles die diesjährigen Preise vergeben werden. Donnersmarck sieht dem Tagentspannt entgegen: „Einem Menschen muss der Film gefallen, das ist der Regisseur“, sagt er. „Alles andere ist Bonus.“ Feuilleton Seite 23 Auf der schiefen Bahn Die BVG ist immer weniger in der Lage, den Anforderungen der wachsenden Stadt gerecht zu werden. Die Berliner spüren das –und die BVG-Chefin weiß es auch. Wastun? Leitartikel Seite 8und Berlin Seite 9 Alle Gerichts-Chefs sind Wessis Unter den Präsidenten der obersten Gerichte in den neuen Bundesländern gibt es keinen Ostdeutschen VonMarkus Decker Die 25 Präsidentinnen und Präsidenten der obersten Gerichte in Ostdeutschland sind fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer ausschließlich Westdeutsche.Das ergibt sich aus einer Recherche der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland). Danach sind die Präsidenten der Oberlandesgerichte, der Oberverwaltungsgerichte, der Landesarbeits- und der Landessozialgerichte sowie der Finanzgerichte durchweg erst nach 1990 von Westdeutschland nach Ostdeutschland gekommen. Es handelt sich um 18 Männer und sieben Frauen. Dabei sind einige Posten erst in den vergangenen Jahren neu besetzt worden. In Mecklenburg-Vorpommern etwa wird gerade ein Präsident für das Oberlandesgericht gesucht. Diekonkurrierenden Bewerber kommen aus Dortmund und Lübeck. Der Soziologe Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau-Görlitz, der mit anderen Forschern aneiner Studie über die Eliten in Ostdeutschland arbeitet, sagte der Berliner Zeitung (RND) zu der Nachricht über die Westdominanz: „Das ist eine wichtige Botschaft und ein Befund, den man erst mal verdauen muss.“ Allerdings sei der Anteil der Ostdeutschen unter den Richtern Ostdeutschlands nach 1989 immer gering gewesen. Nach bisherigen Erkenntnissen liegt er bei 13 Prozent. Dafür gebe es auch Erklärungen, sagte Kollmorgen. So seien im Zuge der Wiedervereinigung viele West- Juristen in den Osten gekommen, während ostdeutsche Juristen nicht ausreichend qualifiziert gewesen seien oder erst mit dem Studium begonnen hätten. Außerdem dürften viele Richter wegen ihrer Staatsnähe nach der Wende ihren Job verloren oder zumindest keine Karrierechancen mehr gehabt haben. Überdies dominieren dem Soziologen zufolge seit 1990 „in der Judikative hochgradig formalisierte Laufbahnen. Da ist man 15 Jahre unterwegs, bis man oben landet.“ Dass Ostdeutsche bei der Besetzung der Präsidenten-Posten bis heute „keine Chance erhalten, obwohl sie seit 20 Jahren im Geschäft“ seien, sei jedoch „sachlich nicht mehr zu rechtfertigen“. DieVorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring- Eckardt, sagte der Berliner Zeitung (RND): „Die Ursachen für die Unterrepräsentanz von Ostdeutschen in gesellschaftlichen Führungspositionen liegen lange zurück. Gerade an den obersten Gerichten ist dieser beklagenswerte Mangel offensichtlich, da für solche Spitzenpositionen neben einer langjährigen Ausbildung auch eine lange Berufserfahrung nötig ist und das Justizsystem in Ostdeutschland in den 1990ern kom- „Dass Ostdeutsche bei der Besetzung der Präsidenten-Posten bis heute keine Chance erhalten, obwohl sie seit 20 Jahren im Geschäft sind, ist sachlich nicht mehr zu rechtfertigen.“ Raj Kollmorgen, Soziologe ander Hochschule Zittau-Görlitz 30ohne Mauer JAHRE plett neu aufgebaut werden musste.“ Sie fügte hinzu: „Die Erklärung für heute darf aber keine Ausrede für morgen sein. Auch im allgemeinen Justizdienst sind Ostdeutsche unterrepräsentiert.“ Linksparteichefin Katja Kipping übte scharfe Kritik und monierte, „dass sich auch 29 Jahre nach der Deutschen Einheit immer noch eine unsichtbareMauer der Ungerechtigkeit durch das Land zieht. Diese Benachteiligung Ostdeutschlands ist nicht hinnehmbar.“ Dabei gehe es nicht nur um Fehler in der Vergangenheit, die inzwischen abgestellt wurden. „Sondern es geht munter weiter so.“ Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes, Sven Rebehn, erklärte,inden neuen Ländern werde sich die bereits angespannte Personalsituation „durch eine große Pensionierungswelle bis 2030 deutlich verschärfen“. Die Gerichte und Staatsanwaltschaften verlören hier in den nächsten zehn Jahren fast zwei Drittel aller Juristen. „Nachwuchs aus den westdeutschen Ländern dürfte nicht leicht zu werben sein, denn die Justiz muss bundesweit im nächsten Jahrzehnt etwa 40 Prozent aller Richter und Staatsanwälte ersetzen“, fuhr Rebehn fort. Darum gelte es, „gerade in den ostdeutschen Ländern mehr Geld indie Hand zu nehmen, um ausreichend gut qualifizierte Nachwuchsjuristen zu gewinnen“. Der Sprecher des thüringischen Justizministeriums glaubt, bis 2031 sei sogar ein Übergewicht vonRichternostdeutscher Herkunft„wahrscheinlich“. Dielange vernachlässigte fehlende Repräsentanz Ostdeutscher in Führungspositionen ist seit einiger Zeit ein Thema. Der Politikwissenschaftler LarsVogel gibt den Anteil der Ostdeutschen in Führungspositionen mit sechs bis acht Prozentan–bei einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 17 Prozent. LASSEDESIGNEN -STOCK.ADOBE.COM Scheeres: Mehr Deutsch an Grundschulen Senatorin will jährliche Tests einführen VonMartin Klesmann Angesichts unbefriedigender Rechtschreib- und Mathematikkenntnisse vieler Berliner Schüler versucht Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Qualitätsverbesserungen an den Schulen.„Wir werden uns in der Grundschule noch stärker auf die Kernfächer Deutsch und Mathematik fokussieren“, sagte ScheeresimGespräch mit der Berliner Zeitung. „Künftig werden wir in den Grundschulen eine Stunde mehr Deutsch proWoche anbieten.“ Gutes Deutsch sei schließlich Grundvoraussetzung, um im Unterricht mitzukommen, Texte zu verstehen oder Mathe-Textaufgaben sinnvoll zu erfassen. „In der ersten Klasse werden es statt bisher sechs künftig sieben Stunden sein, in den Klassen 2bis 4 soll es jeweils acht statt bisher sieben Stunden geben“, sagte Scheeres. „Wir wollen das schrittweise ab dem nächsten Schuljahr einführen.“ Scheeres stellte klar, dass diese Anzahl an Deutschstunden künftig verbindlich angeboten werden müsse. „Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall“, räumte sie ein. Nach den Plänen der Bildungsverwaltung soll der Lernerfolg von Schülern künftig noch systematischer überprüft werden. „Ich möchte, dass jedes Jahr bis zur 6. Klasse eine Lernstanderhebung durchgeführt wird“, sagte sie. Für Deutsch und Mathe.Dadurch sollen die Lehrer den Förderbedarf von Schülern besser erkennen. Bisher gibt es nur den Lernausgangslage- Test in der 1.Klasse sowie die Vergleichsarbeiten für Drittklässler. Im Fach Mathematik soll es keine zusätzlichen Unterrichtsstunden geben (dafür würde es ohnehin an Fachlehrern fehlen). Allerdings will die Bildungsverwaltung künftig gezielt Unterrichtsmaterial für Mathe empfehlen, verstärkt Fortbildungen durchführen. Schon Kita-Kinder sollen sich zudem noch intensiver mit Zahlen auseinandersetzen. Scheeres hatte angesichts bedenklicher Schulleistungsdaten eine Arbeitsgruppe zur Qualitätsverbesserung eingesetzt. An diesem Mittwoch sollen nach langen Sitzungen die Ergebnisse vorgestellt werden. Berlin Seite 10 4 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 194050 501603 31004

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