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Berliner Zeitung 23.03.2019

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Autofreie Stadt? Kreuzberg ist schon auf dem Wegdahin – Report Seiten 2und 3 Heute mit Service und Immobilien 9°/18° Heiter bis wolkig Wetter Seite 18 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,23./24. März 2019 Nr.69HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Werisst gesund? Im Magazin: Niemals aufgeben Dasneue Leben der Turnerin Elisa Chirino Seiten 2und 3 Sprechen und Schweigen Arno Widmann trifft Jens Reich Seiten 4und 5 Abwarten und Kaffee trinken Maxim Leo will die Welt retten Seite 10 Letzte Runde im Brexit-Chaos? Politik Seite 4 Tausende Besucher werden am Wochenende auf der Berliner Veganer-Messe Veggie-World erwartet. Wasist dran an dem Ernährungstrend? Seiten 8, 10 und11 GETTY IMAGES, DPA Fall Rebecca: Der Schwager ist frei Berlin Seite 13 Anzeige www.atala.de AmEnde war es gar nicht so schwer: Nach tagelangem Schweigen hat der CDU- Politiker Kai Wegner am Freitag erklärt, Monika Grütters an der Spitze des Berliner Landesverbandes ablösen zu wollen. Anfang der Woche war durchgesickert, dass Wegner, ein 46 Jahre alter Bundestagsabgeordneter aus Spandau, gegen die 57-jährige Kulturstaatsministerin antreten wolle.Das hatte die Partei in Aufruhr versetzt. Ob Wegners Klarstellung zur Befriedung beiträgt, werden die kommenden Wochen zeigen. Inzwischen ist nicht einmal mehr sicher,obder Wahlparteitag wie geplant tatsächlich am 18. Maistattfinden wird. Auf seiner Pressekonferenz im Euref-Campus in Schöneberg erklärte Wegner am Freitag erstmals, warum er Chef werden möchte. Der rot-rot-grüne Senat sei die schlechteste Regierung, seitdem Berlin das Stadtrecht besitze, so Wegner –also seit fast 800 Jahren. Doch die CDU als Oppositionsführerin nutze die vielen Blößen, die Rot-Rot-Grün biete,nicht –Wegner nannte die Bau-, die Verkehrs- und die Finanzpolitik. Das seien oft „Elfmeter“, die der CDU präsentiert würden. „Ja“, sagte Wegner, man könne auch einmal einen Elfmeter verschießen.„Aber man muss ihn schießen wollen. Und ich will ihn schießen.“ Ob er der vermeintlichen Elfmeter-Verweigererin Grütters damit auch das Recht absprach, bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 als Spitzenkandidatin anzutreten, ließ Wegner offen. Stattdessen sagte er: „Ein Landesvorsitzender muss grundsätzlich bereit sein, auch Spitzenkandidat zu sein.“ Eine Vorentscheidung über eine Spitzenkandidatur werde mit der Wahl des (oder der) Landesvorsitzenden aber sicher nicht fallen, sagte Wegner.Ganz im Gegenteil, wenn es nach ihm gehe.„Auch BurkardDregger wärezum Beispiel ein guter Kandidat“, sagte er. Zur Personalie Dregger muss man wissen, dass der Fraktionschef als Ziehkind von Monika Grütters gilt. Kritiker werfen auch dem Hessen Dregger eine gewisse Zögerlichkeit vor. In seiner Kandidatenrede sagte Wegner,erkomme aus Berlin, er lebe in der Stadt und für sie, ja, er „brenne“ für sie. Erstamme, sagte der Berufspolitiker,aus einem Haushalt „kleiner Leute“. Sein Vater sei Bauarbeiter gewesen, „Eisenflechter“. Um diese Menschen, „die ihren Kindern morgens ein Butterbrot für die Schule schmieren, die am Abend vielleicht bei einem Fußballspiel vor dem Fernseher entspannen und die am Wochenende vielleicht einmal in den Zoogehen“, um diese„ganz normalen Leute“ müsse sich die Partei kümmern. Sein Ideal für die Partei laute: „bodenständig, lebensnah, zukunftsgerichtet“. Dies alles sind Attribute, die viele Politiker für sich und ihre Partei in Anspruch nehmen würden. „Boden- Bodenständig mit Butterbrot Kai Wegner will Chef der Berliner CDU werden –und er möchte seine Partei zur Partei der „normalen Leute“ machen. Nur: Ist das ein politisches Programm für eine Millionenstadt? VonElmar Schütze Ein Mann mit Ambitionen: Kai Wegner, 46, aus Spandau DPA ständig“ und „lebensnah“ sind zugleich aber auch Begriffe, mit denen Monika Grütters selten bis nie beschrieben wird. Zusammen mit dem nicht ungeschickten Hinweis auf seine Herkunft sind Wegners Äußerungen nur als maximale Distanzierung von seiner Kontrahentin –und auch vondem Politikersohn Burkard Dregger –zuverstehen. Kritiker werfen der Kulturstaatsministerin und Honorarprofessorin Grütters aus Münster vor, abgehoben zu sein. Sie, die den Landesvorsitz im Dezember 2016 übernommen hatte,interessieresich nicht für das Klein-Klein der Berliner Landespolitik, sie sei zu selten da. Um deutlich zu machen, dass er anders agiere, berichtete Wegner am Freitag von seiner Tour durch die Partei in der jüngsten Zeit, von seinen Kontakten zu den „zwölf Kreisverbänden und 80 Ortsverbänden und den Organisationen“, wie er aufzählte. Eine dieser Organisationen ist die Junge Union, deren Vorsitzender Wegner selbst über viele Jahre war. Deren aktueller Chef Christoph Brzezinski hat sich am Donnerstag auf die Seite von Grütters geschlagen. In der RBB-„Abendshow“ sagte Brzezinski, die CDU fahreseit fast 20 Jahren „sehr erfolgreich damit, sich selbst zu zerfleischen. KaiWegner als Vorsitzender der Abteilung ,Intrige‘ der CDU in Berlin wird das sicher sehr erfolgreich weitermachen.“ Ob Wegner diese kleine Unverschämtheit schaden wird, ist aber mehr als fraglich. Brzezinskis Amtszeit endet am 6. April. Wegners Ankündigung, in den nächsten Tagen mit der Jungen Union zu sprechen, ist Wahlkampf pur.Erbraucht jede Stimme –zumal Parteisenioren wie der Ex-Regierungschef Eberhard Diepgen oder der Ex-Fraktionsvorsitzende Klaus- Rüdiger Landowsky sich schon despektierlich über ihn geäußert haben. Dafür seien ihm die Kreisverbände Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf und Mitte – sowie natürlich sein eigener: Spandau – sicher,heißt es aus der Partei. Andere seien möglich. Vonden aktuellen Mehrheitsverhältnissen wird auch abhängen, ob der Termin 18. Mai für den Parteitag überhaupt gehalten werden kann. Wegner sagte am Freitag, er spreche darüber mit Monika Grütters. Man strebe an, dem Landesvorstand „einen gemeinsamen Vorschlag“ zu unterbreiten. Die Satzung ermöglicht der CDU eine Verschiebung bis zum 16. September. Grütters bekräftigte am Freitag, dass sie eine Mitgliederbefragung für denkbar halte. „Das bleibt bei mehreren Kandidaten natürlich weiterhin eine Option.“ Mit diesem Satz versuchte sie, Wegner als einen von möglicherweise mehreren Kandidaten abzuqualifizieren. Tatsächlich hat sie exakt einen Kontrahenten – und dieser könnte ihr sehr gefährlich werden. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61012

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