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Berliner Zeitung 23.07.2019

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Boris Johnson wird britischer Premier.Wie konnte es so weit kommen? – Seite 3 Götz Aly und die CDU Seite 8 17°/31° Viel Sonne Wetter Seite 2 Wiedas Kino International renoviert wird Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Lust auf Derbys: Herthas Erich Beer im Interview Sport Seite 18 Dienstag,23. Juli 2019 Nr.168 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Die verschwundene Insel von Schmöckwitz Berlin Seite 11 Treuhand Eine Chefin und die Mühen der Einheit VonHolger Schmale Birgit Breuel hatte immer einen klaren Blick auf die Wirklichkeit. Undsoredet sie auch um ihreeigene Rolle nicht herum.„Ich war die Hassfigur im ganzen Land“, stellt sie jetzt nüchtern in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fest. Daswar in den 90er-Jahren. Als sie als Chefin der Treuhandanstalt dafür gesorgt hat, dass die ehemalige DDR für den Kapitalismus und Investoren passend gemacht wurde –was zur Deindustrialisierung weiter Teile Ostdeutschlands Birgit Breuel und zur Arbeitslosigkeit von war Treuhand-Chefin von1991 bis 1995. Millionen Menschen führte. „Natürlich haben wir Fehler gemacht“, gibt sie in dem Interview zu. Welche das waren, sagt sie nicht. Aber dass der für viele so bittereWeg der Treuhand richtig war,daran lässt sie keinen Zweifel. Das würde die heute 81 Jahre alte einstige CDU-Politikerin gewiss auch voreinem Gremium so vertreten, das die Geschichte der Treuhand aufarbeiten soll, wie es ostdeutsche Politiker fordern. „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte über die Mühen der Einheit“, sagt sie in dem Interview. Sie analysiert kühl, was den Kern der Probleme ausmachen könnte: „In Westdeutschland konnten sich Demokratie und Marktwirtschaft sofort mit einem Wohlstandszuwachs verbinden. In Ostdeutschland war genau das nicht der Fall.“ Wirtschaftswunder auf der einen Seite, Zusammenbruch auf der anderen Seite, unterschiedlicher konnten der Startauf dem Wegindie neue Gesellschaft nicht sein. Die aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie stammende Birgit Breuel vertritt eine Idee der Marktwirtschaft, die gut ohne den Zusatz „soziale“ auskommt. Allenfalls der einstige FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff sei zu ihrer Zeit ein noch härterer Verfechter dieser Lehre gewesen, sagt sie.Zwölf Jahrewar sie in Niedersachsen erst Wirtschafts- und dann Finanzministerin, bis sie 1990 in den Vorstand der Treuhand gewählt wurde. Es war eine Zeit, da Frauen in der Politik wenig zu sagen hatten, schon gar nicht in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Breuel hat dafür gesorgt, dass erstmals in Deutschland der Titel Ministerin eingeführtwurde. Um ihre ungewöhnliche Karriere bewältigen zu können, brauchte die Mutter dreier Kinder selbstverständlich Hilfe,und so formuliertsie Sätze, wie man sie sonst aus männlichen Lebensläufen kennt: „Mein Mann hat mir immer und überall den Rücken freigehalten.“ Heute kümmert sie sich vorallem um ihreStiftung, die armen Kindern den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht. Immerhin. Feuilleton Seite 21 In der Hauptstadt werden jährlich 21 000 neue Wohnungen gebraucht. Gebaut wurden im vergangenen Jahr aber nur 16 706. VonUlrich Paul In ganz Deutschland dauert es von der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung neuer Wohnungen immer länger –inBerlin dauertesjedoch besonders lange. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) inKöln hervor, die am Montag präsentiertwurde. Im sogenannten Geschosswohnungsbau, wozu der Bau von Mehrfamilienhäusern gehört, stieg danach die durchschnittliche Abwicklungsdauer eines Bauprojekts in Deutschland von 23 Monaten im Jahr 2011 auf 25 Monate im Jahr 2018. In Berlin verlängerte sich die Fertigstellung sogar um 6 Monate auf 29 Monate (im Jahr 2017). Die Hauptursache für die längere Abwicklungsdauer in Berlin liege in der Bauwirtschaft, die bereits seit Jahren stark ausgelastet sei und aufgrund des Mangels an Fachkräften ihre Kapazitäten nur sehr schwer ausweiten kann, schreibt das IW. Als Folge könne mit dem Baunur verzögert begonnen werden. Zudem dauere auch der Bauprozess länger. Nur ein Teil der gestiegenen Fertigstellungszeit ist laut dem IW auf Spekulation wegen steigender Bodenpreise zurückzuführen. Durch die immer länger dauernde Abwicklung gibt es in Berlin eine große Zahl an Wohnungen, die genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt wurden. Bis Ende 2018 belief sich dieser sogenannte Bauüberhang in der Hauptstadt auf 63 345 Wohnungen. Dassind rund drei Mal so viele Wohnungen, wie jedes Jahr in Berlin benötigt werden. Nach Angaben des IW werden in Berlin derzeit rund 21 000 neue Wohnungen gebraucht. Das entspricht fast den Bauen dauert zu lange In Berlin vergeht besonders viel Zeit von der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung neuer Wohnungen –das verstärkt die Probleme der Stadt Kalkulationen des Senats, der von 20 000 Wohnungen jährlich ausgeht. Die Baugenehmigungen in den vergangenen Jahren lagen regelmäßig weit darüber. Seit 2015 wurden jährlich mehr als 20 000 neue Wohnungen genehmigt. Das Problem: Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Berlin bleibt seit Jahren hinter den Erwartungen zurück. Im vergangenen Jahr wurden zwar 16 706 Wohnungen errichtet, was das viertbeste Ergebnis seit der Wiedervereinigung war. Doch sind das gemessen am Bedarfimmer noch zu wenige Wohnungen. Berlin steht mit dem Problem keineswegs alleine da. Insgesamt besteht in den Metropolen laut der IW- Studie „ein gravierender Wohnungsmangel“. In den sieben größten Städten seien im Zeitraum 2016 bis 2018 nur 71 Prozent der Wohnungen gebaut worden, die für den Ausgleich des Marktes benötigt würden. In Hamburg und Düsseldorf liegt die Quote laut der Studie bei 86 Prozent, in Frankfurtbei 79 Prozent und in Berlin bei 73 Prozent. Noch schlechter schneiden München (67 Prozent), Stuttgart (56 Prozent) und vor allem Köln (46 Prozent) ab. Alles in allem bedarfeslaut dem IW in vielen Städten größerer Anstrengungen im Wohnungsbau, um die Mietenentwicklung zu bremsen. Ganz entscheidend hierfür sei die Bereitstellung vonmehr Bauflächen, da genügend Investoren vorhanden seien. Bemerkenswert ist laut IW, dass die Mietsteigerungen in den letzten drei Jahren für angeboteneWohnungen in Hamburgmit 3Prozent und in Frankfurt mit 3,8 Prozent deutlich moderater ausfallen als etwa in Berlin mit über 11,5 Prozent, München mit 19,5 Prozent oder Stuttgart mit 12,0 Prozent. Im Klartext: Dort, wo „Gerade in den Ballungsräumen ist (...) die Belastung durch Wohnkosten deutlich gewachsen, was eine Abwanderung der Nachfrager in das Umland der Ballungszentren zur Folge hat.“ Roman Heidrich, Wohnungsexperte des Maklerhauses Jones Lang Lasalle in Berlin viel gebaut wurde, stiegen die Mieten langsamer. Wie das Maklerhaus Jones Lang Lasalle (JLL) am Montag vermeldete, hat sich im ersten Halbjahr 2019 der Anstieg der Mieten für angebotene Wohnungen in den acht größten Städten in Deutschland deutlich verringert. Im Durchschnitt zogen die Angebotsmieten für freie Wohnungen gegenüber dem Vorjahr nur noch um 2,3 Prozent an. Damit lag der Anstieg deutlich unter dem Fünfjahresschnitt von5,0 Prozent. In Berlin stiegen die Mietangebote für freie Unterkünfte mit 4,7 Prozent immer noch am stärksten. Der Mittelwert der Angebote legte von 11,65 Euro pro Quadratmeter auf 12,20 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche GETTY IMAGES zu. Insbesondere Mikroapartments, also besonders kleine Wohnungen um 20 Quadratmeter, und das sogenannte Spitzensegment zeigen laut JLL einen überdurchschnittlich hohen Mietpreisanstieg. Bei den teuersten zehn Prozent der angebotenen Wohnungen lag der Anstieg im Jahresvergleich sogar bei 6,9 Prozent. Keine Veränderung gab es dagegen laut JLL bei den Neubaumieten. „Möglicherweise wirkt sich die verstärkte Neubauaktivität der landeseigenen Wohnungsgesellschaften und die Verlagerung der Nachfrage ins Umland dämpfend auf die Neubaumieten aus, die im Jahresvergleich keine Veränderung zeigen“, so Roman Heidrich vonJLL. Die Gründe für die Reaktion der Märkte seien vielschichtig. „Die Einkommen sind in den letzten Jahren nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Mieten“, so Heidrich. „Gerade in den Ballungsräumen ist daher die Belastung durchWohnkosten deutlich gewachsen, was eine Abwanderung der Nachfrager in das Umland der Ballungszentren zur Folge hat.“ DieKaufpreise für angebotene Eigentumswohnungen in den acht größten deutschen Städten stiegen im ersten Halbjahr 2019 zwar stärker als die Mieten, doch liegen sie mit einem Plus von6,7 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre von8,3 Prozent. DerAnstieg in Berlin fällt mit 5,7 Prozent fast genauso hoch aus wie in München und Leipzig mit 5,9 Prozent. „Es zeigt sich, dass infolge des verlangsamten Mietpreiswachstums auch die Bereitschaft, hohe Kaufpreise für Eigentumswohnungen aufzubringen, gesunken ist“, sagt Sebastian Grimm vonJLL in Frankfurt. Neue Hitzewelle erwartet Waldbrandgefahr steigt in Brandenburg und Sachsen Nur wenige Wochen nach der Hitzewelle Ende Juni müssen sich die Menschen in Europa erneut auf Temperaturen von 40Grad einstellen. In Pariskönnte laut Experten der städtische Rekord von 40,4 Grad aus dem Jahr 1947 übertroffen werden. Auch in den Metropolen im Zentrum und Norden Italiens werden bis zu 40 Grad erwartet. In den Benelux-Staaten könnten ebenfalls neue Hitzerekorde aufgestellt werden. In Deutschland warnen Behörden und Naturschützer vor dem Risiko von Waldbränden vor allem in Brandenburgund Sachsen. In Berlin werden Temperaturen über der 30- Grad-Marke erwartet Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif wies darauf hin, dass die Häufigkeit der Hitzewellen „nicht mehr normal“ sei. DieZahl der Hitzewellen sei inzwischen sehr hoch, sagte Latif der Augsburger Allgemeinen. Sie habe sich „seit 1980 verdoppelt und zum Teil sogar verdreifacht“. Dies sei letztlich eine Folge des Klimawandels, führte der Experte des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung aus.Der Juni war in Deutschland und weltweit der wärmste Juni seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnungen vorrund 140 Jahren. In Deutschland werden in den kommenden Tagen erneut teils sehr hohe Temperaturen erwartet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt bis Donnerstag in weiten Teilen des Landes 32 bis 38 Grad voraus. Im Westen und Südwesten kann es laut Prognosen örtlich sogar noch heißer werden. Wegen der anhaltenden Trockenheit verbot der Landkreis Osnabrück die Entnahme von Wasser aus Bächen und Flüssen bis Ende August. Aufgrund der Dürreseien die Wasserstände bereits „extrem niedrig“, teilte das Landratsamt mit. In NewYorkführte die Hitzewelle erneut zu einem großflächigen Stromausfall. Rund 50 000 Haushalte im Stadtteil Brooklyn und in Westchester County im Norden der Stadt seien am Sonntagabend betroffen gewesen, teilten die Behörden mit. Die Stromversorgung von rund 30 000 dieser Haushalte sei gezielt abgeschaltet worden, um einen noch größeren Stromausfall zu verhindern. (AFP,dpa) Brandenburg Seite 15 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Tagesthema Seite2 4 194050 501603 21030

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