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Berliner Zeitung 23.08.2019

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Im Gespräch: Hertha-Trainer Ante Covic vor seinem ersten Heimspiel – Sport Seite 20 Wenn das Wetter Stress macht Seite 17 16°/29° Sonne, Sonne, Sonne Wetter Seite 2 Virtueller Ausflug in Berlins Vergangenheit Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Schneller zum Arzt per Handy-App Wirtschaft Seite 7 Freitag,23. August 2019 Nr.195 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Wasder Rücktritt von Udo Kittelmann bedeutet Leitartikel Seite 8 Philharmoniker Auf der Suche nach Wahrhaftigkeit VonPeter Uehling Andiesem Freitag endlich tritt Kirill Petrenko sein Amt als neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker an, mit Beethovens Neunter und Alban Bergs „Lulu“-Suite. Vier Jahreliegt seineWahl mittlerweile zurück: Petrenkos Vertrag als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München lief in diesem Sommer aus,daneben wollte er keine weitere Stelle annehmen. Die Wahl des 1972 in Omsk geborenen und in Österreich aufgewachsenen Dirigenten war eine Überra- Kirill Petrenko musste für sein neues Amt überredet werden. schung. Man wusste wohl, dass sich aus dem ehemaligen Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin mittlerweile ein Interpret von enormer Statur entwickelt hatte,man wusste es nicht zuletzt vonseinen wenigen Auftritten mit den Philharmonikern, die geradezu barsten vor Intensität, klanglicher Präsenz und verblüffender musikalischer Einsicht. Dennoch hatte ihn kaum einer auf dem Schirm. Außerdem, so hieß es damals, wäre der erste Wahlgang des Orchesters ergebnislos verlaufen –jedoch ist das Gerücht nie dementiert worden, dass Petrenko tatsächlich schon im ersten Anlauf gewählt wurde, aber telefonisch befragt die Wahl nicht annahm. Er musste überredet werden. Das hatten die Philharmoniker wohl noch nie erlebt –aber es zeigt, dass sie sich hier einen Künstler erkoren haben, der sorgfältig und skrupulös erwägt, was er tut, der nicht auf den schnellen Ruhm aus ist, sondern die musikalische Wahrhaftigkeit sucht. Das aber macht die Wahl noch erstaunlicher, denn die Philharmoniker schienen sich in der Ära Rattle vor allem um ihre mediale Präsentation und Auswertung zu sorgen – großartige Aufführungen wurden Mittel zum Zweck. Mit Kirill Petrenko hat sich das Orchester nun einen Künstlerischen Leiter gewählt, für den das musikalische Kunstwerk bis zur Selbstverleugnung im Zentrum steht und der bislang eher ein Aufnahme-Muffel war. Zwischen den Zielen des Orchesters und denen seines Chefs besteht somit ein gewisses Spannungspotenzial, und es wird aufregend sein zu verfolgen, was sich daraus in den nächsten fünf Jahren ergibt. Der 24-jährige Alaa S. ist mitschuldig am Todvon Daniel H. in Chemnitz vor einem Jahr. Zudiesem Schluss kommt das Landgericht Chemnitz nach einem sechsmonatigen Prozess. Wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilte es den Angeklagten am Donnerstag zu neuneinhalb Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft wegen gemeinschaftlichen Totschlags gefordert. Verteidigerin Ricarda Lang hatte auf Freispruch plädiert. Ein wichtiger Mann aber fehlte beim Prozess: Farhad A., der mutmaßliche Haupttäter. Er hat sich einige Tage nach der Tatabgesetzt, wirdimIrakvermutet. Kurz nach der Verurteilung ihres Mandanten wegen der tödlichen Messerattacke in Chemnitz vor knapp einem Jahr haben die Verteidiger Rechtsmittel eingelegt. Das erklärte Rechtsanwältin Ricarda Lang am Donnerstag nach der Urteilsverkündung. „Eklatante Ungereimtheiten“ Anwalt Frank Wilhelm Drücke bezeichnete das Urteil als „falsch“. Wegen der Revision der Verteidiger wird der Schuldspruch der Chemnitzer Richter nun zunächst nicht rechtskräftig. Bereits zu Prozessbeginn im März hatte Lang kein gutes Haar an der Anklageschrift gelassen: Sie erkannte „eklatante Ungereimtheiten“, die Ermittler hätten„an sorgfältiger Aufklärung gespart“. Gleich als erstes forderte Lang damals,dass das Verfahren wegen fehlenden Tatverdachts eingestellt werden soll. „Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kamen zu keinem brauchbaren Ergebnis, was sich an der Anklageschrift deutlich ablesen lässt“, erklärt die erfahrene Strafverteidigerin. Ihr Fazit: „Es mangelt an handfesten Beweisen. Für eine Verurteilung bedarfesder Substanz, die für uns aktuell nicht ersichtlich ist.“ Zudem betonte sie, dass ihr Mandant unschuldig sei. Als „sehr dünn“ hatten auch erfahrene Ermittler die Beweislage bezeichnet. VonAlaa S. haben sich weder am mutmaßlichen Tatwerkzeug, einem Messer, noch an der Kleidung des getöteten Daniel H. DNA-Spuren finden lassen –solche Indizien fallen also für einen Schuldnachweis aus. S. hat im Prozess geschwiegen. Diese Woche aber führte er ein Telefon-Interview aus der Justizvollzugsanstalt Waldheim mit der ZDF-Sendung Frontal 21. Dort sitzt der 24- Jährige seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Darin wies er jede Beteiligung von sich. In seinem „letzten Wort“ zum Abschluss der Hauptverhandlung hatte Alaa S. betont, er hoffe auf ein gerechtes Urteil des Gerichts. Seine Hoffnung sei auch, dass er nicht das zweite Opfer des Täters und für ihn stellvertretend verurteilt werde. Zudem bedauerte Ein Urteil und kein Frieden Ein Gericht veurteilt Alaa S. zu neuneinhalb Jahren Haft. Er soll mitschuldig am Toddes Chemnitzers Daniel H. sein VonJan Sternberg Karl-Marx-Büste in Chemnitz DPA der Angeklagte, was der Familie des Opfers widerfahren sei. „Ich schwöre bei meiner Mutter, ich habe ihn nicht angefasst. Ich habe überhaupt nicht das Messer angefasst“, sagte S. in dem Telefon- Interview. Ersei aus einem Döner- Imbiss hinausgelaufen, weil er Rufe gehört habe. Alaa S. sagte im Gespräch mit Frontal 21, dass er nach einem Jahr Untersuchungshaft kaum noch an ein faires Urteil glaube. „Ich habe Angst vor jedem hier, ich habe Angst vor den Mitgefangenen, ich habe Angst vorden Beamten. Ichhabe sogar Angst vordem Gericht.“ Nach dem Tod von Daniel H. wurde Chemnitz vonDemonstrationen und rechtsextremen Übergriffen auf Polizei und Gegendemonstranten erschüttert. Es gab eine Debatte darüber, obesimZusammenhang mit dem Demonstrationen „Hetzjagden“ gegen Migranten gegeben habe. Ein Video hatte den Eindruck vermittelt, der Sprecher der Bundeskanzlerin verwandte den Begriff. Das es solche Hetzjagden gegeben habe, wurde dann aber unter anderem von dem damaligen Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes Hans- Georg Maaßen in Zweifel gezogen. Darüber war ein handfester Konflikt in der großen Koalition ausgebrochen. Chemnitz wehrte sich gegen den Eindruck, eine rechte Hochburg zu sein. Mit einem großen Solidaritätskonzert, organisiert von der Chemnitzer Band Kraftklub, bei dem die Toten Hosenund Feine Sahne Fischfilet auftraten, sollte gezeigt werden, wie bunt und tolerant die Stadt ist. Mehr als 60 000 Menschen kamen zu der Veranstaltung. Doch ihren Frieden hat die Stadt offenbar noch nicht wiedergefunden. EinFreispruch könnte zu einem neuen Aufflammen des Unmuts führen, befürchtete Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD). Zu Prozessbeginn hatte sie im Gespräch mit der Berliner Tageszeitung taz gesagt: „Ich hoffe für die Familie des Opfers, dass es eine Verurteilung gibt, damit die Angehörigen Ruhe finden können.“ Bei einem Freispruch „würde es schwierig für Chemnitz. Aber so wäre der Rechtsstaat“. Am Sonntag sind wieder Demonstrationen in Chemnitz angemeldet. Nurein Zeuge der Anklage Entscheidend für die Urteilsfindung war die Aussagedes ZeugenYounis al N. Doch was konnte der Koch in der Nacht zum 26. August 2018 sehen, als er gegen 3.15 Uhr aus dem Straßenverkaufs-Fenster des Alanya 1 Döner in der Brückenstraße blickte? In einem nächtlichen Vor-Ort-Termin hatte das Gericht sogar begutachtet, was al N. aus dem Fenster hätte sehen können. Vor Gericht blieben Aussagen des Zeugen dann allerdings vage.Viele Fragen blieben offen. Seiten 2und 3, 8 Rentner im Osten könnten verlieren DIW Berlin: Angleichung der Rente bringt Nachteile VonTheresa Dräbing Die geplante Rentenangleichung zwischen Ost und West wird sich nach Ansicht von Wissenschaftlern des DIW Berlin negativ für Ost-Rentner auswirken. „Die Rentenangleichung hat langfristig zur Folge,dass jüngereJahrgänge in Ostdeutschland tendenziell verlieren“, sagt Johannes Geyer, Rentenexperte des DIW Berlin der Berliner Zeitung. Während Ostrentner, die jetzt schon Zahlungen erhalten, von der schnelleren Aufwertung der Rentenwerte zwar eher profitieren werden, würden zukünftige Jahrgänge eher das Nachsehen haben. Geyer schätzt, dass von einer niedrigeren Rente bereits Menschen in den neuen Bundesländernbetroffen sein könnten, die jetzt um die 40 Jahrealt sind. Der Grund: Das Lohnniveau zwischen OstundWest hat sich noch immer nicht angeglichen. 2018 lag der durchschnittliche Monatsbruttoverdienst von Ostdeutschen im Schnitt bei 2790 Euro, imVergleich zu 3340 Euro im Westen. Gerade wegen des niedrigeren Lohnniveaus werden die Renten in den neuen Bundesländern seit der Angleichung der Rentensysteme von DDR und BRD auf Westniveau hochgewertet. Damit soll spätestens 2025 Schluss sein. Wenn die Renten ab diesem Zeitpunkt einheitlich berechnet werden, sich das Lohnniveau aber noch nicht vollständig angeglichen hat, bekommen im Durchschnitt alle künftigen Ostrentner weniger Rentenpunkte. Derzeit liegen die Renten in den neuen Bundesländern im Durchschnitt über denen derWestrentner – mit Ost-Berlin an der Spitze. Made in Berlin Seite 6 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51034 Besser hier.Besser wir. Joachimsthaler Str. 5–6 ·Friedrichstr.150 ·Schlossstr.18 Wilmersdorfer Str.125 ·Bayreuther Str.37–38 Goldpreisauf Höhenflug -JetztGold undSchmuck beim Testsieger verkaufen. Hier bekommen Siemehrfür Schmuck, Uhrenund Diamanten. dtgv.de TESTSIEGER Goldankauf- Filialisten Test 02/2016 6Anbieter Auch Hausbesuche! In Berlin &Potsdam Terminvereinbarung: 030 88033970 ww.exchange-ag.de 8xin Berlin und Potsdam ·Über 20 xinDeutschland ·Tel.:030 88033970

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