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Berliner Zeitung 23.12.2019

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Katja Berlin über die Berliner Freiheit –auch an Feiertagen – Kolumne Seite 10 Heute mit Finanztipp Seite 6 4°/8° Viele Wolken Wetter Seite 2 Kurz vor Schluss: Union verliert in Düsseldorf Sport Seite 22 www.berliner-zeitung.de Gretchen Dutschke und „Fridays for Future“ Politik Seite 4 Montag,23. Dezember 2019 Nr.298 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Superstar im Wasser: Zum Todvon Roland Matthes Seite 3 Weihnachten in Afghanistan VonDaniela Vates Esist schon dunkel an diesem Tag, als Eberhard Zimmer den Einsatz gibt. Diemächtige Bergkette am Horizont ist in der Nacht verschwunden, leise ist gerade noch der Gesang eines Muezzins herübergeweht über die karge Ebene. Zimmer hat seine Stirnlampe angeknipst, die rote Leuchte,sie blendet weniger. Der Oberstleutnant trägt seinen Feldanzug, Flecktarnmuster in Olivgrün. Acht Soldaten blicken ihn an. Zimmer hebt die rechte Hand. DieSoldaten beginnen zu Eberhard Zimmer, Chorleiter der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif Bundeswehr singen: „Would you know my name, if I saw you inheaven?“ Eric Clapton in Afghanistan, vomBand kommen Gitarrentöne. Eine paar Meter entfernt steht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Es ist da Anfang Dezember, Kramp-Karrenbauer besucht erstmals den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. DieVisite im Camp Marmal bei Masar-i- Scharif beginnt mit einem Totengedenken, an einer langen Steinmauer, auf der weiße Tafeln an die internationalen Soldaten erinnern, die hier gestorben sind. Fackeln beleuchten die Szene. „Würdest du meinen Namen kennen, wenn ich dich im Himmel sehen würde“, singt der Chor. Zimmer sagt, es sei ein Lied, das ihm oft im Kopf herumgehe. Kurz nachdem er im Sommer in Masar-i- Scharif angekommen ist, hat er die Leitung des Chors übernommen. Der Auslandseinsatz seines Vorgängers endete, und Zimmer hatte Erfahrung: Als Kind sang er bei den Regensburger Domspatzen. Heute ist der 55-Jährige im brandenburgischen HavelbergzuHause und singt dort imVokalensemble des Doms, Stimmlage Bariton. In der Kaserne koordiniert erals Offizier Kampfmittelbeseitigungs- Ausbildung. Zuletzt hat er die Erweiterung des Außencamps in Kundus begleitet. Es ging unter anderem darum, sicherzustellen, dass auf dem Gelände keine Geschossreste und keine Munition mehr liegen. Singen ist Freizeit. Dienstag- und freitagabends wird geprobt, je eine Stunde lang, Kirchenlieder zumeist. Am Sonntag tritt der Chor im Gottesdienst auf. Zimmer sagt, er nehme auch immer wieder modernereSongs ins Programm. „Die singt der Chor lieber.“ Acht bis zehn Mitsänger hat er im Schnitt, vonrund 1000 in Masar-i- Scharif stationierten deutschen Soldaten. Auch Niederländer und Amerikaner sind ab und zu schon mal dabei. Weihnachten wird der Chor wieder auftreten, Heiligabend und auch am zweiten Weihnachtsfeiertag. Etwas Modernes soll wieder dabei sein. Eins sei sicher,sagt Zimmer:„Es wird nicht ,Last Christmas‘ sein.“ Die Berliner Luft wird besser Die Feinstaubbelastung der Stadt erreicht ein Rekordtief. Das liegt am Wetter –und auch an der Umweltzone VonPeter Neumann Hauptstadt des Feinstaubs –das war einmal. Über die Berliner Luft gibt es Gutes zu vermelden. Aktuelle Daten zeigen, dass die Belastung der Stadtluft mit Feinstaub in diesem Jahr gesunken ist. Dazu haben die Bürger beigetragen. Bislang war es so, dass Berlin zu den am meisten mit Feinstaub belasteten Städten in Deutschland gehörte –zusammen mit Stuttgartund einigen Städten in Nordrhein-Westfalen. Für 2019 zeigen die Werte des Umweltbundesamts, dass die Belastung in Berlin weit unter dem früheren Niveau bleibt. Sie ist so niedrig wie schon sehr lange nicht mehr. Wie unter einem Deckel In der Frankfurter Allee in Friedrichshain wurde der Feinstaubgrenzwert im Zeitraum zwischen dem 1. Januar und dem 21. Dezember an insgesamt 14 Tagen überschritten. In den vorangegangenen drei Jahren war das jeweils 28-mal der Fall. In der Silbersteinstraße in Neukölln wurden elf Überschreitungen festgestellt –inden vorangegangenen drei Jahren schwankte die Zahl zwischen 26 und 29. In der Karl- Marx-Straße in Neukölln schwebte an sieben Tagen mehr Feinstaub in der Luft als erlaubt. Dagegen gab es 2017 insgesamt 28 Überschreitungstage,2016 und 2018 sogar 29 Tage. Das Wetter ist ein wichtiger Faktor, hieß es in der Senatsumweltverwaltung. „In diesem Jahr gab es weniger Hochdruckwetterlagen als Ein Land im Feuer Australien brennt und Sydney ist von zwei Seiten durch die Flammen bedroht. Der Premierminister aber machte Urlaub auf Hawaii. Seiten 10 und 30 zum Beispiel 2018“, sagte Derk Ehlert, Sprecher von Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne). Beisolchen Lagen ist der Luftaustausch gering, und die Schadstoffe konzentrieren sich wie unter einem riesigen Deckel,der auf die Stadt gelegt wurde. Damit nicht genug:Wenn esWind gibt, ist er meist schwach, und er weht aus östlicher oder südöstlicher Richtung. So gelangt Feinstaub aus Kraftwerken in der Lausitz und in Polen hierher –oft in Form von Sulfatpartikeln. Auch Nitratpartikel aus der Landwirtschaft in Brandenburg reicherndann verstärkt die Atemluft an. Für 2019 lässt sich allerdings sagen, dass die Winde für Berlin und die Berliner günstiger waren, hieß es im Senat. Davon profitiert auch das östliche Brandenburg, wo Messstellen in Frankfurt (Oder) oder Bernau oft ebenfalls hohe Werteanzeigten. 2005 kam noch die Hälfte des Feinstaubs in Berlin von außerhalb. Inzwischen ist dieser Anteil deutlich über 60 Prozent gestiegen –ineiner Analyse des Senats, die vier Jahre alt ist, wirdvon 62 Prozent gesprochen. Berlins Anteil ist entsprechend gesunken –eine weitere gute Nachricht. Laut Senat ist noch knapp ein Drittel des Feinstaubs hausgemacht. 26 Prozent des Gesamtaufkommens stammen vom Kraftfahrzeugverkehr,fünf Prozent vonBaustellen. Dass die berühmte Berliner Luft heute weniger gesundheitsschädliche Partikel enthält als früher,ist unter anderem der Umweltzone zu verdanken –und den Kraftfahrern, die sich (von einer fünfstelligen Zahl von Bußgeldzahlernpro Jahr abgesehen) an die Einfahrverbote für Autos mit „Die wirksamste Maßnahme gegen Feinstaub war die Einführung der Umweltzone in zwei Stufen 2008 und 2010.“ Martin Schlegel, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hohen Abgaswerten halten und ältereFahrzeuge abgeschafft haben. „Die wirksamste Maßnahme gegen Feinstaub war die Einführung der Umweltzone in zwei Stufen 2008 und 2010“, bekräftigt Martin Schlegel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie habe dazu geführt, dass die Feinstaubemission um rund ein Fünftel sank, was die Zahl der jährlichen Überschreitungstage im Schnitt um zehn senkte. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) trugen ihren Teil dazu bei, dass die Luft sauber wurde.1320 Busse wurden mit Rußfiltern ausgestattet, lobt Schlegel. Dadurch würden seitdem 37 Tonnen krebserregender Dieselruß pro Jahr weniger emittiert. „Der Ruß ist Teil des Feinstaubs“, erklärt der BUND-Verkehrsreferent. So viel steht fest: DieBerliner Luft ist besser geworden. Aber weiterhin bestehen Risiken für die Gesundheit. Schlegel fordert, den Ausbau des Straßenbahnnetzes zu beschleunigen, Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen wirksam und dauerhaft zu kontrollieren sowie auszuweiten. Auch müsse der Senat das Neujahrsböllerneinschränken sowie Laubbläsernden Kampfansagen. Die Menschen in Europa würden im Durchschnitt zehn Monate länger leben, wenn sie nicht so viel Feinstaub einatmen müssten, hat die Weltgesundheitsorganisation ermittelt. Werden Teilchen lange ausgesetzt ist, trage ein höheres Risiko, an Herz, Kreislauf und Atemwegen zu erkranken, warnen Mediziner. Eine Fragedes Grenzwerts Nicht wenige Wissenschaftler halten den Grenzwert, dendie Europäische Union festgelegt hat, für unzureichend. Danach dürfen in einem Kubikmeter Luft im Tagesdurchschnitt höchstens 50 Millionstel Gramm Feinstaub schweben. Dieser Wert darf pro Kalenderjahr maximal an 35 Tagen überschritten werden. Im Senat stimmt man den Wissenschaftlern zu, die eine Senkung der Grenzwerte verlangen. Vondem anzustrebenden Niveau sei „Berlin noch weit entfernt“, sagte Günthers Sprecher Jan Thomsen. „Deshalb müssen weitere Anstrengungen erfolgen, um die Berliner Bevölkerung vor schädlichen Feinstaubwerten zu schützen.“ Kommentar Seite 10 AFP/PETER PARKS Breitscheidplatz: Verdächtige sind Salafisten Syrer wurden überprüft, aber wieder freigelassen VonAndreas Kopietz Die beiden verdächtigen Männer, die am Sonnabend den Polizeieinsatz auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ausgelöst hatten, gehörennach Angaben der Polizei der salafistischen Szene an. Sie waren in Gewahrsam genommen worden, weil sie sich verdächtig verhalten hatten und vor der Polizei geflüchtet waren. Der Weihnachtsmarkt wurde von der Polizei geräumt, weil nicht ausgeschlossen wurde, dass die beiden einen Sprengsatz deponierthatten. Laut Polizeisprecher Thilo Cablitz handelt es sich um zwei 21 und 24 Jahrealte syrischstämmige Männer.Sie hätten in Berlin gelebt, sagte er am Sonntag. Weitere Erkenntnisse dazu gebe es nicht, hieß es. Nachdem die Polizei die Identitäten der Männer festgestellt hatte, wurden sie wieder freigelassen. Ob sie als „Gefährder“ geführt werden, konnte Polizeisprecher Cablitz nicht sagen. Innensenator lobt die Polizei DerSalafismus ist eine besonders radikale islamistische Strömung. Als „Gefährder“ bezeichnet man im Bereich der politisch motivierten Kriminalität Menschen, denen man schwere Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zutraut. Berlins Innensenator Andreas Geisel hat die Entscheidung der Polizei, den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz am Sonnabend zu räumen, als richtig bezeichnet. DerEinsatz zeige,dass sich die Sicherheitsbehörden „nicht im Routinemodus befinden und weiter wachsam sind“, betonte der SPD- Politiker am Sonntag. Die Polizei sei sensibilisiert, präsent und zum Schutz in der Stadt unterwegs.Dafür bedanke er sich ausdrücklich. Eines sei auch klar: „Ein Fehlalarm ist am Ende immer die bessere Nachricht“, sagte Geisel. Wenige Stunden nach dem Polizeieinsatz gab es einen weiteren Bombenalarm: Ein herrenloser Koffer sorgte am Sonntagmorgen etwa eine Stunde lang für eine teilweise Sperrung des Berliner Hauptbahnhofes. Es kam zumassiven Verspätungen. (mit dpa) Tagesthema Seite 2 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11052

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