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Berliner Zeitung 24.04.2018

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50 Jahre Hair: Das Hippie-Musical feiert Jubiläum – Feuilleton Seite 22 Der Schmerz des DJs Seite 28 12°/20° Mal Sonne, mal Regen. Wetter Seite 2 Götz Aly über unsere Nachbarn im Osten Kolumne Seite 8 www.berliner-zeitung.de Wiekriminell ist Deutschland? Tagesthema Seite 2und Leitartikel Seite 8 Dienstag,24. April 2018 Nr.95HA-74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Frauen an die Börse! Tipps für Anlegerinnen Wirtschaft Seite 7 Gegen Trump und für den Planeten VonSebastian Moll Denkt man an den Widerstand gegen Donald Trump in den USA, dann entstehen Bilder von Pussy-Mützen und Märschen auf Washington vordem geistigen Auge, von mutigen Teenagern aus Florida, die von ihren Politikern Rechenschaft fordern, oder vonlinken Intellektuellen, die sich ob der Zukunft der demokratischen Institutionen besorgt die Haareraufen. Doch es gibt auch einen Widerstand, der Anzüge trägt, Privathubschrauber benutzt und politi- Michael Bloomberg spendet gern und viel. Klimaschutz schen Einfluss hat. Michael Bloomberg ist so einer, der ehemalige Bürgermeister von New York und Medien-Milliardär, der 2016 kurzinErwägung zog, sich selbst um die Präsidentschaft zu bewerben. Bloomberg, 76 Jahrealt, ist schon lange ein passionierter Klimaschützer, der Kampf um unseren Planeten steht ganz oben auf der Liste der Zwecke, die seine gut finanzierte Stiftung verfolgt. Als Donald Trump Amerika aus dem Pariser Klimaabkommen abzog, gelobte Bloomberg, alles dafür zu tun, dass die USA dennoch ihre Verpflichtungen der Umwelt gegenüber einhalten. Zu Beginn dieser Woche hat Michael Bloomberg deshalb die Schulden seines Landes an die Unterzeichnergemeinschaft von Paris aus eigener Tasche gezahlt. 4,5 Millionen Dollar waren das –für jemanden, der wie Bloomberg rund 50 Milliarden Dollar besitzt, eher ein Trinkgeld. Weitaus bedeutsamer als diese Zahlung ist deshalb die Symbolik der Geste.BloombergdemonstriertEntschlossenheit, die Geschicke des Landes nicht Trump und dem republikanischen Kongress zu überlassen, der vor dem Präsidenten aus Furcht vorder eigenen Wählerschaft den Bückling macht. Bereits im vergangenen Jahr hat Michael Bloomberg ein Buch mit dem Titel„Wie Städte,Unternehmen und Bürger gemeinsam den Planeten retten können“ veröffentlicht. Den Worten folgten Taten: Gemeinsam mit dem kalifornischen Gouverneur JerryBrown bildete er eine Koalition vonEntscheidungsträgern, die einen Maßnahmenkatalog erarbeitete, wie die USA trotz Trump ihre Ziele zur Reduktion von CO 2 -Emissionen einhalten können. In anderen Zeiten hätte man eine solche Einmischung eines Superreichen in öffentliche Angelegenheiten als Hybris bezeichnet. In einer Ära, in der die Regierung in Washington nicht nur dysfunktional, sonderngefährlich ist, erscheint die Umwidmung nationaler Politik in eine gemeinsame Anstrengung vonmächtigen Akteuren außerhalb des Washingtoner Establishments plötzlich als überaus erfrischend. VonMartin Klesmann und Silvia Perdoni Todesdrohungen gegen Mitschüler, Schläge und Tritte gegen Pädagogen und Mobbing im Klassen-Chat: Zahlreiche Fälle vonGewalt und Diskriminierung an Berliner Schulen wurden in den vergangenen Wochen öffentlich. Die involvierten Schulleiter und Lehrer fühlen sich mitunter überfordert und alleingelassen. Jetzt räumte auch Bildungssenatorin SandraScheeres (SPD) ein: „Manche Situationen lassen sich pädagogisch nicht mehr lösen.“ Die Bildungsverwaltung selbst bringt das Thema nun auf die Tagesordnung. Derzeit wird ein Fachtag mit zahlreichen Schulleitern und Pädagogen vorbereitet, bei dem über das Ausmaß der Verrohung auf Schulhöfen diskutiertund Lösungen gefunden werden sollen, kündigte Scheeres an. „Lehrkräfte müssen die Möglichkeit haben, störungsfrei zu unterrichten.“ Zuvor hat die Bildungsverwaltung verfügt, dass jede Schule Krisenteams bilden muss, um bei schulinternen Konflikten schnell eingreifen zu können. BesondereSorge bereitet denVerantwortlichen in der Bildungsverwaltung die gestiegene Zahl verhaltensauffälliger, oft aggressiver Schüler. Immer wieder wird die Polizei in die Schulen gerufen, weil die Lehrer alleine mit den um sich schlagenden Schülern nicht zurechtkommen. „Das ist eine der größten Nöte von Schule heute“, sagt der Berliner Schulpsychologe Matthias Siebert. Der Anteil der besonders verhaltensauffälligen Kinder – offiziell nennt sich das „Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung“ – hat sich an den Förderschulen binnen sieben Jahren verzehnfacht. An den allgemeinbildenden Schulen stieg ihre Zahl im gleichen Zeitraum um gut 1300 auf insgesamt knapp 4000 Schüler. Das geht aus Statistiken der Bildungsverwaltung hervor. Die Ursachen für den Anstieg sind vielfältig, ein Grund dürfte auch die verbesserte Diagnostik sein. Zudem sind im Zuge der Inklusion weitere Kinder mit Lern- oder Sprachdefiziten in die Regelschulen gelangt. Binnen sieben Jahren hat sich auch die Zahl der Beleidigungen und Drohungen unter Schülern, die Schulen an den Senat meldeten, fast vervierfacht. Die Anzahl der Fälle von schwerer körperlicher Gewalt stieg ebenfalls deutlich an. „Wir müssen Schülerinnen und Schüler, die massiv und kontinuierlich den Unterricht stören und gewalttätig gegenüber Mitschülern und Schulpersonal sind, zeitweise auch aus dem Regelunterricht herausnehmen können“, sagte Scheeres. Sie könnten dann in temporären Kleingruppen unterrichtet werden. Allerdings monieren die zuständigen Mitarbeiter in der Bildungsverwaltung hier ein uneinheitliches Meldeverhalten. Manchmal werden auch Bagatellen gemeldet, dafür aber schwerwiegende Fälle nicht. Die Schule fürs Leben? Schüler fühlen sich nicht mehr sicher, Lehrer fühlen sich alleingelassen. Die Krise in den Klassenzimmern ist auch eine Krise der Gesellschaft Deshalb wird das ganze Meldeverfahren derzeit wissenschaftlich untersucht und soll klarer werden. Insgesamt sind die Anforderungen an die Schulen mittlerweile immens groß. Eine weitere Berliner Schule, die B.-Traven-Gemeinschaftsschule in Spandau, hat gerade beschlossen, künftig private Wachschützer einzusetzen, um den Schulfrieden zu gewährleisten. Viele Berliner Schulen sind ein Spiegel der Gesellschaft. Die Anzahl der Grundschüler, die zu Hause vornehmlich „Allgemein nimmt das Interesse derElternam Schulalltag ihrer Kinder ab. Das sagen mir Lehrer, die schon lange im Dienst sind.“ Ruby Mattig-Krone informiert Eltern über ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schule und arbeitet als unabhängige Qualitätsbeauftragte für die Bildungsverwaltung. eine andere Sprache als Deutsch sprechen, ist seit 2008 von 35 auf mehr als 45 Prozent eines Jahrgangs angestiegen. Interkulturelle Konflikte unter Schülern, besonders an innerstädtischen Brennpunkt-Schulen, nehmen zu. Hinzu kommt, dass die meisten Schüler permanent online sind, so dass jederzeit mit persönlichen Verunglimpfungen im Klassen-Chat zu rechnen ist. Das soziale Miteinander zu erlernen, spiele an vielen Berliner Schulen eine immer größere Rolle, sagt etwa Matthias Meyer, Leiter der Grundschule am Steglitzer Stadtpark. Wenn Konflikte in der Klasse besprochen werden, könne eben nicht gleich mit dem Mathe-Unterrichtbegonnen werden. DIGITAL VISION VECTORS Nicht selten übernehmen die Schulen mittlerweile einen Teil der Erziehungsarbeit. „Elternsind weniger präsent“, sagt Ruby Mattig- Krone,die als Elternfortbildnerin andere Väter und Mütter über Mitwirkungsrechte aufklärt. „Als ich vor 25 Jahren meinen Sohn in dieVorschule gab, arbeitete die Hälfte der Mütter noch nicht“, erinnertsie sich. Jedenfalls in Westend. „Das ist heute anders, die Leute haben viel weniger Zeit für ihreKinder.“ In den östlichen Bezirken sei es traditionell eher so, dass Entscheidungen von Lehrern seltener hinterfragt würden, betonte Mattig-Krone. Und viele zugewanderte Eltern wüssten nicht, dass sie in der Schule mitbestimmen dürfen. Bildungsforscher empfehlen angesichts dieser Befunde,die Schulen konsequent zu Ganztagsschulen auszubauen. „Für den Erfolg von Ganztagsschulen ist es vermutlich wichtig, nicht einfach an den morgendlichen Unterricht Freizeitangebote anzuhängen, sondernüber den Tagverteilt unterschiedliche Einheiten anzubieten“, sagt die Bildungsökonomin Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin. Im Fachjargon nennt sich das gebundener Ganztagsbetrieb.Dazu aber müsse man in den Lehrerkollegien eine andereKulturentwickeln. Auch Elternvon Kindern mit außerschulischen Hobbys am Nachmittag dürfte das stören. DieBundespolitik plant mittelfristig, den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule einzuführen. Prinzipiell plädiert Spieß für verstärkte Investitionen in Kitas und frühkindliche Bildung.„Es ist effizienter, inder frühen Kindheit anzusetzen, als später im Lebensverlauf zu reparieren.“ CDU vorn bei Wahlen in Brandenburg AfD verliert deutlich an Zustimmung VonJens Blankennagel Der konservativeTrend setzt sich im rot-rot regierten Land Brandenburg fort. Bei den sechs Landratswahlen am Sonntag, bei denen ein Drittel der Brandenburger Wahlberechtigten abstimmungsberechtigt war,gewann die SPD nicht einen Landratsposten im ersten Wahlgang. Bei den Wahlen in drei Nordkreisen des Landes, indenen die Sozialdemokraten die bisherigen Amtsinhaber stellten, kam die SPD immerhin in die Stichwahlen. Bei dem Wahlgang am 6. Maimüssen sie sich nun gegen die Vertreter der CDU beweisen. Dann könnten die Konservativen die bisherige Vorherrschaft der SPD im Norden schwächen. Landesweit gesehen ist die CDU bei dieser Wahl der Sieger –sowie schon bei den vergangenen zwei Bundestagswahlen in Brandenburg. Die Konservativen gewannen bei den drei Landratswahlen im Süden im ersten Wahlgang einen Posten, bei einer Wahl muss der CDU-Amtsinhaber gegen einen AfD-Mann antreten. Ein weiterer Sieger steht fest: Der parteilose Landrat von Oberspreewald-Lausitz Siegurd Heinze wurde wiedergewählt. Er wurde von CDU, SPD und FDP unterstützt und erzielte 56 Prozent der Stimmen. Sein AfD-Konkurrent schaffte nur 24 Prozent. Heinze sieht in seinem Wahlsieg einen Dämpfer für die AfD. „Das Ergebnis zeigt, dass man die AfD hinter sich lassen und auch deklassieren kann“, sagte der 56-Jährige.„Für mich war es wichtig zu zeigen, dass man mit seiner Arbeit über acht Jahre hinweg überzeugen kann.“ Die AfD wiederum ist die klare Verliererin dieser Wahl. Siehatte sich vorher rechtsiegessicher gezeigt und verkündet, dass sich die „Re-Demokratisierung Brandenburgs“ fortsetzen werde; damit meinen die Rechtspopulisten die eigenen Wahlerfolge.Doch genau die gab es nicht. Die AfD kam nur in eine Stichwahl bei den Landräten und in eine bei den Bürgermeistern. Verloren hat auch die Linkspartei, die seit 2009 im Land mitregiert. Keiner ihrer Kandidaten kam in eine Landrat-Stichwahl. (mit dpa) Meinung Seite 8, Brandenburg Seite 15 Berliner Verlag GmbH, 11509Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Berlin Seiten 10 und 11 4 194050 501504 21017

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