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Berliner Zeitung 24.06.2019

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Die neuen Pläne des Senats für den Checkpoint Charlie – Berlin Seite 9 Elche in Brandenburg Seite 15 16°/27° Viel Sonnenschein Wetter Seite 2 Istanbul und der Sieg der Demokratie Politik Seite 4, Kommentar Seite 8 www.berliner-zeitung.de Finalniederlage –Alba ohne Glück in München Sport Seite 17 Montag,24. Juni 2019 Nr.143 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Rammstein-Konzert als Generationenprojekt Feuilleton Seite 21 Frauen-Fußball-WM Mit edler Technik und Tape am Zeh VonFrank Hellmann Dzsenifer Marozsan spielt im Viertelfinale für Deutschland. Esgibt ein schönes Ritual, das die deutschen Fußballerinnen nach dem Aufwärmen aufführen. Die Ersatzspielerinnen bilden ein trichterförmiges Spalier, dann sprinten die für die Startelf nominierten Akteure los, umsich mit einem Abklatschen noch Aufmunterung abzuholen. Im Stade des Alpes vonGrenoble hat vor dem Achtelfinale gegen Nigeria (3:0) auch Dzsenifer Marozsan mit ausgestreckter Hand gewartet. Kommenden Sonnabend, wenn es bei der Frauen-WM im Viertelfinale gegen Schweden oder Kanada weitergeht, soll die Spielmacherin wieder zu denjenigen gehören, die sich die Anfeuerung abholen. Weil fußballerischer Fortschritt nur mit ihr, der Edeltechnikerin von Olympique Lyon, zustande kommen kann. Im ersten Gruppenspiel gegen China brach nach einer rüden Attacke von Shanshan Wang die mittlere Zehe ihres linken Fußes. Normalerweise liegt die Heilungszeit einer solchen Fraktur bei sechs bis acht Wochen, aber im Notfall hätte Dzsenifer Marozsan bereits gegen Nigeria helfen sollen, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg erläuterte: „Wir hätten sie eingewechselt.“ Es ist die dritte WM, bei der sich Marozsan, 27, eine Verletzung zugezogen hat. 2011 in Deutschland verhinderte ein Innenbandanriss im Knie ihreTeilnahme,2015 in Kanada wurde ein Bänderriss im Knöchel erst nach der Rückreise erkannt. Und jetzt ist es der Zeh. Sie sagt jedoch: „Ich weiß, der wird inwenigen Wochen heilen. Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen.“ Sie, die Tochter des ungarischen Nationalspielers Janos Marozsan, ist Schlimmeres gewöhnt. Im vergangenen Sommer hatte eine beidseitige Lungenembolie zeitweise lebensbedrohliche Ausmaße angenommen. Die Umstände von damals helfen, jetzt alles gelassen einzuordnen. Dzsenifer Marozsan, die deutsche Nummer zehn, hat sich langsam ins Training getastet, ihre weißen Fußballschuhe schnürte sie erstmals am Freitag. „Step by step“, Schritt für Schritt, schrieb „Maro“ auf Instagram, wolle sie die Rückkehr angehen. Der lädierte Zeh ist nur mit einem Tape geschützt. „Ich habe einen rechten Fuß, und der funktioniert einwandfrei –und deswegen kann ich auch gegen den Ball treten.“ Aber natürlich sei es gut gewesen, dass sie noch nicht zum Einsatz gekommen sei. Dashelfe bei der Heilung. Fakt ist: Sie hat noch Schmerzen. Heil ist der Zeh nicht. Aber keine sehnt einen Auftritt im Halbfinale oder gar im Finale so sehr herbei wie Dzsenifer Marozsan. Diese Spiele finden in Lyon statt – ihrer aktuellen Heimatstadt. SportSeite 20 Kampf der Deckel DieDeutscheWohnen machtmit einereigenen Mietobergrenze dem Senat Konkurrenz und erntet dafür Kritik VonElmar Schütze Der Vorstoß des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen, in einer freiwilligen Selbstbeschränkung die Mieten nicht über ein bestimmtes Maß hinaus zu erhöhen, ist auf geteiltes Echo gestoßen. Ähnlich wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der lobte, dass sich die Deutsche Wohnen zu „sinnvollen und konkreten Maßnahmen für eine verantwortungsvollere Mietenpolitik“ verpflichte, begrüßte auch der Deutsche Mieterbund den Vorstoß. „Die Deutsche Wohnen ist wohl doch noch lernfähig“, sagte Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz am Sonntag der dpa. „Vergiftetes Geschenk“ Doch es gibt auch grundsätzliche Kritik. Die Rede ist von einem „vergifteten Geschenk“ und einem „durchsichtigen Versuch, die Politik zu spalten“. DieDeutsche Wohnen –mit rund 111 000 Wohneinheiten Berlins größter privater Vermieter –ist am Wochenende mit einem „Versprechen an unsereMieter“ in die Öffentlichkeit gegangen. Darinverpflichtet sich der Konzern dazu, dass kein Mieter durch eine Modernisierungsmaßnahme seine Wohnung verlieren wird. Außerdem soll die Jahresbruttowarmmiete nicht mehr als 30 Prozent des jährlichen Haushaltsnettoeinkommens betragen. Die Kippa-Frage Katrin Schmidberger,Sprecherin für Wohnen und Mieten in der Grünen-Fraktion, sieht darin eine direkte Antwort auf den am Dienstag von der rot-rot-grünen Koalition auf den Weggebrachten Mietendeckel. Mit ihm sollen die Mieten von 1,5 Millionen Wohnungen für fünf Jahre auf dem jetzigen Stand eingefroren werden. Zugleich sind Obergrenzen geplant. Werden diese Grenzen überschritten, dürfen Mieter eine Überprüfung und gegebenenfalls eine Absenkung ihrer Miete fordern. Ausnahmen gelten für die Erstvermietung von Neubauwohnungen sowie für Sozialwohnungen, für die der Deckel nicht gilt. Schmidberger sieht in dem Vorstoß ein „vergiftetes Geschenk“. Die Deutsche Wohnen wolle den Mietendeckel torpedieren. Selbstverpflichtungen könnten in ihrer Wirkung den Deckel aber nicht ersetzen. „Erwirdsooder so kommen.“ Die börsennotierte Deutsche Wohnen ist auf dem angespannten Wohnungsmarkt unter anderem durch ihre Klagen gegen den Berliner Mietspiegel als besonders aggressiv wahrgenommen worden. Ob sie mit der angekündigten Mietbegrenzung aus der Schusslinie kommt, ist unwahrscheinlich. „Die Deutsche Wohnen versucht zu retten, was zu retten ist“, sagt Michael Prütz von der Initiative„Deutsche Wohnen und Co. enteignen“. „Es ist schon unglaublich, wie viel Bewegung in die Wohnungspolitik durch unsere Initiative gebracht wurde.“ Michael Prütz, engagiert inder Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ Berlin zieht junge Juden an, sie kommen aus aller Welt, um hier zu arbeiten, Familien zu gründen, ihren Glauben zu pflegen. Wiesicher fühlen sie sich? Seite 3 Schließlich habe der Konzern allein durch die Berliner Einigung auf den Mietendeckel an der Börse 2,8 Milliarden Euro verloren. Er verstehe den Vorstoß auch als direkte Reaktion auf die Initiative, die dem Senat bereits mehr als 70 000 Unterschriften für ein Volksbegehren übergeben hat. „Sie wollen uns den Wind aus den Segeln nehmen, aber das wirdihnen nicht gelingen“, sagt Prütz. Die Grünen-Politikerin Schmidberger spricht von einem „durchschaubaren Ablenkungsmanöver“, das verschleiernsolle,dass der Konzern „offenbar weiterhin nicht bereit ist, von seinem Geschäftsmodell abzurücken, das mit sozialer Verdrängung durch Mieterhöhungen überhöhte Renditen am Finanzmarkt erzielt“. Tatsächlich müsse die Deutsche Wohnen die Börse verlassen, um ein akzeptabler Gesprächspartner zu sein. Michael Prütz von der Enteignungs-Initiativesieht im Vorstoß der Deutsche Wohnen den „Versuch, die Politik zu spalten“. Dazu könnte auch die Idee eines Wohngipfels gehören, den Vorstandschef Michael Zahn im Tagesspiegel am Sonntag vorgeschlagen hat. Der Regierende Bürgermeister möge doch „alle Beteiligten am Wohnungsmarkt zu einem Wohnungsgipfel einladen und dort die Vorschläge von Vermietern, Mietervereinigungen und Politik neu diskutieren“, sagt Zahn. Druck hochgehalten Den Akten der Treuhand auf der Spur Linke will Unterlagen der Bundesministerien einsehen VonMarkus Decker Die Bundesministerien sind im Besitz vonmindestens 60 Akten zur Arbeit der Treuhandanstalt und ihrer Nachfolgeorganisation, der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben –über jene 45 Kilometer Treuhand-Akten hinaus, die beim Bundesarchiv lagern. Das ergibt sich aus der Antwort von Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf eine Anfrage des Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch. Der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland) liegt die Antwortvor.Darin betont die CDU-Politikerin, dass „in der Kürze der für eine Beantwortung schriftlicher Fragen zur Verfügung stehenden Zeit keine vollständigen Angaben zu der Anzahl an Akten ermittelt werden“ konnten. Es könnten also noch mehr sein. Bartsch will die verfügbaren Akten nun einsehen. „Wir fordernTransparenz und Offenlegung der Treuhandakten der Bundesregierung“, sagte er. „Die Ministerien müssen ihre Akten umgehend dem Bundestag zur Einsicht geben.“ Denn die politisch interessantesten Akten seien nicht die, die im Bundesarchiv lagerten, sonderndie,die die Bundesregierung zur Treuhand angelegt habe und die heute in den Registraturen der Ministerien lägen. Bartsch fügte hinzu:„Die Frage der politischen Verantwortung bleibt zentral für einen möglichen Untersuchungsausschuss. Wenn die Akten einsehbar sind, können Abgeordnete besser beurteilen, ob sie für oder gegen einen Untersuchungsausschuss stimmen.“ Die Linksfraktion will in dieser Sitzungswoche einen Antrag zur Einsetzung eines Treuhand-Untersuchungsausschusses einbringen, über den nach der Sommerpause abgestimmt würde. Die Treuhand- Politik habe volkswirtschaftlich und fiskalisch Schaden angerichtet sowie das gesellschaftliche Klima zwischen Ost und West in den vergangenen drei Jahrzehnten extrem belastet, hatte Bartsch im Mai gesagt. Mindestens 25 Prozent aller Abgeordneten müssten für den Antrag stimmen. Die Linke, die das Quorum allein nicht erreicht, sucht Verbündete in anderen Fraktionen. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Katrin Schmidberger fordert, dass sich die rot-rot-grüne Koalition vorher unbedingt auf ein gemeinsames Vorgehen einigen müsse. Außerdem müssten zunächst Gespräche zum Beispiel mit der Enteignungs-Initiative geführt werden. Dieser sei es überhaupt zu verdanken, dass der Druck auf die Immobilienwirtschaft hochgehalten werde. Eine klare Meinung hat Michael Prütz von der Enteignungs-Initiative. Er sehe„weder eine Möglichkeit noch eine Notwendigkeit“ für einen Wohnungsgipfel. „Da gibt es nichts zu reden.“ Kommentar Seite 8 4 194050 501603 Jacqueline Schulz 11026

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