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Berliner Zeitung 24.09.2018

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Wieweiterleben? Der Mordfall Keira und das Leid der Mutter – Seite 11 Heute mit Stadtgeschichte Seite 10 6°/14° Sonne und Wolken – Wetter,Seite 2 Potsdams neuer OB: Stichwahl Mitte Oktober Brandenburg Seite 15 www.berliner-zeitung.de Abfuhr für Erdogan: Politiker sagen Bankett ab Politik Seite 4und Leitartikel Seite 8 Montag,24. September 2018 Nr.223 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Alter Meister: Jürgen Flimm über Chris Grashof Feuilleton Seite 22 Wo findet man noch so einen? VonPaul Linke Sie sangen es im Stadion, sie sangen es in Bussen und Bahnen, und sie schrien es immer wieder hinaus in die Straßen der Stadt, die so etwas eigentlich nicht gewohnt ist: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!“ Der Sonnabend war ein Feiertag für die Fans vonHertha BSC. Und sie feierten wie lange nicht mehr.Ihr Klub hatte nach einem beeindruckenden Heimsieg (4:2) gegen Borussia Mönchengladbach den ersten Tabellenplatz in Javairô Dilrosun, Herthas neuer Hauptdarsteller Hertha BSC der Bundesliga erklommen. Für etwa drei Stunden. Dann schoben sich die Bayern wieder nach ganz oben. Hertha ist jetzt nur noch Spitzenzweiter. Aber hey, egal, denn wer hätte das schon gedacht vordieser Saison? Als die Mannschaft sich vor der Ostkurve des Berliner Olympiastadions zu Recht besingen und beklatschen ließ, stand der Hauptdarsteller nicht im Zentrum. Javairô Dilrosun, doppelter Vorlagengeber, hatte sich links außen in die Spielerkette eingehakt. Links außen ist auch seine Position. Den Flügel nutzt er wie einen Beschleunigungsstreifen. Seine Gegenspieler umkurvt er wie Slalomstangen. Dilrosun, 20, ist ein dribbelnder Sprinter, ein unbändiger Bällestreichler und Flankenschläger, das freieste Radikal in Herthas Spiel. Wo findet man noch solche Typen? Dilrosun wurde in Amsterdam geboren, er zockte zunächst nur auf der Straße, meist mit älteren Jungs, dann ging er bei Ajax in die Fußballlehre. Es heißt, dass ihm dortirgendwann die Wertschätzung fehlte. Also wechselte er mit sechzehn zu Manchester City, woerzwar Trainer Pep Guardiola kennenlernen durfte,aber nur im Reserveteam zum Einsatz kam. Dasheißt dann tatsächlich: Bevor Hertha ihn aus den Tiefen der Spielerdatenbank hob, hatte Dilrosun kein einziges Profispiel bestritten. Nunsind es drei. Undinden Statistiken tauchen bereits vier Scorerpunkte auf. Sein Premierentreffer in Wolfsburg vor einer Woche gelang Dilrosun nach einem Lauf über 50 Meter. Selten hat sich einer so in die Bundesliga katapultiert wie dieser schüchterne Kerl.„Aber wenn ich den Platz betrete“, sagte er der Berliner Morgenpost, „ist es so,als ob ich eine anderePerson werde.“ Wasdie Konkurrenz noch neidischer machen müsste, ist der Umstand, dass Hertha nur 200 000 Euro nach Manchester überwiesen hat, als Ausbildungsentschädigung. Das ist ein unverschämtes Schnäppchen von einem Schnäppchen. Denn da könnten schnell mal zwei Nullen drangehängt werden, wenn dieser Javairô Dilrosun zu einer festen Größe wird inHerthas spannendem Jugendexperiment. SportSeite 20 Die Rente, die nicht reicht Sie ist 69, hat 50 Jahre lang eingezahlt –inder DDR und im vereinten Deutschland. Aber was bleibt, ist wenig. Ein Leben, das für so viele Wende-Biografien im Osten steht. Eine Reportage von Sabine Rennefanz Seite 3 Große Koalition, kleine Lösung Verfassungsschutzchef Maaßen wird versetzt, aber nicht mehr befördert –Staatssekretär Adler bleibt im Amt VonSteven Geyer Hans-Georg Maaßen wird wie geplant als Verfassungsschutzpräsident abgesetzt und wechselt ins Bundesinnenministerium –dieses Mal aber nicht per Beförderung zum Staatssekretär, sondern durch Versetzung auf eine offenbar neu geschaffene Stelle. Mit diesem neuen Kompromiss, den die drei Parteichefs der großen Koalition am Sonntagabend im Kanzleramt schlossen, soll die Affäre Maaßen endlich aus der Welt geschafft werden –zum nun schon zweiten Mal. Wie Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Abend verkündete,soll Maaßen künftig Sonderberater in seinem Ressort werden und für europäische und internationale Aufgaben zuständig sein. Er werde dann den Rang eines Abteilungsleiters haben und gegenüber dem Chefposten im Bundesamt für Verfassungsschutz keine Gehaltserhöhung bekommen. Zudem werde sein künftiger Tätigkeitsbereich „nichts mit dem Verfassungsschutz zu tun haben“, wie die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles danach erklärte.Zudem betonte sie, dass damit auch der Bau-Staatssekretär Gunther Adler, der nach der ursprünglichen Einigung der Koalition vonDienstag vergangener Woche für Maaßen hätte gehen müssen, im Amt bleibt. Auch Seehofer erklärte, dass die fünf beamteten Staatssekretäre ihre Aufgabenbereiche behalten würden. Nachdem vor allem die SPD gefordert hatte, dass Maaßen wegen verschiedener Vorwürfe und zuletzt wegen seiner politischen Kommentierung der rechten Ausschreitungen in Chemnitz als Verfassungsschutzpräsident abgesetzt werden müsse, wollte ihn Seehofer zunächst zum Staatssekretär mit höherem Gehalt befördernund dafür den SPD-Mann Adler in den Ruhestand versetzen. Nahles hatte dem zunächst zugestimmt, dafür aber massive Empörung in der Öffentlichkeit und vorallem aus der eigenen Partei geerntet. Voreinem Auftritt im Vorstand und vorder Bundestagsfraktion am Montag stand sie als Partei- und Fraktionschefin unter Druck. Vomlinken Flügel kamen Rufe nach Bruch der Koalition. Nahles hatte daraufhin am Freitag einen Bittbrief an Merkel und Seehofer geschrieben und damit die Nachverhandlungen erreicht. Den neuerlichen Kompromiss nannte sie nun erleichtert„ein gutes Signal“ dafür, „dass die Koalition in der Lage ist, die öffentliche Kritik ernst zu nehmen und sich zu korrigieren“. Zudem kündigte die SPD- Partei- und Fraktionsvorsitzende an: „Die Koalition wird sich nun wieder der Sacharbeit widmen.“ Auch Seehofer nannte es richtig, dass die Koalition mit der Rücknahme der geplanten Beförderung „Merkel und Nahles sind offenbar begriffsstutzig. Dieses Postengeschacher versteht kein Mensch.“ Bernd Riexinger, Linken-Chef, am Sonntagabend auf Twitter Maaßens auf die Einstellungen der Bevölkerung gehört habe. Nach seiner Darstellung wurde die nun gewählte Option zuvor schon einmal von den Parteichefs erfolglos besprochen. Zur Finanzierung von Maaßens neuer Stelle sagte er, dass zusätzliches Geld nicht nötig sei. Der neue Posten werde unmittelbar beim Minister angesiedelt. Zuständig sein werdeMaaßen unter anderem für die Aushandlung von Abkommen für Rückführungen von Asylbewerbern, die gemeinsame europäische Sozialpolitik, Vereinbarungen mit afrikanischen Staaten in der Flüchtlingspolitik. Ein Koalitionsbruch habe nicht zur Debatte gestanden. „Bei all den Besprechungen, die ich geführthabe,war dies zu keinem Zeitpunkt ein Thema“, so Seehofer. Tatsächlich hatte das auch Nahles zuvor mehrfach betont. Der linke SPD- Flügel signalisierte Zustimmung zum neuen Kompromiss:„Das ist in dieser Angelegenheit eine gute Lösung“, sagte SPD-VizeRalfStegner der Deutschen Presseagentur. Am Morgen hatte sich CSU-Chef Seehofer, zugleich Maaßens Dienstherr als Verfassungsschutzleiter, noch einmal für diesen stark gemacht. „Erist ein hoch kompetenter und integrer Mitarbeiter“, hatte er der Bild am Sonntag gesagt. „Er hat kein Dienstvergehen begangen.“ Auch den Vorwurf, er sei rechtslastig oder vertrete rechtsextremistische Positionen, wies Seehofer zurück. SPD sowie Grüne und Linke werfen Maaßen etliche Fehler vor –darunter zu große Nähe zur AfD sowie deren Beratung, wie sie der Beobachtung durch seine Behörde entgeht; das Verheimlichen eines V-Manns im Umfeld des Attentäters Anis Amri; schließlich in der Bild- Zeitung eine unseriöse Kommentierung der Vorfälle in Chemnitz. Dem Ansehen der Koalition hat die Affäre geschadet: 67Prozent der Deutschen glauben laut Emnid-Umfrage nicht mehr, dass die Chefs von CDU, CSU und SPD noch vertrauensvoll zusammenarbeiten. In der Sonntagsfrage fällt die Union zwei Punkte auf nur noch 28 Prozent, die SPD einen Punkt auf 17 Prozent. Kommentar Seite 8 BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK [M] Diesel-Gipfel endet ohne Ergebnis Regierung kündigt „zeitnah“ Entscheidungen an Das Spitzentreffen zur Diesel- Problematik am Sonntag in Berlin hat keine Einigung gebracht. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kündigte nach den Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertretern der Automobilindustrie am Sonntagabend an, dass es kommende Woche weitere Gespräche geben werde –sowohl innerhalb der Bundesregierung als auch zwischen dem Verkehrsministerium und den Autoherstellern. BisEnde der Wochesollten die Maßnahmen „konkretisiert“ werden, sagte Scheuer. Das Diesel- Problem soll offenbar auch ein Thema bei der Sitzung des Koalitionsausschusses sein, zu dem sich die Spitzen von Union und SPD am 1. Oktober treffen wollen. Das will die Deutsche Presseagentur aus Koalitionskreisen erfahren haben. „Das Gespräch mit den deutschen Herstellern hat mit dem gemeinsamen Willen stattgefunden, eine Lösung für die Dieselthematik und die Mobilität in den Innenstädten zu erarbeiten“, erklärte Scheuer. „Oberste Priorität hat die Erneuerung der Dieselflotte.“ Auch über Hardware-Nachrüstungen sei gesprochen worden. Merkel will bis Ende September eine gemeinsame Positionierung der Regierung in der Frage von Hardware-Nachrüstungen für Diesel- Fahrzeuge mit hohem Schadstoff- Ausstoß erreichen. Während Verkehrsminister Scheuer ebenso wie die meisten Autobauer teure Hardware-Nachrüstungen von Diesel- Fahrzeugen vermeiden möchte, hält Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dies zumindest für Fahrzeuge ab der Schadstoffklasse Euro 5für technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar. Auch Merkel befürwortet nach Informationen des Magazins Spiegel inzwischen Hardware-Nachrüstungen. Eine Bestätigung gibt es dafür aber nicht. Der Sportwagenbauer Porsche zieht auch angesichts sinkender Diesel-Absatzzahlen Konsequenzen. Als erster deutscher Autokonzern steigt die VW-Tochter aus dem Diesel aus. „Von Porsche wird eskünftig keinen Diesel mehr geben“, sagte Vorstandschef Oliver Blume. (AFP, dpa) Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 11039

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