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Berliner Zeitung 24.10.2018

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Hilfe für Palästinenser –Anja Reich über einen schwierigen Kampf in Gaza – Seite 3 Die Macht in den Ländern Seite 5 6°/12° Ein bisschen Sonne Wetter Seite 2 Auf der Höhe: Friedenau wächst Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Die Sorge der AfD vor dem Verfassungsschutz Politik Seite 4 Mittwoch, 24. Oktober 2018 Nr.248 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € WieDeutsche gepflegt werden wollen Tagesthema Seite 2 Fußball-Kunst So ein herrlicher Mist VonPaul Linke Dreck ist bloß minderwertiges oder wertloses Zeug. Und Mist, das sind mit Stroh vermischte Exkremente bestimmter Haustiere, was als Dünger verwendet wird. Steht so im Duden. Kann Uli Hoeneß jederzeit selbst nachlesen. Er wird seine Meinung über Mesut Özil trotzdem nicht ändern. Beieiner legendär peinlichen Pressekonferenz am Freitag wiederholte ja der Präsident des FC Bayern, was er von dem leider ehemaligen Nationalspieler hält. „Er hat größten Dreck gespielt“, hatte Hoeneß im Mesut Özil, oft verkannter Fußballer Sommer gesagt. Nun also entschuldigte er sich auf seine Art:„Ich hätte Mist statt Dreck sagen sollen.“ Selbstherrliche Menschen sind laut Duden übrigens jene,die sich bei Entscheidungen und Handlungen aufgrund ihrer Machtvollkommenheit mit völliger Selbstverständlichkeit über anderehinwegsetzen. In diesem Fall über die Meinung aller,die in Özil einen Fußballkünstler sehen. Unddie eigentlich keine Lust mehr haben, auf die Genialität seiner Pinselführung im Mittelfeld hinzuweisen. Aber es muss wohl sein. Es gibt ja sogar Zahlen, die Özils Schaffensperiode eindrucksvoll einordnen, vorallem diese: 1032. So viele Torchancen hat Özil, 30, in seiner bisherigen Klubkarriere –FC Schalke, Werder Bremen, Real Madrid, zurzeit Arsenal London –vorbereitet, damit war er vor diesem Wochenende die Nummer eins der Welt und das weit vor Lionel Messi (861) oder Cristiano Ronaldo (695). Seit Montagabend ist der Vorsprung größer.Denn da hat Özil wunderbaren Dreck und herrlichen Mist gespielt beim 3:1 gegen Leicester City. Dasdritte Torprägte er mit einem Hackentrick (in den Lauf), einem Doppelpass ohne Ballkontakt (freiwilliger Tunnel) und einem Querpass (über den Torwart gelupft). Das erste selbst erzielte war nebenbei Özils dreißigstes in der Premier League.Die deutschen Kollegen Jürgen Klinsmann und Uwe Rösler hat er damit überholt. Vor ein paar Jahren haben die Schweden das Verb „zlatanieren“ in ihr nationales Wörterbuch aufgenommen. Es bedeutet „stark dominieren“ und ehrtden Fußballkünstler Zlatan Ibrahimovic.Nur so als Tipp. Kommerz statt Kultur Am Kreuzberger Oranienplatz muss die Denkerei ausziehen. Ein weiteres Beispiel der Gentrifizierung. Die Zeiten des Kulturzentrums am Oranienplatz sind vorbei. VonElmar Schütze Wohl wenige Plätze in Berlin zeigen die Zerrissenheit der Stadt so exemplarisch wie der Oranienplatz in Kreuzberg. Einerseits ist er das Zentrum des widerspenstigen Kiezes. Andererseits verändert sich der Oranienplatz –und damit Kreuzberg –seit Jahren massiv. Alteingesessene Bewohner und Gewerbetreibende werden immer öfter durch Mieterhöhungen vertrieben. Der Oranienplatz ist der Prototyp für die Gentrifizierung in Berlin. Nun erwischt es Bazon Brock, emeritierter Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal. Siebeneinhalb Jahre hat Brock am Oranienplatz das Kulturzentrum Denkerei geführt, einen Raum für Lesungen, Seminare und Ausstellungen. Brock verfügt über ein dichtes Netzwerk von Wissenschaftlern und Künstlern. Ihnen bot er einen Platz zum Austausch, ohne dabei auf Gewinnmaximierung aus zu sein. Jetzt wurde ihm der Mietvertrag gekündigt – spätestens Ende April 2019 muss der 82-Jährige ausziehen. Noch steht nicht endgültig fest, wer Nachmieter wird. Denkbar sind Start-ups,sagt der Vermieter,keinesfalls solle es Gastronomie oder Textil-Einzelhandel werden. Zwischenzeitlich hatte der Filialist H&M Interesse bekundet. „Das mache ich auf keinen Fall“, sagt Vermieter Dietrich von Bötticher, er wolle die vielen Restaurants und kleinen Klamottenläden in der Oranienstraße nicht gefährden. Dietrich von Bötticher ist Spross eines Adelsgeschlechts, das einen Urahn im 15. Jahrhundertvorweisen kann. DerWirtschaftsanwalt aus München ist nicht nur Inhaber des Gestüts Ammerland am Starnberger See im Alpenvorland, sondernauch Besitzer des Hotels Orania am Oranienplatz. Seit der Eröffnung voriges Jahr wurde das schick sanierte Jugendstilhaus rund ein Dutzend Mal angegriffen und beschädigt, mal flogen Farbbeutel, mal Steine. Gegen sie half nicht mal das Panzerglas. Dabei hatte Orania-Hotelier Dietmar Müller-Elmau, Betreiber auch des Hotels Schloss Elmau in Bayern und vor drei Jahren Gastgeber des G7-Gipfels, sovon der Herausforderung Kreuzberggeschwärmt. Er wolle „die hereinholen, die hier wohnen“, sagte er. Doch kurz nach Eröffnung tauchten Plakate mit Müller-Elmaus Gesicht auf. Darauf stand: „Was nicht passt, wirdpassend gemacht.“ „Durch die Mieterhöhungen wird das Wohnquartier systematisch kaputtgemacht.“ Bazon Brock, emeritierter Professor und Betreiber eines mittlerweile gekündigten Kulturzentrums am Oranienplatz in Kreuzberg Wie viele andere hatte auch der Denker Bazon Brock die Konfrontation vorhergesehen. Sein Vermieter wolle mit der Kündigung nur sein Hotelaufwerten. Dahinter stecke,so Brock, ohnehin nur eine Idee: „Durch die Mieterhöhungen wird das Wohnquartier hier systematisch ruiniertund kaputtgemacht.“ Dietrich von Bötticher stellt die Situation natürlich anders dar. Er sehe sich nicht als Gentrifizierer, als Zerstörer von Strukturen. Nicht einmal beim Orania sei das sein Plan gewesen. „Ich habe wirklich gedacht, BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK dass es in den Kiez passen würde.Ich habe nicht gesehen, dass es ihn verändert.“ Dass man mit so einem Hotel andere animieren könnte, inihren Immobilien höhere Mieten zu verlangen, habe er nicht bedacht. Fragt sich, ob man Dietrich von Bötticher so viel Unbedarftheit abnehmen kann. Denn der Mann sollte sich in Berlin auskennen. Bereits in den 90er-Jahren tauchte er in der Nachwende-Metropole auf. Er kaufte Volk +Welt, einst der zweitgrößte belletristische Verlag der DDR. Kurz darauf ließ er ihn in seiner zweiten verlegerischen Unternehmung, dem Luchterhand-Verlag, aufgehen. 1995 kaufte Bötticher 75 Prozent der Wochenpost, eine hochangesehene, aber schwer defizitäre Zeitung – erschienen im Berliner Verlag. Böttichers Engagement hielt nur kurz. Im Mai1996 wurde dieWochenpost eingestellt, die 55 Beschäftigten landeten auf der Straße.„Vom Retter zum Totengräber“, titelte die taz. Den Luchterhand-Verlag verkaufte Bötticher 2001 an die Verlagsgruppe Random House. Dievielfältigen Erfahrungen hielten Dietrich vonBötticher 2014 nicht davon ab, indie marode Münchner Abendzeitung (AZ) zu investieren, lange Zeit ein Beispiel gutgemachten Boulevard-Journalismus. Bis heute Weniger Anfragen zu Radikalisierung Bilanz des Hilfsangebots vom Bundesamt für Migration VonMarkus Decker Die Zahl der Angehörigen vonIslamisten, die sich hilfesuchend an die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wenden, ist spürbar zurückgegangen. Das teilte eine Bamf-Sprecherin der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland) mit. Seit Beginn derTätigkeit der Beratungsstelle vor sechs Jahren seien bei der Hotline knapp 4300 Anrufe eingegangen. Von2012 bis 2015 hätten sich die Zahlen vervierfacht und seien 2016 und 2017 dann auf einem ähnlich hohen Niveau konstant geblieben. Im Jahr 2018 seien die Anrufer-Zahlen allerdings geschwunden, so die Sprecherin.Von Jahresbeginn bis jetzt habe man über 300 Anrufe gezählt. Der Freiburger Politikwissenschaftler Heiner Vogel, der auf Islamismus spezialisiert ist, sieht eine gewisse Entspannung. „Die Szene ist wesentlich vorsichtiger geworden“, sagte er.„Denn sie steht massiv unter Druck und verliert an Zugkraft.“ Schließlich sei der sogenannte Islamische Staat (IS) auf dem Rückzug und habe dadurch an Attraktivität verloren. Die Leiterin der Berliner Beratungsstelle Hayat, Claudia Dantschke, die für die Hauptstadt und die fünf Ostländer zuständig ist, sagte hingegen: „Die Zahl der Anfragen an uns von Angehörigen, deren Kinder sich islamistisch radikalisieren, steigt nach wie vor, wenn auch nicht mehr in der Größenordnung wie noch vor einem Jahr.“ Es könne nicht gesagt werden, dass sich die Lage insgesamt beruhige.Zugenommen hätten Fälle,indenen es darum gehe, dass die nach Syrien oder den Irak zum IS ausgereisten Söhne oder Töchter zurückkehren wollten. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt ist er Herausgeberdes Blatts. 4 194050 501504 31043 BERLIN MESSEN 10. &11. November 2018 10 –17Uhr Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin 5€Eintritt* Kinder &Jugendliche unter 16 Jahren freier Eintritt *Ticketfür beide Messetagegültig Reise &Gesundheit DieMesse für Urlaub, Fitness &Ernährung Exklusive Messeangebote Interessante Präsentationen www.berlinmessen.de

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