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Berliner Zeitung 24.12.2019

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DIE WEIHNACHTSAUSGABE Götz Aly über Angela Merkel Seite8 3°/7° Starkbewölkt Wetter Seite 2 Berlin 2030 –eine Metropole für Normalos? Kommentar Seite 8, Berlin Seite 12 www.berliner-zeitung.de Weihnachtssingen in der Alten Försterei Berlin Seite 9 24.Dezember bis 26. Dezember 2019 Nr.299 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Signal an Moskau: Die Nato will mit Putin reden Politik Seite 4 Rentier mit Geschichte Rudolph, der Retter VonChristian Schlüter Rudolph und seine leuchtende Nase weisen den Weg. Zur ach so besinnlichen Weihnachtszeit begibt es sich nun, dass wir uns reichlich beschenken sollen. Derunvermeidliche Kommerz verwandelt das Frohe Fest in eine schnöde, kühl kalkulierte Verkaufsveranstaltung. Umso erstaunlicher ist deshalb, dass einige der verkaufsfördernden Maßnahmen –man denke an den Coca-Cola-roten Weihnachtsmann –ihren profanen Entstehungskontext halbwegs vergessen machen und zu einem allseits beliebten, beinahe eigenständigen Kulturgut werden konnten. Rudolph, das rotnasige Rentier, ist eine dieser ursprünglich verkaufsfördernden, nunmehr herzerwärmenden Maßnahmen. Eine gezeichnete Figur, ein seelenvolles Wesen: Es taucht erstmals 1939 zu Weihnachten auf, und zwar in einem Mal- und Bilderbuch, herausgegeben vonder Chicagoer Kaufhauskette Montgomery Ward und vorgesehen als Anzeigen- Kampagne. Das Buch verkaufte sich gleich im ersten Jahr knapp zweieinhalb Millionen Mal und half damit, alsWerbeträger und Kinderfänger das Geschäft mit der Besinnlichkeit ordentlich auf Trab zu halten. Der Werbetexter des Kaufhauses, Robert Lewis May (1905–1976), hatte sich die durchaus gehaltvolle, inGedichtform verfasste Geschichte ausgedacht. Sie handelt davon, wie Rudolph wegen seiner rotleuchtenden Nase erst von den anderen, normalnasigen Rentieren gehänselt wird, dann aber zum Retter für den Weihnachtsmann und seinen fliegenden Rentierschlitten wird: Weil es an Weihnachten sehr neblig wird –so wie des Winters auch über dem Chicagoer Lake Michigan –und deswegen die Auslieferung der Geschenke unmöglich ist, kann Rudolphs Nase dem Weihnachtstross wie mit einem Nebelscheinwerfer doch noch den sicherenWegweisen. Die Bescherung findet also statt. Weihnachten ist gerettet. Rudolph sei Dank! Das ist von umsatzsteigender Erbaulichkeit, keine Frage,aber eben auch die Ehrenrettung für einen Außenseiter. Und es ist noch mehr: Robert Lewis May wollte mit der Rentier-Geschichte lange vor der Veröffentlichung seine damals vierjährige Tochter Barbara aufheitern. Dazu hatte er allen Grund: Er selbst war depressiv und seine Frau Evelyn lag krebskrank im Bett –sie starb im Juni 1939. Die Geschichte von „Rudolph the Red-Nosed Reindeer“ können wir insofernauch als Überlebenshilfe für einen schwer leidgeprüften, trostsuchenden Mann verstehen. Zehn Jahrespäter machte der Sänger Gene Autry mit dem gleichnamigen, trutschig-schönen Song das Rentier aus Chicago weltberühmt. Rudolph, ein Retter und Tröster! Liebe Leserinnen, liebe Leser, jede und jeder, besonders in Berlin, hat ihre oder seine Art,Weihnachten zu feiern.Wiesollte es anders sein in einer Millionenstadt, in der am besten alles gleichzeitig geschieht: die Feier von Traditionen, von Familientraditionen und hoffentlich auch ein Blick in die Zukunft, nicht nur in den Familien, sonderninder ganzen Stadt. Meine Kollegin Maritta Tkalec hat sich für Siedazu Gedanken gemacht, im Leitartikel auf der Seite 8: über die besondereArt,ein Familienfest zu feiernineiner Zeit, in der wir über Familien und Werteimmer wieder neu nachdenken. In Nürnberg konnte man in diesen Tagen erleben, was geschieht, wenn Weihnachten nicht in Klischees gedacht und gefeiert wird: Das Nürnberger Christkind Benigna Munsi, ein Mädchen mit einem aus Indien stammendenVater, wurde angefeindet und verspottet: nicht Frohe Weihnachten, Berlin deutsch genug, nicht blond genug und so weiter. AmEnde ist aus der Geschichte ein kleines Weihnachtswunder geworden, wie mein Kollege Christian Seidl bei seiner Recherche in Franken erfahren hat. Lesen Sie seine Weihnachtsgeschichte auf den Seiten 2und 3. Wenn Siesehen wollen, wie dasWeihnachtsritual vonUnion Berlin, dasWeihnachtssingen in der Alten Försterei, in diesem Jahr gefeiert wird, dann blicken Sieauf die Seite 9. ZurEinstimmung in die Tage. Unddamit es Weihnachten 2019 auch wirklich keinen Stress gibt, erklären wir Ihnen auf der Seite28, wie man den am besten vermeidet–wissenschaftlich bewiesen. Dassollte doch funktionieren. Wirwünschen Ihnen frohe Tage, Herzlich, Jochen Arntz und die Redaktion Ihrer Berliner Zeitung IMAGO IMAGES Immer mehr Menschengehen mit 63 in Rente Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro im Monat Mehr Menschen als gedacht gehen abschlagsfrei mit 63 in Rente. Ende November erhielten rund 1,34 Millionen Senioren die Rente für langjährig Versicherte mit mindestens 45 Versicherungsjahren. Einen entsprechenden Medien-Bericht bestätigte die Deutsche Rentenversicherung Bund am Montag in Berlin. Somit nehmen mehr Menschen die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch als vom Gesetzgeber ursprünglich gedacht. „Es wird von etwa 200 000 Fällen je Jahr ausgegangen“, stand im Gesetzentwurf. Das wären fünf Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes im Juli 2014 rund eine Million gewesen. Tatsächlich gingen beispielsweise 2018 rund 240 000 Menschen abschlagsfrei mit 63 in Rente.Indiesem Jahr registrierte die Rentenversicherung bis Ende November 238 163 neue Anträge. Steigende Ausgaben Im Oktober stiegen die Kosten auf über zwei Milliarden Euro im Monat. DasBundesarbeitsministerium wertete die Entwicklung als wenig überraschend. „Die Zahl ist ein wenig höher, aber nicht viel höher als erwartet“, sagte eine Sprecherin. Auch ohne die Regelung zur Rente mit 63 würden die Menschen in Rente gehen –bei weitem nicht die gesamten Kosten seien somit als zusätzlich einzustufen. Die steigenden Kosten seien inder Budgetplanung berücksichtigt. Tatsächlich liegen keine Zahlen zur Frage vor, wie hoch die Kosten ohne Rente mit 63 liegen würden, wie hoch also die Rentenbezüge der Betroffenen gegebenenfalls ohne diese Möglichkeit wären. Allerdings bezogen im Juni 2014, dem letzten Monat vor Einführung der abschlagsfreien Rente, lediglich 41 280 Senioren eine Rente nach mindestens 45 Versicherungsjahren. Die Kosten betrugen damals 62,6 Millionen Euro. Die FDP sieht sich in ihrer Kritik an der Rente mit 63 bestätigt. „Die geförderte Rente mit 63 für wenige Jahrgänge ist ein Irrweg, wie sich immer deutlicher zeigt“, sagte der Rentenexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel. (dpa, AFP) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 21052

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