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Berliner Zeitung 25.04.2018

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Agenten-Krimi vor Gericht: Die Entführung eines Vietnamesen – Seite 3 Eisbären können hoffen Seite19 11°/17° Wechselhaft, Schauer Wetter Seite 2 Taxifahren in Berlin soll teurer werden Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Mit leichtem Gepäck: WieAbgeordnete pendeln Hauptstadt Seite 4 Mittwoch, 25. April 2018 Nr.96HA-74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Zahnspangen – teuer und sinnlos? Politik Seite 6 Anzeige Anzeige Waren&Wohnkultur ausfernen Ländern Wirschließen! Ab sofort 50% auf alles, ausgewählte Stücke biszu70%! LetzterTag fürSchnäppchen ist der 30.04.2018! In derKulturBrauerei·Schönhauser Allee36 10435Berlin · Öffnungszeiten: Mo –Sa11–21Uhr www.fischers-lagerhaus.de Spielfilm Eine neue Wette auf das Leben VonHarry Nutt Samuel Koch, querschnittsgelähmter Schauspieler Für seine Rolle in dem Film„Draußen in meinem Kopf“, der nun in den Kinos anläuft, musste der Schauspieler Samuel Koch seine Bewegungsfähigkeit stark einschränken. Der 30-Jährige spielt darin einen Menschen, der an der Krankheit Muskeldystrophie leidet. Das wäre gewiss für jeden Schauspieler eine Herausforderung, für Samuel Koch aber ist der Verzicht auf das Wenige an körperlicher Bewegung, die ihm noch möglich ist, eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem eigenen Schicksal. Und sostellte für ihn eine Anweisung seiner Regisseurin eine besondere Pointe dar, über die er aber auch lachen kann. „Beweg dich nicht so viel“, rief Eibe Maleen Krebs ihm zu, als Koch wieder einmal versuchte, sein Sprechen mit Arm- und Schulterbewegungen zu unterstützten. Samuel Koch ist durch einen Unfall berühmt geworden, der sich vor einem Millionenpublikum abspielte und fest im Bildgedächtnis der Deutschen verankertist. Am 4. Dezember 2010 stürzte er nach einem Stunt mit elastischen Sprungfedern und einem fahrenden Auto, das er überspringen sollte, inder Fernsehshow „Wetten, dass...?“ derartschwer,dass er seither vom Hals abwärts querschnittsgelähmt ist. Die Sendung wurde damals zunächst unter- und schließlich abgebrochen. Der Unfall vor laufenden Kameras gab später auch den Ausschlag für das endgültige Aus der über Jahrzehnte erfolgreichsten Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen. Samuel Koch kämpfte sich ins Leben zurück, im Dezember 2011 wurde er aus einer Schweizer Rehabilitationsklinik entlassen, wo er den Entschluss gefasst hatte,künftig den Beruf des Schauspielers ausüben zu wollen. Das war für ihn eine durchaus naheliegende Überlegung. Als Jugendlicher hatte er Schauspielunterricht genommen, damals noch durch Disziplinen wie Reiten, Fechten und Akrobatik motiviert. Seit 2014 ist Samuel Koch festes Ensemblemitglied des Staatstheaters Darmstadt. Zu seinen menschlichen Qualitäten rechnet er die Eigenschaft, gut zuhören zu können. Außerdem sei er einer, der garantiert nicht wegläuft. Warum Berlin Kippa trägt Die Jüdische Gemeinde ruft ihre Mitbürger zur Solidaritätskundgebung. Die deutsche Hauptstadt hat die Gelegenheit, sich deutlich zu positionieren Die jüdische Kopfbedeckung Kippa tragen Männer jüdischen Glaubens beim Gebet. Orthodoxe Juden tragen sie auch im Alltag. VonJulia Haak Ein Ereignis hat uns in der vergangenen Woche besonders berührt. Einjunger Mann wurde auf der Straße von einem nahezu Gleichaltrigen angegriffen und mit einem Gürtel ausgepeitscht. Nur weil er eine jüdische Kopfbedeckung trug. Dieser Hass, der sich ungezügelt Bahn brach, hat uns erschreckt, und er hat uns auch ratlos zurückgelassen. Eine Menge Menschen haben sich empört geäußert inder vergangenen Woche. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass sich die Aufregung wieder gelegt hat. Erstarrung macht sich breit. Die Jüdische Gemeinde bietet nun eine Möglichkeit an, aktiv zu werden. Sieruft dazu auf, an diesem Mittwoch um 18 Uhrzum Gemeindehaus in die Fasanenstraße zu kommen und Solidarität zu zeigen. „Berlin trägt Kippa“ heißt die Veranstaltung. Sie findet an einem Ortstatt, an dem bis zu den Novemberpogromen 1938 die erste liberale Synagoge Berlins stand. Jeder, der kommt, mit oder ohne Kippa, kann dort allein durch seine Anwesenheit deutlich machen, dass er sich gegen solchen Hass stellt. Vielleicht sollten wir das tun. Wir Berliner.Wir werden dort stehen gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister dieser Stadt, dem katholischen und dem evangelischen Bischof, vielen Politikern verschiedener Parteien, Gewerkschafts- und Wirtschaftsfunktionären. Auch die Türkische Gemeinde wirbt dafür. Gleichzeitig werden wir uns fragen, was wir mit einer symbolischen Aktion eigentlich bewirken können. Diese Nachdenklichkeit hat ihre Berechtigung. Aber sie sollte niemanden abhalten. Berlin hat allen Grund, sich in diesem Fall eindeutig und auch deutlich zu positionieren. Die Politik wie auch die Gesellschaft müssen sagen, wo sie stehen. Dasist notwendig, denn es gibt in der deutschen Hauptstadt immer wieder Konflikte dieser Art. Ständig, so sagen es die Mitarbeiter der 2015 gegründeten Berliner Rechercheund Informationsstelle Antisemitismus (Rias), komme es zu antisemitischen Beleidigungen, Pöbeleien und Übergriffen. Durchschnittlich würden täglich zwei bis drei neue Vorfälle bekannt. Rias erfasst nicht nur Straftaten wie die Polizei, sondernauch Ereignisse, die strafrechtlich nicht relevant sind. Dasist sicher kleinteilig, aber es entspricht eher dem Gefühl unserer jüdischen Mitbürger, als die Statistik der Polizei es tut. Während nämlich die Rias-Zählung eine deutliche Steigerung belegt, geht die Polizei von einer gleichbleibenden Zahl antisemitischer Vorfälle aus. In die Zählung der Berliner Polizei fiel der Überfall auf den Rabbiner Daniel Alter vorseinem Haus in Schöneberg imJahr 2012. Alter war damals brutal niedergeschlagen worden. Er trug einen Kieferbruch davon. Auch damals waren aus Solidarität Berliner mit Kippa auf die Straße gegangen. Nicht in die Polizeistatistik fallen dagegen die Erfahrungen jenes jüdischen Schülers an einer Friedenauer Schule, der so oft beschimpft und bedroht worden war, bis er die Schule verließ. Auch die jüdische Grundschülerin, die von ihren Mitschülern mit dem Todbedroht worden war, wird wohl in die offizielle Zählung nicht eingehen. Undmanch anderes erreicht schon lange nicht mehr das Bewusstsein der Bevölkerung, etwa dass auf antiisraelischen „Die Zeit des Bedauerns, der Ermahnungen und der Alibi-Veranstaltungen ist vorbei. Wir erwarten jetzt Rückgrat und deutliche Ergebnisse im Kampf gegen Antisemitismus!“ Lala Süsskind vom Jüdischen Forum für Demokratie und Antisemitismus, frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Demonstrationen auch in Berlin regelmäßig israelische Fahnen und solche mit dem Davidstern verbrannt werden. Nach dem aktuellen Überfall hat Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, gesagt, eine rote Linie sei überschritten. Lala Süsskind, die ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wird deutlicher: „Ich fühle mich in Deutschland nicht mehr sicher, auch ohne Kippa. Seit Jahren wird von Politikerinnen und Politikern aller Parteien wortreich gegen Antisemitismus Stellung bezogen. Lediglich wirksame Taten fehlen. Die Zeit des Bedauerns, der Ermahnungen und der Alibi-Veranstaltungen ist vorbei. Wir erwarten jetzt Rückgrat und deutliche Ergebnisse GETTY Waren&Wohnkultur ausfernen Ländern Wirschließen! Ab sofort 50% auf alles, ausgewählte Stücke biszu70%! LetzterTag fürSchnäppchen ist der 30.04.2018! In derKulturBrauerei·Schönhauser Allee36 10435Berlin · Öffnungszeiten: Mo –Sa11–21Uhr www.fischers-lagerhaus.de Pflegekräfte dringend gesucht Exklusive Zahlen: Mehr als 36 000 Stellen nicht besetzt Der Fachkräftemangel in der Pflege hat dramatische Ausmaße. Nach neuesten Daten sind bundesweit mindestens 36 000 Stellen unbesetzt, ergibt sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die der Berliner Zeitung vorliegt. Im Jahresdurchschnitt fehlten 2017 in der Altenpflege 15 000 Fachkräfte und 8500 Helfer. Inder Krankenpflege gab es 11 000 offene Fachkräftestellen, bei Helfern 1500. Die Regierung beruft sich dabei auf die Bundesagentur für Arbeit. Die Dramatik zeigt sich insbesondere, wenn die offenen Stellen mit der Bewerberzahl ins Verhältnis gesetzt werden. So kommen in der Altenpflege auf 100 offene Stellen bundesweit im Schnitt lediglich 21 arbeitslose Fachkräfte.Amungünstigsten ist das Verhältnis in Rheinland-Pfalz (100 zu 13), am besten in Berlin (100 zu 43). In der Krankenpflege sieht es mit 100 zu 41 etwas besser aus. Die Arbeitslosenquote für Fachkräfte in der Altenpflege gab die Regierung mit lediglich 0,7, in der Krankenpflege mit 0,6 Prozentan. Dasgilt als Vollbeschäftigung. Zum Vergleich: Über alle Berufe beträgt die Arbeitslosenquote 5,5 Prozent. Grünen-Expertin Kordula Schulz- Asche sagte, anstatt endlich ein umfassendes Programm vorzulegen, klammere sich die Regierung an die im Koalitionsvertrag vereinbarten 8000 Zusatzstellen. Angesichts des Pflegenotstandes sei das ein schlechter Witz. „Wir fordern ein Pflege-Sofortprogramm mit 50 000 seriös finanzierten zusätzlichen Stellen in Krankenhäusern und der Altenpflege“, sagte sie. Erforderlich seien auch stärkereAnreize, um Pflegefachkräften die Rückkehr in den Beruf und Teilzeitbeschäftigten den Wechsel aufVollzeit zu erleichtern. (tms.) Berliner Verlag GmbH, 11509Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt im Kampf gegen Antisemitismus!“ Sie hat recht. Stärker als je zuvor müssen wir uns die Frage stellen, wie wir eigentlich in dieser Stadt zusammen leben wollen. Es ist eine Stadt, die schon aus ihrer Geschichte heraus eine besondereVerantwortung trägt. In Berlin wurde die Vernichtung der Juden erdacht und auf der Wannsee-Konferenz auch verabredet. In dieser Stadt leben aber heute auch Menschen aus Teilen derWelt zusammen, die in ihren Heimatländern verfeindet und zum Teil in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt sind. Diese Stadt ist attraktiv für Menschen aus Israel, die in immer größererZahl hierher übersiedeln oder ihren Wohnsitz doch zumindest für eine Zeit nach Berlin verlegen. Gleichzeitig finden Menschen in Berlin eine neue Heimat, die mit einem Juden- und Israelhass groß geworden sind. Der Nahostkonflikt spielt schon seit langem eine Rolle in dieser Stadt. Der aktuelle Überfall, der Angriff eines Mannes, der von sich sagt, Syrerpalästinensischer Abstammung zu sein, auf einen Israeli ist ein deutliches Zeichen, wie sehr sich die Auseinandersetzungen der Welt in der deutschen Hauptstadt spiegeln. Befeuert vom Nahostkonflikt wird auch in vielen muslimischen Familien in Berlin seit Jahrzehnten Judenhass kultiviert. Den Betroffenen von Pöbeleien und Angriffen nützt es wenig, dass eigentlich Israel gemeint ist und nicht die Juden im Allgemeinen, wie der Politologe David Ranan dem Deutschlandfunk kürzlich im Interview sagte. Ausall diesen Gründen kann dieser Mittwochabend also mehr sein als nur Symbolik. Er könnte ein Bekenntnis sein. 4 194050 501504 31017

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