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Berliner Zeitung 25.05.2018

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Asylverfahren: Wenn die persönliche Zukunft von einem Gespräch abhängt – Seite 3 Gefühle in der Politik Seite 4 15°/26° Sonne und Wolken Wetter Seite 2 Freundschaft: Die neue Annäherung an China Politik Seite 5 www.berliner-zeitung.de Brexit: Die Folgen für die Berliner Unternehmen Made in Berlin Seite 6 Freitag,25. Mai 2018 Nr.119 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € DDR-Technik: Kälte für die Skihalle in Dubai Berlin Seite 10 Astronaut Abheben mit Musik VonMarcus Weingärtner Im Weltall hört dich niemand schreien“ lautet der Untertitel zu Ridley Scotts Kino-Schocker „Alien“. Schreien nicht, vielleicht aber singen, wenn der deutsche Astronaut Alexander Gerst in zweiWochen vom Weltraumbahnhof Baikonur im südlichen Kasachstan ins All abhebt. Denn Gerst hat via Kurznachrichtendienst Twitter dazu aufgerufen, ihm Vorschläge für eine Playlist zum Startzumachen, und witzelte schon vorab, dass „Big Balls of Fire“ nicht zur Wahl stünde. Entschieden Alexander Gerst hat sich der 42- macht Flügeins All jährige Weltraumfahrer aus zum Wohlfühl-Event. dem badenwürttembergischen Künzelsau nun unter anderem für den Klassiker „Heute hier, morgen dort“ des Liedermachers Hannes Wader. Aber auch für Schmalzgebackenes wie den Hit „Astronaut“ von Sido und Andreas Bourani. Den ersten Platz seines Raketensoundtracks belegt indes ein recht naheliegendes Stück – das Titelthema der Science-Fiction-Zeichentrickserie „Captain Future“ aus der Feder des Hamburger Komponisten Christian Bruhn. 2014 gab Gerst beim ersten Start ins All auch schon die Lieder bekannt, die ihn in die Schwerelosigkeit begleiten würden, und auch dieses Malwar die Resonanz bei Twitter enorm. Das Ganze mag ein harmloser Spaß sein, zeigt aber bei genauerer Betrachtung, dass Gerst es umsichtig geschafft hat, das Image des kühlen Wissenschaftlers im All, das seit Neil Armstrong unser Bild vom Astronauten bestimmt, gehörig umzukrempeln. Armstrong war zwar der erste Mensch auf dem Mond und kommentierte dies mit dem legendären Satz vom kleinen Schritt für den Menschen und dem großen Sprung für die Menschheit, blieb darüber hinaus aber ganz der ungerührte Kampfpilot und Nasa-Beamte.Gerst hingegen macht den Flug ins All ein Stück weit zum Wohlfühl-Event, spricht über Käsespätzle im Weltraum, den Geruch des Alls und eben über die Musik, die ihn auf der Raumstation ISS 400 Kilometer über der Erde begleiten wird. Der Favorit „Rocket Man“ vonElton John ist übrigens nicht dabei. Die Gedenkmünze für das Gipfeltreffen am 12. Juni gab es schon. VonKarlDoemens, Washington Weltgeschichte abgesagt Es sollte ein historisches Ereignis werden. Die Gedenkmünzen mit den Konterfeis von „Präsident Donald J. Trump“ und dem „Obersten Führer Kim Jong Un“ waren schon geprägt. DerRegierungschef im Weißen Haus träumte vom Friedensnobelpreis. Doch am Donnerstagmorgen um 9.40 Uhr amerikanischer Zeit war der Traum von der Weltgeschichte vorbei. Nicht auf seinem Lieblingsmedium Twitter,sondernganz förmlich auf einem Briefbogen mit goldenem Siegel, adressiert an „Seine Exzellenz“ in Pjöngjang, bedankte sich Donald Trump zunächst für Zeit, Geduld und Mühe, die der nordkoreanische Machthaber für das geplante Gipfeltreffen am 12. Juni in Singapur aufgewandt habe. Doch leider, so Trump, halte er es zu diesem Zeitpunkt für unangemessen, die Begegnung stattfinden zu lassen. Aus den jüngsten Stellungnahmen des kommunistischen Regimes habe er nämlich „enormen Ärger und offene Feindschaft“ herausgelesen. Für Trumps Verhältnisse ist der Brief fast höflich verfasst. Ausdrücklich lobt er Kim für die Freilassung von drei amerikanischen Gefangenen und äußertseine Hoffnung, dass es irgendwann doch noch zu dem Treffen kommt: „Wenn Sie Ihre Meinung ändern, rufen Siemich bitte an oder schreiben mir.“ Doch ganz verkneifen kann sich der Polterer aus dem Weißen Haus einen Rückfall in frühereAttacken gegen den „kleinen Donald Trump trifft nun doch nicht Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un „Diese entgangene Chance ist ein wirklich trauriger Moment in der Geschichte.“ US-Präsident Donald Trump in seinem Absagebrief an Nordkoreas Diktator Kim Jong Un Raketenmann“ Kimnicht.„Sie reden über ihre nukleare Bewaffnung“, drohte er kaum verhohlen, „aber unsere ist so massiv und so mächtig, dass ich zu Gott bete,dass sie nie angewendet werden muss.“ Das klang schon wieder fast wie der apokalyptische Hinweis auf„Feuer und Zorn“, mit dem Trumps undiplomatische Nordkorea-Offensive im vergangenen Jahr begonnen hatte. In Washington herrschte zunächst Rätselraten über Trumps Motive. Immerhin hatte Nordkorea kurz zuvor sein einziges nukleares Testgelände zerstört. Der US-Sender CBS berichtete am Donnerstag, einer seiner Korrespondenten sei vor Ort Zeuge von mehreren Explosionen geworden. Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes wurde als Bekundung des guten Willens gewertet. Trumps Hinweis auf angebliche Feindseligkeiten scheint sich auf einen Kommentar des nordkoreanischen Vize-Außenministers Choe Son Hui zu US-Vizekanzler Mike Pence zu beziehen. Weil Pence in einem Interview jüngst gedroht hatte, Nordkorea könne enden wie Libyen, hatte der Nordkoreaner den Amerikaner als „politischen Dummkopf“ bezeichnet. Mehrerenicht gehaltene AFP [M] Zusagen hätten zur Absage des Gipfels geführt, verlautete es dann am Abend aus dem Weißen Haus. Doch dürften das nur äußere Anlässe für Trumps Rückzieher gewesen sein. Tatsächlich hatte er mit der Überhöhung des Gipfels nicht nur enorme Erwartungen aufgebaut. Er hatte auch mit der schnellen Anerkennung Kims als Verhandlungspartner auf Augenhöhe den Trumpf aus der Hand gegeben, mit Vorbedingungen ins Gespräch zu gehen. Gleichzeitig war zuletzt immer deutlicher geworden, dass sich Trump mit seiner Maximalforderung nach der kompletten Atomwaffenfreiheit der koreanischen Halbinsel kaum durchsetzen können werde. Anders als der Iran besitzt Nordkorea bereits nukleareWaffen, und das Regime in Pjöngjang betrachtet sie als seine politische Lebensversicherung. So könnte es sein, dass Trump lieber rechtzeitig die Reißleine zog, bevor er in Singapur als Verlierer dagestanden hätte. Erwerde nun die Politik des „maximalen Drucks“ auf Nordkorea fortsetzen, sagte er am Donnerstag. „Ich bin zutiefst besorgt“, kommentierte UN-Generalsekretär Antonio Guterres dieGipfel-Absage.Erforderte die Beteiligten auf, „ihren Dialogfortzusetzen“. Kommentar Seite 8 Wohnen und lernen unter einem Dach Politiker wollen Flächen in Berlin besser nutzen VonUlrich Paul NeueWohnungen sollen in Berlin künftig auch auf Schul- und Kita-Standorten entstehen. Dafür haben sich die Abgeordneten Andreas Otto (Grüne) und Daniel Buchholz (SPD) ausgesprochen.„Wir wollen grundsätzlich, dass Schulstandorte als Zentren im Quartier auch andere Nutzungen aufnehmen“, sagte Otto. Neben einer Nutzung als Bibliothek sei beispielsweise die Errichtung von Werkswohnungen für neu nach Berlin kommende Lehrer an Schul-Standorten denkbar. „Wir wollen alle Instrumentenutzen, um gemischte Nutzungen von Gebäuden auch rechtlich durchzusetzen“, sagte der SPD-Abgeordnete Buchholz. „In den oberen Etagen Wohnungen bauen, darunter Gewerbe, Einzelhandel oder auch Schulen und Kitas – mit solchen Mischnutzungen können sich gerade Bildungseinrichtungen in den Kiez öffnen.“ In einem jetzt ins Parlament eingebrachten Antrag fordern SPD,Linke und Grüneden Senat auf, eine effektive Ausnutzung von Baugrundstücken „zu befördern“. Um das zu erreichen, sollen beispielsweise die Eigentümer von eingeschossigen Supermärkten dazu gebracht werden, ihre Grundstücke höher zu bebauen. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) zeigt sich zufrieden. „Flächenoptimiertes Bauen ist gerade in Zeiten massiv steigender Baulandpreise vonbesonderer Bedeutung“, so BBU- Sprecher David Eberhart. Allerdings müsse konkretisiert werden, was die Koalition unter der geforderten „ökologisch und sozial angemessenen Nachverdichtung“ verstehe. Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51021

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