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Berliner Zeitung 25.09.2019

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Gefangen in Moskau: Edward Snowdens Autobiografie – Netzwerk Seite 26 Neue Serie: Sigmund Jähns Leben Seite 13 14°/19° Regnerisch Wetter Seite 2 Thomas-Cook-Pleite trifft Urlauber und Hoteliers Panorama Seite 28 www.berliner-zeitung.de System und Tanz: Filme aus dem Alltag der DDR Feuilleton Seite 22 Mittwoch, 25. September 2019 Nr.223 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € S-Bahn-Anschlag: Monika Herrmanns Zweifel Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Die Tränen der großen Schwester VonAnne Vorbringer Greta Thunbergist ein Name,den man rund um den Globus kennt. Auch Luisa Neubauer ist als deutsche „Fridays for Future“-Organisatorin vielen ein Begriff. Nun gesellt sich eine dritte junge Frau dazu, von der man künftig öfter hören wird: Raina Ivanova.Die 15-jährige Hamburgerin hat am Montag mit 15 weiteren Kindern und Jugendlichen in New York eine Beschwerde beim Kinderrechtsausschuss derVereinten Nationen eingereicht. Sie wirft darin Frankreich, Deutschland, der Raina Ivanova kämpft an der Seite vonGreta Thunberg. Klima-Aktivistin Türkei, Argentinien und Brasilien vor, nicht genug gegen den Klimawandel zu tun und damit gegen die UN-Kinderrechtskonvention zu verstoßen. „Ich möchte einfach, dass unsere Stimme gehörtwirdund dass die Erwachsenen darauf reagieren und bessere Entscheidungen treffen“, sagte Ivanova in New York. Bei der Präsentation der Beschwerde kämpfte sie mit den Tränen –der Klimawandel ist für sie ein emotionales Thema, verbunden mit vielen Ängsten. Sie kämpfe auch für ihre sechsjährige Schwester:„Sieist so viel jünger als ich, und wenn sich die Konsequenzen noch stark zuspitzen, wird sie viel stärker davon betroffen sein. Ich sehe, wie traurig es sie macht, wenn sie daran denkt.“ Ivanova schreibt auf der Website zur Aktion auch vonden Hitzerekorden, die Deutschland in diesem Sommer erlebt hat, von drückend heißen Klassenzimmern, in denen man sich nicht konzentrieren kann. Deshalb ist sie regelmäßig bei „Fridays for Future“ dabei, deswegen reist sie nach NewYork, um sich mit den anderen Aktivisten laut zu beschweren. Unter ihnen sind Jugendliche, die auf kleinen Inseln im Pazifik leben –deren Heimat ist vomsteigenden Meeresspiegel akut bedroht. Werwill ihnen ihreAngst verdenken? Feuilleton Seite 21 „Null und nichtig“ Der britische Premier Boris Johnson hat eine vernichtende Niederlage erlitten: Das Oberste Gericht nennt seine Zwangspause für das Parlament illegal. Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8 Hauptstadt der Clans OrganisierteKriminalitätist in Berlin starkverbreitet. Im Fokus der Ermittler:Arabischeund türkische Familien VonAndreas Kopietz Berlin ist ein Zentrum der Organisierten Kriminalität (OK). Vonden 535 Ermittlungsverfahren der Polizei, die in ganz Deutschland gegen Bandenkriminalität geführt wurden, betrafen 59 Berlin. VorBerlin liegen in der Statistik nur die sehr viel größeren Bundesländer Nordrhein-Westfalen (107 Verfahren) und Bayern (78 Verfahren). Das geht aus dem bundesweiten Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Organisierten Kriminalität im Jahr 2018 hervor, das Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch am Dienstag vorstellten. Arabische Clans haben inzwischen einen so großen Einfluss in der Organisierten Kriminalität, dass das BKA bei der Erstellung ihres alljährlichen Lagebildes ihnen erstmals ein eigenes Kapitel widmete. Soerfasste es 45 OK-Verfahren zu „ethnisch abgeschotteten Subkulturen“ nach Indikatoren wie etwa starker Ausrichtung auf die meist patriarchalische Familienstruktur. Die Clankriminalität geht vor allem von Mitgliedern arabischstämmiger Großfamilien aus, aber auch von Großfamilien aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei. Vonden 45 Verfahren mit 654 Tatverdächtigen betreffen 27 Verfahren arabische beziehungsweise türkischstämmige Clans, 17davon allein in Nordrhein-Westfalen. Gegen Mitglieder arabisch- und türkischstämmiger Großfamilien liefen in Berlin fünf große Ermittlungskomplexe.„Wirsehen, welche Rolle die arabischen und türkischen Clans spielen. Sie ist so groß wie die der Russisch-Eurasischen Kriminalität“, sagte Münch. Zur Russisch-Eurasischen Kriminalität, die vonPersonen dominiertwird, die in einem der postsowjetischen Staaten geboren wurden, führt das BKA 26 OK-Verfahren. Ermittlungen gegen arabisch-türkische Clans werden meist wegen Rauschgift- und Eigentumsdelikten geführt. Die Clans, die laut BKA Beziehungen ins europäische Ausland sowie in die Türkei und in den Libanon haben, erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen kriminellen Ertrag von 16Millionen Euro, wovon mehr als zwei Drittel durch den Staat eingezogen wurden. Dazu gehört die Beschlagnahme von Immobilien einer libanesischen Großfamilie im Sommer 2018 durch die Berliner Staatsanwaltschaft. Die Häuser sind rund 9,2 Millionen Euro wert. Um diesen Betrag soll sich der Clan durch Wohnungs-, Geschäfts- und Bankeinbrüche bereicherthaben. Seehofer lobte die gute Zusammenarbeit von Bund und Ländern: „Kriminelle Parallelgesellschaften darf es bei uns nicht geben.“ Der Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, sagte, essei viel zu viel Zeit ins Land gegangen, in der die Strukturen dieser kriminellen Familienzirkel sich tief verästeln und verfestigen konnten. Neben Clankriminalität und Russisch-Eurasischer Kriminalität gibt es weitereThemen, die die Ermittler beschäftigen: etwa Rocker oder italienische Mafia. Den Gesamtschaden durch die OK beziffert das BKA für 2018 auf 691 Millionen Euro. Hauptbetätigungsfeld bleiben Rauschgiftschmuggel, Eigentumskriminalität undWirtschaftskriminalität. DPA SPD will stärkeren Mieterschutz Vorschläge stoßen auf Widerstand in der CDU VonUlrich Paul Innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion gibt es Forderungen, den Mieterschutz in Deutschland weiter zu verbessern. Die Sozialdemokraten sprechen sich unter anderem für einen fünfjährigen Mietenstopp in Gebieten mit angespannten Wohnungsmärkten aus. Außerdem wollen sie die Umwandlung vonMiet- in Eigentumswohnungen sowie Eigenbedarfskündigungen beschränken. Im Neubau sollen zudem jedes Jahr mindestens 100 000 Sozialwohnungen entstehen. DieSPD will Vermietungsplattformen wie Airbnb steuerlich stärker zur Kasse bitten, mit einem zentralen Immobilienregister für mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt sorgen und mit dem Mietkauf gezielt Wohneigentum für einkommensschwache Haushalte fördern. Unter Mietenstopp verstehen die Sozialdemokraten allerdings nicht ein generelles Einfrieren der Wohnkosten. DieMieten sollen für fünf Jahre nur in Höhe der Inflation steigen dürfen. DemKoalitionspartner gehen die Pläne trotzdem zu weit. Die Vorschläge seien in der Sache „radikal überzogen“, sagt der Berliner CDU- Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak. „Sie würden das Mietrecht fundamental umgestalten und einseitig zu Lasten insbesondere privater Kleinvermieter verschieben.“ Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31039 www.fotomeyer.de

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