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Berliner Zeitung 25.10.2019

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Hans-Georg Maaßen über den rechten Terror in Deutschland – Politik Seite 4 Berliner Bühnen im November Beilage 12°/17° Viele Wolken Wetter Seite 2 Angst vor dem Deckel: Die Sicht der kleinen Vermieter Tagesthema Seite 2 www.berliner-zeitung.de Die Höhle der Löwen: Wie realistisch ist die TV-Show? Made in Berlin Seite 6 Freitag,25. Oktober 2019 Nr.248 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Im Höhenrausch: Das neue Album von Neil Young Feuilleton Seite 21 Aufbegehren gegen ihren Peiniger VonSebastian Moll Wenn Rose McGowan über die vergangenen zwei Jahre spricht, treibt es ihr die Tränen in die Augen. „Ich hatte permanent Angst“, sagt sie und fügt an: „Ich habe bis heute Schwierigkeiten, allein zu sein.“ Der Leidensweg der Schauspielerin begann, als sie beschloss, sich mit Harvey Weinstein anzulegen. McGowan war eine derjenigen Frauen, denen der Hollywood- Mogul Schweigegeld angeboten hatte, nachdem er sie Ende der 90er-Jahre sexuell belästigt hatte. Als 2017 nach einer Arti- Rose McGowan verklagt Harvey Weinstein. Hollywood kel-Serie der New York Times dann das ganze Ausmaß von Weinsteins Umtrieben öffentlich wurde, ging auch McGowan, als Hexe in der TV Serie„Charmed“ bekannt, an die Öffentlichkeit. McGowans Aussagen setzten eine Einschüchterungsmaschinerie in Gang. So heuerte eine Detektei, betrieben vonisraelischen Ex-Spionen, im Auftrag Weinsteins einen Journalisten an, der sich als Finanzberater ausgab,umZugang zum Manuskript von McGowans Memoiren zu erhalten. Es folgten Drohanrufe von Weinsteins Anwälten. McGowan ließ sich nicht beeindrucken. Sieveröffentlichte ihr Buch, dessen Anschuldigungen von Reporternder NewYorkTimes und des New Yorker gestützt wurden. Undnun verklagt sie in Los Angeles sowohl Weinstein als auch dessen Anwälte. Sie ist damit die dritte Klägerin gegen Weinstein, dessen Prozess in NewYork im Januar beginnen soll. Seit die Memoiren auf dem Markt sind und sie Anzeige erstattet hat, sagt McGowan, fühle sie sich freier. Weinsteins Anwälte versuchen derweil noch immer, McGowan als Profiteurin zu diskreditieren. In der Öffentlichkeit glaubt das kaum mehr jemand. Und auch, dass die Geschworenen sich davon beeindrucken ließen, wäreein Wunder. Kampf den Clans Handelt Berlin entschlossen genug gegen kriminelle Großfamilien? Selbst der Innensenator hat da Zweifel. Bei einer großen Konferenz in Berlin fordern Ermittler neue Fahndungsmethoden. Ein Graffito des erschossenen Clanmitglieds Nidal R. in Berlin-Tempelhof VonAndreas Kopietz Andreas Geisel, der Berliner Innensenator, hat zwei Botschaften, wenn es um die kriminellen Clans in der Hauptstadt geht. Dieerste klingt beruhigend: „Der Eindruck, wir würden erst jetzt mit der Bekämpfung der Clankriminalität beginnen, ist falsch“, sagt Geisel. Die zweite Botschaft ist nicht so schön und eher beunruhigend:„Die Behörden arbeiten daran schon seit Jahren.Woranesgefehlt hat, war der politische Rückhalt. Jeder, der fragt, ,Warum erst jetzt?‘, hat mit seiner Kritik recht. Es hat an Entschlossenheit gemangelt.“ So eröffnete Geisel am Donnerstag eine Konferenz mit hochrangigen Experten, die sich alle diese eine Frage stellen: Wiesoll man umgehen mit kriminellen Clans, wie ist man erfolgreich im Kampf gegen sie? Auf Einladung von Geisel trafen sich in der Hauptstadt unter anderem Vertreter der Landeskriminalämter Berlin, Bremen, Nordrhein- Westfalen und Niedersachsen. Mit dabei waren auch das Bundesinnenministerium, das Bundeskriminalamt und Europol. In diesem Jahr fuhr die Berliner Polizei laut Geisel 237 Einsätzegegen die Clankriminalität. Zeitgleich zur Clan-Konferenz in Berlin durchsuchten BKA-Ermittler am Donnerstag bei einer bundesweiten Razzia in Rheinland-Pfalz und Nordrhein- Westfalen Wohnungen eines libanesischen Clans. Ersoll illegal Ausländer eingeschleust haben. Vonden 237 Einsätzen in Berlin waren 55 sogenannte Verbundeinsätze–zusammen mit Behörden wie Finanz- und Bezirksämtern sowie Jobcentern. „Wir blättern dabei die gesamte Palette des Rechtsstaats auf und zeigen, dass der Staat gemeinsam seine Regeln durchsetzt“, sagte Geisel. Beider Konferenz waren auch Vertreter aller zwölf Bezirksämter mit dabei. „Weil wir das Netz in Berlin zuziehen wollen“, sagte Geisel. „Unser kriminelles Gegenüber soll nicht an unserer Entschlossenheit zweifeln.“ Polizeipräsidentin Barbara Slowik kam zu der Einschätzung, dass die Einsätze wirken. Die Clans fühlten sich massiv gestört. „Wir dürfen nur jetzt, und das ist eine große Gefahr, den Druck nicht verlieren.“ Nurmäßig klappte in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit zwischen den Behörden, dem BKA „Jeder, der fragt, ,Warum erst jetzt?‘, hat mit seiner Kritik recht. Es hat anEntschlossenheit gemangelt.“ Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag bei der Eröffnung der Berliner Konferenz zur Bekämpfung der Clankriminalität IMAGO STOCK &PEOPLE und den Bundesländern. Die Konferenzteilnehmer waren sich jedoch einig, dass es inzwischen besser funktioniere. „Es braucht verlässliche Daten“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag. „Nicht nur eine Kriminalstatistik, sondern auch ein länderübergreifendes Lagebild und Dunkelfeldforschung.“ Siesprach sich für automatisierte Namenssuche in den Grundbüchern aus, umfestzustellen, wem ein Grundstück gehöre, sowie für Obergrenzen bei Bargeldgeschäften. Denn nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden waschen Clan- Kriminelle ihre Erlöse oft unter anderem durch Grundstückskäufe. Da die Clankriminalität nicht an den Ländergrenzen stoppt, müsse auch Europol mit verlässlichen Daten versorgt werden, sagte die Bundestagsabgeordnete. Aber die Länder würden nicht ausreichend melden. Zudem sei Europol unterfinanziert. „Wir brauchen Lagebilder, die miteinander vergleichbar sind“, sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes. „Wir werden uns besser vernetzen, zum Beispiel bei der Abschöpfung illegaler Vermögenswerte.“ Es gelte, die Täter dortzutreffen, wo es wehtut.Das Bewusstsein für Kooperationen sei inzwischen da. Laut BKA galten 45 große Ermittlungsverfahren der Organisierten Kriminalität den Clans. Dabei ging es nicht nur um Mitglieder arabischstämmiger Familien, sondern auch umGroßfamilien aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei. Berlin Seite9 Amri lichtete Merkels Wohnhaus ab Grünekritisieren verspätete Information durch Behörden Der Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, hat offenbar das Haus in Mitte ausgekundschaftet, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wohnt. Er posierte im Oktober vor dem Gebäude. Das Selfie veröffentlichten jetzt das ARD-Magazin „Kontraste“ sowie der RBB.Die Polizei hatte das Foto auf dem Handy des Attentäters entdeckt. Die Bilder stammen vom23. Oktober 2016. Knapp siebenWochen später,am19. Dezember, raste der 24-jährige Tunesier mit einem Lkw auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Zwölf Menschen wurden getötet. Bei der Auswertung der Bilder vermerkten die Ermittler des Bundeskriminalamtes nicht, dass es sich bei dem abgelichteten Haus um die Wohnanschrift der Bundeskanzlerin handelt. Dassei sehr irritierend, sagten Mitglieder des Amri-Untersuchungsausschusses des Bundestages. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Irene Mihalic, kritisierte die verspäteten Informationen. Siesagte der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland): „Wir finden es nicht nachvollziehbar,dass den Hinweisen nicht nachgegangen worden ist. DasSelfie zum Beispiel findet sich nicht in den Akten. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Ermittlungen. Denn es ist auf jeden Fall relevant.“ Die Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu nicht. (BLZ,mdc.) Berlin Seite12 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51043 Über 80 Shops &Gastronomien 27.10. SONNTAG 13–18 Uhr geöffnet Ja, wir werden schon zwanzig! Das wird ordentlich gefeiert – volles Programm bis zum 9.11. rathauscenter-pankow.de

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