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Berliner Zeitung 26.02.2018

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Berliner Zeitung

Das Nikolaiviertel: Als DDR-Kunstwerk in die Denkmalliste – Seite 10 . . Montag, 26. Februar 2018 Nr.48HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... U S A Die Waffenträgerin Starkes Finale 1. FUSSBALL-BUNDESLIGA Bayer Leverkusen –Schalke04 0:2 RB Leipzig –1.FCKöln 1:2 SportSeiten 15 und 16 VON THOMAS SPANG Dana Loesch, Sprecherin der US-Waffenlobby NRA Ihre Grundhaltung demonstriert sie in einem Foto; gedruckt vorvier Jahren auf das Cover ihres Buches. Eine schlanke, junge Frau in einem roten Kleid, hohe schwarze Schuhe, dunkle lange Haare. In der Hand hält sie ein AR-15-Schnellfeuer-Gewehr.Daneben der programmatische Titel: „Hands off my Gun“. Finger weg von meiner Waffe. Damit ist Dana Loesch natürlich aufgefallen, auch der mächtigen US-WaffenlobbyNational Rifle Association (NRA). Voretwas mehr als einem Jahr wurde die heute 39-Jährige Sprecherin des Verbandes. Seither ist sie das Gesicht der Waffenindustrie und der 5,5 Millionen NRA- Mitglieder. Loesch ist zweifache Mutter, stammt aus einem kleinem Nest nahe St.Louis im Südstaat Missouri. Die „Lady Liberty“ der Waffenlobby verkörpert die Qualitäten, die ihre Anhänger in Ekstase versetzt, während allen anderen der Mund offen stehen bleibt. Zweifel an den liberalen Waffengesetzen kennt sie nicht und lässt sie auch nicht zu. Auch nicht nach Schulmassakernwie zuletzt in Florida mit 17 Toten. Beieiner Bürgerrunde auf CNN, die über die Konsequenzen aus der Massenschießerei inder Highschool von Parkland diskutierte, gibt sie die fürsorgliche Mutter. „Ich habe Kinder, und ich kämpfe nicht nur für meine Kinder“, sagt Loesch in Anwesenheit einiger Überlebender des Massakers. Und dann kommt’s:Sie ist für eine breite Aufrüstung von Schulen und Privatpersonen. „Ich kämpfe für euch. Weil ich nicht möchte, dass irgendjemand wieder in eine solche Position gerät.“ Unerschrocken und eiskalt versucht Loesch, die Gegner der NRA zu entwaffnen. DiePolemik dazu lernte sie bei den rechten Agitatoren des Internetportals Breitbart. Sie zählt sich zur Teeparty, dem extrem rechten Rand der Republikaner. Plumpe Tabu-Brüche und mit Verve vorgetragener Antifeminismus gehören zu ihrer Masche. Manchmal klingt es bizarr. Wie zum Beispiel Loeschs Aussage,Waffenkontrollen seien frauenfeindlich. Vordem Treffen erzkonservativer CPAC- Aktivisten erweckte Loesch vergangene Woche den Eindruck, Schulmassaker würden vonden Medien herbeigesehnt, um „echten Amerikanern“ die Waffen wegzunehmen. „Weinende weiße Mütter sind Quotengold“, provoziert die Frau, die auf ihrem Unterarm ein Bibelzitat tätowiert hat. „Ziehet an den Harnisch Gottes, dass ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels.“ Bislang konnte die NRA alle Versuche, das Waffenrecht zu verschärfen, abblocken. Doch seit dem Wochenende haben der Verband und seine Sprecherin ein echtes Problem. Eine ganze Reihe von namhaften US- Firmen haben ihre bisherige Kooperation mit der NRA aufgekündigt. So streichen unter anderem die großen Fluggesellschaften United und Delta Airlines, die Autoverleiher Hertz und Enterprise, der Versicherungsriese MetLife, die Internet-Sicherheitsfirma Symantec und mehrere Hotelketten bisherige Vergünstigungen für NRA-Mitglieder. Eine Bank will eine NRA- Kreditkarte nicht weiter herausgeben. DieNRA kritisiertdie Firmen als feige. Spreewild 25 ................................................................................................................. Lotto 11 ................................................................................................................. Rätsel, Sudoku 12, 27 ................................................................................................................. Klein- und Traueranzeigen 12 ................................................................................................................. ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH,10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 11009 Die Olympischen Spiele in Pyeongchang sind Geschichte. Die erfolgreichste deutsche Mannschaft kehrt heim. Olympia Seiten 17 bis 20 Jeder zweite Berliner ist für die GroKo Aber eine Verbesserung der Lebensverhältnisse erwartet nur eine Minderheit, ergibt die exklusive Umfrage für die Berliner Zeitung. Merkel holt ihren Kritiker Jens Spahn ins Kabinett V ON JAN THOMSEN UND DANIELA VATES Die Regierungsbildung in Deutschland kommt voran: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Sonntag den Partei-Spitzengremien die Namen der künftigen CDU-Minister bekanntgeben. Einer ihrer schärfsten konservativen Kritiker, Jens Spahn, wirdnun ins Kabinett eingebunden. Der 37-Jährige aus Nordrhein-Westfalen wird Gesundheitsminister werden, hieß es. Zugleich bereitet sich die CDU auf ihren Bundesparteitag an diesem Montag in Berlin vor– auf dem zwar massive Kritik von Delegierten am Ergebnis der Koalitionsverhandlungen erwartet wird, aber am Ende auch die Zustimmung zur Fortsetzung der großen Koalition. Die Lage beim laufenden Mitgliederentscheid der SPD ist dagegen weniger eindeutig. Das wird auch in Umfragen aus der Hauptstadt deutlich: So ist zwar exakt die Hälfte der Berliner dafür, dass die SPD-Mitglieder für eine neue „GroKo“ stimmen sollten. Allerdings sind auch 43 Prozent der befragten Hauptstädter dagegen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Befragt wurden – vom 12. bis zum 22. Februar –1006 repräsentativ ausgewählte Berlinerinnen und Berliner am Telefon. Die statistische Fehlertoleranz beträgt bis zu drei Prozentpunkte plus oder minus.Bei den Berliner Wählern der beiden GroKo-Parteien, nicht zu verwechseln mit ihren Mitgliedern, ist die Meinung zum Bündnis dafür überdurchschnittlich positiv. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der SPD-Anhänger sagen, die sozialdemokratische Basis solle dem Koalitionsvertrag zustimmen. Unter den Berliner Anhängern der CDU sind es sogar vier von fünf (82 Prozent), die sich ein Ja beim Basisvotum der rund 460 000 SPD-Mitglieder wünschen. Lieber ein Nein hätten dagegen mehrheitlich die Anhänger von AfD, FDP und der Linken. Dass die Sozialdemokraten für eine erneute große Koalition votieren werden, erwarten aber, unabhängig von der eigenen Überzeugung, insgesamt mehr als zwei Drittel der befragten Berliner.Das Ergebnis will die SPD am 4. März bekanntgeben. Dass eine neue große Koalition viel Gutes für die Menschen bewirkt, glauben allerdings nur die wenigsten. In Deutschland werde sich die Lebenslage vieler durch die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag gar nicht verändern, sagt mit 61 Prozent eine klare Mehrheit der Berliner. Bundesweit glauben dies sogar fast drei Viertel der Befragten. Eine Verschlechterung befürchtet jeder fünfte Hauptstädter (21 Prozent) und jeder siebte Bundesbürger (15 Prozent). An eine bessere Zukunft mit CDU und SPD glauben dagegen gerade Verbesserung der Lebenslage vielerMenscheninDeutschland durch die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag? ja nein, wirdsich verschlechtern nein, wird sich nicht verändern Deutschland insgesamt Berlin insgesamt Ost-Teil West-Teil 9 % 15 % 16 % 21 % 14 % 25 % 18 % 18 % 73 % 61 % 61 % 61 % SPD-Mitgliederentscheid Die SPD-Mitglieder sollten für eine erneute große Koalition stimmen ja nein Berlin insgesamt 50 % 43 % Anhänger der: SPD 32 % 64 % Linke Grünen CDU FDP 15 % 44 % 52 % 33 % 63 % 39 % 55 % 82 % AfD 9% 85 % an 100 Prozent fehlende =„weiß nicht“ BLZ/HECHER; QUELLE: FORSA einmal 16 Prozent der Berliner und nur neun Prozent der Deutschen insgesamt: So wird Politikverdrossenheit messbar. Beim Streit, welche Partei sich in den Koalitionsverhandlungen besser durchgesetzt hat, sehen die Berliner die SPD (mit 41 Prozent) vorn, selbst wenn man die Wertefür beide Unionsparteien CDU (23) und CSU (12) zusammenzählt. Die Anhänger von SPD und CDU in Berlin beurteilen dies noch klarer: Unter sozialdemokratischen Wählern sehen 52 Prozent die SPD als „Siegerin“, unter christdemokratischen 49. Nur jeweils gut ein Drittel findet umgekehrt, dass sich eher die Unionsparteien durchgesetzt hätten. Die Berliner zeigen sich im Übrigen als verlässliche Merkel- Freunde. Einen konservativeren Kurs der Union etwa lehnen zwei Drittel der Hauptstädter ab – unter CDU-Anhängern sogar mehr als 80 Prozent. Dass Merkel die vierjährige Wahlperiode voll ausschöpfen solle, findet immerhin eine Mehrheit von 52 Prozent; 41 Prozent sind für eine vorzeitige Amtsübergabe. Im Vergleich der Spitzenkräfte von Union und SPD, Angela Merkel und Andrea Nahles, schneidet die Kanzlerin gut ab: Eine fiktive Direktwahl würde Merkel mit 42 zu 21 Prozent gewinnen. Sogar eine knappe Mehrheit der SPD-Wähler (36 Prozent) wäre für Merkel statt Nahles (34 Prozent). Tagesthema Seite 2, Berlin Seite 9 GETTY IMAGES AFP Festhalten: Die Regisseurin Adina Pintilie mit Goldenem Bär Berlinale-Sieger ist „Touch me not“ Derrumänische Experimentalfilm „Touch Me Not“ hat bei der 68. Berlinale überraschend den Goldenen Bären gewonnen. DieRegisseurin Adina Pintilie erforscht in ihrem halbdokumentarischen Film Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität. Diedeutschen Favoriten gingen leer aus. Seite 21 NICHT VERPASSEN ❖ DIESEL-FAHRVERBOT Nunalso doch. Nach jahrelangem Streit ist die Bundesregierung zu neuen Fahrbeschränkungen für Dieselautos bereit, um die Luft in deutschen Städten sauberer zu machen. Kurz vor einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts an diesem Dienstag wurden Vorbereitungen des Verkehrsministeriums für mögliche „streckenbezogeneVerkehrsverbote oder -beschränkungen“ bekannt. Siezielen allerdings nur auf besonders belastete Straßen und nicht auf größereInnenstadtbereiche. Politik Seite 4 NEUE INVESTMENT-BESTEUERUNG Seit Jahresbeginn gilt eine neue Steuer auf Investmentfonds.Doch das sorgt derzeit für Chaos bei Anlegern und Banken. Viele Abrechnungen sind falsch. WasVerbraucher nun beachten sollten und wie sie am besten vorgehen. Wirtschaft Seite 6 DAIMLERAKTIONÄR Li Shufu ist der neue Großaktionär beim deutschen Autobauer Daimler Benz. 9,7 Prozent der Anteile hat seine Firma Geely übernommen. Am Wochenende hat der Milliardär den Stuttgarternein langes Engagement zugesagt. Er freue sich, „Daimler auf dem Wegzueinem der weltweit führenden Anbieter vonElektromobilität zu begleiten“, erklärte der Geely-Chef in einer Mitteilung. WasLibislang angefasst hat, wurde zu einem Erfolg. Wirtschaft Seite 7 WETTER BERLIN: Starkbewölkt. Örtliche Schneefälle.Höchstwerte bei minus 1, nachts um minus 7Grad. Seite 2

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